„Varna oder Burgas? Das ist wie mit den Beatles oder den Stones, wie Köln und Düsseldorf, Union oder Hertha BSC Berlin. Beides geht angeblich nicht.“
So steht’s im Bulgarien-Reiseführer aus dem → Trescher Verlag*. Der Titel war bei unserem Doppel-Städtetrip an der bulgarischen Schwarzmeerküste mit im Gepäck. Varna (auch: Warna) und Burgas nahmen wir nicht zum ersten Mal unter die Lupe. In den 1990er-Jahren waren wir schon mal da. Damals besuchten wir die beiden größten Schwarzmeerstädte Bulgariens noch getrennt voneinander. Erinnerungen? Vergilbt. Zeit also für einen gemeinsamen Revisit!
Spoiler: Schockverliebt waren wir auch dieses Mal nicht, weder in Varna noch in Burgas. In einer anderen Zeit müssen die Städte bildhübsch gewesen sein. Noch immer bröckeln viel zu viele Jugendstilschönheiten traurig vor sich hin. Oder ducken sich schüchtern zwischen sozialistischen Bauten. Manche Plätze sind zu groß und/oder zu leer. Die Fußgängerzonen wirken blass, hier und da verhunzt von Stilbrüchen der Nachwendezeit. Wie schön Burgas und Varna einmal waren, kann man vielerorts aber noch erahnen – vor allem dann, wenn man sich die Bausünden und Brachen wegdenkt. Wer in Berlin lebt, hat Übung darin.

Doch genug ausgeteilt. In der Summe sind Burgas und Varna durchaus angenehme Ziele. Vieles gefiel uns. Das ewige Möwengeschrei. Das entspannte Leben am Meer. Die Freundlichkeit der Einwohner. Das Essen. Der Wein. Die Alleen, das viele Grün.
Varna und Burgas, Luftlinie keine 100 Kilometer voneinander entfernt, ähneln sich in vielen Dingen, sind beide Industrie-, Hafen- und Strandstädte in einem. Haben beide große grüne Parkanlagen über ihren Stränden. Und doch waren wir von einer Stadt weit mehr angetan als von der anderen: von Varna. Unsere Favoritin ist urbaner und lebhafter als ihre kleine Schwester. Wer’s aber gerne überschaubarer mag, wird vielleicht Burgas den Vorzug geben.
In eigener Sache: Was Ihr hier lest, hat keine KI aus dem Netz zusammengeklaut. Hier bekommt Ihr Infos von zwei langjährigen Reisebuchautoren, denen Ehrlichkeit und Authentizität beim Erstellen von Reise-Content außerordentlich wichtig ist. Mehr über uns hier.

Inhaltsverzeichnis
Varna im Sommer: Life is a Beach
Griechisches Viertel und römisches Bad
Muttergottes-Kathedrale und Staatsoper
Ost-Brutalismus: Denkmal der bulgarisch-sowjetischen Freundschaft
Spaziergang durch die Fußgängerzone
Weitere Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Burgas
VARNA
Fangen wir mit den Möwen und den Katzen an. Möwen und Katzen gibt es in Varna (und auch in Burgas) wie Sand am Schwarzen Meer. Mit Möwenjauchzen und Katzenjammer beginnt der Tag und mit „Kjau Kjau“ und „Miau Miau“ endet der Tag. Während die Katzen duckmäuserisch durch die Straßen huschen, sind die riesigen Möwen die eigentlichen Herr:innen der Stadt. Sie spazieren wie Graf und Gräfin Koks über die Promenaden, lauern auf Essen, zerren an Mülltüten und kacken einem auf den Kopf.

