São Tomé ließ unseren Koffer der schönsten Reiseerinnerungen voll werden. Kinder, die mit strahlendem Zahnlückenlächeln angelaufen kommen und uns rote Blümchen in die Hand drücken. Einfach so. Teenies, die sich giggelnd bei uns einhaken und uns ein Stück begleiten. Männer mit Jackfruits auf den Köpfen, fröhlich dem Transporter hinterherwinkend, auf dessen Ladefläche wir sitzen. Und Frauen, die uns verschmitzt unsere verstaubten Popos abklopfen, während wir von der Pritsche steigen. Gott was für herrliche Momente!
30 Tage verbrachten wir auf São Tomé und Príncipe, zwei Drittel davon auf São Tomé selbst, der größeren der beiden Inseln des afrikanischen Inselstaats. Als Riese kommt São Tomé dennoch nicht daher: Das Eiland ist gerade 48 Kilometer lang und 32 Kilometer breit. Eine Insel von der Größe Lanzarotes also. Etwa 230.000 Menschen leben darauf.
Hinweis: Dieser Artikel entstand ohne Zuhilfenahme der KI, weder bei den Texten noch bei den Fotos. HIERDADORT, ein Blog von zwei langjährigen Reisejournalisten, bleibt authentisch, praktisch, gut. Ehrlich währt am längsten.
São Tomé, die portugiesische Ex-Kolonie im Golf von Guinea, ist bislang ein wenig bekanntes Reiseziel. Ein grüner Garten Eden im Atlantik. Mit herrlicher Natur, mit Traumstränden, sicher und freundlich. Anderswo in der Welt stünden die Strände längstens voll mit Hotels und Resorts. Nicht so auf São Tomé. Dort sind die Straßen oft schlecht, die Transportmöglichkeiten sowieso, die Wanderwege nicht markiert, die Bettenzahlen für Touristen überschaubar. Dort gehören viele Strände noch den Fischern, die in bunten Stelzenhütten über dem Sand schlafen.

Inhaltsverzeichnis
REISEINFOS SÃO TOMÉ
Hinkommen
Flugverbindungen nach São Tomé (TMS) gibt es von Lissabon mit STP Airways und der TAP, von Luanda (Angola) aus mit der TAAG (die TAAG fliegt auch Frankfurt an) und von Libreville mit Fly Gabon. Nach den besten Verbindungen könnt Ihr hier* schauen.
Visum
Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen kein Visum, sofern Sie unter 15 Tage im Land bleiben. Für einen Aufenthalt bis zu 30 Tagen genügt ein E-Visum, das man auf https://www.smf.st/evisa/index.php beantragen kann. Hat bei uns problemlos geklappt. Wer noch länger bleiben möchte, muss sich an die Botschaft in Brüssel wenden.
Unterkommen
Die Auswahl an Unterkünften ist nicht allzu groß. Bucht rechtzeitig! Wir hatten das Pech, dass Unterkünfte, die wir ursprünglich auserkoren hatten, ausgebucht waren, als wir sie endlich buchen wollten. Und achtet in den Bewertungen darauf, ob die Unterkunft einen eigenen Generator hat.
Rumkommen
Das Gros aller São-Tomé-Touristen ist im Rahmen einer organisierten Gruppenreise unterwegs, bereist die Insel mit dem Mietwagen oder einem Jeep samt Fahrer bzw. Guide. Auf diese Weise sieht man in in zehn Tagen vermutlich mehr als wir in 20 Tagen gesehen haben. Mehr erlebt haben aber sicherlich wir.
Wir bereisten São Tomé mit klapprigen, gelben Sammeltaxis (Colectivos), mit Moto-Taxis (Mopedtaxis), zu Fuß und mit dem Rad. Auf ein Mietauto (4WD nötig!) haben wir nicht nur aus Kostengründen verzichtet, sondern auch aus Respekt vor den teils katastrophalen Straßen. Außerdem, und das ist noch immer unser Reise-Credo, lernt man ein Land am besten in seinen öffentlichen Verkehrsmitteln kennen.


Der öffentliche Transport ist schwierig auf São Tomé. „Leve, leve“, „langsam, langsam“, ist die Losung. Für eine Insel von einer Größe, die anderswo in einem Tag mit dem Mietwagen zu umrunden wäre, braucht man mit „Öffis“ auf São Tomé Tage, ja Wochen. Man muss viel Zeit mitbringen. Kommt endlich mal einer der gelben Minibusse angerast, ist er oft bis zum Anschlag voll. Kind und Kegel, Fischeimer, Körbe voller Obst und Gemüse – alles wird mitgenommen. Sonntags ist ein ganz schwieriger Reisetag. Dann verkehren die Sammeltaxis nur sehr eingeschränkt bis gar nicht!

