„Nothing is as nice as finding paradise and sippin’ on Bacardi Rum… La la la Bacardi Rum.“
Fällt der Groschen? Der eine oder andere von Euch erinnert sich vielleicht noch an den Song aus der Bacardi-Werbung. Schöne junge Menschen tanzten mit Rumgläsern in der Hand auf einem Traumstrand unter Palmen und brachten Tropensehnsucht in die Wohnzimmer. Was so durch und durch karibisch daherkam, wurde aber nicht in der Karibik eingespielt. Für den Clip von 1991 wählte man einen ganz anderen Teil der Welt: die Insel Príncipe im westafrikanischen Golf von Guinea.
Príncipe bildet zusammen mit der Hauptinsel → São Tomé das Land São Tomé e Príncipe, eine ehemalige portugiesische Kolonie. Príncipe ist mini, nur 19 Kilometer lang und knapp elf Kilometer breit. Und Príncipe ist herzerschütternd schön – auch abseits der Praia Banana, wie der „Bacardi-Strand“ aufgrund seiner Form tatsächlich heißt. Beim Anflug auf die Insel schauen wir hinab auf sattgrüne, dampfende Berge und weiße Sandbordüren vor türkisfarbenem Wasser. Príncipe, das ist die volle Kanne Tropenklischee.
Príncipe ist nicht zufällig so grün. Regenzeit heißt hier noch Regenzeit. Wenn wir unsere Tage auf Príncipe im Geiste nachzeichnen, so sehen wir uns im strömenden Regen auf einem Pickup sitzen. Sehen uns vor dem aufkommenden Regen nach Hause eilen. Sehen uns am Strand unter ein Palmendach flüchten, während dicke Tropfen aufs Meer prasseln. Und sehen uns im Sprühregen durchs Städtchen laufen, während zugleich die Sonne die Häuser anstrahlt und den Himmel regenbogenbunt anmalt.

Die Insel Príncipe ist nass und heiß, fröhlich und herzlich. Als Individualtourist Príncipe zu entdecken, ist jedoch gar nicht einfach, wenn man keinen Mietwagen hat. Was wir uns im Schweiße unseres Angesichts alles so erarbeitet haben auf der kleinen Insel, erzählen wir Euch in diesem Artikel.
Reisetipps Insel Príncipe: Inhaltsverzeichnis
Ilha do Príncipe: Die wichtigsten Infos im Überblick
Alle Reiseinfos, die das Land São Tomé und Príncipe betreffen, findet Ihr in unseren Artikeln über die → Hauptinsel São Tomé und die → Hauptstadt São-Tomé-Stadt. Hier folgen Zusatzinfos für die Ilha do Príncipe.
Anreise: Von São Tomé nach Príncipe
Schiff: Auf den Frachtschiffen von São Tomé nach Príncipe fahren neben Locals nur lebensmüde Low-Budget-Traveller mit. Der letzte Schiffbruch ereignete sich 2019. Die Schiffe verkehren über Nacht, acht bis zwölf Stunden dauert die Passage. Wer sich den Trip zumuten will, fragt am Hafen nach den Zeiten.

Flugzeug: Angesichts der Wetterkapriolen in diesen Breitengraden kann auch der kurze Flug (30 Minuten) mit Schweißausbrüchen verbunden sein. Die Flüge fallen zudem oft aus. Puffertage einbauen! Wir flogen mit einer Propellermaschine von Sevenair, einer portugiesischen Fluggesellschaft, die im Auftrag von → STP Airways unterwegs und über diese auch buchbar ist. 18 Passagiere passen in den Flieger. Flugbegleiter:innen waren nicht an Bord, die Sicherheitseinweisung gab der Co-Pilot. Ticketpreis retour ca. 150–250 Euro. Auch Fly Gabon fliegt die Strecke, mit Glück findet man da billigere Tickets.