Neben Möwen und Katzen leben rund 320.000 Menschen in Varna, und vielen scheint es augenscheinlich gut zu gehen. Die zweitgrößte Stadt Bulgariens verfügt über mehrere Universitäten, auch viele Ausländer studieren hier. Varna ist jung, Varna ist schlau.
Varna im Sommer: Life is a Beach
Wer im Frühjahr oder Sommer in Varna aufschlägt, sollte zuerst runter zum Strand. Er ist der Place to be, jeder Einwohner Varnas hat vermutlich seinen ganz persönlichen Lieblingsort am Strand.
Der ist über drei Kilometer lang, eher grau als golden und voll mit Bars zwischen hippiesk und elitär, Restaurants und Beachclubs. Die Preise Letzterer sind mehr als fair, wie überhaupt alles in diesem im europäischen Vergleich noch sehr kostengünstigen Reiseland.

Auf den Liegestühlen versammeln sich Locals und Touristen – wir hören Bulgarisch genauso wie Deutsch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Türkisch. Kaum ein Türke, der ein Visum bekommt, urlaubt mehr im eigenen Land. Viel zu teuer, vor allem dann, wenn man gerne mal einen hebt.
Die einzelnen Strandabschnitte werden von felsigen Abschnitten oder betonierten Stegen unterteilt. Dort stehen Angler, dort sitzen Teenies beisammen und lassen ihre Beine ins Wasser baumeln. Auch gibt es warme Schwefelquellen in Strandnähe, die in einem kostenlos zugänglichen Becken gesammelt werden – eine klasse Angelegenheit in den kühleren Monaten!

Hinter dem Strand verläuft eine Promenade vorbei an unzähligen Lokalen und Kiosken. Radler sind unterwegs, Skater, Jogger. Die Luft riecht nach frittierten Tsatsa, wie die kleinen Schwarzmeersardellen genannt werden. Wir kennen sie als Hamsi aus der Türkei. Ein köstlicher Snack zum Bier! Ganz klar sind da auch die Möwen am Start ;-).
Unser Tipp für Euch: Es gibt bislang nur wenige Zugänge vom höher gelegenen Meeresgarten zum Strand. Wer in Varna einen reinen Badeurlaub plant, sollte eine → Unterkunft* nahe einem Strandzugang buchen, um nicht allzu weite Wege zwischen Zimmer und Liegestuhl zu haben.
Der Meeresgarten
Der Meeresgarten von Varna, das ist ein Garten XXL. Oder anders gesagt: ein riesiger Park, den man Garten nennt. Die etwa vier Kilometer lange, baumbestandene Oase über dem Strand ist üppig grün und im Sommer herrlich frisch und schattig. Pärchen liegen auf der Wiese. Omas sitzen an den Springbrunnen. Ein Saxophonist bläst ein Ständchen.

