StartEuropaMaltaGozo Coastal Walk: Über viele Klippen musst du gehen

Gozo Coastal Walk: Über viele Klippen musst du gehen

In fünf Etappen um Maltas kleine Nachbarinsel

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Ihr sucht einen schönen Küstenwanderweg in Südeuropa? Einen Weg für Genusswanderer, der ohne Planungsstress und ganz gemütlich in wenigen Etappen zu gehen ist? Keine Berge, nur Hügel? Den Nachmittag frei? Und wahnsinnige Ausblicke? Da hätten wir einen Tipp: den Gozo Coastal Walk! Der knapp über 50 Kilometer lange Küstenwanderweg auf Maltas kleiner Nachbarinsel Gozo ist ein Fest. Er führt einmal um die Insel und ist easy peasy für ungeübte Wanderer in fünf Etappen zu meistern. Ambitionierte Wanderer können ihn auf vier oder sogar drei Etappen runterschrauben. Niemand muss ein Zelt schleppen – die Infrastruktur ist bestens.

Gozo, Maltas Little Sister, ist keine Unbekannte im internationalen Massentourismus. Überrannt wird die Insel aber vor allem an ihren Insta-Hotspots, und das von Tagestouristen aus Malta. Für den Gozo Coastal Walk haben die wenigsten Zeit. Auf diesen Traumpfaden hat man meistens seine Ruhe.

 

Wandern auf Gozo: Inhaltsverzeichnis

 

 

Allgemeine Infos zum Gozo Coastal Walk

Der Gozo Coastal Walk führt, wie der Name schon sagt, in den meisten Abschnitten entlang der Küste, teils auf spektakulären Klippenpfaden – schwindelfrei sollte man also sein. Es gibt aber auch Passagen abseits der Küste, manchmal auf asphaltierten Sträßchen. Der Wanderweg ist mit roten Punkten markiert, allerdings fehlen zuweilen Markierungen, gemeinerweise auch an Weggabelungen.

 

Roter Punkt auf dem Fels Küstenwanderweg
Immer den roten Punkten hinterher: Der Gozo Coastal Walk ist ein Tipp für Genusswanderer

 

Als Start- und Ziel des Rundwanderwegs bietet sich der Hafen von Mġarr an, wo die Fähren aus Malta anlegen. Auch wir starten dort. Unsere Richtung: der Uhrzeigersinn. Die Etappen haben wir so aufgeteilt, dass eine Tagesetappe dort endet, wo es Übernachtungsmöglichkeiten gibt oder man bequem auf einen Bus aufspringen kann. Wer es gerne sportlicher hat, legt Etappen zusammen. Wer übrigens die Etappen 4 und 5 zusammenlegt und auf den Abstecher ins Zentrum von Nadur verzichtet, wandert nicht 19,3 Kilometer, sondern nur 16,1 Kilometer.

Gozo ist klein, nur 14 Kilometer lang und etwa sechs Kilometer breit. Wer nur mit einem Daypack unterwegs sein will, kann sich überlegen, als Base eine Unterkunft im Hauptort Victoria* in der Inselmitte zu wählen. Infos über die Busverbindungen ins gozitanische Hauptstädtchen findet Ihr am Ende jeder einzelnen Etappe, die aktuellen Abfahrtszeiten der Busse auf www.publictransport.com.mt. Falls Ihr nicht auf den Bus warten wollt: Taxis gibt es auf Gozo mehr als genug, Uber und Bolt funktionieren ebenso.

Wer nur eine oder zwei Etappen des Gozo Coastal Walks wandern will, sollte eine der ersten vier Etappen wählen. Die sind alle wunderschön. Die letzte Etappe von Nadur nach Mġarr fällt wegen eines langen Abschnitts entlang der Straße dagegen ab. Die anspruchsvollste Etappe ist Etappe 4. Kaputtlaufen tut sich allerdings niemand auf unseren Etappen, die längste ist 13,5 Kilometer lang.