Transport auf Príncipe
Ein öffentliches Nahverkehrssystem existiert nicht. Das erschwert das Rumkommen für Individualreisende. Príncipe-Besucher, die in den Nobelresorts im Norden der Insel (siehe unten) wohnen, buchen so genannte „Experiences“. Dabei werden sie in serengetitauglichen Safarifahrzeugen über die Insel gekarrt und können so Natur und Menschen in sicherem Abstand betrachten.
Taxis sind kaum aufzutreiben und wenn, dann teuer.
Alternativ kann man Autos mit und ohne Guide/Fahrer mieten. Dabei handelt es sich in der Regel um Kompakt-SUVs der Marke Suzuki Jimmy. Diese Allradfahrzeuge sind zwar robust, man sollte sie aber zu fahren verstehen – viel Spaß auf den steilen, ausgewaschenen Waldwegen hinab zu den Stränden! Zweimal sahen wir dort nach Regen stecken gebliebene Touristen, die mit dem Traktor herausgezogen werden mussten.
Auch nicht ohne sind Fahrten mit den allgegenwärtigen Moto-Taxis. Solange die Straße geteert ist, ist alles gut. Auf den nach Regen schmierigen Pflasterstraßen und Waldwegen bekommt man aber als Mitfahrer schnell weiche Knie. Wir haben’s überlebt. Die Moto-Taxi-Jungs warten vor der Markthalle (Mercado) von Santo António auf Kundschaft. Preise müsst Ihr aushandeln, von Santo António nach Picão zahlt man beispielsweise ca. 3 Euro. Mit Gepäck sind Moto-Taxis keine gute Idee.
Außerdem sind wir im Schweiße unseres Angesichts marschiert, bis die Achillessehne geschrien hat. 25.000 Schritte kamen einem Tag schon mal zusammen, und das bei 33 Grad und 87 Prozent Luftfeuchtigkeit.
An mehreren Tage waren wir zudem mit E-Bikes unterwegs, die unsere Unterkunft (siehe unten) vermietete – auf der kleinen Insel eine super Option.


Die Locals fahren per Anhalter. Wenn Regen aufzog, haben wir das auch gemacht. Und wurden auch mitgenommen. Grundsätzlich finden es die Leute vor Ort aber nicht allzu toll, wenn vermeintlich reiche Touristen auf diese Art und Weise die Insel erkunden. Schließlich kann man ja ein Moto-Taxi nehmen, und dann bleibt ein wenig Geld im Dorf.
Wo wohnen auf Príncipe?
Der eine Teil der Príncipe-Urlauber wohnt in den Luxusherbergen der Príncipe Collection. Dazu gehören
- die Bungalowanlage an der → Praia Bom Bom* (DZ ca. 600 Euro/Nacht),
- die Unterkünfte an der → Praia Sundy* (Villa für 2 Pers. mit Mahlzeiten ab ca. 700 Euro/Nacht mit Regenwaldblick, zum Meer hin etwa das Dreifache),
- die Zimmer der darüber liegenden → Roça Sundy* (DZ ab 400 Euro/Nacht) sowie
- das Hotel → Roça Belo Monte* über der Praia Banana (DZ ca. 440 Euro/Nacht).
Diese Unterkünfte sind zugleich die einzigen, die an den tollen Badestränden bzw. nahe daran liegen.

