São Tomé und Príncipe. Mit großen Augen blickte uns fast jeder an, dem wir unser Reiseziel nannten. Mal mit Augen, die fragten: „Wo habe ich das jetzt einzuordnen?“. Und mal mit Augen, die uns „Ich tu’ jetzt so, als würde ich’s kennen“ vorgaukelten. Andere nahmen gar kein Blatt vor den Mund:
„Sau wat?“
São Tomé und Príncipe. Selbstverständlich muss man den kleinen Inselstaat vor der Westküste Afrikas nicht kennen. Schlagzeilen macht er nicht. Der Archipel besteht aus zwei Inseln, der Insel São Tomé und der Insel Príncipe, hinzu kommen ein paar Felsen drum herum. Die Hauptstadt heißt wie die größere der beiden Inseln: São Tomé. Und liegt auf São Tomé. Entendido? Die Locals nennen ihre Hauptstadt schlicht „Cidade“ oder „Capital“. Ihre Einwohnerzahl schätzt man auf rund 70.000.
Durch São-Tomé-Stadt kommt jeder Reisende, schließlich führt die Straße zum Flughafen hindurch. Bleiben aber tun die wenigsten. Die meisten Touristen fahren gleich weiter an einen der Traumstrände im Osten oder Süden der Insel. Oder verbringen die erste oder letzte Nacht in einem der noblen Hotels an den Rändern von São-Tomé-Stadt. Zwei, drei Tage kann man dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes aber durchaus gönnen und ein wenig Lokalkolorit schnuppern. Zudem ist São-Tomé-Stadt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Individualreisende ohne Mietwagen kommen von hier leichter in die verschiedensten Ecken der Insel als von anderswo – Transport ist ein ewiges Thema.

Als alleinigen Standort würden wir São-Tomé-Stadt jedoch nicht empfehlen. Die vermeintlich kurzen Wege auf der kleinen Insel (48 Kilometer lang, 32 Kilometer breit) entpuppen sich angesichts der schlechten Straßen als ewige Kurverei, insbesondere im Süden. Wer die schönsten Strände und Sehenswürdigkeiten São Tomés entdecken will, muss die Hauptstadt verlassen.
Tipps für São-Tomé-Stadt: Inhaltsverzeichnis
Ankommen, Rumkommen und Fortkommen aus São-Tomé-Stadt
Nach Flügen könnt Ihr auf → Kayak* schauen. Wir flogen über Lissabon und Luanda (Angola) an.
Der kleine Flughafen von São Tomé liegt nur fünf Kilometer nördlich des Zentrums und damit keine 15 Taximinuten entfernt. Ein Taxi ins Zentrum kostet rund zehn Euro (250 Dobras), und zwar pro Fahrzeug und nicht pro Person!
Öffentliche Verkehrsmittel direkt vom Flughafen gibt es nicht. Wer sehr aufs Geld schauen muss, läuft die paar Meter bis zur Hauptstraße und springt dort auf ein Colectivo auf, wie die gelben Sammeltaxis im Minibusformat genannt werden. Die sind jedoch in der Regel knallvoll.
São-Tomé-Stadt ist eine handliche Stadt, die sich prima zu Fuß erkunden lässt. Wir empfehlen feste Schuhe statt Flipflops – die Straßen und Gehwege sind voller Löcher, teils von einer Größe, dass ein ganzes Rudel Hunde hineinpassen würde. Apropos Hunde: Die hiesigen, meist klapperdürren Straßenhunde sind freundlich, aber teils ziemlich anhänglich.

Für längere Distanzen innerhalb der Stadt kann man ein Taxi nehmen oder auf ein Moto-Taxi aufsteigen.
Wer raus aus der Stadt will und keinen Mietwagen hat, ist auf ein Colectivo angewiesen. Die Sammeltaxis fahren je nach Destination von unterschiedlichen Stellen zwischen dem Marktbereich (Praça de Taxi) und dem riesigen Centro Comercial Continental ab. Einfach nachfragen – uns wurde immer geholfen in diesem freundlichen Land.