 

Vielfältige Landschaften und immer wieder spektakuläre Ausblicke: Der Gozo Coastal Walk bietet auf seinen wenigen Kilometern sehr viel Abwechslung

 

Im Netz kursieren übrigens unterschiedliche Versionen des Gozo Coastal Walks. Das liegt daran, dass Abschnitte im Lauf der Zeit ummarkiert wurden, weg von Straßen hin zu Pfaden. In diesem Artikel beschreiben wir den Weg, wie wir ihn im Frühjahr 2026 vorgefunden haben. Manche davor veröffentlichte Blogartikel und auch die PDF-Broschüre zum Wanderweg auf greatwalksmalta.com sind in Teilen veraltet!

 

Megaklippen im Dunst
Saharastaub über Gozo: An den Klippen der Dwejra Bay

 

Wann auf den Gozo Coastal Walk? Entweder im Frühjahr (April/Mai) oder im Spätherbst (Oktober/November). Im Sommer ist es zu heiß. Die Winter auf Malta sind zwar mild, bei Regen und/oder Sturm können Abschnitte jedoch gefährlich werden. Unsere Lieblingsjahreszeit für den Gozo Coastal Walk ist der Frühling, wenn man durch Blütenmeere wandert und der Duft der Blumen die Luft würzt. Frühlingswanderungen am Mittelmeer sind einfach Wellness für die Seele. Denkt an Sonnencreme und Badeklamotten – auf fast allen Etappen gibt es unterwegs Badestellen.

 

Klippen bei Sannat
Im Frühling, wenn alles grünt und blüht, sind Wanderungen auf dem Gozo Coastal Walk einfach am schönsten

 

Warum wir das hier alles wissen

Diesen Text hier hat keine KI geschrieben, und diese Infos hier hat keine KI aus dem Netz zusammengeklaut. Hinter diesem Blogartikel stecken zwei langjährige Reisebuchautoren und Maltakenner, unser → Malta-Reiseführer* ist im Michael Müller Verlag erschienen. Alle Infos zum Gozo Coastal Walk beruhen auf regelmäßigen Vor-Ort-Recherchen. Wir waren schon zig Mal auf diesen Pfaden unterwegs.

 

Etappe 1: Von Mġarr nach Xlendi

Zu den Klippen von Sanap

Länge/Dauer: ca. 13,1 km, ca. 5–6 Std. Einkehr unterwegs: in Mġarr Ix-Xini und Sannat.

Den Einstieg in den Gozo Coastal Walk findet Ihr in Mġarr südwestlich des Fähranlegers. Vom dortigen Parkplatz vor dem Gebäude der Gozo Channel Company geht es auf einem ausgetrampelten Küstenpfad zu den Tafel Cliffs, durch Erosion abgewaschene Steilwände.

Bei ruhiger See führt der Weg zu Füßen der Tafel Cliffs in die Bucht Ix-Xatt l’Aħmar, in der ein paar Bootshäuser stehen. Bei rauer See müsst Ihr die Cliffs landeinwärts umgehen. Hinter Ix-Xatt l’Aħmar wandert Ihr entlang der Küste weiter. Das Meer zur Linken gleicht einem Schiffsfriedhof. Zum Teil wurden die Schiffe hier extra versenkt, um Tauchern einen spektakulären Ort zum Wracktauchen zu bieten. Am Mġarr-Ix-Xini-Turm, einem alten Festungsturm, schwenkt der Pfad schließlich in die gleichnamige Bucht ab.

 

Fähre fährt aus einem mediterranen Hafen aus
Wandern auf Gozo: Wir steigen im Hafenort Mġarr in den Gozo Coastal Walk ein

 

Mġarr Ix-Xini

In der idyllischen Badebucht könnt Ihr eine erste Pause einlegen. Das einzige Lokal in Mġarr Ix-Xini, die fast an Griechenland erinnernde Rew Rew Bar, serviert frischen Fisch und kühle Getränke. Das Ambiente ist herrlich, doch manche Gäste haben sich auch schon über mäßigen Service bei zu hohen Preisen beschwert.