Der Park wird gehegt und gepflegt. Hier und da schmücken ihn liebevoll angelegte Blumenrabatte. Die Gehwege sind sauber. Da sind wir in Berlin anderes gewöhnt, da sind wir neidisch. Es ist ein Park ohne Obdachlose, ohne Dealer und ohne überquellende Mülleimer – ein Parkträumchen, das fast aussieht wie von der KI generiert. Und doch real ist.
Im Park verteilen sich nicht nur zahlreiche bildhauerische Arbeiten, sondern auch schmucke Bauten, die heute ganz unterschiedlichen Zwecken dienen – vom Restaurant bis zum Museum. Ein Manko des Parks jedoch und zugleich eine rote Karte für Varna: das Delfinarium darin, das einzige Bulgariens. Walschützer protestieren seit Jahren vehement dagegen.
Ein Tipp für Fans sozialistischer Propagandakunst ist das Pantheon im Park. Zum Gedenken an die gefallenen Kommunisten im Kampf gegen die Faschisten wurde es 1959 errichtet. Es zeigt zwei Soldaten, der eine verwundet, der andere auf der Hut mit der Waffe in der Hand. Das unterirdische Beinhaus ist heute leer, das Denkmal hat rein symbolischen Charakter.
Griechisches Viertel und römisches Bad
Würden wir nach Varna ziehen, wäre das griechische Viertel wohl die Gegend, wo wir auf Wohnungssuche gehen würden. Aber auch für ein paar Urlaubstage ist es ein hervorragender Standort – sucht Euch am besten hier eine → Unterkunft*.
Das griechische Viertel erstreckt sich hinter dem Meeresgarten, grob zwischen dessen südlichem Ende bis etwa Höhe Preslav-Straße. Es liegt somit in Spuckweite zum Meer und bietet nette Lokale, Bars und ein hippes Publikum. Auch zu den Bars und Restaurants am Hafen ist es nicht weit. Das griechische Viertel kommt kleinstädtisch daher. Griechenlandcharme besitzt es nicht. Zwar gibt es noch einige Altbauten, doch Zweckbau herrscht vor, aufgehübscht durch jede Menge Bäume.
Das Viertel war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein vornehmlich von Griechen besiedelt. Mit der Befreiung Bulgariens vom osmanischen Joch jedoch wurde die Stimmung zunehmend nationalistisch. Zusammen mit den Streitigkeiten um Mazedonien gerieten die bulgarischen Griechen immer mehr in Bedrängnis. Trauriger Höhepunkt: das antigriechische Pogrom von Varna im Jahr 1906. Viele Griechen verließen daraufhin ihre Heimat gen Griechenland. Es war die erste von mehreren griechischen Auswanderungswellen bis zum Zweiten Weltkrieg.
Detailinfos zum römischen Bad findet Ihr hier.
Größte Sehenswürdigkeit des griechischen Viertels ist kein griechisches, sondern ein römisches Bad. Die Ruinen der antiken Therme liegen mitten in einer Wohngegend und sind recht stattlich. Auf 7000 Quadratmetern verteilen sich Mauern, die teils bis zu 22 Meter hoch ragen. Zu erkennen sind noch Reste des Kanalsystems und freigelegte Pools.

Das Bad wurde bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. genutzt, und nicht nur zum Baden. Im Archäologischen Museum ist das „Hinweisschild“ zum badeigenen Bordell zu bestaunen:

Archäologisches Museum
Das Archäologische Museum am breiten Boulevard Knyaginya Maria Luiza ist das größte und interessanteste Museum der Stadt. Eine Besichtigung ist unbedingt empfehlenswert! Die Schwarzmeerküste ist Siedlungsraum seit prähistorischer Zeit. Die Gegend um Varna prägten Griechen (die Varna Odessos nannten), Kelten, Römer, Byzantiner, Osmanen – alle waren sie da.

Und alle zusammen sorgten für unzählige Exponate, mit denen man das prächtige Neorenaissancegebäude füllen kann. Besonders faszinierend sind die Funde aus einer Nekropole aus der Kupferzeit (4000 bis 5000 v. Chr.), die 1972 bei Bauarbeiten nahe Varna entdeckt wurden. Die filigranen Goldschmiedearbeiten gelten als ältester Goldschmuck der Welt.

Des Weiteren sieht man Büsten und Statuetten, Schmuck aus byzantinischer Zeit, Ikonen und vieles vieles mehr. Detailinfos über das Museum könnt Ihr hier nachlesen.
Muttergottes-Kathedrale und Staatsoper
Zwei weitere Eyecatcher in Varna. Die Muttergottes-Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt, ist eine der prächtigsten Kirchen Bulgariens. Ihr Inneres ist beeindruckender als ihr Äußeres, also unbedingt reingehen! Interessanterweise wurde die Kirche erst in den späten Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts ausgemalt. Die Malereien an den Fenstern sind noch jünger, sie stammen aus den 1960er-Jahren.

Vorbei an einem etwas kitschigen Uhrturm könnt Ihr im Anschluss zur Staatsoper spazieren. Das rosafarbene Gebäude im Neobarockstil – ein Haus wie ein Bonbon – wurde ursprünglich als Theater geplant. 1912 begann man mit dem Bau. Die Balkankriege und der Erste Weltkrieg sorgten jedoch dafür, dass die Eröffnung erst 1932 stattfinden konnte. Als Staatsoper dient das Haus seit 1947.