Die Nobelhotels und dazu viele landwirtschaftliche Betriebe der Insel gehören übrigens zur südafrikanischen Investmentgruppe HBD. Wer bei HBD angestellt ist, dem geht’s nicht schlecht. Hinter HBD steckt nämlich Mark Shuttleworth, ein südafrikanischer Tech-Milliardär (Gründer von Ubuntu) und Gutmensch, kein Elon Musk. 515 Insulaner:innen arbeiten auf Príncipe für HBD. Die schicken HBD-Pickups sind allgegenwärtig. Die Abhängigkeit vom Wohlgefallen eines Mannes birgt aber auch Risiken für die Insel.
Wer die Preise der Príncipe-Collection-Hotels nicht zahlen kann, wohnt in der Regel in den einfachen Pensionen oder Apartments im Städtchen Santo António. Die Zahl der Unterkünfte ist überschaubar. Bucht deswegen unbedingt zeitig im Voraus! Wir waren zehn Tage auf der Insel und mussten zweimal umziehen, was damit zusammenhing, dass wir zu spät buchten und der Belegungsplan der Unterkünfte uns immer nur einige wenige Tage an einem Ort zugestand.
Sehr zufrieden waren wir mit der → Roça Maria Helena* am südlichen Ortsende von Santo António. Keine herrschaftliche Plantage, wie der Name vermuten lässt, sondern ein grüner Garten am Fluss, in dem zwei nette Studios und ein Ferienhaus vermietet werden. Tagsüber zwitschern die Vögel, ab drei Uhr nachts krähen die Hähne – dagegen kommen auch keine Ohrenstöpsel an. Gutes Frühstück.
Marcela, die geschäftstüchtige Betreiberin der Roça, vermietet E-Bikes und ein weiteres Ferienhaus im Zentrum von Santo António. Dort haben wir ebenfalls ein paar Tage verbracht. Es ist gut ausgestattet, hat aber leider keinen nennenswerten Außenbereich.
Die letzten Tage auf Príncipe haben wir in einem der Zimmer über dem Restaurant Beira Mar in Meernähe gewohnt. Die Zimmer sind sehr einfach, aber blitzblank. Für 40 Euro mit Frühstück darf man auch nicht allzu viel erwarten. Uns lockte insbesondere die große Gemeinschaftsterrasse über dem Lokal. Geführt wird das Beira Mar von der lässigen Juditinha. Die Unterkunft ist auf keinen Portalen vertreten, einfach vorbeigehen und fragen oder, falls Ihr Portugiesisch könnt, anrufen (Tel. +239 991 6310).
Was und wo essen auf Príncipe?
Auch das sind Fragen von großer Wichtigkeit auf der kleinen Insel. Auf Príncipe gibt es nur wenige hotelunabhängige Restaurants. Und von den wenigen sind nicht alle gut und nicht alle immer geöffnet, wenn man Hunger hat. Teilweise kamen wir uns auf Príncipe ein wenig vor wie die hiesigen Straßenhunde: den ganzen Tag auf Futtersuche. Vier Tipps für Santo António:
- Armazém Restaurante Roça Porto Real: Großer luftiger Speisesaal, draußen eine ummauerte Terrasse. Lecker Grillfisch und gutes Hähnchen mit Pommes – und zwar mit echten Kartoffelpommes, nicht mit den allgegenwärtigen Kochbananenchips. Nur abends geöffnet. Nahe dem einzigen Kreisverkehr des Städtchens, Tel. +239 997 1194
- Café Tropical: Neueres Holzhäuschen mit Terrasse zur Straße hin. Hier bereitet ein netter junger Mann den Grillfisch genauso lecker zu, verlangt dafür aber erheblich weniger. Als Beilage aber Kochbanenchips (dagegen gäbe es an sich gar nichts zu sagen, wenn man sie nicht ständig auf dem Teller hätte…). An der Straße nach Portinho, noch fußläufig zu erreichen. Tel. +239 991 3734.
- Rosa Pão: Authentische Hausmannskost in authentischem Ambiente. Bei Rosa wird gegessen, was auf den Tisch kommt (keine Speisekarte), Hühnchen mit Kaffeesauce zum Beispiel. Gut und günstig. Hinterher gibt’s Ananas. Nur abends geöffnet, reservieren! Tel. +239 991 6621.
- Beira Mar: Die gute Juditinha (siehe Übernachten) serviert ebenfalls beste Hausmannskost. Wir hatten hier eine fantastische Fisch-Moqueca. In der Regel nur mittags. Tel. +239 991 6310
Außerdem gibt es im Städtchen einen Bäcker (der ausschließlich Brot verkauft, Rua de Guiné Bissau) und zwei Supermärkte mit überschaubarem Angebot. Der Supermarkt beim großen Kreisverkehr hat immerhin auch Backwaren, zum Beispiel Bolas de Berlim (Krapfen mit Vanillecreme).
Obst und Gemüse bekommt Ihr auf dem zentralen Mercado, dem trubeligsten Eck des verschlafenen Santo António.
Wie lange bleiben auf Príncipe?
Die wenigsten Touristen bleiben länger als vier Tage. Wir waren zehn Tage da und haben längst nicht alles sehen können auf der kleinen Insel – den Transportmöglichkeiten und dem Wetter geschuldet. Der viele Regen im Februar kostete uns viel Zeit.