„Geduld ist das, was man in Afrika am dringendsten braucht.“
Martha Gellhorn
Info: Mit einem Colectivo gelangt Ihr von São-Tomé-Stadt recht schnell und problemlos an die Orte und Strände der Ostküste. Ein Strand-Hopping per Colectivo ist jedoch schwierig, denn unterwegs zuzusteigen, erfordert Geduld. Colectivos steuern einen Ort an und starten, wenn alle Sitze dorthin belegt sind. Soll heißen: Der Minibus vom Ort „A“ in den Ort „E“ startet in der Regel vollbesetzt und passiert die Orte „B“, „C“ und „D“, ohne dort anzuhalten. Nach „B“, „C“ und „D“ fahren andere Minibusse. Gleiches gilt für die Rückfahrt.
Nicht immer haben wir es trotz langen Wartens geschafft, auf ein Sammeltaxi aufzuspringen. Dann blieb uns nur der Daumen. Mal nahm uns der Schulbus mit, mal ein Guide in seinem feinen Touristenjeep, mal ein Pfarrer auf dem Weg zum Gottesdienst, mal ein LKW-Fahrer…
Armut und Sicherheit
Die Bäume voller Kochbananen und exotischer Früchte, das Meer voller Fische. Hungern muss keiner auf dieser üppig grünen Inselschönheit. Von Reichtum aber sind die meisten Einwohner hier weit entfernt. Laut Weltbank lebten 2024 noch 13 % der Bevölkerung unter der internationalen Armutsgrenze (3 US$/Tag). In Flüssen wird Wäsche und sich selbst gewaschen. Eine Flasche Bratöl können sich viele nicht leisten – wir sahen Frauen, die sich in Läden die Pfannenration in Becher abfüllen ließen.

Es mangelt an vielem. Das bekommt jeder Traveller mit, der sich außerhalb der Luxusresorts bewegt. Strom und Wasser aus der Leitung gibt es manchmal nur stundenweise, Zugang zu Elektrizität haben ohnehin nur 80 % der Bevölkerung. Generatorengeräusche sind allgegenwärtig.
Ruinen und verfallene Gebäude, wohin man nur blickt – für uns morbider Charme, für die Insulaner Lebensalltag. Was aussieht wie ein Lost Place, ist nicht selten eine bewohnte Ruine. Viele ehemals stolze Gebäude aus der portugiesischen Kolonialzeit sehen derart traurig aus, dass man weinen könnte.

Seit dem Abzug der Portugiesen im Jahr 1975 bröckeln São Tomé und Príncipe vor sich hin. Keine andere von uns besuchte portugiesische Ex-Kolonie haben wir derart vom Verfall mitgenommen erlebt wie São Tomé. Nicht die → Kapverden, nicht → Mosambik, nicht → Goa und schon gar nicht → Brasilien.
Armut geht auf São Tomé aber nicht mit Verwahrlosung, Elend oder Kriminalität einher. Bettler oder abgerissene Gestalten sind die absolute Ausnahme. Alkoholismus mag ein Thema sein, andere Drogen sind es nicht.
Wir haben uns auf São Tomé keine Minute unsicher gefühlt, auch nicht in der → Hauptstadt, und auch nicht nachts. São Tomé und Príncipe sind Inseln der Seligen. Weit weg vom Tosen der Welt und mit dem Schutz des Atlantiks drum herum.
Klima
Zwischen Mai und Oktober herrscht Trockenzeit. Soll heißen: wenig Regen und viel Sonne bei tropischen Temperaturen. Wir waren im Februar da. In der Regenzeit. Und Regenzeit heißt auf São Tomé auch Regenzeit, daran hat der Klimawandel noch nicht gerüttelt. Dann regnet es zwar nicht täglich, aber alle zwei Tage bestimmt. Und zwar oft in heftigen Güssen.
Der Himmel ein grauer Baldachin, die Farben verwaschen, die Luft so schwer wie schwarzes Öl – so erlebten wir São Tomé meistens. Sonne gab’s eher wenig bei uns, was man auf vielen Fotos sieht. Manchmal hing der Himmel so tief, dass er einen fast erdrückte – und das bei Temperaturen von um die 30 Grad, die sich anfühlten wie über 40 Grad. Unsere Schweißdrüsen liefen Amok. Was haben wir geschwitzt!

Jeder zweite Tag ein Donnerwetter, manchmal von einer Stärke, als würde Luzifer persönlich nach São Tomé kommen. Ein Grummeln in der Ferne hieß nichts Gutes. Dann färbte sich der Himmel in kürzester Zeit blutergussblau und entlud sich krachend über uns. Mehr als einmal waren wir nass bis auf die Unterhose. Den Locals ist das übrigens piepegal. Die stehen bei strömendem Regen zusammen und quatschen. Landesmotto, egal ob Regen oder nicht: No stress.
Sprache
Nur sehr wenige Menschen sprechen hier Englisch oder Französisch. Versucht, Euch ein wenig Portugiesisch anzueignen – das öffnet die Herzen ganz schnell!
Essen und Trinken
Die Insulaner:innen essen vor allem Fisch, Kochbananen, Reis, Jackfruit und Kokosnuss. Manchmal auch ein Stück Huhn oder Schweinefleisch. Auf den Tellern der Touristen landet in der Regel Grillfisch oder gegrilltes Hühnchen mit Reis und Kochbananen. Zudem stehen Oktopus oder Búzios (Meeresschnecken) auf vielen Speisekarten. Die Qualität ist gut, das Essen frisch. Nach ein paar Wochen aber wünscht man sich mehr Abwechslung und vor allem andere Beilagen.