Ost-Brutalismus: Denkmal der bulgarisch-sowjetischen Freundschaft
Die für uns spektakulärste Sehenswürdigkeit der Stadt ist nicht im Trescher-Reiseführer zu finden: das Denkmal der bulgarisch-sowjetischen Freundschaft auf einem 110 Meter hohen Hügel im Nordosten der Stadt.
Zur gigantischen Flügelskulptur, vor der ein normales Weitwinkelobjektiv aus der Nähe versagt, führen 301 Stufen. 23 Meter ist das 1978 eingeweihte Monument hoch, 48 Meter breit. 10.000 Tonnen Beton wurden verbraten. Kolossale Sowjetsoldaten blicken vom Denkmal auf ein Meer, an dessen Gestaden 500 Kilometer weiter heute wieder Menschen in einem sinnlosen Krieg umkommen.


Info: Von der Kathedrale gelangt Ihr mit Bus Nr. 14 zum Denkmal. Bustickets gibt’s am Automaten an der Bushaltestelle oder direkt im Bus.
PRAKTISCHE INFOS VARNA
Hinkommen und Rumkommen
Zum Flughafen von Varna ca. 10 km nordwestlich des Zentrums fährt Bus 409; man kann im Bus zahlen. Unterwegs passiert man den Busbahnhof, der ca. 3 km vom Zentrum entfernt ist. Ein Taxi vom Busbahnhof ins Zentrum kostet ca. 5 €.
Zwischen Burgas und Varna verkehren Kleinbusse, die man am besten vorher bucht, alle Infos dazu hier. Dauer ca. drei Stunden.
Züge: Einst war Varna die Endstation des Orientexpress, von da ging es per Schiff weiter nach Istanbul. Erst 1889 rollte der Zug erstmals am Bahnhof Sirkeci in Konstantinopel ein. 1925 bekam Varna ein neues Bahnhofsgebäude – und zwar das gleiche, das seit 1903 schon in Burgas stand. Die architektonischen Zwillinge der beiden Städte sind ein städtebauliches Kuriosum.

Direktzüge gibt es unter anderem nach Burgas (aber nur einmal am Tag und nicht am Meer entlang, 3,5 Std.), Sofia, Plovdiv und Russe. Tickets werden noch ganz oldschool an den Schaltern verkauft.
Wohnen
Wir erwähnten es bereits: Sucht Euch am besten eine → Unterkunft* im griechischen Viertel. Fans der sozialistischen Moderne sollten sich das → Vier-Sterne-Hotel Cherno More* („Schwarzes Meer“) vormerken, das im Stadtzentrum liegt.

Essen und Trinken
Sehr gut gegessen haben wir im eher gehobenen Restaurant → Staria Chinar, das mehrere Filialen in Varna unterhält. Das Stammhaus an der Preslav-Straße serviert außergewöhnliche Gerichte wie Pferde-Köfte mit Ayvar oder gegrillte Entenherzen. Hervorragend!

Ein supernetter Gastropub ist der → Sundogs Pub, im Sommer mit Eintischung draußen. Gutes internationales Essen zwischen Burger und Risotto, dazu süffiges Shumensko-Bier.
Einkaufen
Varna ist kein Aufreger in Sachen Shopping, zumal sich viele Läden in außerhalb gelegene Malls verlagert haben. Haltet Ausschau nach Läden mit Rosenöl – Bulgarien steht für das beste Rosenöl der Welt!
Im → Vino DiVino kann man ein Gläschen bulgarischen Wein kleiner ausgewählter Winzereien trinken oder ihn flaschenweise kaufen. Supernette Beratung, hier erfährt man alles über die autochtonen Rebsorten des Landes. Unser Favorit: Mavrud. Pl. Ekzarh Josif (griechisches Viertel).
Bester Markt für Lebensmittel ist der Central-Market etwas nordöstlich des Zentrums. Gemüse und Obst, Fisch und Fleisch, Oliven und Käse, Wein. Ein Markt fürs Volk, der sehr authentisch ist.