Santo António: Wo sich das Inselleben abspielt
Etwas über ein Drittel der rund 10.000 Einwohner von Príncipe leben im Hauptort Santo António. Geruhsam geht es zu, Hektik ist ein Fremdwort. Das Städtchen zählt sieben Polizisten, sechs Sportvereine und eine ganze Menge Kneipen. Auf den nach Regen dampfenden Straßen schlafen Streuner. Wer länger bleibt und sich auf die Leute einlässt, wird das Santo António schnell lieben lernen.
Schon am zweiten Tag begrüßt uns der Kneipenwirt mit Handschlag, winken uns neue Bekannte aus dem Pickup zu. Es begegnet uns keine Grimmigkeit, die Leute wirken fröhlich oder zumindest zufrieden. Selbst die Zeugen Jehovas stehen giggelnd hinter ihren Wachtturm-Ständen. Schulkinder in Uniformen stolpern schreiend aus dem Schulbus – der übrigens eine Spende von Cabo Verde ist.
Santo António erscheint in Teilen so, als wäre den Regenwaldbergen ein portugiesisches Landstädtchen vor die Füße gefallen. Der Ort liegt an einer fjordartigen Bucht, in die ein Fluss mündet. Bei Flut spiegeln sich Palmen im Flusswasser. Wo die letzten Häuser aufhören, beginnt sofort der Dschungel – vor Feuchtigkeit schmatzendes Grün, aus dem es tschilpt, als würden viele Vögel gleichzeitig Hochzeit machen.

Spaziergang durchs Zentrum
Es gibt zwei adrette Kirchen, die eine weiß-blau, die andere im Schönbrunner Gelb gestrichen. Letztere seht an der zentralen Praça. Diese ist umringt von Repräsentativbauten, vorm alten Rathaus ein Fahnenmast. Allmorgendlich laufen drei Soldaten im Stechschritt auf, um zum Fanfarensignal die Landesflagge zu hissen. Am Abend kommen sie zurück und holen die Flagge wieder ein.


Viel los ist ansonsten nicht auf den Straßen. Wir spazieren vorbei an frisch renovierten Villen aus der Kolonialzeit, aber noch mehr an vergammelten. Die salzige, klamme Luft legt sich wie eine Tuchmaske über die Mauern und hinterlässt Shabby-Chic-Fassaden, die man durchaus als fotogen bezeichnen kann. Aus manchen wachsen Bäume.


Hier und dort sehen wir ein paar schöne kleinere Streetart-Pieces. Sie stammen von der portugiesischen Künstlerin → Jacqueline de Montaigne, die zwischen Cascais und Príncipe pendelt. Eine Wand schmücken zwei endemische Vogelarten:

Jacqueline de Montaignes hat auch das „Sign Project“ ins Leben gerufen. Dieses hat einen ganz simplen Hintergrund, der auch Touristen zu Gute kommt: Die meisten Läden in Santo António verzichten auf eine Beschriftung. Die Locals wissen ja schließlich, wo sie hin müssen für einen neuen Haarschnitt oder ein paar frische Eier. Wenn aber auch Fremde davon wüssten, könnte man gleich mehr verkaufen und damit auch mehr verdienen. Eine cooler Push für die Kleinunternehmer auf Príncipe.
Picheln und feiern
Aus jedem dritten Haus schallt Musik. Die Príncipenses lieben es zu feiern. Beim Karnevalsumzug tanzen vormittags die Lehrerinnen mit ihren Kindern durch die Straßen und nach Sonnenuntergang die hübsch aufgedressten Inseltwens.

In den Kneipen – oft nicht mehr als kleine düstere Verschläge – ist immer etwas los. Früh, mittags und abends. In den lautesten laufen Arschwackelvideos aus Mosambik oder Angola in Dauerschleife.
Die Príncipenses trinken gerne, mehr noch als ihre Landsleute auf der Hauptinsel São Tomé. Ganze Frachter voll Tetra-Pak-Wein aus Portugal landen im Hafen von Santo António an. Auch Bierkästen stapeln sich auf den Schiffen – das nationale Rosema-Bier wird auf São Tomé gebraut und in etikettlose braune Flaschen abgefüllt. Frauen mit Gehbieren in der Hand oder Gemüseverkäufer, die schon früh morgens ein Rosema-Fläschen in der Hand halten, sind alltägliche Bilder.

