StartKapverdenWandern, Wein und Feuer unterm Arsch: Tipps für die Vulkaninsel Fogo

Wandern, Wein und Feuer unterm Arsch: Tipps für die Vulkaninsel Fogo

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Es gibt Orte, die in der Unwirklichkeitsskala ganz oben stehen. Das Innere der kapverdischen Insel Fogo ist so einer. Dort erstreckt sich ein lakritzschwarzer Riesenkrater, aus dem die Spitze eines Vulkans ragt. 2829 Meter ist der Berg mit dem glühenden Herz hoch. Die Lavaszenerie Fogos gehört zu den surrealsten Landschaften dieses Planeten – als wäre der Mond auf die Erde gefallen. Doch Fogo hat auch ganz andere Gesichter: einen bunten Hauptort, einen tropengrünen Nordosten und einen versteppten Süden.

Das Schöne und das Schreckliche liegen auf Fogo dicht beieinander. Die Ilha do Fogo ist eine der aktivsten Vulkaninseln der Erde. 2014 brach der Pico do Fogo zuletzt aus und zerstörte zwei Dörfer. Der Ausbruch kam nicht überraschend, alle Anwohner konnten in Sicherheit gebracht werden. Doch auch wenn es keine Toten gab, so wurden viele Menschen ihrer Existenz beraubt.

Zerstörung und Wiederaufbau sind Alltag auf der Feuerinsel: Mit stoischer Gelassenheit trotzt man den Ausbrüchen seit Hunderten von Jahren. Der Vulkan nimmt und gibt. In der fruchtbaren Vulkanasche gedeihen Kaffee, Wein und viele andere Früchte. Und der Vulkantourismus schafft lukrative Jobs. Es kommen Vulkansammler und Wandertouristen. Zum Baden aber taugt die Insel trotz einiger Strände nicht!

 

Mann läuft im Abendlicht durch karge Landschaft mit Weinfeldern
Die kapverdische Insel Fogo ist ein Tipp für Touristen mit Sinn fürs Karge

 

 

Reisetipps Fogo: Das Wichtigste vorab

  • Größe: Die kuhfladenförmige Ilha do Fogo ist die viertgrößte Insel der Kapverden. Ihr Durchmesser beläuft sich auf ca. 25 km. Etwa 38.000 Menschen leben auf der Insel.
  • Anreise mit dem Flugzeug: Es gibt keine Direktflüge aus dem europäischen Raum, weswegen der Tourismus überschaubar ist. 2026 gab es Direktflüge nur ab Praia (Santiago) 2-mal täglich. Weitere Infos auf https://www.caboverdeairlines.com.
  • Anreise mit der Fähre: Wer diese Variante wählt, sollte kein festes Reisekorsett (häufige Verspätungen und Ausfälle) und ein Mittelchen gegen Seekrankheit im Gepäck haben. Unsere vierstündige Überfahrt von Fogo nach Praia war ein Alptraum, jeder fünfte Passagier hing über der Tüte. Von Santiago (Praia) setzt die Fähre etwa 3-mal pro Woche über. Alle weiteren Infos auf https://www.cvinterilhas.cv. Achtung: Tickets für die Weiterfahrt ab Fogo muss man vorab online buchen oder in São Filipe kaufen (die aktuelle Verkaufsstelle könnt Ihr an der Rezeption Eures Hotels erfragen). Am Hafen (3 km nördlich von São Filipe) werden keine Tickets verkauft!
  • Unterkommen: Unterkünfte (kleinere Hotels und Pensionen) gibt es vornehmlich im Hauptort São Filipe und im Krater Chã das Caldeiras.
  • Rumkommen: Wer ein Auto mietet, ist selbstverständlich flexibler und kann auf der Ringstraße einmal um die Insel cruisen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gestaltet sich das schwierig. Aluguers (Sammeltaxis, teils als Pickups unterwegs) fahren unregelmäßig und selten, man muss viel Geduld mitbringen.
  • Wie lange? Wir würden für Fogo mit Wandern und Entspannen mindestens 5 Tage einplanen. Es soll allerdings auch Touristen geben, die nur ein oder zwei Tage bleiben.

 

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São Filipe: Kolonialstädtchen über der Steilküste

Am Hang über der Steilküste erstreckt sich São Filipe, eine ruhige Kleinstadt. Sie zählt zu den schönsten der Kapverden und ist für uns die attraktivste, die wir auf unserer sechswöchigen Kapverdenreise sehen. Portugal meets Brasilien.

