StartEuropaGriechenlandDonoússa: Kykladenzwerg mit herrlichen Badespots

Donoússa: Kykladenzwerg mit herrlichen Badespots

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Donoússa ist eine stille Insel. Selbst die Zikaden scheinen die Ruhe auf der abgelegensten Insel der Kykladen nicht stören zu wollen. Sie zirpen so selten und leise, dass die Insulaner schon meinten, sie seien ausgestorben. So gaben die „Donoússaurier“ eine Anzeige auf und baten die Welt um ein Zikadenpärchen. Eine Mittelmeerinsel ohne Zikadengesänge darf es schließlich nicht geben! „Kyklade sucht Zikade“, titelte der Spiegel. Donoússa war für kurze Zeit in aller Munde. Das war vor zehn Jahren.

Ob Zikaden geschickt wurden, ist nicht überliefert. Tatsache ist: Im Oktober 2025 hören wir keine Zikaden auf Donoússa. Das aber kann dem Herbstwetter geschuldet sein – Zikaden zirpen erst ab 23°C. Wir dürften knapp darunter liegen.

Wie unterschiedlich diese Kykladen doch sind! Jede Insel hat ihren eigenen Charakter. Die eine ist laut, die andere leise. Die eine lädt zum Wandern ein, die andere zum Baden. Südlich von Donoússa erstreckt sich das lange, dünne Amorgós, eine karge Wanderinsel mit einem Bilderbuchkloster. Und gen Westen blickt man von Donoússa auf Náxos, eine grüne Insel mit weiten Olivenhainen und ebenfalls herrlichen Wanderwegen.

 

Reisetipps Donoússa: Donoússa bietet herrliche Blicke hinüber nach Amorgós, freundliche Ziegen und wunderbare Badespots

 

Und Donoússa? Donoússa ist eher Badeinsel als Wanderinsel, ein Tipp für Sonnenanbeter, denen schöne Strände, ein paar Tavernen und ein Meeresblickbalkönchen genügen. Donoússa mag manchen zu langweilig und landschaftlich zu einfältig sein, zu rau und schroff. Zu viel Dornengebüsch. Für andere aber ist die geruhsame Insel der Griechenlandtraum schlechthin. Das bezeugen die vielen Stammgäste mit Jahrzehnten Donoússa auf dem Buckel. Ein Everybody’s Darling ist die kleine Kratzbürste Donoússa also nicht. Auf jeden Fall aber eine Insel, auf der man schnell ein paar Gänge runterschaltet.

 

Reisetipps Donoússa: Inhaltsverzeichnis

 

 

Donoússa: Die wichtigsten Infos vorab

Eckdaten

Donoússa (auch: Donousa) ist knapp 14 Quadratkilometer groß. Beim letzten Zensus 2021 waren 213 Menschen auf Donoússa gemeldet. Etwa 120 Menschen leben hier ganzjährig. Im Sommer, so schätzt man, halten sich über 1000 Menschen auf der Insel auf.

Hinkommen und Wegkommen

Den Hafen von Donoússa steuern Fähren der Blue Lines von Piräus aus an. Zudem kommt die Skopelitis regelmäßig. Das herrlich altmodische Fährschiffchen verbindet die Inseln der Kleinen Kykladen (Irakliá, Schinoússa, Páno Koufonísi und Donoússa) mit Náxos und Amorgós. Was wann und wo unterwegs ist, erfährt man auf → Ferryhopper*. Die nächstgelegenen Flughäfen sind Náxos (JNX) und Santorini (JTR), für Flüge kann man → hier* schauen.

 

Blick von einem Fährschiff auf eine karge Insel
Reiseinfos Donoússa: Das kleine Fährschiff Skopelitis steuert Donoússa regelmäßig an

 

Rumkommen

Keine Autovermietung! In der Saison gibt es Badeboote zu den Stränden. Außerdem verkehrt dann ein Bus auf der einzigen Asphaltstraße, die vom Hauptort Ágios Stavrós im Süden nach Kalotarítissa im Nordosten führt. Schon Mitte Oktober wird die Buslinie jedoch eingestellt.

Übernachten

Die meisten → Unterkünfte* (Apartments und kleine familiäre Hotels) befinden sich im Hauptort. Die Luxusklasse ist nicht vertreten.

