„Und welche Insel ist für Euch die schönste?“

Wie oft haben wir diese Frage schon gehört? Und wie schwer tun wir uns mit der Antwort. Die schönste Insel der Azoren gibt es nicht. Alle Inseln sind zum Anbeißen, jede auf ihre Art. Die eine hat Sandstrände, die andere nur Felspools. Auf der einen kann man den höchsten Berg Portugals besteigen, auf der anderen in tiefe Schlünde hinabsteigen. Die eine bietet fast Festlandmentalität, die andere ist ein Zwerg, wo man sich auf der Straße noch grüßt. Jede Insel ist anders. Und doch sind sich alle ähnlich. Welche Insel zu wem am besten passt, liegt letztendlich an den Vorlieben eines jeden. Hier findet Ihr unser ganz persönliches Ranking. Dabei vergeben wir für jede Insel Sterne in Bezug auf Landschaftsszenarien, Wandermöglichkeiten, Kunst- und Kulturangebot, Bademöglichkeiten, Übernachtungsangebot, Ausgehmöglichkeiten, Restaurantvielfalt, Transport und Relaxfaktor.

São Miguel: Hotspot mit hot Spots

Lagoa do Fogo auf Sao Miguel
Lagoa do Fogo auf São Miguel: schönster Kratersee wo gibt

Die mit Abstand meisten Besucher entscheiden sich für São Miguel, die größte Insel der Azoren, zumal dahin die besten Flugverbindungen bestehen. Die Insel vereint sämt­li­che Schönheiten des Archipels, ist zugleich die am dichtesten besiedelte und touristisch am besten erschlossene. Das heißt aber auch: Allein seid Ihr hier nicht! São Miguel hat in den vergangenen Jahren eine enorme touristische Entwicklung durchgemacht. Schon in der Vorsaison stauen sich die Mietwagen an manchen Aussichtspunkten. Und in vielen Restaurants von Ponta Delgada, dem hellwachen Hauptstädtchen, ist ohne Reservierung am Abend kein Platz zu bekommen. Dort gibt es auch so einige größere Klötze für Pauschalurlauber. Apropos Restaurants: São Miguel besitzt eine Fülle von Restaurants, nicht wenige auf hohem Niveau – die Foodies unter Euch sollten sich das merken, denn auf den kleineren Inseln sieht es gastronomisch oft recht mau aus.

Was die Insel so bietet? Viel, vor allem viel Natur. Außerdem raubeinige Fischerstädtchen, instagramtaugliche Kraterseen, schläfrige Dörfer und: Strände! Ja, Strände! Die Azoren sind zwar von viel Meer umgeben, was aber noch lange nicht heißt, dass sie deswegen auch ein Plantsch-Eldorado wären. São Miguel hat die besten Bademöglichkeiten des Archipels. Schöne sandige Liegeflächen gibt es vor allem im Süden der Insel zwischen Ponta Delgada und Vila Franca do Campo, im Norden hingegen bei Ribeira Grande.

Praia Santa Bárbara auf Sao Miguel
São Miguel bietet eine ganze Reihe von ansprechenden Stränden wie die Praia Santa Bárbara im Norden der Insel (oben), die Praia do Fogo im Süden (links unten) und die Praia Lombo Grodo im Osten (rechts unten)

Im Gegensatz zu fast allen anderen Inseln leben im Inselinneren von São Miguel nicht nur Rindviecher, sondern auch Menschen. Im Inselwesten kuschelt sich das Bauerndorf Sete Cidades an zwei wunderschöne Kraterseen, an einen blauen (= Lagoa Azul) und an einen grünen (= Lagoa Verde). In einem Tal im Inselosten hingegen erstreckt sich Furnas, eine aristokratisch anmutende Mischung aus Dorf und Kurort – hier sprudeln heiße Quellen und hier zeugen wabernde Fumarolen von der vulkanischen Tätigkeit der Insel. Ganze Ortsteile muffelnnach faulen Eiern, was aber viele nicht stört. Denn wie notierte schon Mark Twain?