São Filipe ist in allen möglichen Farben angemalt, die Häuser in den abfallenden Pflastergassen in Ballerinarosa, Matchagrün oder Sonnengelb, die Kirche in einem strahlenden Hellblau. Ihre beiden Kirchturmspitzen geben mit dem Meer im Hintergrund ein zauberhaftes Bild ab.

 

Neoklassizistisches Gebäude in Pastellfarbe mit Säulen
Buntes Kolonialstädtchen: Fogos Hauptort São Filipe

 

Vor der Kirche, der Igreja de Nossa Senhora da Conçeição, werden zwei Hunde auf uns aufmerksam und begleiten uns fortan auf unserem Stadtrundgang. Sie sind die ersten von etlichen vierbeinigen Followern, die wir in den nächsten Tagen haben.

 

Zwei Hunde vor einer hellblauen Kirche
Neue Follower

 

Die Hunde sind relaxt, das haben sie sich von den Einwohnern São Filipes abgeschaut. Nirgendwo Geschrei, nirgendwo Hektik. Einzig und allein ein paar selbsternannte „Guides“, die Touristen Vulkan-Touren aufschwatzen wollen, nerven. Wir würden die Finger davon lassen.

 

 

São Filipe ist eine Draußenstadt. ​Fogo ist die wärmste Insel des kapverdischen Archipels, dazu liegt São Filipe im Windschatten des mächtigen Vulkans. Was in den heißen Monaten heißheiß werden könnte, ist jetzt im „kalten Monat“ Februar einfach nur angenehm.

Das bisschen Leben spielt sich in weiten Teilen auf der Straße ab. Mütter mit Babys auf dem Arm sitzen auf der Türschwelle ihrer Häuser und plaudern. Hie und da wird gegrillt. Und auf der Praça do Presídio treffen sich Männer zum Ouril, dem beliebten kapverdischen Brettspiel. Wir holen uns ein Bier vom Kiosk und schauen zu. Dann suchen wir uns ein Plätzchen mit Blick aufs Meer. São Filipe tut gut.

 

Männer sitzen alleine auf einem Platz mit Kolonialarchitektur
Eine Partie Ouril auf der Praça do Presídio

 

Weiter oben am Hang liegt die Praça Camâra mit dem namengebenden Rathaus, zwei kleinen Heimatmuseen und einem verwaisten hellblauen Pavillon. Dort traten einst die Blaskapellen der portugiesischen Kolonialherren auf. Die residierten drum herum in komfortablen Anwesen, so genannten Sobrados. Manche dieser repräsentativen Gebäude mit Säulen, Schnitzveranden und idyllischen Innenhöfen dienen heute als stimmungsvolle Hotels. In einem davon wohnen auch wir: Das → Hotel Savana ist eine gute Empfehlung.

 

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Am hibbeligsten ist São Filipe wochentags vormittags. Dann strömen die Bewohner der entlegenen Dörfer für Erledigungen nach São Filipe oder bringen die Ernte ihrer Felder zum Mercado Municipal. Wer wissen will, was so wächst auf der schönen Insel, sollte mal hindurchschlendern.

 

Markthalle in einem afrikanischen Land
Im Mercado Municipal

 

Unter dem Ort, zu Füßen der Klippen, erstreckt sich die Praia de Fonte Bila, ein lavaschwarzer Sandstrand. Das auf unserem Foto so zahm wirkende Meer ist oft ziemlich aufgebracht. Ein deutscher Tourist soll in der starken Brandung schon sein Gebiss verloren haben, hören wir. Vorsicht also, vor allem mit Zahnersatz ;-)!

 

Schwarzer Sandstrand
Praia de Fonte Bila

 

Restauranttipp für São Filipe: Wer eine Pause von Cachupa & Co braucht, sollte die zentral gelegene, italienisch geführte Pizzeria Adriano aufsuchen. Die Pizzen und die Pasta (sehr gute Lasagne!) können sich sehen lassen. Dazu gibt’s Fogo-Wein.

 

Fahrt in den Kraterkessel Chã das Caldeiras

Die Fahrt in den Kraterkessel Chã das Caldeiras ist ein Must-do auf Fogo. Für die einen reicht ein Tagesausflug, andere bleiben eine Woche in der völlig bizarren Landschaft. Wir meinen: Eine Nacht inmitten des Kraters sollte auf jeden Fall drin sein, besser zwei. Kategorie „unvergesslich“.