Kolonialstädtchen mit Lottercharme
São-Tomé-Stadt ist ein liebenswert-zerzaustes Kolonialstädtchen, leicht chaotisch, aber nicht überfordernd und eigentlich recht sauber. Es ist mehr shabby als chic, trägt die ältesten Klamotten, wirkt aber dank der schönen Architektur, die die portugiesischen Kolonialherren hinterlassen haben, durchaus charmant.
Es bröselt und blättert an allen Ecken und Enden. Einst pompöse historische Villen und Stadthäuser im Stil der portugiesischen Moderne brechen in sich zusammen. Azulejos fallen von den Wänden, Dächer sind eingestürzt. Wer Lost Places liebt, wird in und auf São Tomé fündig – nur dass der eine oder andere vermeintliche Lost Place hier nicht verlassen ist, sondern teils noch immer bewohnt wird.


Die Uferpromenade? Quasi nicht mehr vorhanden. Die Bänke der Flaneure von einst sind auseinandergebrochen, Geländer abgefallen. An der Uferpromenade steht auch die modernistische Kapelle São Pedro mit dem schönsten Meerblick, aber marode wie so vieles hier. Nahebei springen Kinder nackt ins Meer. Ansonsten verhält sich São-Tomé-Stadt, obwohl an einer weiten Bucht gelegen, eher distanziert zum Atlantik. Man orientiert sich landeinwärts.
Schokolade aus São Tomé: Nahe der Kapelle São Pedro residieren die beiden Schokoladenmacher der Insel: → Claudio Corallo und → Diogo Váz. Der Italiener Claudio Corallo, der „Schokoladen-Pionier“ São Tomés, hat gar den Ruf, die beste Schokolade der Welt zu produzieren. Uns ist die Schokolade (bis zu 80 % Kakao!) allerdings zu bitter. Leider ist es weder einfach, die Läden geöffnet vorzufinden noch die Schokolade überhaupt irgendwo auf den Inseln zu bekommen – kein Local ist in der Lage oder willig, acht Euro für 100 Gramm Schokolade auszugeben. Am besten kauft man die Schokolade am Flughafen vorm Abflug. Dann ist die Schokolade auch nicht so lange den hohen Temperaturen ausgesetzt.

Draußen in der Bucht dümpeln verrostete Frachtschiffe, teils mehr Wrack als Schiff. Lost Ships.

Der Zerfall der schönen alten Bausubstanz macht uns fassungslos. Seitdem die Portugiesen 1975 das Land verlassen haben, scheint vielerorts Stillstand zu herrschen. Instand gehalten wurden und werden nur ein paar Repräsentativbauten, Krankenhäuser, Hotels, Schulen und infrastrukturell wichtige Einrichtungen – oft stecken Gelder ausländischer Staaten und NGOs dahinter.

Unter der Woche ist São-Tomé-Stadt überaus geschäftig. Dann staut sich zuweilen der Verkehr, dann blubbern die Mopeds um die Wette. Auf diesen wird alles Mögliche transportiert: Besen im Zehnerpack, Autoersatzteile, fünfköpfige Familien.
Wer nicht motorisiert ist, trägt sein Zeugs auf dem Kopf, Frauen zumindest: mal nur eine Wasserflasche, mal einen Eimer voller Makrelen, mal einen Kasten Bier. Bananen, Ananas oder Second-Hand-Klamotten liegen ausgebreitet auf Tüchern. Aus Verschlägen werden Getränke oder Omelette-Brötchen verkauft. Überall Musik. Hier ein paar Eindrücke aus dem Marktviertel, aufgenommen von unserer Freundin Peggy:
Am Wochenende und an Feiertagen ist tote Hose im Städtchen. Kommt dann noch das typische Februarwetter São Tomés hinzu mit seinem oft verhangenen Himmel, verstärkt das die morbid-mystische Atmosphäre. Schaut unsere Fotos an, dann wisst Ihr, was wir meinen. Was auf den Fotos nicht zu sehen ist: die schwülheiße Luft, die einen klebrigen Film auf die Haut legt. 32°C bei 80 % Luftfeuchtigkeit (gefühlt über 40°C!). Da schwitzt man, bis es quietscht.


Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von São-Tomé-Stadt
Noch im Nachhinein rinnen uns Schweißtropfen die Schläfen hinab, wenn wir an unsere Spaziergänge durch São-Tomé-Stadt denken. Die Luft so zäh wie schwarzes Öl, kaum ein Windzug, der einem kurz zufächelt.
Hauptattraktion von São-Tomé-Stadt ist das Castelo de São Sebastião, in dem sich das Museu Nacional befindet. Das gelb gestrichene und zur Abwechslung mal gut in Schuss gehaltene Fort aus dem 16. Jahrhundert bewacht die Nordostspitze des Städtchens. Auch die Statuen der portugiesischen Seefahrer vor dem Fort haben die Zeiten erstaunlich gut überdauert. Das Museum zeigt Sakralkunst und Möbel und informiert über die Plantagen der Insel. Wir finden es verschlossen vor, vielleicht habt Ihr mehr Glück. Nebenan die Überbleibsel eines zerschellten Schiffs – ein beliebter Fotospot.

Südlich des Forts können Lost-Place-Fans Ruinen des ehemaligen Clube Náutico besichtigen, einer noblen Badeanstalt aus der Kolonialzeit.

Nächster Stop: der rosafarbene Präsidentenpalast. Bewacht wird er von von Guards, die Euch verscheuchen, wenn Ihr dem Gebäude zu nahe kommt.

Gleich nebenan steht die hiesige Kathedrale. Sie ist der Nossa Senhora da Graça geweiht. Eine Kirche gibt es an dieser Stelle bereits seit dem 16. Jahrhundert. Das aktuelle Exemplar stammt aus dem Jahr 1958 und ist kunsthistorisch wenig spannend. Trotzdem sollte man hineingehen, falls die Tür offensteht – die Bordüre aus blau-weißen Azulejos im Inneren bildet einen hübschen Kontrast zu den dunklen Holzbänken.
Strände in São-Tomé-Stadt
Die traumhaften Kokospalmenstrände der Insel São Tomé findet man im Süden und Osten, nicht in der Hauptstadt selbst. Von den Stränden rund ums Zentrum dürfte es keiner auf eine Postkarte schaffen.
Die Locals treffen sich gerne an der Praia Museu zwischen Castelo São Sebastião und Containerhafen. Dahinter gibt es eine kleine Bar mit lauter Musik, in der das Bier in Strömen fließt.
An den Wochenenden ist zudem an der Praia Lagarto zwischen Stadt und Flughafen die Hölle los. Dann sieht man hier Familien um ihre Kühlboxen sitzen. Teenies kreischen. Kokosnüsse werden im Akkord geköpft. Die Praia Lagarto ist ein von Palmen gesäumter schmaler Strand, dem der Trubel am Wochenende nicht bekommt. Die Hinterlassenschaft: zu viele Scherben!

Touristische Infrastruktur: Wo wohnen, essen und trinken in São-Tomé-Stadt?
Es gibt → zahlreiche Unterkünfte in São-Tomé-Stadt*, aber gefühlt nur wenige ansprechende, vor allem in der mittleren und unteren Preisklasse. Und je später Ihr bucht, desto kleiner wird die Auswahl. Wer zentral wohnt, hat den Vorteil, schnell an den Taxi- und Colectivo-Ständen zu sein. Zudem hat man es nicht weit zu den Restaurants und Bars. Leider haben wir selbst keine Tipps fürs Zentrum. Unsere beiden Unterkünfte, das Hotel Central und die Casa das Ferias, würden wir kein zweites Mal buchen.

