StartEuropaTürkeiWie man am Bosporus den Geldbeutel schont: Spartipps für İstanbul

Wie man am Bosporus den Geldbeutel schont: Spartipps für İstanbul

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Es gab Zeiten, da galt die Türkei mal als Billigreiseziel. Derzeit aber weht ein anderer Wind. Die Türkei ist teuer geworden. Die unorthodoxe Geldpolitik der türkischen Zentralbank schwächte die Lira, heizte Inflation und Teuerungen an. Das ist verheerend für viele Türken und nicht schön für alle, die gerade eine Reise nach İstanbul planen, eine Stadt, deren Preisniveau ohnehin über dem Landesdurchschnitt liegt. Ärgerlich ist zudem das Zweiklassen-Preissystem für die meisten Sehenswürdigkeiten, das ausländische Touristen bluten lässt.

Nicht zuletzt deswegen blieben in den letzten Jahren mehr und mehr Touristen fern. „Die Sehenswürdigkeiten schaue ich mir nur noch von außen an. Die Eintritt kann ich mir nicht leisten“, erzählte uns eine indonesische Touristin, mit der wir bei unserem letzten İstanbulbesuch ins Gespräch kamen. Verständlich. Für den Topkapı-Serail sind von Ausländern beispielsweise über 50 Euro zu entrichten.

 

Verkacheltes Interieur eines orientalischen Palasts
Teurer Spaß: Für die Besichtigung des Topkapı-Serails muss man mittlerweile 50 Euro hinlegen

 

Dennoch muss man kein Vermögen ausgeben, um in İstanbul Spaß zu haben. Wer ein bisschen aufpasst, wo er isst und trinkt, wo er wohnt und was er sich anschaut, kann am Bosporus durchaus auch günstig unterwegs sein. Ein paar Spartipps für İstanbul verraten wir Euch in diesem Artikel.

In eigener Sache: Diese Infos wurden nicht von der KI zusammengeklaut, sondern von zwei Menschen recherchiert, die die Stadt wie ihre Westentasche kennen und schon mehrere Reiseführer darüber geschrieben haben.

 

Geld sparen in İstanbul: Inhaltsverzeichnis

 

 

Günstig übernachten in İstanbul

Ein Paradoxum gleich am Anfang: Obwohl İstanbul alles andere als günstig ist, kann man derzeit für wenig Geld anständig wohnen. Warum? Bis vor wenigen Jahren wurde İstanbul überrannt von arabischen und iranischen Touristen. Diese Zeiten sind vorbei. Zu groß sind die Probleme in den eigenen Ländern, als dass man sich einen ungezwungenen Urlaub in der Türkei gönnt. Außerdem schrecken die hohen Eintrittspreise und Lebenshaltungskosten ab.

 

Prächtiges Hotel Grand Hotel de Londres
Günstig übernachten in Istanbul: Das Büyük Londra Oteli gehört sicherlich nicht zu den billigsten Unterkünften der Stadt, ist derzeit aber für recht faires Geld zu bekommen

 

Zu wenige Touristen für viel zu viele Hotels ließen zuletzt die Preise purzeln. 2026 kostete ein Zimmer in einem Mittelklassehotel so viel wie früher ein Bett im Schlafsaal eines Hostels (von denen wiederum mangels Nachfrage viele dicht machten mussten). Zimmer in Nobelhotels, für die mal 300 Euro aufgerufen worden waren, tauchten zuletzt für 100 Euro in Portalen wie booking.com* auf. Das alles kann sich jedoch sehr schnell wieder ändern. Enorme Preisschwankungen sind in der Türkei nichts Neues.

Das Thema → „Übernachten in İstanbul“ behandeln wir detailliert in einem anderen Artikel.

 

Wie man mit dem Museum Pass İstanbul Geld sparen kann

Es gibt wohl kein Thema in der Türkei, über das wir uns mehr ärgern als über die unfaire Ticketpolitik. Türkische Staatsangehörige bezahlen für Sehenswürdigkeiten in der Regel einen Bruchteil dessen, was man von ausländischen Touristen fordert. In Europa wäre das aufgrund des Gleichbehandlungsgesetzes undenkbar.

Türkische Staatsangehörige haben die Möglichkeit, die so genannte Müze Kart zu erwerben. Diese kostet umgerechnet keine zwei Euro. Mit dieser Karte haben Türken für ein Jahr Zutritt zu mehr als 350 (!) Sehenswürdigkeiten oder Museen, die unter Verwaltung des Kultur- und Tourismusministeriums stehen. Dazu gehört zum Beispiel der Galataturm, für den Ausländer 30 Euro (!) zu zahlen haben.