Thema Alkohol: Es wird viel getrunken, sehr viel, ungesund viel. Der Obsthändler am Morgen mit der Bierflasche an seinem Stand, zwei alte Frauen beim Tratschen mit Bierflaschen in der Hand – allgegenwärtige Bilder. Rosema heißt das hiesige Bier. Die gleichnamige Brauerei steht in Neves an der Westküste. Wir werden noch darauf zu sprechen kommen.

Der Wein kommt aus Portugal. In einfachen Bars wird er aus Tetrapacks in gebrauchte 0,5 l-Wasserfläschchen umgefüllt und so serviert. Eine hygienisch ziemlich fragwürdige Tischsitte. Der meistverkaufte Wein ist der Arcos de Convento, ein gerade noch trinkbarer Rotwein aus der Region Lissabon. Uns scheint, dass die Hälfte aller afrikanischen Ex-Kolonien damit versorgt werden. Wir haben ihn auch schon in Mosambik und auf den Kapverden gesehen.
Geld und Preise
Immer wieder liest man, dass es auf São Tomé und Príncipe keine Geldautomaten gibt, an denen man mit ausländischen Karten Geld ziehen kann. Diese Infos sind veraltet! Stand 2026: Mit Visa-Kreditkarten kommt man am Geldautomaten an Bares, mit der Mastercard nicht. Visa-Karten akzeptieren aber nur die Automaten der Banco Internacional de São Tomé e Príncipe (BISTP) – keine anderen! Es gibt mehrere BISTP-Filialen in São-Tomé-Stadt, dazu welche in Trindade, Neves und auf Príncipe. Leider bekommt man pro Abhebung nicht mehr als 1500 Dobra (60 Euro). Da man vielerorts nur bar zahlen kann, wird der Gang zum Automaten Alltagsroutine.
Euros kann man in Banken und in São-Tomé-Stadt auf der Straße wechseln – an vielen Ecken ruft es „Cambio, Cambio“. Die Kurse der Straßenwechsler sind allerdings sehr schlecht.
Zu den Preisen: Man kann auf São Tomé viel Geld ausgeben, wenn man in einem Nobelhotel absteigt, mit Chauffeur und Guide unterwegs ist und/oder teure Ausflüge bucht.
Und man kann wie wir unterwegs sein. Wir wohnten in charmanten Bungalowanlagen, einfachen Hotels und Pensionen. Unsere billigste Unterkunft lag bei 35 Euro, unsere teuerste bei knapp unter 100 Euro.
Die meisten Restaurants richten sich an Touristen, die meisten Locals haben gar kein Geld dafür. Ein Abendessen mit Bier kommt dort zu zweit auf ca. 15 bis 25 Euro. Der Preis für ein Bier fällt nicht ins Gewicht. Eine Flasche lokales Bier ist im Restaurant für ca. zwei Euro zu bekommen, in den Bars der Locals für weniger. Die Kosten für öffentliche Transportmittel sind gering.
Baden auf São Tomé
São Tomé steht für Traumstrände. Nur weil es aber viele schön anzusehende Strände gibt, heißt das noch lange nicht, dass es auch viele empfehlenswerte Badestrände gibt. Als eine klassische Badedestination würden wir São Tomé deswegen auch nicht bezeichnen.

Aufgepasst, wo Siedlungen und Dörfer hinter den Stränden sind: Dort ist der Sand teils verunreinigt, weil die Strände als Toilette, Schlachthof, Werkstätte oder Partylocation (Scherben!) benutzt werden. Liegestuhlverleiher oder Lifeguards? Nada.
Es gibt nur wenige Unterkünfte direkt an den Stränden. Diese sind oft teuer bzw. zu teuer für das Gebotene. Die schönsten Strände gibt auf São Tomé entlang der Ostküste und vor allem ganz im Süden nahe Porto Alegre.

SÃO-TOMÉ-STADT: GEMÜTLICHES INSELHAUPTSTÄDTCHEN
Die Hauptstadt von São Tomé e Príncipe heißt wie die größere der beiden Inseln: São Tomé. Eine Reise auf die Insel São Tomé beginnt und endet immer in der Stadt São Tomé, die Straße zum Flughafen führt hindurch. Für Individualtouristen hält das 70.000-Einwohner-Städtchen Unterkünfte in allen Preisklassen, gute Restaurants und sonst auch so fast alles parat, was man als Traveller so braucht. Sofern Ihr kein eigenes Fahrzeug habt, bucht am besten eine zentrale → Unterkunft*.