Doch von vorne. Zunächst muss man hinkommen. Zwischen São Filipe und dem Kraterdorf Portela liegen etwa anderthalb Fahrstunden. Ohne Mietwagen hat man zwei Möglichkeiten:

  1. Das tägliche Aluguer in den Krater startet zwischen 11 und 11.30 Uhr vom Mercado Municipal. Von Portela geht es am Morgen gegen 7.30 Uhr zurück nach São Filipe. Am besten solltet Ihr schon bei der Hinfahrt die Rückfahrt klarmachen, dann holt euch der Fahrer vom Hotel in der Chã das Caldeiras ab.
  2. Wer zu anderen Zeiten fahren möchte, muss sich ein Taxi nehmen, das natürlich deutlich teurer ist. Man kann sich aber auch mit anderen Touristen zusammentun und so Kosten sparen. Taxifahrer gibt es auf der Insel zu Genüge, verhandelt den Preis!

Egal ob man in einem Kleinbus sitzt oder auf der Ladefläche eines Pick-up-Taxis vom Winde verweht wird: Die Fahrt in den Krater ist ein Erlebnis. Sie führt zunächst durch die Dörfer des furztrockenen Südens, bis es bei Achada Furna hoch und immer höher geht. Mit jeder Kurve sinken die Temperaturen. Wir kramen unsere Jacken aus den Rucksäcken. Der Kraterkessel liegt immerhin auf 1600 bis 1800 Metern über dem Meer. 25 Grad in São Filipe bedeuten etwa 15 Grad in der Caldeira!

 

Frau sitzt auf Ladefläche eines Pickups in karger Landschaft
Jacke an: Auf dem Weg in den Kessel

 

Kehre folgt auf Kehre. Als unser Pickup um die letzte fährt, verschwindet die steppenartige Landschaft. Vor uns breitet sich mit einem Mal der ganze Wahnsinn des neun Kilometer weiten Kraterkessels aus. Wir holen tief Luft. Auf einem grob gepflasterten Sträßlein holpern wir durch eine schwarz-braune Wüstenei wie aus einem Fantasy-Film. Ascheberge türmen sich auf. Lavabrocken liegen herum.

 

Vulkanlandschaft
Unwirklich: Die Fahrt in den Kraterkessel von Fogo ist ein Muss

Auto fährt auf Pflasterstraße durch Vulkanlandschaft

 

Der Kraterboden ist ein Durcheinander aus allen möglichen Mustern, die Lava beim Erstarren so zeichnen kann. Teils sieht man noch die Dächer von Häusern des Dorfs herausblitzen, das die Lava 2014 unter sich begrub.

 

Frau sitzt auf Pickup, dahinter ein Vulkan

Schwarze Lavalandschaft mit Haus in der Ferne

 

Der Pico do Fogo

Der große Vulkankegel im Krater blickt majestätisch über die düsteren Lavafelder zu seinen Füßen hinweg. Der Pico do Fogo ist ein Feuerberg, wie ihn Kinder malen. Ein visuelles Spektakel, an dem man sich nicht satt sehen kann. Seit Hunderten von Jahren versetzt der 2829 Meter hohe Stratovulkan seine Bewohner in Angst und Schrecken.

 

Vulkan in trockener Landschaft
Der Pico do Fogo ist ohne Zweifel das Highlight von Fogo

 

Etwa 30 Ausbrüche des Pico do Fogo wurden seit der Entdeckung der Insel registriert. Manche dauerten mehrere Monate, Rauchsäulen und der Schein der herabfließenden Lava wiesen dann den Schiffen den Weg. Nach einem heftigen Ausbruch im Jahr 1680 erhielt die Insel, die damals São Filipe genannt wurde, ihren heutigen Namen: Fogo = Feuer. 1785 ergoss sich letztmalig Lava aus dem Hauptkrater. Seitdem sind Nebenkrater aktiv, die aber nicht minder zerstörerisch sind.

Die beiden jüngsten Ausbrüche ereigneten sich 1995 und 2014. Beim Ausbruch 1995, der einige abgelegene Gehöfte zerstörte, floss Lava aus dem neu entstandenen Vulkankrater Pico Pequeno. Beim Ausbruch im November 2014 abermals. Der Pico Pequeno leistete nun ganze Arbeit, verschlang große Teile der Dörfer Portela und Bangaeira samt Schule, Gesundheitszentrum und Kirche. Auch die nagelneue Naturparkzentrale von Fogo, ein toller Bau von Oto Arquitectos aus Lissabon, eben erst mit deutschen Entwicklungsgeldern gebaut und eingeweiht, verschwand. Dahin waren auch die Winzerei der Chã und viele Fässer Wein. Wie durch ein Wunder blieben die Weinfelder weitestgehend verschont. Erst nach 77 Tagen war Ruhe.