BURGAS
Jens Alexis, der Autor des bereits erwähnten Trescher-Reiseführers, findet Burgas „lebhafter und gleichzeitig entspannter“ als Varna. Wir sehen das anders.
Mit rund 250.000 Einwohnern hat Burgas etwa ein Viertel Einwohner weniger als Varna. Das Zentrum wirkt aber in unseren Augen deutlich kleiner. Von der Urbanität Varnas ist die Stadt weit entfernt. Das liegt unter anderem daran, dass Burgas erst spät zu seiner heutigen Größe anwuchs. Die unschönen Plattenbauviertel, die sich landeinwärts ziehen, kamen erst in sozialistischer Zeit hinzu, als Burgas zu einem bedeutenden Industriestandort (Öl und Chemie) aufstieg.

Gleichzeitig gibt es auch viel Nettes zu erzählen über Burgas. Zu der Stadt gehört das Meer genauso wie zu Varna, und die Möwen reißen das Maul mindestens so weit auf wie in Varna. Die Katzen ebenso. Neben der ähnlichen Möwen-Katzen-Sinfonie gibt es auch in Burgas Sommerglück am Strand, einen schönen Meeresgarten und viel Grün in der Stadt.

Wie in Varna muss man auch in Burgas erst einmal zurecht kommen mit dem Architekturgulasch, das sich hier auftut. Keine Straße wirkt wirklich stimmig. Zweckdesign aus der kommunistischen Zeit neben Stillosigkeiten der Nachwendejahre neben Schnörkelhäusern aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Letztere wirken in der Summe nicht so pompös wie in Varna. Manche der Jugendstilgebäude wurden restauriert, andere haben ein Facelifting dringend nötig.
Spaziergang durch die Fußgängerzone
Burgas ist handlich, im verkehrsberuhigten Zentrum lässt es sich gut bummeln. Aber bitte schön langsam bummeln, sonst wiederholen sich die Wege schnell!
Es gibt wohl keinen Touristen, der die Fußgängerzone Aleksandrovska nicht einmal auf- und abspaziert. Sie beginnt im Süden am Bahnhof und endet im Norden kurz vor der Universität. Sie ist sauber und gepflegt, auch die Anzahl der Pichelpenner hält sich in Grenzen.
Zu kaufen gibt es wenig Aufregendes. Wir sehen Secondhandläden, altbekannte Modediscounter und im nördlichen Bereich Frauen, die Obst, Gemüse und Blumen aus dem eigenen Garten verkaufen.
Mehrere Plätze grenzen an die Fußgängerzone, so der Svoboda-Platz mit dem Rathaus und weiter nördlich der lange und irgendwie zu große und leere Trojkata-Platz. Dort steht Aljoscha. So nennt man das 18 Meter hohe Denkmal, das einen Sowjetsoldat mit erhobenem Arm zeigt. Es wurde im Jahr 1953 aufgestellt.
Von der Fußgängerzone geht der Bulevard Aleko Bogoridi ab, die Café- und Kneipenstraße von Burgas. Sie ist erstaunlich ruhig, ohne grölende Kampftrinker – obwohl doch (Achtung Klischee!) Burgas Ziel vieler Urlaubsflieger aus England ist. Die Engländer zieht es jedoch weniger nach Burgas selbst, sondern in die Großhotels am Sonnenstrand, einer Tourismusmaschine nördlich von Burgas. Nach Burgas kommt man höchsten auf einen Tagesausflug.
Weitere Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Burgas
Zu dumm, dass wir ausgerechnet am 24. Mai an den Türen zweier Institutionen aufschlagen, die wir besuchen wollen. Denn der 24. Mai ist ein nationaler Feiertag, der „Tag der bulgarischen Bildung, der Kultur und des slawischen Schrifttums“. Wir bekommen Umzüge und Konzerte zu sehen, aber kein einziges offenes Museum. So entgehen uns die beiden wichtigsten Museen der Stadt, das archäologische und das ethnologische. Infos über beide Häuser könnt Ihr hier abrufen.