Vom Chaos anderer afrikanischer Hauptstädte ist São-Tomé-Stadt weit entfernt. Zwei, drei Tage kann man der Stadt gut und gerne widmen. Was man dort alles machen und angucken kann, haben wir in einem separaten Blogpost aufgeschrieben: https://hierdadort.de/sao-tome-principe-hauptstadt-tipps-und-reiseinfos/
DER INSELOSTEN: ZWISCHEN SÃO-TOMÉ-STADT UND SÃO JOÃO DOS ANGOLARES
Santana und Praia das Pombas
Unser erstes Sammeltaxi bringt uns von São-Tomé-Stadt ins zwölf Kilometer südlich gelegene Santana. Es ist ein Ort, in dem zwei Welten zu Hause sind: Armut und Reichtum. In Santana teilt sich das feine → Club Resort Santana* einen Strand mit den hiesigen Fischern, die dort ihre Boote liegen haben. Der Fischerstrand ist schmutzig und bedeckt mit angeschwemmtem Seegras, der Clubstrand gepflegt und bewacht. Eintritt ins künstliche Tropenidyll samt schönem Pool erhält der, der 20 Euro Eintritt entrichtet.

Unterkunftstipp: Wir haben nicht im Nobelresort, sondern in der ca. zehn Fußminuten von Santana entfernten → Casa Cantagalo* gewohnt, eine allein stehende Anlage mit gutem Restaurant. Von der Terrasse herrlicher Weitblick. Die günstigeren Zimmer öffnen sich zur Restaurantterrasse, bieten deswegen wenig Privatsphäre. Es lohnt sich, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und einen Bungalow zu buchen. Cantalalo heißt übrigens „Hahnenschrei“. Der Name ist Programm. Um etwa drei Uhr morgens haben die Schreihälse ausgeschlafen.

Vier Kilometer südlich von Santana liegt die Praia das Pombas, ein verstecktes Idyll. Am schwarzen Sandstrand befindet sich auch eine Unterkunft mit Restaurant und ein paar Hütten (darunter ein Traumbaumhaus).

Die Praia das Pombas ist einer von vielen Schildkrötenstränden auf São Tomé und Príncipe. Zwischen Oktober und Februar legen die riesigen Meeresschildkröten hier nachts ihre Eier ab. Darunter auch die Lederschildkröte, die über zwei Meter groß werden und 700 Kilo auf die Waage bringen kann. Wer beobachten möchte, wie die Jungtiere schlüpfen und den Weg ins Meer finden, sollte in seiner Unterkunft nach einem Guide fragen.
Roça Água-Izé
Roças“ nennt man auf São Tomé und Príncipe die riesigen Kakao- und Kaffeeplantagen aus der portugiesischen Kolonialzeit. Hier wurde nicht nur angebaut und geerntet. Hier lebten auch die Plantagenbesitzer (in herrlichen Herrenhäusern) und die Arbeiter (in einfachen Siedlungen). Angegliedert waren Lagerhäuser, Mühlen, Werkstätten, Ställe, Bäckereien, Kindergärten, Musikpavillons, eine Kirche und oft auch ein Krankenhaus. Etliche Roças liegen heute in Ruinen. Andere wurden liebevoll restauriert und dienen nun touristischen Zwecken. Und wieder andere leben in deutlich abgespeckter Form als Plantagen fort.


Die Roça Água-Izé ist so eine. 50 Europäer überwachten hier einst rund 2500 Arbeiter – bis zur Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1869 vor allem Sklaven, danach teils zwangsrekrutierte Vertragsarbeiter aus Angola und Kapverden. Heute halten noch rund 120 Angestellte die Plantage, mittlerweile ein Biobetrieb, am Laufen.
Es gibt ein kleines Besucherzentrum, in dem man die wichtigsten Infos zum Kakaoanbau bekommt. Dort kann man auch rohen Kakao kosten, frisch aus der Schote. Zu diesem Zeitpunkt wabbelt noch schleimiges, weißes Fruchtfleisch um die Bohnen. Erst nach einer siebentägigen Fermentierung verwandeln sich die Bohnen in die charakteristischen braunen Nüsse.


Noch heute werden São Tomé und Príncipé gerne als „Schokoladeninseln“ bezeichnet. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Inselstaat der größte Kakaoproduzent der Welt. Aber schon Mitte des 20. Jahrhunderts war es wegen Schädlingsbefalls mit dem Kakaoboom vorbei. Das Ende der Kolonialzeit brachte den Garaus.
Heute gibt es wieder Revitalisierungsversuche wie eben auf der Roça Água-Izé. Auch wird wieder Schokolade hergestellt – die sündhaft teuere Schokolade des Italieners Claudio Corallo gilt gar als „beste der Welt“. Auf dem Speiseplan der Bevölkerung spielt sie keine Rolle.
Selbstständig ist eine Besichtigung der Roça Água-Izé kaum möglich. Am Eingang zur Roça lauern aufdringliche „Guides“. Wir verzichten auf ihre Dienste und spazieren (gegen Trinkgeld) mit José umher, einem Angestellten unseres nahen Guesthouses. José ist in der Roça aufgewachsen. Er führt uns durch die Siedlung und zur ehemaligen Palmölfabrik, in der heute Kunstevents stattfinden:

Höhepunkt der Tour ist das schwer heruntergekommene Krankenhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert, ein durch und durch fotogener Ort. 2005 wurde das Krankenhaus aufgegeben – es wirkt allerdings nicht wie seit 20 Jahren verlassen, sondern eher wie seit 200 Jahren. Das hiesige Klima setzt den Bauten derart zu, dass man beim Vergammeln schier zusehen kann.