Mġarr Ix-Xini war Hauptschauplatz des Beziehungsdramas „By the Sea“ (2015) mit Angelina Jolie und Brad Pitt. Während der Dreharbeiten war die Bucht monatelang für Otto Normaltouristen gesperrt.

 

Felsbucht mit Betonsteg ins Meer
Badepause auf dem Gozo Coastal Walk: Mġarr Ix-Xini

 

Hinter der Bar folgt Ihr der Zufahrtsstraße zur Bucht. Es geht steil bergauf. 70 Meter nach der ersten Kehre verlasst Ihr die Zufahrtsstraße schon wieder und zweigt bei einem Mauerdurchlass nach links auf einen Pfad ab. Augen auf und immer den roten Punkten hinterher! Nach einer Weile geht es über eine alte Steinbrücke und auf schmalen Pfaden entlang der Küste. Eine zauberhafte Passage ist das, vor allem im Frühjahr. Grüne Salamander rennen aufgedreht vor einem umher, Korn wiegt sich im Wind, dazwischen rote Klatschmohntüpferl.

Der Pfad führt zum Kap Ras in-Newwiela – ein schöner Aussichtspunkt auf die Klippen der Südküste. Danach wandert man auf Feld- und Schotterwegen ins Dorf Sannat, das langsam aber sicher zur Stadt ausgebaut wird. Der Bauboom auf Gozo ist ungebrochen. Ihr erreicht Sannat beim ummauerten Komplex des Fünf-Sterne-Hotel Ta’ Ċenċ.

Sannat muss man inseleinwärts durchqueren. Das ist etwas tricky, da hier auf die roten Punkte kein Verlass ist. Unser Tipp: Sucht auf Google Maps die „Picnic Area“ von Sannat und wandert dorthin. Beim Picknickplatz angekommen, haltet Ihr nach einem Mauerdurchbruch Ausschau und folgt dahinter dem Pfad, der Richtung Klippen verläuft.

 

Sanap Cliffs

Bald tauchen wieder rote Punkte auf und Ihr habt den spektakulärsten Abschnitt dieser Etappe vor Euch: die Sanap Cliffs. Die Klippen zwischen Sannat und Xlendi erhielten ihren Namen von der Senfpflanze Senapa, die hier einst angebaut wurde. Ganz großes Küstenkino! Dreht Euch immer mal um und genießt das Naturdrama! Die Klippen gehören zu den Highlights von Gozo. Dieser Abschnitt wird im Gegensatz zu den meisten anderen Passagen des Gozo Coastal Walks gut begangen. Je näher Ihr Xlendi kommt, desto mehr Leute!

 

Klippen mit Frühlingsblumen
Die Passage entlang der Sanap Cliffs gehört zu den beeindruckendsten Abschnitten des Gozo Coastal Walks

 

Das erste, was man von Xlendi sieht, ist ein wuchtiger Wachturm. Entlang der fjordartigen Bucht geht es ins Ortszentrum. Xlendi liegt an sich herrlich. Mit der Beschaulichkeit des Ferienorts ist es allerdings vorbei, seit sich hier die Baukräne unaufhörlich drehen.

 

Küstenort mit viel Bautätigkeit und Baukränen
… und in Xlendi

 

Infos Xlendi: Essen: Unser Lieblingsrestaurant vor Ort ist → Ta’Karolina in erster Reihe mit schöner Terrasse. Pizza, Pasta, Muscheln, Fisch und Fleisch. Übernachten: Ein ordentliches Mittelklassehotel mit Meerblick ist das → Blu Waters Boutique Hotel*. Wegkommen: Der letzte Bus (Route 306) von Xlendi nach Victoria fährt während der Saison gegen 23 Uhr.