„Der Geruch von Schwefel ist für einen Sünder nicht unangenehm.“

Im wunderschön gelegenen Thermalort Furnas füllt heißes Wasser ein nostalgisches Badebecken und wabern Dampfschwaden aus der Erde

 

Nicht verpassen auf São Miguel: Wanderung zum Kratersee Lagoa do Fogo +++ Kunst gucken im Arquipélago in Ribeira Grande +++ Aussichtspunkt Vista do Rei und die Kraterseen Lagoa Azul und Lagoa Verde +++ Picknicken an den traumschönen Plätzen bei Nordeste +++ Baden im nostalgischen Thermalpool von Furnas +++ Spaziergang durch die Teeplantagen von Chá Gorreana +++

 

Caldeira von Sete Cidades auf Sao Miguel
São-Miguel-Highlights: die Caldeira von Sete Cidades mit den Seen Lagoa Verde und Lagoa Azul (oben und unten rechts) sowie die Teeplantagen an der Nordküste

 

Fazit São Miguel: Große Insel mit bester Infrastruktur, guten Stränden und vielen, vielen Naturschönheiten. Aber kein Geheimtipp mehr.

Landschaft 

Wandern 

Kunst und Kultur 

Baden 

Übernachten 

Ausgehen 

Essen 

Öffentliche Verkehrsmittel 

Relaxfaktor 

 

Santa Maria: Hotzenplotz-Landschaft mit Meer

Leuchtturm von Maia auf Santa Maria
Fels in der Brandung: Leuchtturm von Maia

São Miguels kleine Nachbarin ist ein echtes Landei. Nicht mal 5600 Einwohner zählt die 97 Quadratkilometer große Insel. Diese ist seltsam zweigeteilt: Der pizzaflache Westen wird vom Flughafen bestimmt, wo Privatjets voller Geldkoffer von Zentralamerika nach Zürich zwischenlanden. Der Osten hingegen ist ein Traum: Die wohl niedlichsten Dörfer der Azoren kuscheln sich in ein hügeliges Hänsel-und-Gretel-Setting oder an Buchten, hinter denen Weinberge die Hänge hochklettern. Ausgebüchste Rinder rennen über die Straße, die Bäuerin hinterher. Aus den Kaminen steigt Rauch auf, der nach frischem Brot duftet.

Kuhherde auf Santa Maria auf den Azoren
Santa Maria verspricht Bilderbuchdörfer und ländliche Idylle pur

Pferde auf Santa Maria auf den AzorenWer nach Santa Maria fährt, will in erster Linie seine Ruhe, will wandern (toller Inselrundwanderweg!) und vielleicht noch einen schönen Sandstrand – den größten gibt es an der Praia Formosa im Süden der Insel. Selbst das Hauptstädtchen Vila do Porto ist nicht mehr als ein großes Dorf, allerdings bestückt mit so einigen witzigen Kneipen, in denen die Insulaner gerne einen heben und sich über jeden Touristen freuen. Deren Anzahl hält sich in Grenzen. Zum Glück, denn es gibt auch nicht viele Unterkünfte. Am besten sucht man sich eine Ferienwohnung im beschaulichen Osten, schaltet sein Handy ab und tut es Astrid Lindgren nach:

„…und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.“

Vila do Porto, Hauptstadt der Azoreninsel Santa Maria
Beschaulich: Santa Marias Hauptstädtchen Vila do Porto

Nicht verpassen auf Santa Maria: Wandern auf der Grande Rota +++ Leuchtturm von Maia (imposant, imposant!) +++ Santa-Maria-Melonen essen (zuckersüß!) +++ Pennen, träumen, erholen +++

 

Dorf Sao Lourenco auf Santa Maria
Von Weinbergen und dem Meer umarmt: São Lourenço auf Santa Maria

Fazit: Auf Santa Maria kann man schön baden, schön wandern, gut schlafen und endlich einmal die Brüder Karamasow lesen, ohne dabei auch nur einmal gestört zu werden.