Heute leben im Unterbau Ziegen und in den ehemaligen darüber liegenden Patientenzimmern Familien. Im eleganten Treppenhaus wird Fußball gespielt. In den Heydays des Krankenhauses galt es als eines der besten Hospitäler Westafrikas. Von der obersten Terrasse blickt man über die Plantage hinweg auf das Meer.


Unterkunftstipp: Auf einer Landzunge gegenüber der Plantage befindet sich das freundliche Fischerdorf Água-Íze. Dort kann man im → Guesthouse Gente d’Aqui* übernachten, einer wunderschönen Unterkunft über der rauen Steilküste. Zimmer mit Panoramafenster, Meeresrauschen satt. Der nette portugiesische Betreiber João serviert ein tolles Frühstück und organisiert auf Wunsch auch ein Abendessen. Zudem gibt es mit dem Complexo Mirador ein gutes Restaurant in Laufnähe.
Praia Sete Ondas und Ribeira Afonso
Jetzt geht’s weiter zu den nächsten Stränden. Der erste, die Praia Sete Ondas, liegt direkt an der wenig befahrenen Küstenstraße und bietet auch eine Strandbar – hier lässt es sich gut aushalten.
Der graue Sandstrand macht seinem Namen („Sieben Wellen“) alle Ehre. Das Meer ist aufgewühlt, Surfer sind unterwegs. Wenn Ebbe ist, könnt Ihr nach so genannten Sanddollars Ausschau halten. Die angespülten Skelette der flachen Seeigel gelten als Glücksbringer. Die Natur ist schon ein genialer Designer, so sehen sie aus:
Nur eineinhalb Kilometer weiter südlich liegt Ribeira Afonso, ein Fischerdorf mit einem schwarzen Sandstrand. Aus der Ferne ein Traum, leider aber ist er arg verschmutzt. Wir schauen Kindern beim Holzbrettsurfen zu und ziehen dann weiter.

Praia Colónia Açoriana und Praia Micondó
Der nächste nennenswerte Strand gehört zur Colónia Açoriana, einer kleinen Siedlung an der Mündung eines Flüsschens ins Meer. Die Siedlung war einst Teil einer inseleinwärts gelegenen Kakaoplantage, die im 19. Jahrhundert von zwei Auswanderern von der Azoreninsel Terceira betrieben wurde – daher der Name.
Inselidylle pur! Vor uns die blaue See, hinter uns üppiges Grün. Im Flüsschen waschen Frauen bunte Wäsche. Kinder planschen.

Drei Kilometer weiter folgt der nächste Traumstrand: die Praia Micondó. Herrlich zum Baden. kein Dorf in der Nähe. Aber auch keine Bar weit und breit. Dafür holen einem gelenkige Jungs gerne eine Kokosnuss vom Baum.

São João dos Angolares
Schweine und Ziegen rennen aufgeregt über die Straße. Männer trinken Bierchen auf dem Hauptplatz, winken uns zu. Das Fischerstädtchen São João dos Angolares ist das Zentrum der so genannten Angolares.
Die Angolares sind nicht etwa Angolaner, sondern ein geheimnisumwittertes Fischervolk mit eigener Sprache. Wer sie sind und woher sie genau kommen, ist bis heute nicht klar. Schiffbrüchige Sklaven? Entlaufene Sklaven? Oder gar Ureinwohner? Letzteres würde die These widerlegen, dass die Inseln vor der Ankunft der Portugiesen nicht besiedelt waren. Die Angolares leben in traditionellen Stelzenhütten und fahren mit Einbaum-Kanus aufs Meer hinaus. In die Plantagen São Tomés haben sie sich nie zwingen lassen.
Eine freundliche Dame zeigt uns den gepflasterten Weg hinab zum schwarzen Sandstrand. Es ist Samstagnachmittag. Jungs kicken. Frauen bringen riesige Brennholzladungen auf ihren Köpfen über den Strand nach Hause. Unter den Bäumen liegen Fischerboote.
Unterkommen in São João dos Angolares: Von der etwas außerhalb gelegenen → Roça São João* hörten wir nur Gutes. Wir wollten dort übernachten, bekamen aber kein Zimmer mehr – die Unterkunft ist oft ausgebucht. Auf der Roça kann man auch vorzüglich essen.
DER INSELSÜDEN: VON SÃO JOÃO DOS ANGOLARES NACH PORTO ALEGRE
Je weiter südlich man kommt, desto schwieriger (also: noch schwieriger) wird es mit dem Transport auf São Tomé. Nur einmal am Tag früh morgens (nicht am Sonntag!) verlässt ein Sammeltaxi São-Tomé-Stadt Richtung Porto Alegre. Die Strecke ist nur 72 km lang, aber ab São João dos Angolares extrem beschwerlich. Die Straße ist fortan eine Katastrophe, der Fahrbelag in weiten Teilen quasi nicht mehr vorhanden. Von Unwettern weggespült und nie mehr ersetzt. Wer den direkten Morgenbus verpasst, kann versuchen, zumindest bis São João dos Angolares zu gelangen, um dort auf einen Anschluss zu warten. Viel Glück!