 

Etappe 2: Von Xlendi in die Dwejra Bay

Zum verschwundenen Azure Window

Länge/Dauer: Ca. 6,5 km, ca. 3,5–4,5 Std. Einkehr unterwegs: keine Möglichkeit.

Neuer Tag, neues Wanderglück! Startpunkt unserer zweiten Etappe auf dem Gozo Coastal Walk ist das Restaurant Ta’Karolina in Xlendi. Dort steigt man zunächst über eine schmale Treppe und in den Fels geschlagene Stufen bergan. Dann geht es weiter über blanken Fels bergauf, immer den Markierungen hinterher. Vom höchsten Punkt könnt Ihr noch einmal hinabsehen auf die Bucht von Xlendi und hinüberwinken zum Xlendi Tower, bevor beides aus dem Blickfeld verschwindet:

 

Turm an karger Mittelmeerküste

 

Auf diesen schmalen Pfaden mit der Küste zur Linken blüht das Wanderherz auf – vor allem im maltesischen Mai, wenn die Sonne aufs tiefblaue Meer lächelt, ohne einen gleich zu verbrennen oder schwitzen zu lassen. Genusshiking at its best.

Der Wanderpfad führt zunächst im sicheren Abstand zur Küste, später näher am Klippenrand – Obacht geben, länger leben!

 

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Das punische Heiligtum

Am Kap Ras Il Wardija gibt es ein kleines archäologisches Kuriosum zu besichtigen: ein punisches Heiligtum. Die in den Fels geschlagene Höhle samt Nischen stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Davor befindet sich eine unterirdische Zisterne – passt beim Fotografieren auf, wohin ihr tretet.

 

Felshöhle im Kalkstein
Archäologische Sehenswürdigkeit auf dem Gozo Coastal Walk: das punische Heiligtum

 

Den Markierungen folgend, steigt Ihr entlang einer rechts vom Heiligtum verlaufenden Mauer leicht bergauf und orientiert Euch dabei auf ein rundes Felsgebilde zu. Dieses müsst Ihr gegen den Uhrzeigersinn umgehen. Am höchsten Punkt kommt die Westküste Maltas in Sicht – wieder ein neues Panorama.

Der Wanderpfad führt zur halbrunden Dweijra Bay, in der meist eine weiße Segelyacht auf dem tintenblauen Wasser tanzt – wie extra fürs Erinnerungsfoto dorthin platziert. Auch in dieser Bucht darf ein Festungsturm nicht fehlen: der Dwejra Tower aus dem Jahr 1652. Wie alle Türme wurde er zum Schutz gegen die Türken erbaut. An ihm vorbei führt der Wanderweg zu einem großen Parkplatz und dann weiter zu einer Häuseransammlung mit Souvenirhändlern, Eisverkäufern, Kiosken und einem Restaurant – dem heutigen Etappenziel.

 

Dwejra Bay

 

Funfact: Der Hauptgrund für den Touristenansturm an der Dwejra Bay ist gar nicht mehr existent. Das so genannte Azure Window, ein monumentaler Kalksteinbogen und das einstige Wahrzeichen Gozos, brach im März 2017 während eines heftigen Sturms in sich zusammen und ward nie mehr gesehen. Die Touristenbusse jedoch kommen bis heute. Guides erzählen ihren Gruppen hier die Geschichte vom im Meer verschwundenen Felsbogen und führen sie dann zum nahe gelegenen Inland Sea, einem fotogenen Salzwassersee, der durch eine Höhle mit dem Meer verbunden ist. Mit Fischerbooten kann man Touren unternehmen. Ein kleiner Trost.

 

Bunte Boote vor Grotte
Inland Sea: Salzwassersee in der Dwejra Bay

 

Infos Dwejra Bay: Essen: Das Restaurant → Azure Window in der Dwejra Bay ist schwer touristisch, aber dennoch nicht verkehrt. Übernachten: Keine Möglichkeit in der Dwejra Bay. Die nächsten Unterkünfte* befinden sich im Dorf San Lawrenz über der Dwejra Bay. Entlang der Straße sind es zwei Kilometer dorthin. Wegkommen: Der letzte Bus (Route 311) von der Dwejra Bay über San Lawrenz nach Victoria fährt während der Saison gegen 22.15 Uhr.