Stattdessen gehen wir in die Kirche. Die Kathedrale St. Kyrill und Methodius am gleichnamigen Platz (pl. Sveti Sveti Kiril I Metodij) ist ein eher klein gehaltenes Gotteshaus, das zwischen 1894 und 1907 nach Plänen des italienischen Architekten Ricardo Toskani errichtet wurde. Im Inneren gibt es ein paar schöne Fresken zu bewundern.
Meeresgarten
Der 1881 angelegte Meeresgarten von Burgas kann an Größe und Schönheit durchaus mit dem von Varna mithalten. Teilweise ähneln sich die riesigen Grünanlagen so sehr, dass man sich beim Betrachten der Fotos im Nachhinein fragt: War das jetzt in Varna oder in Burgas?

Der Park ist durchsetzt mit Springbrunnen, kleineren Gebäuden und Kunst aus sozialistischer Zeit. Highlight ist auch hier wieder ein Pantheon. Das Pantheon der gefallenen Antifaschisten aus dem Jahr 1981 ist ein echter Hingucker für Fans sozialistischer Betonkunst.

Beaching in Burgas
Vom Meeresgarten bringt Euch eine symmetrisch angeordnete Freitreppe hinab zur Uferpromenade. Die Treppe läuft direkt auf die Seebrücke zu. Über 300 Meter ist dieser Meeressteg lang. Schnurgerade führt er übers Wasser dem Horizont entgegen.

An ihrem Ende verbreitert sich die Seebrücke zu einer großen Aussichtsplattform. Auf der einen Seite der Plattform können Boote anlegen. Auf der anderen führt eine gewendelte Treppe nochmals eine Etage höher zu einer weiteren kleineren Plattform:

Ursprünglich war die 1936 fertig gestellte Seebrücke aus Metall. In den 1980er-Jahren wurde sie durch Beton ersetzt. Zusammen mit der Freitreppe und dem den Strand überblickenden See-Casino tut sich hier ein modernistisches Ensemble von außerordentlicher Ästhetik auf. Die Entwürfe für das See-Casino (1936–1938) lieferte Victoria Angelova, eine der ersten Architektinnen Bulgariens.
Sowohl der Strand von Burgas als auch das Meer davor hatten lange Zeit mit Verschmutzung durch die Industrie vor Ort zu kämpfen. Heute wirkt der hellbraune Sandstrand recht sauber. Wie in Varna sorgen auch in Burgas Restaurants, Bars und Kioske für Stimmung am Beach. Die Saison beginnt allerdings auch hier erst gegen Ende Mai – wir sind schließlich nicht am Mittelmeer.
PRAKTISCHE INFOS BURGAS
Hinkommen und Rumkommen
Der Flughafen von Burgas liegt ca. 12 km nordöstlich der Stadt. Bus Nr. 15 fährt ins Zentrum. Infos hier.
Züge: Direktverbindungen gibt es unter anderem nach Sofia, Sliven, Plovdiv und Varna. Nach Varna jedoch nur einmal am Tag und nicht am Meer entlang (3,5 Std.).
Wir erwähnten es bereits: Die Bahnhöfe von Burgas und Varna sind architektonische Zwillinge. Der von Burgas entstand jedoch deutlich früher, nämlich 1903. Und er ist schöner, da feinfühliger restauriert! Außen hat der Bahnhof durch sein Schönbrunner Gelb k.u.k.-Anklänge. Innen wirkt er durch das viele Holz sehr elegant und gleichzeitig kuschelig.
Busse: Der Busbahnhof befindet sich in ebenfalls zentraler Lage direkt neben dem Zugbahnhof.
Wohnen
Ein komfortables Vier-Sterne-Hotel in einem Stuckpalast ist das → Hotel Residence Promenade*. Dort gibt es auch Zimmer mit Meerblick.
Fans der sozialistischen Moderne sollten sich das → Hotel Bulgaria* in der zentralen Fußgängerzone nicht entgehen lassen. Es ist so etwas wie das Pendant zum Hotel Cherno More in Varna. Das ehemals erste Haus am Platze wurde ansprechend restauriert.
Essen und Trinken
Uns gefielen die einfachen, gemütlichen Kioskrestaurants von Burgas. Man findet sie im Meeresgarten genauso wie im Zentrum. Auf der Terrasse des Kioskrestaurants At the Museum direkt neben dem Archäologischen Museum hatten wir Tarama, Dillcreme, frittierte Fischchen mit leckerer Sauce und ordentlichen Rosé zu sehr fairen Preisen.
Recht schick ist das Restaurant → Zlatna Ribka („Goldener Fisch“) an der Tsar-Simeon-I-Straße 3. Tolle Vorspeisen, schöne Gehwegterrasse.
Wer die Hipster von Burgas treffen will, geht in die → Papa Craft Beer Bar an der Milin-Kamak-Str. 1.