Wann?

Wer sich in der Nebensaison für Donoússa entscheidet, kommt zwar in den Vorteil günstiger Preise und leerer Strände, muss aber auch damit klarkommen, dass nur wenige Unterkünfte und Tavernen geöffnet haben. Man sollte gut zu Fuß sein (siehe Rumkommen) und sich auf eine spartanische Versorgungslage einstellen – Mitte Oktober schließt beispielsweise der einzige Laden, der Obst und Gemüse verkauft! Wer dann länger bleiben möchte und sich auch selbst versorgen will, kann mit der Fähre nach Náxos zum Einkaufen fahren.

 

Leere Terrasse einer typisch griechischen Taverne
Tote Hose, leere Tische: Nebensaison auf Donoússa

Wie lange?

Wir waren vier Tage da, was für uns ausreichend war. Andere aber bleiben Wochen und Monate.

Übrigens: Der düstere Film „Donusa“, ein deutsch-griechisches Drama aus dem Jahr 1992, entstand nicht auf Donoússa, sondern auf Kythira!

 

Ágios Stavrós: Der beschauliche Hauptort

Achtung Klischee! Schneeweiße Würfel ziehen sich vom Hafen den Hang hinauf, die einen mit Fensterläden so knallblau wie der Himmel, die anderen mit Fensterläden so türkis wie das Meer in der flachen Sandbucht davor. Auch auf Donoússa halten die Kykladen, was sie versprechen.

 

Reisetipps Donoússa: Ágios Stavrós heißt der überaus beschauliche Hauptort

Sightseeing? Überschaubar. Anzugucken gibt es nicht wirklich etwas im historischen Kern von Ágios Stavrós. Selbst das kleine Kirchlein ist in der Regel verschlossen. Gleiches gilt übrigens auch für die meisten Restaurants jetzt Mitte Oktober.

 

Weiß-blaue Kykladenkirche
Mit Sehenswürdigkeiten kann Ágios Stavros kaum dienen

 

„Rooms“-Schilder hier, „Studios“-Schilder da. Es gibt wohl kaum einen Insulaner, der nicht direkt oder indirekt am Tourismus mitverdient. Donoússa mag klein und ruhig sein, eine Jungfrau in Sachen Fremdenverkehr ist die Insel dennoch nicht. Der Tourismus ist ausgeprägt, aber erdverbunden. Jetzt im Oktober geht es beschaulich zu. Im Sommer aber wird hier gut was los sein, vermuten wir.

An der kleinen Hauptgasse findet man das Allernötigste: den bereits angesprochenen Gemüseladen, einen kleinen Supermarkt, eine Bäckerei. Die Bäckersfrauen sind stoffelig. Und auch die Dame im Supermarkt, die ihr Buch selbst beim Kassieren nicht aus der Hand legt, hat für uns kein Lächeln übrig. Als würden wir stören. Auf Donoússa empfinden wir die Menschen ruppiger als auf anderen Kykladeninseln.

Wochenendstimmung am Dorfstrand. Dieser gehört den Griechen, die aus Athen oder anderswo für ein paar Tage nach Donoússa kommen, um nach dem Ferienhäuschen der Familie zu schauen oder Freunde zu besuchen. Die Frauen klönen in Strandstühlen, die Männer stehen mit Mythos-Dosen zusammen.

 

Dorf mit weiß-blauen Häusern und Strand daneben
Am Dorfstrand von Ágios Stavrós lässt es sich gut aushalten

 

Zeit für den Sundowner. Die Luft füllt sich bereits mit dunstigem Gold, die Tage sind kurz Mitte Oktober. Wir holen uns zwei Bier und stapfen hoch zu einem Kapellchen, das von einem Hügel auf Ágios Stavrós hinabblickt. Setzen uns auf ein Mäuerchen, blicken aufs Meer und stoßen an. Ein Hoch auf Donoússa, einen dieser Orte, an denen die Welt noch gut zu sein scheint. Wie schön sie ist, erfährt nur der, der sie bereist. Wie hässlich sie sein kann, steht in der Zeitung. Jamas!