Nach dem Ausbruch kehrten die Bewohner schnell wieder zurück. Der Boden war noch nicht in Gänze abgekühlt, da bauten sie ihr Dorf schon wieder auf.

Bis heute gärt es in der Caldeira, der Vulkan hat nach wie vor Feuer unterm Arsch, Schwefeldämpfe zeugen davon. Aktuell ist der Pico Pequeno jedoch im Schlafmodus.

 

Die Kraterdörfer Portela und Bangaeira

Warum wohnt man freiwillig in einer auf den ersten Blick so unwirtlichen Umgebung und dazu mit der steten Sorge, seine Existenz durch einen Vulkanausbruch zu verlieren? Diese Frage wird sich wohl jeder stellen, der in der Chã das Caldeiras aus dem Aluguer steigt. Antwort: Hier kann man Geld verdienen, mit dem Weinbau, aber noch viel mehr mit Touristen. Wer nach Fogo kommt, kommt ja des Vulkans wegen. Die meisten Dörfler leben vom Vulkantourismus.

Portela und Bangaeira bilden zusammen eine Gemeinde, die im Ranking der schrägsten Orte der Welt durchaus Chancen auf einen vorderen Platz hat. Zipfelmützige Lavastein-Beton-Rundhäuschen – die traditionelle Rundbauweise der Häuser wurde beim Wiederaufbau nach dem letzten Vulkanausbruch beibehalten – wechseln sich ab mit provisorisch wirkenden Zweckbauten. Infrastrukturell ist alles Wichtige für die rund 700 Bewohner vorhanden: eine Grundschule, ein paar Kneipen, selbst ein Fußballplatz und eine kleine Kirche. Dazwischen und drum herum: Kargheit.

 

Tor in einer kargen Landschaft aus Lavaasche
Der Fußballplatz von Portela sieht so aus

 

Generatorenunabhängigen Strom in Form von Sonnenenergie gibt es in der Chã seit 2018. Trinkwasser wird geliefert, Regenwasser in Zisternen gesammelt. Dass man in der Caldeira Wasser sparen sollte, versteht sich von selbst. In unserer Unterkunft, der französisch-kapverdisch geführten → Casa Alcindo, ist das nicht anders. Selbst gebrauchtes Wasser wird aufbereitet und zum Gießen verwendet. Auch wenn die Nächte in der Caldeira empfindlich kühl bis frostig werden können, friert man in den Lavasteinhäusern übrigens nicht. Das Gestein speichert die Wärme des Tages.

 

Dorf vor der Wand eines Vulkankessels
Portela

 

Nachts ist es in der Caldeira dunkel wie in einem Tintenfass. Wir ziehen alles an, was unser Rucksack hergibt, und stiefeln eine Runde durchs runtergedimmte Dorf.

Irgendwo wird Müll verbrannt. Das Feuer leuchtet in eine Milchstraße hinein, die spektakulärer nicht sein kann. Der schwarze Himmel ist genagelt mit Sternen. Die Handykamera liefert leider nur schlechte Bilder:

 

 

Zeit für den Absacker! Wir laufen Licht und Musik hinterher und landen in einer Bar. Es gibt hausgemachten Wein, er wird aus einer etikettlosen Flasche ins Glas geschenkt. Die Jungs an der Theke trinken Schnaps, den probieren wir auch. Der Guide der deutschen Wandergruppe, die mit uns in der Casa Alcindo untergebracht ist, sitzt mit Freunden ebenfalls beim Grogue. Er sitzt auch noch, als wir gehen. Beim Frühstück am nächsten Morgen wird am deutschen Nebentisch verkündet:

„Achtung Programmänderung! Unser Guide hat verschlafen.“

 

Einfache Bar mit Bild von einem Vulkan an der Wand
Nachtleben in Portela

 

Aktivitäten in der Chã das Caldeiras

Kann ein Morgen schöner beginnen? Der bei Kletterern beliebte Kraterrand der nach Osten offenen Caldeira nennt sich Bordeira. Im bernsteinfarbenen Morgenlicht verwandelt sich die Bordeira in einen riesigen Goldring. Seht selbst:

 

Orange schimmernde Felswand, davor ein Dorf
Die Bordeira im Morgenlicht

 

Tagesplanung beim Frühstück. Dahin oder dorthin? In der Caldeira bieten sich diverse Wanderungen an. Die Königstour ist die Besteigung des Pico do Fogo, für die ein Führer obligatorisch ist. Uns ist der Aufstieg zu mühselig (1200 Höhenmeter, vier bis sieben Stunden reine Gehzeit ab Portela). Wer Details erfahren will, liest bei Wolfgang vom Blog → Wander with Wolf weiter, er hat den Aufstieg unterhaltsam beschrieben.