Die miserablen Straßenverhältnisse sind auch der Grund, weswegen Sammeltaxifahrer immer wieder auf die Barrikaden gehen. Im wahrsten Sinne des Worte. Sie blockieren dann die Brücken und lassen kein Fahrzeug mehr durch. Kein Colectivo und auch keinen Touristenjeep. Damit schneiden sie den Süden vom Norden der Insel ab. Das ist ihre Form von Protest, um die Regierung auf die Verhältnisse aufmerksam zu machen. Für Touristen, die vom Süden in den Norden bzw. andersrum gelangen wollen, können die Blockaden der Supergau sein – vor allem dann, wenn man einen Flieger erreichen muss.

Für uns geht die Blockade „nur“ ins Geld. Zu Fuß dürfen wir zwar passieren. Dahinter aber stehen keine Colectivos, die uns mitnehmen würden, nur ein paar Moto-Taxis. Uns bleibt nichts anderes übrig. Die Unterkunft im Süden ist gebucht, wir wollen dahin, koste es, was es wolle. Der Preis, den die beiden Moto-Jungs aufrufen, ist stolz. Gleichzeitig ist diese Tour mit uns samt Gepäck auch für sie kein Spaziergang. Unterwegs sehen wir liegen gebliebene Fahrzeuge und Männer beim Reifenwechsel.


Cão Grande
Was für ein Felsen! Der Pico de Cão Grande, der „Große Hund“ ist ein Oschi von einer Felsnadel und eines der beliebtesten Fotomotive der Insel São Tomé. Über 300 Meter reckt sich der Fels im nur schlecht zugänglichen Ôbo-Nationalpark dem Himmel entgegen. Seine Spitze ist oft unter einer Wolkendecke verschwunden.
Geologisch nennt man eine solche Felsnadel einen Vulkan-Härtling, da er durch aushärtende Magma im Schlot eines aktiven Vulkans entstand. Auf dem Felsen sollen sich die Schlangen nur so tummeln – einer der Gründe, weswegen Besteigungen als äußerst schwierig gelten.

Man kann den Felsen kaum anschauen, ohne zu erröten. Hätten die alten Griechen São Tomé besiedelt, wäre hier vermutlich Eros begraben.
Unsere Moto-Jungs halten auf dem wilden Ritt gen Süden immer wieder an. Schenken uns Panoramapausen und Erholung für unsere Hintern, bevor der Balanceakt auf der immerhin noch intakten Bordsteinkante weitergeht.

Am Abend sitzen wir mit dem herrlichsten Plüschhimmel vor der Nase am Meer und sind froh, dass wir heil angekommen sind.

Praia Piscina und Praia Jalé
Nahe dem Fischerdorf Porto Alegre im Süden von São Tomé erstrecken sich die schönsten Strände der Insel. Die Praia da Bomboca, die Praia Cabana, die Praia Inhame und so fort. Das Wasser vor der Praia Piscina ist derart türkis, dass man sich tatsächlich fast wie in einem Pool vorkommt. Ein Bad in dieser geschützten Bucht ist ein Genuss. Ausladende Tamarindenbäume wachsen aus dem Sand heraus zum Meer hin. Daneben dunkle Basaltfelsen wie riesige Kohlestücke.

Sehr rau, durch und durch atlantisch, präsentiert sich das Meer hingegen etwa 30 Fußminuten weiter nördlich an der Praia Jalé. Wir würden hier nicht baden wollen. Barfuß durch die seichten Wellen zu schlendern, geht allerdings allemal. Palmen biegen sich tadellos über den menschenleeren Strand, auf dem wir nur ein Hündchen bei der Siesta treffen. Postkartenherrlichkeit!


Leider legen sich die Wolken schon wieder ein lilafarbenes Kleid zu, während wir den Strand entlang spazieren. Ein Grummeln, dann ein fetter Wolkenbruch. Zum Glück hat die → Praia Jalé Lodge* über dem Strand eine überdachte Terrasse, auf die wir flüchten können. Eine Cola später ist der Spuk schon wieder vorbei.
Übernachtungs- und andere Tipps: Wir übernachteten in der → Gombelo Eco Lodge* zwischen der Praia Piscina und der Praia Jalé. 2026 war die schöne gepflegte Anlage noch im Aufbau. Das Essen ist gut, aber eintönig (Fisch oder Huhn mit Reis und Kochbananen). Die Lodge organisiert Guides, mit denen man nachts Schildkröten bei der Eiablage beobachten kann. Miriam vom Blog Nordkap nach Südkap hat ausführlich über diese Beobachtungen geschrieben: → Schildkröten an der Praia Inhame. Die Mitarbeiter erteilen auch Auskünfte über Ausflüge zur vorgelagerten Strandinsel Ilhéu das Rolas. Über die Insel verläuft der Äquator. Die Insel verfügt nur über sehr wenige → Unterkünfte*, die meisten Touristen übernachten im teuren Pestana Resort Hotel.
DER INSELNORDEN
Von den Stränden im Norden der Insel sehen wir nicht alle. Das Wetter macht uns immer wieder Striche durch die Rechnung. Von unserer Straßenwanderung vom Dorf Guadelupe zur Praia dos Tamarindos schickt uns ein Tropensturm tropfnass nach Hause.