 

Etappe 3: Von der Dwejra Bay nach Marsalforn

Mondlandschaft und Salzpfannen

Länge/Dauer: 13,5 km, ca. 5,5–6,5 Std. Einkehr unterwegs: erst in Qbajjar kurz vor Marsalforn.

Bei der kleinen St.-Anna-Kapelle in der Dwejra Bay sieht man die ersten roten Punkte – der Einstieg in die nächste Etappe. Zunächst wandert man auf einem alten, in den Stein geschlagenen Treppenweg bergauf und inseleinwärts Richtung San Lawrenz. Dabei hat man einen Blick auf den Inland Sea von oben:

 

Blick auf einen grünen See in Kalksteinlandschaft

 

Den roten Punkten folgend, geht es vor einem Steinbruch links ab und die Klippen entlang. Schilder warnen eindrücklich davor, Steine über die hohen Klippen zu werfen – denn unten fahren Ausflugsboote! Auch wenn die hiesige Küste ihren Felspromi verloren hat, so ist sie nach wie vor überaus imposant.

 

Imposante Klippenküste im dunstigen Licht
Blick zurück: Die Küste bei der Dwejra Bay ist traumschön

 

An der Nordküste Gozos angekommen, muss man für eine Weile auf Meerblick verzichten und wandert stattdessen inseleinwärts durch eine terrassierte, im Frühling und Herbst grüne Felderlandschaft. So passiert man eines jener tiefen, zum Meer hin geöffneten Täler, die im Maltesischen „Wied“ genannt werden. Man umgeht das Wied auf schmalen Pfaden und gelangt wieder zur Küste.

 

Küstenpfad mit dem Meer zur Linken
Und weiter geht es entlang der Nordküste

 

Mushroom Rock

Nächstes Highlight: eine surreale, von der Sonne goldgelb angemalte Globigerinenkalksteinszenerie. Rechts von uns eine Wand wie eine versteinerte Welle, links von uns eine Felsformation wie ein riesiger Pilz, etwas weiter die steil abfallenden Klippen. Fotografieren kann man hier, bis das Handy glüht! Falls Ihr danach ein wenig die Orientierung verloren habt: Wandert einfach entlang der Küste weiter, und zwar mit den Augen zum Boden! Die roten Punkte sind in diesem Abschnitt direkt auf den Globigerinenkalkstein gepinselt.

 

Paar fotografiert sich selbst in surrealer Kalksteinlandschaft
Selfie in der Mondlandschaft: Wieder ein besonder spektakulärer Abschnitt des Gozo Coastal Walks

 

Es bleibt spannend, versprochen!

Unser nächster Fotostopp auf diesem traumschönen Abschnitt des Gozo Coastal Walks ist das Felsentor Wied Il-Mielaħ Window. Es ist ein beliebter Treff von Kletterern und Klippenspringern. Vor einigen Jahren schauten wir hier bei Dreharbeiten für eine Boss-Werbung zu. Durchtrainierte Kerle sprangen dabei mit Smokings in die Tiefe.

Riesiges Felsentor im Meer
Wied Il-Mielaħ Window

 

Von „Wieds“ nicht genug. Schon bald passieren wir die Mündung des Wied il-Għasri, die aussieht wie ein Miniaturfjord. Stufen führen hinab in die türkisfarbene Bucht mit ihrem Minikiesstrand. Auf den Felsen stehen meist ein paar Angler.

 

 

Die Salinen der Xwejni Bay

Wenige Minuten hinter dem Wied il-Għasri mündet der Wanderweg in eine Straße. Dort halten wir uns links. Nun bleiben wir für den Rest dieser Etappe bis Marsalforn auf dem schmalen Küstensträßchen. Das hört sich eher blöd an, ist aber okay. Der Verkehr hält sich in Grenzen, und die Szenerie wird Euch gefallen.