 

Wanderschilder vor Vulkanberg
Wandern auf Fogo: Es muss nicht immer die Besteigung des Pico sein, es bieten sich auch andere kürzere oder längere Touren an

 

Hinweis: Die Sonne knallt hier oben genauso wie weiter unten. Denkt an Eure Haut!

Wir entscheiden uns dafür, keinem der markierten offiziellen Wanderwege zu folgen, sondern uns ziellos durch die Caldeira treiben zu lassen. Stundenlang wandern wir auf schmalen Pfaden durch den schwarzen Sand, staunen über das unwirkliche Setting. Als wir uns am Abend die Lavasteinchen aus den Wanderschuhen leeren, sind wir einfach nur happy über den tollen Tag.

 

Paar mit Wanderstiefeln psoiert für ein Foto vor einem Vulkan
Einfach nur fotogen: Pico do Fogo

 

Der Wein der Lava

Die heißen trockenen Tage und kalten Nächte in diesen Höhen sind ideal für den Weinanbau. Weinfelder findet man auf 1400 bis 1600 Höhenmeter. Die Reben liegen dabei in Kuhlen ohne Rankhilfe, geschützt, gewärmt und verwurzelt in der fruchtbaren schwarzen Lavaasche. Diese Anbaumethode kennen wir schon von der → Azoreninsel Pico. Es ist allerdings nicht so, dass in der Caldeira von Fogo alles voller Wein wäre – wir müssen die Reben eher suchen, zumindest rund um Portela.

 

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Weinbauern gibt es einige, Weinkeller aber weniger. Die größten und besten Adegas sind Chã und Maria Chaves. Auf rund 500 Hektar wird auf Fogo mittlerweile Wein angebaut, mehr und mehr auch an den Außenhängen der Caldeira. Das Ergebnis sind rund 100.000 Flaschen jährlich, Tendenz stark steigend, die Kapazitäten zum Abfüllen reichen für eine Million.

Die Weine Fogos gehören zu den „extremen“ bzw. „heroischen“ Weinen. Darunter versteht man Weine in kleinen Chargen, deren Reben unter schweren Bedingungen angebaut werden. Die Rebsorten für die hiesigen Weine sind in erster Linie die aus Portugal stammenden Alfrocheiro Preto (daraus werden Rotweine gekeltert) und Sabro (für muskatellerähnliche Weißweine). Doch auch Tourigio Nacional und Negra Mole, ebenfalls aus Portugal, kommen zum Zuge.

Wir probieren während unserer Tage auf der Insel mehrere Fogo-Weine. Der weiße schmeckt uns mehr als der rote, der etwas Fruchtweinartiges hat. Wirklich warm werden wir aber nicht mit den hiesigen Tröpfchen, die beim Mondial des Vins Extrêmes, einem Wettbewerb für extreme Weine, immer wieder Preise abräumen.

 

Streckenwanderung von der Chã das Caldeiras nach Mosteiros

Wer die unterschiedlichen Klimazonen der Insel Fogo kennen lernen will, der kommt nicht vorbei an dieser traumhaften Tour. Sie hat es in sich: In fünf Stunden wandert man von der Caldeira ins Küstenörtchen Mosteiros. 1700 Höhenmeter sind zurückzulegen, Ihr habt hoffentlich solide Knie? Ein Guide ist nicht nötig, die Tour ist markiert und mit ein bisschen Vorbereitung auch alleine zu schaffen.

Transporttipp: Größtes Problem dieser Tour ist der Transport. Wer im Krater startet, muss von Mosteiros auch wieder dahin zurück, und das kann kompliziert und teuer werden. Besser also startet man von São Filipe, fährt von dort früh morgens mit dem Aluguer oder Taxi in die Caldeira und nimmt am Ende der Tour in Mosteiros ein Aluguer (wir haben keines mehr bekommen) oder ein Taxi zurück nach São Filipe (ca. 1–1,5 Std. Fahrzeit). Kosten kann man sparen, wenn man sich mit anderen Touristen zusammentut. Eine andere Möglichkeit ist, in Mosteiros zu übernachten (wenig Alternativen), mit dem Aluguer am Morgen nach São Filipe zu fahren und von dort weiter nach Portela. Vorteil: Nach der Wanderung ist man gleich zuhause.