Einkaufen
Keine außergewöhnlichen Empfehlungen. Der kleine Krasnodar Central Market liegt trotz seines Namens etwas außerhalb des Zentrums an der Tsarigradska-Straße. Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch. Und zur Saison Miesmuscheln in rauen Mengen – man liebt sie hier abgöttisch.
VARNA VERSUS BURGAS: EIN FAZIT
Burgas oder Varna? In Foren liest man immer wieder, dass Burgas besser an Sofia angebunden sei als Varna, weswegen Expats Burgas manchmal vorziehen.
Burgas oder Varna? „Man wird sie wahrscheinlich beide lieben“, schreibt Reisebuchautor Jens Alexis vom Trescher Verlag über die Städte. Da stimmen wir nicht zu. Schmetterlinge im Bauch bekamen wir in keiner der beiden Städte. Aber verkehrt sind die beiden Sister Cities auch nicht.
Burgas oder Varna? Um Euren persönlichen Favoriten herauszufinden, solltet Ihr Euch am besten selbst beide Städte ansehen. Wir blieben drei Nächte in Varna und zwei in Burgas. So hatten wir genügend Zeit, ein wenig Atmosphäre zu schnuppern und gleichzeitig die eine oder andere Strandpause einzulegen.
LITERATURTIPP
Mit dem → Bulgarien-Reiseführer* aus dem Trescher Verlag seid Ihr für den Doppel-Städtetrip gut ausgerüstet. Bei der Lektüre bekommt man außerdem Lust, noch mehr von der bulgarischen Schwarzmeerküste zu sehen. Das Reisehandbuch ist 2026 in einer Neuauflage herausgekommen.
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Also Bulgarien war eine meiner ersten Pressereisen und das war damals schon ziemlich schräg! In Varna und Burgas waren wir natürlich auch und ich müsste wohl die Artikel auf meinem Blog dringendst überarbeiten und mal wieder sowohl nach Varna als auch nach Burgas pilgern. Damals hatte ich keine Präferenzen, wobei ich sagen muss, dass mir der Goldschatz im Museum in Varna in Erinnerung geblieben ist.
Oh ja, der Goldschatz im Museum ist der Wahnsinn, in der Tat. Dankeschön fürs Feedback und viele Grüße!
Hallo ihr zwei,
danke für den spannenden Vergleich der beiden Städte. Ich war als Kind einmal in Varna und erinnere mich tatsächlich nur noch an das Delfinarium. Eure Eindrücke fand ich deshalb besonders spannend.
LG Susan
Liebe Susan,
oh je, das Delfinarium… Bleibt echt zu hoffen, dass mit dieser Tierquälerei demnächst mal Schluss ist. Danke fürs Feedback und viele Grüße, Gabi und Michael