Zur Praia Banana
First things first. Die Praia Banana, der Promi unter den Stränden von Príncipe, steht natürlich auch auf unserer Bucketlist ganz oben. Mit dem Moto-Taxi lassen wir uns zunächst ins Dorf Picão bringen. Unser Plan: von dort zur Praia Banana wandern. Bis wir die letzten Häuser hinter uns lassen, ruft’s immer wieder „Olá, olá!“ aus den Gärten. Kleine Mädchen mit eingeflochtenem Glitzerzeug im Haar kommen angeflitzt. High-Five. Lachen.
Anderthalb Stunden geht es durch einen Wald, in dem es wohl auch Tarzan gut gefallen hätte. Anfangs Sonne, dann pechschwarzer Himmel.

Wir schaffen es gerade bis zur Aussichtsplattform über der Praia Banana, blicken von dort hinab auf diesen fast unwirklichen Bananentraum, und schon ruft der Harald Jäger des Himmels: „Wir fluten jetzt“. Eine Stunde Sturzbach aus den Wolken. Überall bilden sich mächtige Pfützen oder kleine Seen. Die Bananen-Praia unten, wir oben unterm Schirm und unter dem Dächlein einer Toreinfahrt. Was soll’s. Wir haben ja Zeit.
Dann kommt die Sonne wieder. Auf dem Pfad hinab zum Strand gefühlte 99 Prozent Luftfeuchtigkeit. Doch die Praia Banana ist jede Schweißperle wert. Plötzlich liegt sie vor uns. Der Sand zwar gröber als gedacht, doch das Wasser der pure Wahnsinn – hier werden Schlümpfe unsichtbar. Mit uns nur fünf andere Touristen. Anderswo in der Welt stünden die Instagramer Schlange. Nicht so auf Príncipe.


Infrastruktur: Im Februar 2026, als wir hier waren, war das Strandrestaurant der Praia Banana unbewirtschaftet und das darüber liegende Nobelhotel Roça Belo Monte* geschlossen. Mittlerweile hat es nach umfangreicher Sanierung wieder geöffnet.
Roça Sundy und Praia Sundy
Zwei Mototaxis bringen uns durch herrliche Landschaft zur Roça Sundy. Mit 1657 Hektar ist die Roça die größte Plantage auf der Insel. Seit 2026 steht sie zusammen mit fünf anderen Plantagen des Landes auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Roças sind Relikte des agro-industriellen Systems der Kolonialzeit, das ohne Sklaven und Zwangsarbeiter nicht hätte funktionieren können.
Die meisten Roças sind heute nur noch Schatten ihrer selbst. Aus einigen wenigen wurden Nobelhotels, so aus der Roça Sundy. 400 Menschen, die vorher hier lebten, mussten dafür umgesiedelt werden. Diese wohnen jetzt zwar komfortabler, ihr gewohntes Umfeld aber mussten sie verlassen.

Auf der Roça wird heute noch Kakao angebaut. Das meiste Geld bringt aber der Hotelbetrieb. Vorbei an einem verfallenen Krankenhaus steuern wir das ehemalige Herrenhaus an. Darin unter anderem die Rezeption und das Restaurant. Dessen Terrasse steht auch Nichtgästen offen. Einen Kaffee in dem wunderschönen Ambiente gönnen wir uns. Ein Meerblickzimmer in der Etage darüber würde unser Budget hingegen sprengen.
Wir erkunden das Areal in aller Ruhe und nehmen dann den wildromantischen Dschungelpfad hinab zur Praia Sundy. Auch die dortige Bungalowanlage hinter dem Strand ist vom Feinsten. Mit Meerblick und drei Mahlzeiten am Tag gibt’s ’ne schicke Villa ab etwa 2200 Euro pro Tag. Ein Schnapper also. Schweizern und Südafrikanern gefällt es hier. Der Strand ist wie alle Strände der Insel frei zugänglich: gelber Sand, blaues Meer und dichter grüner Regenwald dahinter.
Praia Bombom: Traumstrand zum Dritten
Dieser Strand ist nicht nur „gut gut“. Dieser Strand ist „bildschön bildschön“. An der Praia Bom Bom fällt man direkt in eine Postkarte. Tadellos gewachsene Kokospalmen beugen sich über einen wellenbespülten Teppich aus Sand. Dieser ist manchmal fast leer (unter der Woche) und manchmal gut besucht (am Wochenende). Dann nämlich zieht es auch die Insulaner zuhauf an ihre Strände.
Die großen Príncipenses chillen unter Palmen (mit dem Bierfläschchen, versteht sich…), die kleinen kreischen im Wasser. Paare machen Fotoshootings. An diesem Ort möchte man bleiben. Und bleiben. Und bleiben. Und dabei den ganzen Bullshit dieser Welt einfach vergessen.