Andere Sehenswürdigkeiten, bei denen die Müze Kart nicht gilt, verlangen symbolische Eintrittspreise. So kostet die Yerebatan-Zisterne mit türkischem Personalausweis eine (1!) Lira Eintritt (= 0,018 Euro; Stand 2026), Ausländer müssen hingegen 37 Euro blechen! Kein Wunder also, dass die İstanbuler Sehenswürdigkeiten mittlerweile vornehmlich von den Türken selbst besucht werden.

 

Beleuchtete unterirdische Zisterne
Yerebatan-Zisterne: 1 Lira für Türken, 37 Euro für Ausländer

 

Sich nichts anzugucken, ist aber natürlich auch keine Lösung. Wollt Ihr euch viel anschauen, solltet Ihr Euch die Anschaffung des Museum Pass İstanbul überlegen. Der Pass ist fünf Tage gültig, kostet 105 Euro und berechtigt unter anderem zum Besuch folgender Sehenswürdigkeiten:

  • Topkapı-Serail (Topkapı Sarayı, ohne Harem)
  • Archäologisches Museum (Arkeoloji Müzesi)
  • Mosaikenmuseum (Mozaik Müzesi)
  • Museum für türkische und islamische Kunst (Türk ve İslam Eserleri Müzesi)
  • Museum für Geschichte der Wissenschaft und Technologie im Islam (İslam Bilim ve Teknoloji Tarihi Müzesi)
  • Festung Rumeli Hisarı
  • Fethiye-Museum (Fethiye Müzesi)
  • Galataturm (Galata Kulesi)
  • Mevlevi-Kloster (Galata Mevlevihane Müzesi)

Den Museum Pass İstanbul bekommt Ihr in allen oben genannten Sehenswürdigkeiten oder online unter → muze.gov.tr.

 

Archäologisches Museum mit antikem Sarkophag
Archäologisches Museum: Das tolle Museum ist im Museum Pass Istanbul inbegriffen

 

Kostenlose Museen in İstanbul

Es gibt am Bosporus aber auch etliche Kunstgalerien und Museen, die man kostenlos besichtigen kann. Hier eine kleine Auswahl. Falls Ihr Euch für zeitgenössische Kunst interessiert, solltet Ihr auch mal in unseren Artikel über die → besten Kunstorte in İstanbul reinschauen.

Museum für Badekultur (Hamam Müzesi): Ein Tipp für alle, die ein historisches türkisches Bad einmal von innen sehen wollen, ohne schwitzen zu müssen. Das Museum befindet sich in einem schön restaurierten osmanischen Hamam. Beyazıt Meydanı, Beyazıt.

Museum für Kalligraphie (Türk Vakıf Hat Sanatları Müzesi): Gleich ums Eck in einer ehemaligen Medrese. Ausgestellt sind unter anderem Koranausgaben, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Beyazıt Meydanı, Beyazıt.

Artİstanbul Feshane: In dieser ehemaligen Fesfabrik im konservativen Stadtteil Eyüpsultan am Goldenen Horn zeigt man Gegenwartskunst.

 

Orientalisch anmutender historischer Industriepalast
Kostenlos Kunst gucken in Istanbul: Artİstanbul Feshane

 

Tophane i-Âmire: Ehemalige Kanonengießerei, in der wechselnde Ausstellungen zu Kunst- und Architekturthemen stattfinden. Meclis-i Mebusan Cad. 1, Karaköy.

Depo: Galerie des türkischen Kunstmäzens und Menschenrechtsaktivisten Osman Kavala, der seit 2017 im Gefängnis sitzt. https://www.depoistanbul.net/en/

Galerien im Mısır Apartmanı: Die Galerien in dem tollen Stadtpalast an der Flaniermeile İstiklal Caddesi 303–305 in Beyoğlu sind allesamt kostenlos.

Meşher: Ebenfalls an der İstiklal Caddesi. Spannende Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. https://www.mesher.org

Salt Galata und Salt Beyoğlu: Diese Top-Ausstellungsorte sind Kinder der Garanti-Bank. Salt Galata ist in einem ehemaligen Bankgebäude untergebracht. https://saltonline.org

Casa Botter: Und nochmal gute Ausstellungen an der İstiklal Caddesi (hier Hnr. 235) für umme in tollem Ambiente.