Landschaft 

Wandern 

Kunst und Kultur 

Baden 

Übernachten 

Ausgehen 

Essen 

Öffentliche Verkehrsmittel 

Relaxfaktor 

 

Terceira: Renaissanceperle und Rinderwahnsinn

Skywalk auf der Serra do Cume auf Terceira
Skywalk auf der Serra do Cume

Terceira, die drittgrößte Insel der Azoren, zieht auch den einen oder anderen Kulturtouristen an. Warum? Mit der Inselmetropole Angra do Heroísmo gibt es hier ein UNESCO-Welterbe zu bestaunen – und zwar eines, bei dem sich niemand auf die Füße tritt. Es macht Spaß, durch das Zentrum des Renaissancestädtchens zu schlendern, mit Lädchen im Bonsaiformat und mit teils so engen Straßen, dass für Gehwege kein Platz bleibt.

Highlights im Inselinnern sind der Skywalk auf der Serra de Cume mit einem Flickerlteppichblick über Weiden und Äcker und die Algar do Carvão, eine Höhle, in die man über den Förderschlot eines erloschenen Vulkans hinabsteigt. Ansonsten gehört das Inselinnere den Kühen. Und den Stieren, die auf den Weiden des Hochlands darauf warten, in den Kampf zu ziehen. Jedes Dorf veranstaltet Straßenstierkämpfe, Touradas à Corda nennen sich die Spektakel. Ein Stier wird dabei von ein paar kräftigen Jungs an einem Strick durch die Gassen getrieben. Ein paar Aufschneider triezen das Tier, während die Masse drum herum Bier trinkt, johlt und übers sichere Mäuerchen springt, wenn der Stier angerast kommt. Getötet wird kein Stier auf den Azoren, verletzen aber kann er sich auf den glatten Straßen leicht. Wir halten NICHTS, REIN GAR NICHTS von dieser azoreanischen Gaudi, wollen Euch ein Bild aber nicht vorenthalten:

Stierkampf auf den Azoren

 

Nicht verpassen auf Terceira: Spaziergang durch Angra do Heroísmo +++ Fahrt durchs Hochland, Besichtigung der Algar do Carvão +++ Skywalk auf der Serra de Cume +++ Fischessen in São Mateus +++ In den Lavapools von Biscoitos baden +++

 

Besteigung Pico do Gaspar Terceira
Terceira-Highlights: das Hochland erkunden (oben), Fisch in São Mateus essen (unten links) oder Baden in den Lavapools von Biscoitos

 

Fazit: UNESCO-Welterbe-Städtchen, drum herum schöne Landschaften, aber ohne die Superlative anderer Inseln.

Landschaft 

Wandern 

Kunst und Kultur 

Baden 

Übernachten 

Ausgehen 

Essen 

Öffentliche Verkehrsmittel 

Relaxfaktor 

 

Graciosa: Mauerblümchen, das tief blicken lässt

Kapelle auf Graciosa (Azoren)
Dem Himmel ganz nah: Kapelle über Santa Cruz da Graciosa

Wie Santa Maria steht auch das freundlich-kauzige Graciosa für Ruhe und Erholung pur. Hier schreckt man noch auf, wenn ein Moped vorbeiknattert. Die Zahl der Touristen ist überschaubar, somit auch die der Unterkünfte. Auch Restaurants gibt es nur wenige – und die sind von Gourmetpornos weit entfernt. Wer damit leben kann, isst einen Bohneneintopf im verträumten Hauptstädtchen Santa Cruz da Graciosa und pupst danach in die mächtige Caldeira, die fast den gesamten Südosten der Insel einnimmt. Inmitten der Caldeira befindet sich mit der Furna do Enxofre eine spektakuläre Höhle, in die man wie auf Terceira durch einen Vulkanschlot hinabsteigt. Ist das Wetter schlecht – was auf den Azoren an jedem Tag des Jahres passieren kann –, geht man zum Aufwärmen ins kleine Thermalbad von Carapacho.

Caldeira von Graciosa auf den Azoren
Caldeira von Graciosa

Gabriele Tröger und Michael Busssmann

 

Nicht verpassen auf Graciosa: Caldeira mit Furna do Enxofre +++ Picknick auf dem Picknickplatz von Carapacho +++ Vorher Wein einkaufen – der hiesige zählt zu den besten der Azoren +++ Hinterher nach Praia fahren und sich Käsetörtchen (Queijadas da Graciosa) zum Dessert holen +++ Baden am Sandstrand von Praia +++

 

Fazit: Überaus beschaulich und fast touristenfrei.