 

Mann sitzt im schönen Abendlicht vor einer griechischen Kapelle
Ein schöner Donoússa-Moment: Sundowner beim Kapellchen

 

To Kyma: Kafenion, Minimarkt und Taverne am Hafen

Das Kafenion To Kyma am Hafen sollte man auf die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes setzen. Es ist eine Mischung aus Tante-Emma-Laden, Kaffeehaus und Taverne. Das Interieur mit seinen gerahmten Schwarzweißfotos ist völlig aus der Zeit gefallen. Kaufmannsladen meets Puppenstube.

Von der Terrasse hat man einen Blick auf den oktoberleeren Hafen. An den Tischen Touristen und alte Männer. Erstere halten selig die Gesichter in die Sonne. Letztere sitzen im Schatten, trinken Schnaps und schreien durcheinander.

 

Terrasse einer Taverne

 

Am Abend wird das Café zur Taverne. Dann werden Papierdecken über die Tische gespannt, und die Tochter des Hauses kommt mit der Tageskarte, handgeschrieben auf einem DIN-A4-Blatt. Wir wählen Schmorbraten und Moussaka.

Am Nebentisch ein deutsches Paar im Rentenalter. Die beiden sehen aus wie viele hier: nussbraun gebrannt, alternativ gekleidet. Natürlich Stammgäste, herzlich begrüßt von der Wirtin. Auf Donoússa drücken wir nicht nur den Altersdurchschnitt der Donoússaurier nach unten, sondern auch den der Touristen, was eher selten vorkommt.

„Auf Donoússa trefft Ihr Deutsche, die fühlen sich mehr local als ein Local“, erzählte uns jemand ein paar Tage zuvor auf Amórgos. „Da trefft Ihr die Früher-war-alles-besser-Fraktion. Die sich zurücksehnen nach den alten Zeiten, als es noch keine Zimmer mit Bad auf der Insel gab und sich nur die freakigsten Freaks nach Donoússa wagten.“

 

Beach-Hopping: Über den Kédros-Strand zum Livádi-Strand

Der Himmel über Donoússa präsentiert sich während unserer Tage als ein blankes Blau, von ein paar verirrten Federwölkchen einmal abgesehen. Sonnenbadewetter. Unser erstes Ziel ist der Kédros-Strand, den wir von Ágios Stavrós nach etwas über einer halben Stunde erreichen. Zu Fuß, versteht sich. Der Blick von oben ist schon mal vielversprechend: eine sichelförmige Bucht und davor ein Meer so türkis wie in einem Seychellenprospekt.

 

Blick von oben auf eine türkisfarbene Bucht
Türkisblaue Verheißung: Blick von oben auf die Bucht von Kédros

 

Unten herrschen nackte Tatsachen. Donoússa ist ein Paradies für FKK-Fans. Manche der hiesigen Sonnenanbeter:innen sehen so aus, als hätten sie in den letzten Monaten kein Stück Kleidung mehr am Leib getragen. Zwei von ihnen – weiße Bärte, weiße lange Haare, Lederhaut – könnten beim Casting für ein Catweazle-Remake mitmachen. Wenn die in einer Höhle hinter dem Strand lebten, würde es nicht wundern.

Wir schwimmen eine Runde – die könnte herrlicher nicht sein. Auch wenn jeder Herbstregen das Meer ein Stück weit abkühlt, so glaubt man noch den heißen Mittelmeersommer im Wasser nachzuspüren.

 

Mann wandert in schöner Küstenlandschaft
Baden und Wandern auf Donoússa: Vom Kédros-Strand führen Pfade zu anderen Stränden

 

Die erhoffte Cola bleibt aus, die Bar hinter dem Strand wird gerade winterfest gemacht. Wir schnüren unsere Wanderschuhe und machen uns wieder auf den Weg. Auf steinigen Pfaden mit wunderschönen Ausblicken geht es vorbei an versteckten Stränden zur tief eingeschnittenen Bucht Vathí Limenári. Die kindskopfgroßen Kieselsteine dort finden wir wenig prickelnd.