Auch an der Praia Bom Bom gibt es ein sündhaft teures Hotel mit Bungalows direkt am Strand und einer tollen Strandbar. Die meisten Gäste sind tagsüber allerdings auf „Safari“ und gar nicht am Strand anzutreffen.

Radtour zur Roça Terreiro Velha
Unser nächstes Ziel steuern wir mit den E-Bikes an: die Roça Terreiro Velha sechs Kilometer südlich von Santo António. Bei jedem Stopp auf dieser Route werden wir von Kindern umzingelt, die unsere Fortbewegungsmittel schräger finden als deren Fahrer. Vermutlich gibt es die E-Bikes auf der Insel noch nicht lange. Sie laufen uns keuchend hinter, versuchen Schritt zu halten. Irgendwann geben sie auf.

Auf der Plantage Terreiro Velha lässt der Italiener Claudio Corallo den Kakao für die angeblich „beste Schokolade der Welt“ anbauen. Die Verarbeitungsstätten dürfen leider nicht besichtigt werden, man kann sie aber von einer Anhöhe überblicken. Schneller als der Blitz kommt ein Guide aus den Plantagenunterkünften angelaufen. Von ihm erfahren wir die wichtigsten Eckdaten: 55 Menschen arbeiten hier. 1000 Kilo Kakao werden pro Jahr geerntet, und zwar zwischen Juli und November.

Schokoladen-Info: Die Schokolade von Claudio Corallo ist auf São Tomé und Príncipe selbst gar nicht so einfach zu bekommen. Wir selbst testeten sie erst auf dem Flughafen von São Tomé, als wir auf den Rückflug warteten. Für alle, die mit Milka Vollmilch groß wurden, können sie eine Enttäuschung sein: zu bitter, zu trocken und sehr teuer (acht Euro für ein paar dünne Scheibchen).
Auf der Anhöhe über der Plantage steht das ramponiert wirkende bzw. nur provisorisch restaurierte „Herrenhaus“ auf grüner Wiese, mit vortrefflichen Ausblicken auf den Ôbo-Naturpark im Süden von Príncipe. „Sind die Corallos auf der Insel, wohnen sie hier“, erzählt uns der junge Guide.

Die Blicke reichen bis zum Pico de Príncipe, dem mit 948 Metern höchsten Berg der Insel. Von der Plantage führt ein Wanderpfad zum Wasserfall Oquê Pipi. Der Wasserfall entgeht uns genauso wie der gesamte Naturpark, ein UNESCO-Biosphärenreservat. Er nimmt den Süden der Insel komplett ein.
Eigentlich stand Trekking auf dem Príncipe-Zettel. Doch unsere Kreisläufe sagen in der ewigen Schwüle mit Nachdruck „Nein!“. Laut Wetter-App fühlen sich die stets vorausgesagten 33 oder 34°C wie 43 oder 44°C an. Doch egal: Allein diese Ausblicke sind wahnsinnig genug. Wer muss da noch wandern?

Die Strände östlich von Santo António
Auf dem Rückweg klappern wir die Strände östlich von Santo António ab. Auch sie sind fotogen, aber nicht unbedingt zum Schwimmen geeignet. Hier nämlich gibt es im Gegensatz zu den Vorzeigestränden im Norden von Príncipe keine Luxusresorts hinterm Sand, sondern kleine Fischersiedlungen. Und das bedeutet: Die Strände werden aus Mangel an Alternativen auch als Toiletten benutzt.