Landschaft 

Wandern 

Kunst und Kultur 

Baden 

Übernachten 

Ausgehen 

Essen 

Öffentliche Verkehrsmittel 

Relaxfaktor 

 

Pico: Wale, Wein und großer Berg

Kühe vor dem Pico (Azoren)
Kuhparty vor dem Pico

Pico, die Insel. Und Pico, der Berg. Der mächtige Vulkanberg ist mit 2153 Metern der höchste Berg Portugals. Auch wer nicht als Gemse auf die Welt gekommen ist, kann ihn bezwingen – Ihr braucht nur gute Klamotten und ordentlich Kondition, rauf und runter benötigt man fünf bis acht Stunden. Der Blick von oben? Unbeschreiblich!

Der Blick von unten auf den majestätischen Vulkan? Nicht minder ergreifend. Mal ist er frei und in seiner ganzen Größe zu bewundern. Mal trägt er eine graue Mütze. Manchmal aber versteckt er sich tagelang unter einem Wolkenschleier.

Lajes do Pico auf den Azoren
Der mächtige Pico ist allgegenwärtig

Berg Pico auf den AzorenZu Füßen des Pico erstrecken sich weite Weinanbaugebiete. Schwarze Lavasteinmäuerchen unterteilen dabei tausende kleine Parzellen voller Weinstöcke. Dazwischen erdbeerrote oder froschgrüne Tore und kleine Katen, Adegas genannt – Weinkeller, die heute nicht selten als überaus charmante Ferienhäuschen dienen. Hier wird unter anderem die Isabella-Rebe angebaut, aus der man den Vinho de Cheiro keltert. Die Österreicher unter Euch kennen den Geschmack vom Uhudler. Wer diesen Geschmack nicht hasst, liebt ihn. Wie wir. Ein bisschen Bazooka Joe, ein bisschen Erdbeere, ein bisschen Makrele (!) und beim ersten Schluck ein bisschen wie Pennerglück. Aber nur beim ersten!

Weinanbaugebiete auf Pico (Azoren)
Schwarze Lava, rote Tür: Weinanbaugebiete auf Pico

Pico ist zudem die Nummer Eins in Sachen Whale Watching auf den Azoren. Der Atlantik rund um die Azoren ist ein einzigartiges Planschbecken für alle möglichen Meeressäuger: Delfine, Pottwale, Blauwale, Buckelwale, Finnwale und wie sie alle heißen. Der Franzose Serge Viallelle gründete 1991 im Städtchen Lajes do Pico die erste Whale-Watching-Agentur der Azoren: Espaço Talassa. Sie gehört bis heute zu den professionellsten und naturverträglichsten Walbeobachtungsagenturen des Archipels. 65 Euro für einen Moment des Wahnsinns ist gut investiertes Geld. Unser kleines Schlauchboot war schon einmal von sage und schreibe elf neugierigen Pottwalen umringt. Wale beim People Watching sozusagen. Das werden wir nie vergessen.

 

Nicht verpassen auf Pico: Wandern! Neben dem Pico spicken hunderte weiterer Vulkankegel das mystische Hochland Picos +++ Zona das Adegas mit alten Weinkellern und bezaubernden Dörfern +++ Whale Watching +++ Tour durch die Museen, die sich mit Walen und Walfang beschäftigen +++

 

Hochland von Pico auf den Azoren
Nicht Island, sondern Pico – die Insel ist in ihrem Inneren überaus rau

Fazit: Whale-Watching-Eldorado mit makellosen An- und Ausblicken, hübschgelegenen Unterkünften und Wanderwegen für jeden Anspruch

Landschaft 

Wandern 

Kunst und Kultur 

Baden 

Übernachten 

Ausgehen 

Essen 

Öffentliche Verkehrsmittel 

Relaxfaktor 

 

Faial: Seebären und zehn Vulkane

Leuchtturmruine von Capelinhos auf Faial
Leuchtturmruine von Capelinhos

Faials Inselhauptort Horta ist ein wahres Schmuckkästchen. Stadtpaläste in Eiscremefarben und ein Hafen, in dem Segelyachten aus aller Herren Länder auf dem Wasser tanzen. In Horta treffen sich die Cracks unter den Seglern, die Seebären auf dem Weg von Europa in die Karibik oder andersrum. Wer in den Hafen von Horta mit seiner kunterbunt bemalten Mole einläuft, freut sich auf ein gutes Essen und eine große Ladung Gin Tonic nach den Wochen im Blauwasser. Der Treff schlechthin ist Peter Café Sport, die Kultkneipe der Atlantiküberquerer. Es macht Spaß, sich zu den Seglern zu setzen, ihrem Seemannsgarn zu lauschen und dabei das eine oder andere Bierchen zu zischen.