 

Kunstausstellung in einem imposanten Gebäude
Zeitgenössische Kunst in einem spannenden Gebäude: Casa Botter

 

Santral Istanbul: Supercooles Industriemuseum, das als Kulisse für „Raumschiff Enterprise“-Folgen hätte herhalten können. Hatte zuletzt leider keine funktionierende Webseite mehr. Tägl. 8.30–17 Uhr. Kazım Karabekir Cad. 2/13 (Campus der Bilgi-Universität), Eyüpsultan.

 

Mann in Industriemuseum
Cool und kostenlos: Santral Istanbul

 

Çubuklu Silolar: Ein spektakulärer Ort! Die Silos am asiatischen Bosporusufer bei Çubuklu dienten einst als Treibstoffdepots. Heute präsentieren sie sich als grandiose Mischung aus Industriedenkmal und Ausstellungsort.

 

Benzintanks an einer Wasserstraße
Çubuklu Silolar

 

Müze Gazhane: Auch im ehemaligen Gaswerk aus dem 19. Jahrhundert gibt es kostenlos viele spannende Ausstellungen zu entdecken. Es befindet sich im Stadtteil Kadıköy auf der asiatischen Seite. → https://www.instagram.com/muzegazhane

Aufgepasst: Für manche der hier vorgestellten Kunstorte benötigt man offiziell eine Registrierung auf der App „İstanbul Senin“, eine Art Super-App für viele städtische Belange. Nur so gelangt man an einen QR-Code, mit dem sich die Drehkreuze öffnen lassen. Die Registrierung funktioniert jedoch nur mit einer türkischen Telefonnummer. Wer deswegen Probleme hat, wendet sich ans Sicherheitspersonal. In der Regel wird man dann auch ohne Registrierung eingelassen.

 

Für umme Aussichten genießen

İstanbul ist die Stadt der sündhaft teuren Rooftop-Bars. Man kann in İstanbul aber auch kostenlos tolle Aussichten genießen. Ein paar Beispiele:

Aussichtsterrasse der Süleymaniye-Moschee: Traumaussichten über Kuppeln hinweg aufs Goldene Horn und hinüber nach Galata. Zwischen Beyazıt und Eminönü.

 

Schwarz gekleidete Frauen auf einer Aussichtsterrasse
Auch bei trübem Wetter schön: Terrasse der Süleymaniye-Moschee

 

Sonnenuntergang an der Galatabrücke: Man muss sich in kein teures Touristenlokal setzen, um von der Restaurantzeile unter der Galatabrücke den Sonnenuntergang zu erleben. Es gibt auch frei zugängliche Ecken, um die Aussicht zu genießen:

 

Sonnenuntergang am Wasser, Moscheen im Hintergrund

 

Aussichtsterrasse hinter der Sultan-Selim-Moschee: Hier schweift der Blick hinüber auf die andere Seite des Goldenen Horns und auf Hochhäuser in der Ferne:

 

Blick auf eine Stadt mit Moscheen
Blick von der Sultan-Selim-Moschee

 

Spaziergänge am Bosporus: Der Bosporus tut dem Auge immer gut. Das gesamte Ufer ab Arnavutköy gen Norden ist eine endlose Promenade. Hier könnt Ihr den Anglern zusehen und Ozeandampfern zuwinken.

 

Zwei Frauen mit Kopftüchern stehen an einer Wasserstraße
Am Bosporus ist es einfach immer schön

 

Üsküdar: Märchenhaft wirkt die Silhouette Sultanahmets im Abendlicht von der Terrasse des Karlık Cafés in Üsküdar (Höhe Fähranleger Harem) – schon Titelfotos für Bildbände wurden von hier geschossen.

Büyük Çamlıca: Auf dem 261 Meter hohen „Große Pinienhügel“ auf der asiatischen Seite steht seit 2016 eine megalomane Moschee, die Präsident Erdoğan errichten ließ. Wie so viele Moscheen der Stadt ist sie meist leer. Neben der Moschee gibt es Ausflugslokale, von wo man bei einem Çay über den Bosporus hinweg auf den europäischen Teil von İstanbul schaut.

Emirgân-Park: Der weitläufige schattige Park auf der europäischen Bosporusseite bietet Bosporusblicke und grüne Rasenflächen. Am besten kommt Ihr im April, wenn die Tulpengärten des Parks ihr Bestes geben – ein Rausch der Farben.

 

Holzvilla in einem Park mit Aussicht
Im Emirgân-Park

 

Stichwort Bosporusfahrt

Die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in İstanbul ist nicht teuer. Diesbezüglich gibt es bislang noch keine Unterschiede zwischen Türken und Ausländern. Mit einer Ausnahme: die Bosporusfahrten, die von Eminönü angeboten werden. Hierfür zahlen türkische Staatsangehörige die Hälfte von dem Preis, den ausländische Touristen zu berappen haben.