Auf der Praia do Abade stehen bunte Holzhäuser auf Stelzen direkt am Strand. Schweine, Hunde und Hühner laufen durch den Matsch. Die Männer sitzen beim Bier zusammen, wir holen uns eine Cola von einem der Kioske. Kinder plantschen im Wasser. Auch wenn alles schwer nach Filmkulisse aussieht, wohnen hier doch die Ärmsten der Insel. Überall auf der Welt, so scheint es, ziehen Fischer die existenzielle Arschkarte.

Schon sauberer ist die Praia Salgada nur einen Steinwurf entfernt weiter Richtung Santo António. Das Wasser klar wie Kloßbrühe, der Sand aber durchmischt mit Scherben – wir verzichten auf ein Bad, verbringen hier aber eine gemütliche Lesestunde.
Der dem Inselzentrum nächstgelegene Strand ist die Praia Évora. Superschön und superschmutzig. Die Praia Évora scheint so etwas wie der Partystrand der Inseljugend zu sein. Hier stapeln sich die ausgetrunkenen Superbock-Fläschchen aus Portugal. So schade. Warum überhaupt Bier in Wegwerfflaschen importiert werden muss angesichts der Tatsache, dass auch die nationale Brauerei ihr Handwerk beherrscht und Mehrwegflaschen verwendet, ist uns ein Rätsel.
Zur Roça Porto Real
Wir radeln gen Süden aus Santo António heraus Richtung grüne Berge. Es geht vorbei an einer hübschen Kapelle.
Kurz darauf wieder mal ein Príncipe-Kuriosum. Kurz vor der Roça Porto Real steht eine Ruine next level. Stufen führen vorbei an ein paar Palmen einen Hügel hinauf direkt auf ein grün überwuchertes Loch zu. Angkor Wat lässt grüßen. Das „Loch“ führt in einen riesigen, komplett überwucherten Gebäudekomplex. In einst verkachelten Räumen, selbst auf Dächern, wachsen Bäume.


Bei einer Cola im Kiosk der Roça Porto Real erfahren wir wenig später, wo wir eben herumgestiefelt sind: im ehemaligen Hospital der Roça. So lange ist es schon geschlossen, dass sich die Menschen nicht mehr daran erinnern können, wann hier das Licht ausging.
Die Roça ist heute nicht viel mehr als ein idyllisches Dorf in den Hügeln. 300 Menschen leben noch hier.

Zur Roça São Joaquim
Auf dieser kleinen Insel, die uns so groß vorkommt, lernen wir irgendwann: Der Weg ist das Ziel. Denn manchmal ist das Ziel einfach nicht zu erreichen – weil uns die Hitze zu sehr erschöpft, weil wir die Entfernungen unterschätzen oder weil es mal wieder in Strömen regnet.
So wird auch unser letzter Ausflug zur Roça São Joaquim im komplett abgelegenen Westen der Insel zu einem Reinfall und Erlebnis gleichzeitig. Geplant war, zum Dorf zu radeln und von dort zu einsamen Stränden nahebei abzusteigen. Leider aber ist der Weg zur Roça São Joaquim, wie so viele Wege auf der Insel, in einem katastrophalen Zustand: steil, schlammig, glitschig. Als wir groggy am großen zentralen Platz der Roça ankommen, verbellen uns die Dorfhunde derart, dass wir den Schwanz einziehen und den Rückweg antreten.

Doch auch wenn wir unser Ziel nicht erreicht haben, so war der Weg allein schon herrlich. So herrlich wie ausnahmslos alle Wege auf diesem verboten schönen Inselchen. Auf Príncipe unterwegs zu sein, das ist Slow Travel at its Best. Denn langsamer geht’s nicht.
Literaturtipp
The one and only → Reiseführer über São Tomé und Príncipe* hat Kathleen Becker für den englischen Verlag Bradt Guides geschrieben. Er ist zwar schon etwas älter (2021), aber hervorragend recherchiert. Eine Neuauflage wäre wünschenswert.
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