An der Mole von Horta (oben und unten links) und im Peter Café Sport (unten rechts)

Aber halt! Es wäre schade, nur in Horta abzuhängen, ohne die wunderschöne Insel ausgiebig zu erkunden. Ausflug Nummer 1 sollte an meterhohen Hortensienhecken vorbei hoch zur Caldeira führen. Sie beherrscht das Inselinnere und hat höchsten Schauwert. Wer mag, kann sie auch komplett zu Fuß umrunden, der Weg auf dem Kratergrat dauert etwa zweieinhalb Stunden.

Überhaupt ist Faial eine Wanderinsel par excellence. Der „Trilho dos dez Vulcões“, „Der Weg der zehn Vulkane“, ist gar einer der schönsten azoreanischen Wanderwege überhaupt. Dieser Weg führt von der Caldeira hinab in den Westen der Insel, dorthin, wo 1957/58 der Ausbruch des Vulkans Capelinhos die Bevölkerung Faials ein Jahr lang in Atem hielt. Unter dem Ascheregen verschwanden Felder, von manchen Häusern waren nur noch die Giebel zu sehen. Rund 250 Familien verließen daraufhin Faial für immer. Noch heute sieht es an der Ponta dos Capelinhos aus, als wäre eben erst der Mond auf die Erde gefallen. Mittendrin steht die Ruine eines Leuchtturms, der einst den Schiffen den Weg wies. Und untendrunter (!) gibt es ein architektonisch spannendes Besucherzentrum, das über den Vulkanausbruch von damals informiert.

Capelinhos auf Faial (Azoren)
Als wäre der Mond auf die Erde gefallen: Capelinhos
Besucherzentrum von Capelinhos auf Faial
Im unterirdischen Besucherzentrum

Nicht verpassen auf Faial: Baden! Faial hat ein paar wirklich hübsche Strände, einen sogar im Hauptort Horta +++ Capelinhos mit Besucherzentrum +++ Wandern auf dem „Weg der zehn Vulkane“+++ Caldeira-Umrundung +++ Stadterkundung Horta und Einkehr im Peter Café Sport +++

 

Strand Porto Pim auf Faial
Porto Pim: Hausstrand von Horta

Fazit: Kosmopolitische Atmosphäre im Hauptstädtchen, gute Restaurants, schöne Hotels, Strände und eine unglaubliche Natur

Landschaft 

Wandern 

Kunst und Kultur 

Baden 

Übernachten 

Ausgehen 

Essen 

Öffentliche Verkehrsmittel 

Relaxfaktor 

 

São Jorge: Wo die Natur Drama-Queen spielt

Faja auf Sao Jorge (Azoren)
Fajã auf São Jorge

Wer nach São Jorge kommt, hat Hunger nach Natur. Und wir sagen Euch: Ihr werdet satt! Wie der Rückenpanzer eines Seeungeheuers ragt die von ihrer Topographie her äußerst ungewöhnliche Insel aus dem Atlantik. Sie ist 56 Kilometer lang und nur acht Kilometer breit. Oben im vernebelten Hochland, auf über 1000 Höhenmetern, zieht man sich den Fleecepulli über, während im milden Mikroklima der „Fajãs“ genannten Küstenebenen die Sonne strahlt. Selbst Kaffeebohnen und Bananen gedeihen dort. Schaut zum Beispiel mal im Café des Senhor Nunes in der Fajã dos Vimes vorbei. Aus seinen eigenen Bohnen braut Senhor Nunes einen Kaffee, so schwarz und schwer wie Maschinenöl – da werden müde Wandererbeine auf der Stelle wieder wach.