 

Mann steht im Wasser einer türkisfabenen Felsbucht
Vorbei an versteckten Minibuchten…
Kiesbucht in karger Landschaft
… geht es zur Bucht Vathí Limenári

 

Endstation für den Tag: der schöne Livádi-Strand (Gesamtdauer ab Ágios Stavrós 1–1,5 Std.). Die sandige Traumbucht haben wir für uns alleine. Nicht ganz: Oben auf den Felsen leben Ziegen. Sie beäugen uns neugierig, während sanfte Wellen an den Strand lecken.

 

 

Inselumrundung zu Fuß

Wieder ein strahlend schöner Tag, flimmernd vor lauter Licht. Dazu ganz schön windig. Der Meltemi, wie der starke Nordwind der Ägäis heißt, gibt heute sein Bestes. In der Sommerhitze ist er eine Wohltat, jetzt im Oktober kann er aber auch mal empfindlich kühl sein.

Unsere Anoraks sind im Gepäck, als wir uns zur großen Inselumrundung aufmachen. Rund sechs Stunden sollte man dafür einplanen. Am Hafen findet Ihr eine Infotafel, zudem ist der Weg markiert, in weiten Teilen bestens – zumindest in jenen Abschnitten, wo der alljährliche Donoússa Trail Run vonstatten geht. Wo aber keine Läufer unterwegs sind, muss man die Augen nach Markierungen offen halten. Verlaufen aber kann man sich nicht, die Insel ist zu klein und die Route zu einfach: Von Ágios Stavrós geht es gegen den Uhrzeigersinn um die Insel, zuerst entlang der Ostseite in die Bucht von Kalotarítissa und von dort durch die Berge auf der anderen Inselseite zurück.

 

Küstenwanderweg am Mittelmeer
Als würde man direkt ins Meer wandern: Die Inselumrundung von Donoússa bietet spektakuläre Abschnitte

 

Wem die alten steinigen Eselspfade zu mühsam sind, der kann die erste Hälfte der Strecke auch auf der Straße wandern – kaum Autoverkehr! Diese besteht übrigens erst seit 2007.

Unsere Blicke schweifen immer wieder hinüber nach Amorgós. Nur das tiefblaue Meer trennt uns – das glitzert so silbrig, als hätte ein Flugzeug eine ganze Ladung Lametta darüber verloren. Später passieren wir das unbewohnte Messariá (mit Kapelle und Quelle) und das kaum noch bewohnte Mersíni.

 

 

Eine Pause in Kalotarítissa ist gleich zweifach eine gute Idee. Zum einen gibt es dort einen hübschen Strand, zum anderen die hochgelobte Taverne Mitsos, die die Paarhäuser-Bucht mit Grillfischduft erfüllt.

 

Siedlung in einer Bucht auf einer kargen Insel
Kalotarítissa: nette Bademöglichkeiten und eine gute Taverne

Wir wären gerne länger sitzen geblieben, sind aber spät dran und wollen nicht in die Dunkelheit kommen. Eine weise Entscheidung, denn der Rückweg über die Berge wird kein Spaziergang. Steil geht es hinauf bis zu einer Passhöhe. Unterwegs grüßt uns eine Ziege mit Augen wie Luzifer.

 

Ziege mit Augen wie der Teufel
Rückweg nach Ágios Stavrós: eine Ziege mit irren Augen, ein steiler Anstieg und herrliche Ausblicke

Oben zieht es wie Hechtsuppe, ohne Kapuze geht gar nichts mehr. Gleichzeitig werden wir beschenkt mit einem sagenhaften Blick hinüber nach Náxos – unserem nächsten Ziel auf diesem tiefenentspannten Inselhoppingtrip über die Kykladen.

 

Wanderer steht in karger Felslandschaft und blickt aufs Meer
Highlight beim Wandern auf Donoússa: der Blick hinüber nach Náxos

 

Literaturtipp

Im → Kykladen-Reiseführer* unseres Kollegen Eberhard Fohrer gibt es auch ein ausführliches Kapitel über Donoússa. Erschienen ist das Buch im Michael Müller Verlag.

 

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2 Kommentare

  1. Danke ihr beiden für diesen Einblick in eine Insel, von der ich bisher noch nie gehört habe. Hoffentlich bleibt es noch eine Zeitlang ein echter „Kennertip“. Es war interessant euch virtuell zu begleiten. Ich freue mich auf mehr von euch.LG Christiane von ein zweiter Blick

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