Die Praia dos Conchas westlich davon finden wir unattraktiv. Und auch der Strand der Lagoa Azul überzeugt uns nicht. Sein türkisfarbenes Wasser mag gut zum Schnorcheln sein, Zebra- und Papageienfische kann man hier beobachten. Für einen längeren Aufenthalt aber taugt der Strand mit seinen großen schwarzen Kieselsteinen nicht.
Roça Agostinho Neto
Wir besuchen die Roça Agostinho Neto. Mit über 3300 Hektar ist sie die größte Plantage der Insel. 1500 Menschen leben hier, die Vorfahren vieler stammen von den Kapverden. Angebaut wird nur noch wenig.
Highlight auch dieser Roça ist das ehemalige Hospital, eine fast schon dystophisch wirkende Halbruine. Eine Rampe und ein maroder Treppenaufgang führen hinauf. Der linke Flügel ist kollabiert. Neben dem Gebäude eine Kapelle. Darüber: ein grauer Himmel. Drum herum: fettes, von Nebelwolken und Regen durchtränktes Grün. Die Natur glänzt auch hier vor lauter Feuchtigkeit. Kinder hüpfen uns hinterher. Ziegen liegen faul vor den Häusern.

DER INSELWESTEN
Das Sträßlein nach Neves ist das Sträßlein der Bierkutscher. Viele LKWs sind hier unterwegs – in Richtung Neves mit leeren Bierkästen, in Richtung São-Tomé-Stadt mit vollen Bierkästen.
Neves
In Neves steht die einzige Brauerei des Landes und damit der florierendste Industriebetrieb des Inselstaats. Während die halbe Insel in Ruinen liegt, wird das Rosema-Brauereiareal gehegt und gepflegt. Die São-Toméer lieben ihr Bier. Oder, wir erwähnten es bereits: Sie konsumieren es in einem Übermaß an Liebe.

Dass es die Rosema-Brauerei überhaupt gibt, ist der DDR-Entwicklungshilfe zu verdanken. Die Anlage wurde komplett aus der DDR angeliefert und im Anschluss hier aufgebaut. Abgefüllt wird das Bier in etikettlose braune Mehrwegflaschen, unseren ähnlich. Sie werden immer wieder aufgefüllt – ein sehr nachhaltiges Konzept. Jede Flasche schmeckt ein wenig anders. Mal hopfiger, mal malziger, je nachdem, was dem Braumeister gerade wieder ausgerutscht ist.
Neves steht aber nicht nur für Bier, sondern auch für Santolas. Ihr solltet die Santola-Hauptstadt des Landes keinesfalls verlassen, ohne die riesigen Spinnenkrebse geknackt und ausgelutscht zu haben. Wir probieren sie im gleichnamigen, bunt-einfachen Restaurant im Stadtzentrum. Dort werden sie in einem würzigen Sud gekocht und ganz minimalistisch mit Butterbrot serviert. Zum Öffnen der Schalen bekommt man einen Holzhammer. Danach sollte das Shirt in die Wäsche und man selbst unter die Dusche – was für eine geile Sauerei!

Gut zu wissen: In Neves könnt Ihr Geld abheben und einkaufen gehen. Es gibt einen Supermarkt und alles Nötige, was man sonst so braucht.
Die Mucumbli Lodge
In Neves steigen wir auf zwei Moto-Taxis und lassen uns in die → Mucumbli Lodge* fahren. Sie steht unter italienischer Leitung und gehört zu den am professionellsten geführten und schönstgelegenen Unterkünften auf São Tomé. Die Lodge ist stets bestens gebucht. Kümmert Euch also rechtzeitig um eine Reservierung!
Auf dem weitläufigen Areal verteilen sich stilvolle Bungalows mit herrlichen Meerblickterrassen, alle im gebührenden Abstand voneinander entfernt. Ein steiler Pfad führt von der Anlage hinab zu einem dunklen Strand.
Von tierischem Besuch ist in der Mucumbli Lodge auszugehen. Die Anlage wird nämlich nicht nur von Touristen, sondern auch von Eseln und zahlreichen anderen Tieren bewohnt. Darunter gibt es auch solche, die es cool finden, die zum Trocknen aufgehängte Wäsche der Touristen zu zerreißen oder zu zerbeißen – nur so ganz nebenbei.
Treffpunkt ist die Restaurantterrasse, egal ob zum Frühstück, zum Sundowner oder zum Abendessen. Vor unserem eigenen Aufenthalt in der Mucumbli Lodge trafen wir immer wieder Reisende, die in höchsten Tönen vom italienisch-sãotomensischen Essen der Lodge schwärmten. Eigenerfahrung: Das Essen ist gut, die Lobhudelei unseres Erachtens aber übertrieben. Auch anderswo haben wir immer wieder sehr gut gegessen. Aber eben keine Pasta – was nach ein paar Wochen Fisch mit Kochbananen die pure Gaumenfreude bedeuten kann.
Die Lodge biete zahlreiche Ausflüge an. Darunter sind anspruchsvolle Trekkingtouren genauso wie Erkundungstouren im Jeep. Auch werden Räder verliehen. Wir entscheiden uns für einen Tagesausflug mit dem Rad ins Fischerdorf Santa Catarina per Rad. Hin 15 Kilometer, zurück 15 Kilometer. Das reicht bei diesen Temperaturen.
Fahrradtour nach Santa Catarina
Olá! Olá! Braaaaaancos!“ Kreisch. Als Weißer im abgelegenen Osten der Insel unterwegs zu sein, bedeutet, noch mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen als anderswo. Hier wird der Tourist selbst zur Attraktion.
Kinder stürzen sich uns schreiend entgegen. Feldarbeiter mit Messer und Machete grüßen uns freundlich. Teenie-Mädchen in Schuluniformen begleiten uns, während wir die Räder im Schweiße unseres Angesichts einen Hang hochschieben.