Sao Jorge, AzorenAuch São Jorge ist ein Dorado für Wanderer. Egal, ob man an den Kraterseen im Hochland vorbeiwandert, die wie blauen Augen in den Atlantikhimmel strahlen, oder entlang der Steilküste stiefelt – hier gibt es weit und breit nichts Hässliches, versprochen!

Baden kann man in Naturpools, für Sandstrand-Aficionados ist die Insel nichts. Dafür kann man Käse essen bis zum Abwinken! Der Käse aus São Jorge ist der mit Abstand beste der Azoren, einige Käsereien können auch besichtigt werden. Sonst gibt São Jorge kulinarisch eher wenig her.

Blick von Sao Jorge hinüber nach Pico
Blick von São Jorge hinüber nach Pico

Nicht verpassen auf São Jorge: Wandern, wandern, wandern! +++ Spaziergang durch den Hauptort Velas – mit der Casa Museu Cunha da Silveira gibt es dort auch ein sehenswertes Heimatmuseum +++ Käsereibesichtigung +++

 

Velas, Hauptstadt von Sao Jorge (Azoren)
Velas: Hinterm Kirchturm spitzt der Pico von der Nachbarinsel hervor

Fazit: Für Ruhebedürftige, die gerne die Wanderschuhe schnüren, der allerbeste Ort. Nichts für Foodies oder Leute, die abends auch mal ein wenig schlendern wollen.

Landschaft 

Wandern 

Kunst und Kultur 

Baden 

Übernachten 

Ausgehen 

Essen 

Öffentliche Verkehrsmittel 

Relaxfaktor 

 

Flores: Flower Power ganz weit draußen im Atlantik

Kraterseen im Hochland von Flores (Azoren)
Kraterseen im Hochland von Flores

Auch auf Flores, der noch größeren Insel der beiden weit ab gelegenen Westgruppen-Zwerge, bekommt man leicht ein Naturhigh. Die Pflanzenvielfalt ist einzigartig, ihren Namen trägt die Insel zu Recht. Üppiger zeigt sich kaum eine Insel. Wasserfälle stürzen zu Tal, spektakuläre Schluchten tun sich auf. Blumen, die man zuhause teuer beim Floristen ersteht, wuchern am Wegesrand. Das wildromantische Hochland prägen grüne Berge, die zur Küste hin einfach ins Meer fallen.

Auf die Westgruppe zieht es vorrangig Reisecracks, die wissen, worauf sie sich einlassen. Dass die Natur so derart in Saft und Kraft steht, hat seine Gründe. Auf Flores regnet es viel. Sehr viel. Manchmal so viel, dass man fast das Gras wachsen hört. Doch wer hierher fährt, der weiß damit umzugehen. Auf Flores stürmt es zuweilen auch. Wenn es dann so richtig bläst, gehen selbst die Möwen zu Fuß. Vor allem im Winter. Bei katastrophalem Wetter können auch die Versorgungsschiffe ausbleiben. Und dann sieht es in den Supermärkten der Insel gemein gesagt in etwa so aus, wie man sich Läden in Nordkorea vorstellt. Touristen sieht man dann nicht selten mit leicht verzweifelten „Was-koch-ich-denn-heute“-Blicken durch die Regale schweifen.

Kurzum: Viel Regen und wenig los in den beiden bräsigen Städtchen Santa Cruz und Lajes das Flores sowie den verschlafenen Dörfern der Insel. Macht aber nichts, gar nichts. Der Regen schenkt Flores nämlich auch seinen ganz besonderen Charme – nicht selten strahlt über der grünsten Insel der Azoren ein gigantischer Regenbogen. Und die Wanderwege? Note 1 mit Stern.

Corvo, die kleinste Azoreninsel
Alles im Überblick: Corvo, von Flores aus gesehen

Nicht verpassen auf Flores: Wandern, wandern, wandern! +++ die Panoramen von den Aussichtspunkten genießen +++ den Sonnenuntergang in Fajã Grande, dem westlichsten Ort Europas, anschauen +++ Baden im Poço de Bacalhau, einem von einem Wasserfall gefüllten Teich +++

 

Wanderweg auf Flores (Azoren)
Geht’s spektakulärer? Wanderweg auf Flores

Fazit: Die Steigerung von São Jorge, zudem mit der Wahrscheinlichkeit, noch eher nasse Zehen beim Wandern zu bekommen.