Statt auf diesen Touridampfern mitzufahren, könnt Ihr Euch auch Eure eigene Route zusammen stellen. Dafür stehen diverse Linienschiffe, die den Bosporus entlang schippern oder kreuzen, zur Auswahl. Das ist nicht nur günstiger, sondern lässt auch mehr Möglichkeiten zu, um zwischen den Kontinenten zu pendeln. Klingt kompliziert? Ist es nicht. Die Seite der → städtischen Fährgesellschaft ist übersichtlich und aktuell. → Beyden, eine private Fährgesellschaft, bietet zusätzliche Strecken an.

 

Fährschiff im Sonnenuntergang
Spartipps Istanbul: Man muss nicht auf den Touridampfern mitfahren, sondern kann sich auch seine eigene Tour zusammenstellen

 

Happy Hour nutzen

Alkohol ist durch hohe Besteuerung sehr sehr teuer. Wer sich eine schicke Dachterrasse oder einen In-Club aussucht, kann schon mal zwölf Euro für ein kleines Bierchen zahlen. Aber auch 3,50 Euro für den Halbliterhumpen sind möglich – in den Barstraßen von Beşiktaş, Kadıköy und Beyoğlu, wo die Konkurrenz groß ist.

In diesen Kneipenhotspots sind auch Happy-Hour-Angebote allgegenwärtig. Die Happy Hour reicht in den Barstraßen in der Regel bis ca. 19 Uhr. Manchmal beginnt sie sogar schon um 12 Uhr mittags! Daydrinking ist in İstanbul also keine schlechte Idee. Merkt’s Euch.

 

 

Tipps für den Sundowner

Ein Gehbier zischen wie es in Berlin gang und gäbe ist, ist in İstanbul eher unüblich und an manchen Orten sogar verboten. Würden wir prinzipiell nicht empfehlen. Ein paar Stadtteile gibt es aber dennoch, wo Ihr nicht der einzigen seid, die ein Bierchen mit sich herumtragen.

Zu diesen Stadtteilen gehören zum Beispiel Kadıköy oder Beşiktaş. In Beyoğlu und Karaköy gibt es sogar zwei besonders nette Plätzchen, an denen man sein Kiosk-Efes aus dem Rucksack holen und ganz genüsslich zur untergehenden Sonne zischen kann. Das geht zum Beispiel im Karaköy Sahil Parkı am Goldenen Horn oder auf den Treppen vorm Rathaus von Beyoğlu (Beyoğlu Belediyesi, Metrostation Şişhane). Machen wir selbst auch gerne.

 

Menschen auf Treppe zum Sonnenuntergang
Bier vom Kiosk und genießen: Sonnenuntergang in Beyoğlu

 

Günstig essen in İstanbul: Lokanta statt Nobellokal

Zu einem İstanbulbesuch gehört natürlich auch, im Fischrestaurant Köstlichkeiten zu tafeln oder die aufregende neue Gastroszene am Bosporus zu erkunden. Aber das geht ins Geld, vor allem dann, wenn Wein oder Rakı im Spiel ist (siehe oben). Für ein schnelles Mittag- oder Abendessen bieten sich deswegen Lokantas an, einfache Lokale, in denen das vorgekochte Essen in Blechbehältern warm gehalten wird.

Lokantas sind keine Orte für den Heiratsantrag, aber das müssen sie ja auch nicht sein. Hier wird man satt und isst dazu oft ausgesprochen gute Hausmannskost. Unsere Lokanta-Favoriten könnt Ihr in unserem → İstanbul-Reiseführer* nachlesen – sorry, aber die KI füttern wir mit solchen persönlichen Tipps nicht.

 

Zwei Köche in einem einfachen Restaurant
Sparen in Istanbul: Lokanta statt Restaurant

 

Ansonsten solltet Ihr auch darauf achten, in welchen Stadtteilen Ihr essen geht. Die Restaurants in Sultanahmet, rund um den Galataturm und entlang der İstiklal Caddesi in Beyoğlu verlangen beispielsweise gewaltige Touristenaufschläge.

 

Literaturtipp

Den besten → Reiseführer über İstanbul* haben wir natürlich selbst geschrieben;-). Erschienen ist er im Michael Müller Verlag.

 

Mehr İstanbul hier auf dem Blog

 

 

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