Die Strecke nach Santa Catarina ist nett, ohne spektakulär zu sein. In Anambó, wo die Portugiesen im 15. Jahrhundert erstmals an Land gingen, gibt es einen heruntergekommenen Picknickplatz.

Danach holpern wir auf schlechter Straße vorbei an der Kakaoplantage Roça Diogo Vaz, an vielen Palmen, an schwarzen Sand- und Kiesstränden. Und durch einen fotogenen Tunnel geht es auch. Ein paar Wasserfälle und Schweißausbrüche später landen wir in Santa Cantarina. Der Weg ist hier das Ziel. Santa Catarina selbst ist ein armes Fischerdorf mit null Infrastruktur. Eine kühle Cola ist aber zu bekommen.


TRINDADE UND DAS INSELINNERE
Hat jemand den Kinofilm „Vor der Morgenröte“ (2016) geguckt, die bildgewaltige Filmbiographie über Stefan Zweigs Zeit in Brasilien? Wenn ja, dann habt Ihr im Film nicht Brasilien gesehen, sondern São Tomé. Weite Teile des Films wurden auf São Tomé gedreht, und viele Szenen wiederum in Trindade. Täglich spazieren wir hier Sträßchen entlang, auf denen im Film Josef Hader als Stefan Zweig unterwegs war.
Trindade fürs geistige Auge: Die zweitgrößte Stadt São Tomés ist ein gemütliches, aufgeräumtes Kleinstädtchen, das zwischen den vor sich hin dampfenden Bergen des Inselinneren liegt.
Wir bereuen keine Minute, uns hier für einige Tage einquartiert zu haben. Unser → Domizil*, ein gepflegtes Ferienhaus, überblickt den Ort und die grünen Hügel, über denen oft Wolken wie Tülltücher wabern. Von unseren Veranden schauen wir auf ein weißes Kolonialkirchlein mit Ziegeldach.
Unten im Zentrum modern die Ruinen eines Krankenhauses vor sich hin. Das ehemalige Postgebäude ist ein verblasstes Art-déco-Schmuckstück. Etwas weiter der ebenfalls marode Friedhof aus Kolonialzeiten. Treffpunkt ist der Platz zwischen Tankstelle und Mercado. Dort gibt es ein paar überaus nette Bars. Ein ernst zunehmendes Restaurant finden wir in Trindade allerdings nicht. Wer hier wohnen will, ist deswegen in einer Ferienwohnung am besten aufgehoben.

Roça Monte Café
Zwei Teerstraßen und unzählige Pfade schrauben sich von Trindade die Berge hoch. Anderswo gäbe es hier markierte Wanderwege en masse. Nicht so auf São Tomé. Ohne Guide ist man in diesem grünen Dschungel mit seinen zahlreichen Wasserfällen verloren. Dort sollen auch giftige Kobras und Riesentaranteln leben.
Die erdrückende Schwüle hat unseren Wanderehrgeiz in Trindade auf Null gesetzt. Stattdessen machen wir einen Ausflug zur Roça Monte Café, die auf rund 500 Höhenmetern liegt. Die Plantage stammt aus dem 19. Jahrhundert, das Gros des Inselkaffees wurde hier einst angebaut.

Heute ist die Plantage zwar noch immer aktiv, die Produktion aber wurde wie fast überall stark heruntergefahren. Man kann die Plantage mit ihren fotogenen Ruinen abspazieren (wer Glück hat mit Guide), einen Kaffee trinken, ein kleines Museum besichtigen und vor Ort auch übernachten. Das → Guesthouse Efraim* ist einfach, aber freundlich und charmant. Typisch São Tomé eben.
REISEFÜHRER SÃO TOMÈ UND PRÍNCIPE
The one and only Reiseführer für São Tomé und Príncipe ist der englischsprachige von Kathleen Becker aus dem Verlag → Bradt Guides*. Er ist zwar schon etwas älter (2021), aber ganz hervorragend in seiner Detailfülle – vor allem für Individualreisende. Eine Neuauflage wäre wünschenswert.
Mehr São Tomé und andere Atlantikinseln hier auf dem Blog
- São Tomé auf São Tomé: Was man über die Hauptstadt des afrikanischen Inselparadieses wissen wollte
- Tarrafal auf Santiago: Es war einmal ein Fischerdorf
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