Landschaft 

Wandern 

Kunst und Kultur 

Baden 

Übernachten 

Ausgehen 

Essen 

Öffentliche Verkehrsmittel 

Relaxfaktor 

 

Corvo: Ein Dorf, ein Krater

Kraterkessel von Corvo (Azoren)
Corvos Caldeirão

Ein Dorf mit 430 Einwohnern und darüber ein gewaltiger Vulkankessel, Caldeirão genannt. Der wohl faszinierendste Krater der Azoren ist getüpfelt mit Seen und weidenden Kühen. Wer von Flores nicht mit der Fähre oder kleinen privaten Booten über die raue See anreist, kann auch in den Flieger steigen. Etwas über sechs Minuten – wir haben beim letzten Mal die Stoppuhr mitlaufen lassen – dauert der Flug von Flores auf die wohl kauzigste Insel der Azoren.

In Corvo feiert man zuweilen Techno-Partys auf einer zur Open-Air-Disco zurechtgemachten Kuhweide. Oder man feiert Bob-Marley- und Doors-Partys in der einzigen Bar der Insel, die von der Feuerwehr (= Bombeiros) gemanagt wird und daher BBC Bar heißt – Bar Bombeiros Corvo. Die Corvinos trinken gerne und viel. Und wer hier länger als zwei Tage bleibt (oder bleiben muss, denn die Fähre und die Flieger fallen oft aus), tut das auch als Tourist.

Hat man einmal den wunderschönen Caldeirão erklommen, ist einmal im Kessel umhergestapft und hat das verschachtelt-urige Dorf mit seinen vielen kläffenden Hunden einmal durchlaufen, ist nicht mehr viel geboten. Dann wird die Freizeitgestaltung zur Herausforderung. Vor allem dann, wenn das Wetter nicht passt (siehe Flores) und man auf der Insel für einige Tage festhängt. Problematisch wird dann nämlich auch irgendwann das Thema „Essen“. Bei unserem letzten Besuch im Frühsommer 2018 gab es nur ein einziges Restaurant auf der Insel, und zwar eines mit Worst-of-the-World-Küche (Reis mit schwarzen Kräuselhaaren!). Wer dort einmal eingekehrt ist, weiß die Pommes der Feuerwehrjungs in der BBC Bar zu schätzen. Immerhin gibt es noch zwei kleine Supermärkte, eine Käserei und einen Grillplatz.

Vila Nova do Corvo
Vila Nova do Corvo – hier ist die Zeit stehen geblieben

Nicht verpassen auf Corvo: Hoch zum Caldeirão! +++ Bierchen zischen und auf eine Party hoffen +++

 

Wanderweg auf Corvo (Azoren)
Als würde man gleich ins Meer fallen: Wanderweg auf Corvo

Fazit: Das vom Ozean umzingelte Inselchen mit seinen raubeinigen Bewohnern ist wirklich etwas Besonderes. Zwei Nächte sind aber dann auch okay.

Landschaft 

Wandern 

Kunst und Kultur 

Baden 

Übernachten 

Ausgehen 

Essen 

Öffentliche Verkehrsmittel 

Relaxfaktor 

 

 

 

WO GENAU LIEGEN DIE AZOREN?

Der paradiesgrüne Archipel, dessen Inseln auf einem Globus nicht größer als Fliegenschisse sind, erstreckt sich in den unendlichen Weiten des Atlantiks zwischen Europa und Amerika, in etwa auf Höhe von Sizilien. Die Inseln verteilen sich über ein Meeresgebiet, das fast so groß ist wie das Mutterland Portugal. Die östlichste Insel Santa Maria liegt annähernd 600 Kilometer von der west­lichsten Insel Flores entfernt. Die Fläche aller Inseln zusammen ist kleiner als die Mallorcas. Eingeteilt werden die Azoreninseln in drei Gruppen. Santa Maria und São Miguel bil­den die Ostgruppe, Terceira, Graciosa, Faial, Pico und São Jorge die Zen­t­ralgruppe, Flores und Corvo die Westgruppe.