Ganz wichtig: Checkt bei der Buchung, ob das Hotel über einen eigenen Generator verfügt. Sonst kann es sein, dass Ihr nicht nur im Dunkeln sitzt, sondern auch kein fließendes Wasser mehr habt. Stromausfälle gibt es auf São Tomé fast täglich, sie dauern meist Stunden, manchmal auch eine ganze Nacht lang.
Solltet Ihr spät abends am Airport ankommen oder sehr früh fliegen, können wir Euch die → Residencial Aeroporto* empfehlen, ein blitzblankes Haus, das gutes Frühstück serviert. Sowohl Restaurants als auch der Flughafen befinden sich in Laufnähe.

Apropos Restaurants: Viele Restaurants gibt es nicht in São-Tomé-Stadt, zumindest nicht viele, die auch geöffnet haben, wenn man Hunger hat. Kaum jemand kann es sich in diesem Land leisten, auswärts essen zu gehen. In den Lokalen trifft man fast nur auf Touristen oder Angestellte von NGOs. Unser Lieblingsrestaurant in São-Tomé-Stadt war das Papa-Figo an der Avenida das Nações Unidas: nettes Ambiente, freundlicher Service, gutes Essen zwischen Grillfisch, Currys und Reisgerichten.
Ein ruhiges Plätzchen im Gewusel um den Markt ist die Padaria Miguel Bernardo, ein einfaches Bäckereicafé und ganztags eine Option – hier kann man frühstücken, einen Happen zu Mittag essen oder abends noch auf ein Getränk vorbeischauen. Die Bedienungen sind allerdings echte Schlaftabletten.
Witzig ist die namenlose Open-Air-Bar gleich gegenüber der Bäckerei bzw. neben der Tankstelle. Dort wird den ganzen Tag über Bier und Wein aus einem Verschlag heraus gereicht. Rosema heißt das helle Lagerbier der hiesigen Brauerei, das in etikettlosen braunen Halbliterflaschen daherkommt. Die Insulaner:innen lieben es. Jede Flasche schmeckt ein wenig anders, mal mehr hopfig, mal mehr malzig, mal etwas süßer, mal etwas herber. Und merke: Je länger der Stromausfall, desto lauer ist das Bier!
Wie sicher ist São-Tomé-Stadt?
Wir waren schon in vielen afrikanischen Städten unterwegs und können nur sagen: In São-Tomé-Stadt fühlen wir uns wie überhaupt im ganzen Land keine Minute unsicher. Am Tag genauso wie bei Dunkelheit! Die Menschen sind freundlich, hilfsbereit und alles andere als nervig. Abgerissene Gestalten sind die absolute Ausnahme.

Die Sache mit dem Geld
Immer wieder liest man im Netz, dass es auf São Tomé und Príncipe keine Geldautomaten gibt, an denen man mit ausländischen Karten Geld bekommt. Diese Infos sind veraltet! Allerdings braucht man eine Visa-Kreditkarte. Mastercard wird an Geldautomaten gar nicht und in Hotels nur vereinzelt akzeptiert. Visa-Karten akzeptieren die Automaten der Banco Internacional de São Tomé e Príncipe (BISTP) – aber auch nur diese! Es gibt mehrere BISTP-Filialen in São-Tomé-Stadt, dazu welche in Trindade, Neves und auf Príncipe. Leider bekommt man pro Abhebung nicht mehr als 1500 Dobra (60 Euro). Da man vielerorts nur bar zahlen kann, wird der Gang zum Automaten Alltagsroutine.
Euros kann man in Banken und auf der Straße wechseln – an vielen Ecken der Stadt ruft es „Cambio, Cambio“. Die Kurse der Straßenwechsler sind allerdings sehr schlecht. Hotelzimmer kann man für gewöhnlich auch in Euro bezahlen.
Reiseführer São Tomé und Príncipe
The one and only Reiseführer für São Tomé und Príncipe ist der englischsprachige von → Kathleen Becker aus dem Verlag Bradt Guides*. Er ist zwar schon etwas älter (2021), aber ganz hervorragend in seiner Detailfülle – vor allem für Individualreisende. Eine Neuauflage wäre wünschenswert.
Von Kathleen Becker stammt auch ein deutschsprachiger Reiseführer zu São Tomé und Príncipe, den die Dr. Stephan Knabe Stiftung herausgegeben hat (2024).
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