Von Portela wandern wir auf einem asphaltierten Sträßlein zunächst ein ganzes Stück in Richtung Norden durch die sonnendurchglühte Steinwüste. Links von uns tauchen die ersten Bäume auf, rechts von uns grüßt der allgegenwärtige Pico do Fogo.

 

Zwei Menschen wandern auf Pflastersträßlein in einsamer Landschaft
Von Portela wandern wir zunächst gen Norden durch die unwirkliche Landschaft

Beim Forstwärterhäuschen zahlen wir einen kleinen Eintritt für den Naturpark, dann geht es hinein in den Wald des Monte Velha. Er ist vergleichsweise kühl und erfrischend, weil Passatwolken hier hängen bleiben. Wir wandern auf einem Erdpfad durch eine dichte Vegetation aus Eukalyptus, Kiefern und Mimosen. Die Szenerie erinnert uns an die → Azoren.

 

Frau wandert Waldpfad hinab
Im Wald des Monte Velho

 

Dann lichtet sich der Wald. Nun führen steile Passagen durch eine wunderschöne Kulturlandschaft. Wir durchlaufen ausgedehnte Kaffeeplantagen, Bananen- und Mangohaine. Dann hängen die Bäume voll mit Zitrusfrüchten und Papayas. Erstaunlich, was hier alles wächst.

Kaffeestrauch
Vorbei an Kaffee, Agaven und Papayaplantagen geht es Richtung Meer

 

Mosteiros kommt ins Blickfeld, ein eher farbloses Städtchen, das in und auf schwarzen Lavazungen errichtet wurde. In den hiesigen Cafés bekommt man Fogo-Kaffee serviert – ein schöner Abschluss dieser Tour.

 

Kurz vor Mosteiros

 

Fogos trockener Süden oder was man sich eher schenken kann

Der Süden Fogos ist versteppt und dürr, wirkt teilweise wie ausgebrannt. Einen Tag lang wollen wir uns auch diese wieder ganz andere Ecke der Insel einmal anschauen und unternehmen eine Wanderung ab dem Dorf Patim. Fazit: Die staubig-dornige Tour ist nicht lohnenswert, auch wenn die Meerblicke nicht zu verachten sind.

 

10 Kommentare

  1. Ein richtig interessanter Artikel Gabi und Michael. 😃
    ich muss gestehen, ich kannte die Kapverden bisher nur als Insel zum Baden. Mein Mann war da damals als wir uns kennenlernten im Urlaub am Strand auf der Insel Sal. Das die Kapverden aber auch eine Vulkaninsel haben wusste ich bis dato nicht. (Schande über mein Haupt 😁)
    Ich finde Vulkaninseln total interessant. Wir waren vulkantechnisch bisher auf La Réunion und den Azoren. Die Kapverden schreib ich mir heute neu dazu. 😊
    Danke für den heißen Input! 😁🌋 Habt einen schönen Abend!
    Liebe Grüße Ramona 🙋🏼‍♀️

    • Liebe Ramona, die Kapverden unterteilen sich in Strand- und die Wanderinseln, und Fogo gehört zu Letzteren. Man lernt nie aus, auch wir wussten lange nicht, wie sich die kapverdischen Inseln eigentlich so unterscheiden. Wenn du schon auf den Azoren (toll!) und Reúnion (toll!) warst, dann wird es Zeit für die Kapverden. Liebe Grüße in die Oberpfalz von einer Fast-Oberpfälzerin (komme ursprünglich aus dem Fichtelgebirge) und einem Schwaben!

  2. Oh da habe ich aber wieder was gelernt. Das wäre das richtige Reiseziel für mich mit Vulkan, aber so wirklich am Schirm hatte ich das nicht.
    Spannender Blogpost!
    LG Sabrina

  3. Hallo Ihr Beiden,

    ein ganz toller Beitrag, der richtig Lust auf diese Insel macht. Der Krater ist ja wirklich der Hammer, reduzierte aber sehr fotogene Gegend.

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Liebe Sandra, dank fürs Feedback! In dieser Landschaft fotografiert man sich tatsächlich dumm und dämlich. „Foto Kahl“ hätte bestimmt seine helle Freude an dieser Insel ;-). Lg zurück, Gabi und Michael

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