HINKOMMEN AUF DIE AZOREN

Direktflüge aus dem deutschsprachigen Raum gibt es bislang nur nach Ponta Delgada (São Miguel). Über Lisabon oder Porto lassen sich auch die Inseln der Zentralgruppe aus dem deutschsprachigen Raum anfliegen. Wie man am billigsten an Tickets kommt, erfahrt Ihr hier.

Fliegen auf den Azoren

RUMKOMMEN UND KOMBINIEREN

SATA Air Açores fliegt alle Inseln der Azoren an. Die Drehkreuze im innerazoreanischen Flugverkehr sind Ponta Delgada (São Miguel), Horta (Faial) und Angra do Heroísmo (Terceira). Wie man Zwischenstopps ausnutzt und somit Geld spart, erfahrt Ihr in unserem Azorenführer (siehe unten). Im Sommer verkehren zudem Fähren der Atlânticoline zwischen allen Inselgruppen. Ganzjährig sind Fähren im Triângulo im Einsatz, also zwischen Faial, Pico und São Jorge, weshalb sich eine Kombination dieser drei traumhaften Inseln geradezu anbietet.

LITERATUR

Detailinfos zu allen Inseln gibt es in Michaels Buch „Azoren“, erschienen im Michael Müller Verlag. Für die Neuauflage 2019 waren wir im Frühsommer 2018 sieben Wochen zur Recherche vor Ort.

 

 

Ihr campt gerne? Tipps zum Zelten auf den Azoren gibt es hier.

6 Kommentare

  1. Ich kann das Geschriebene nur bestätigen. Ich war auf sechs der neun Inseln, und alle sind sehenswert. Natürlich würde es den Rahmen sprengen, alles aufzuzählen. Die Azoren sind eines meiner Lieblingsziele, würde jederzeit wieder dorthin reisen.

    • Liebe Annette, herzlichen Dank für das nette Feedback. Ja, uns geht auch jedes Mal wieder das Herz auf, wenn wir wieder da sind.

  2. Oh ja, die Azoren sind herrlich! Wir waren kürzlich 2 Tage auf Corvo! Das Restaurant hat einen neuen Besitzer, wir waren 2 x dort und ich habe „Eigene Leber“ gegessen die war wirklich in Ordnung! Am Vortag haben wir mit einem einheimischen sehr netten Taxiunternehmer (wir glauben es war jedermanns Onkel) hinauf auf den Caldeirão gefahren. Leider war er voll Nebel und wir haben gar nichts gesehen. Zurück sind wir dann zufuß gegangen mit herrlichen Ausblicken in die Natur von Corvo. Wir haben auch die Disco besucht, inmitten von Feldern weitab von Zivilisation – hier kann man es richtig krachen lassen. Tags darauf – im Restaurant (wir waren die einzigen Gäste) haben wir das den neuen Besitzer erzählt und er hat uns netterweise noch einmal schnell hinauf gefahren. Mit Erfolg – es war wunderbar und absolut sehenswert! Auf dem Weg herunter hat er uns dann die „eigenen Kühe “ gezeigt. Zu dieser Zeit waren wir die einzigen Touristen auf Corvo – wir waren bekannt. Corvo hat uns sehr beeindruckt, die Menschen dort kaufen fast alles im Internet, oder sie fliegen oder fahren per Schiff auf eine andere Insel

    • Das klingt nach Corvo, wie es leibt und lebt! Da bekommt man richtig Corvo-Weh. Dass das Restaurant einen neuen Besitzer hat, freut uns sehr – wir waren erst im Juni da und bekamen dort wirklich eines der schlechtesten Essen unseres Lebens serviert. Erfahrungsgemäß wechseln die Pächter der beiden Restaurants leider häufig – und man weiß nie, was einem im nächsten Jahr erwartet.

  3. Eine schöne Zusammenfassung habt ihr da. Ich habe meine drei Inseln zwar schon ausgewählt (Sao Miguel, Santa Maria und Terceira), aber werde eure Tipps dafür bestimmt selber ansehen und erleben. Danke für den schöne Post! 🙂

    • Herzlichen Dank fürs Lob! Gut gewählt, aber bei diesen schönen Inseln kann man ja eh nix falsch machen. Wünschen dir eine tolle Reise!

Gib süßen oder scharfen Senf dazu (E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt)

Please enter your comment!
Please enter your name here