Denn links von Euch erstreckt sich bis zur Xwejni Bay bei Qbajjar eine äußerst fotogene Salinenküste. Aus den uralten Salzpfannen gewinnt die Familie Cini seit Generationen das hochwertige Gozo-Salz. Daher sollten die Salzpfannen nicht betreten werden! Man kann das Salz vor Ort kaufen – wir kehren nie ohne Gozo-Salz zurück nach Deutschland.

 

Surreale Salinenlandschaft am Meer
Wandern auf Gozo: Salinenküste bei Qbajjar

 

In Marsalforn wird mittlerweile wie überall auf Malta und Gozo mehr geklotzt als gekleckert. Es gibt sicher schönere Ferienorte. Ein Zimmer in erster Reihe hat aber durchaus seinen Reiz:

 

Blick von einer oberen Etage im Abendlicht auf eine Bucht
Ein Abend in Marsalforn: Der Ferienort ist ein guter Zwischenstopp auf dem Gozo Coastal Walk

 

Infos Marsalforn: Essen: Eines der besten Lokale Marsalforns (gehobene Küche, die Wert auf lokale Zutaten legt) ist das → Il Gabbiano in wunderbarer Lage an der Westseite der Bucht. Übernachten: Das → Guesthouse Maria Giovanna* ist die mit Abstand charmanteste Unterkunft vor Ort, hat aber leider keinen direkten Meerblick. Wegkommen: Der letzte Bus nach Victoria (Route 310) fährt während der Saison gegen 22.45 Uhr.

 

Etappe 4: Von Marsalforn nach Nadur

Die anspruchsvollste Etappe

Länge/Dauer: 7,8 km, ca. 3,30–4,30 Std. Einkehr unterwegs: Snackbar und Kioske in der Ramla Bay.

Um den Einstieg in diese Tagesetappe zu finden, steigt Ihr im Osten der Bucht von Marsalforn bei der Wendeplatte rechts vor dem letzten Haus den Pfad hinauf. Die ersten roten Punkte tauchen nach wenigen Metern auf.

Wichtig: Der Abschnitt zwischen Marsalforn und der Ramla Bay (Dauer ca. 75 Minuten) ist traumschön, aber auch anspruchsvoll. Er beinhaltet viele steile An- und Abstiege, teils muss man auch ein wenig kraxeln. Geht wegen der Rutschgefahr nicht nach Regen!

Für das bisschen Mühe bedankt sich der Gozo Coastal Walk mit besonders schönen Momenten. Man passiert einige mal mehr, mal weniger gut zugängliche Buchten, mal Fels, mal Kies, davor ein von der Sonne poolfarben angestrahltes Mittelmeer. Der Pfad schlängelt sich im Frühjahr durch violettrote Hänge. Der Rotklee wirft sich hier in Schale, als gäbe es für ihn keinen zweiten Frühling.

 

Küstenwanderweg, der Rotklee blüht, im Hintergrund ein Sandstrand
Rote, Hänge, kleine Buchten: Der Abschnitt zwischen Marsalforn und der Ramla Bay ist anspruchsvoll, aber herrlich

 

Ramla Bay und Höhle Għar tal-Mixta

Der orangegelbe Strand der Ramla Bay, über den eine weiße Marienstatue wacht, ist wie geschaffen für eine Pause. Esst ein Eis oder einen Burger, oder schwimmt eine Runde, wenn Euch die Wassertemperaturen zusagen!

 

Weiße Marienstatue auf einem goldgelben Strand
Ramla Bay: Beach mit Madonna

 

Hinter der Ramla Bay geht es zunächst auf einem Küstenpfad weiter. Auf diesem bleibt man aber nur wenige Minuten. Wenn sich der Weg gabelt, müsst Ihr den steilen Pfad hinauf zur Felshöhle Għar tal-Mixta wählen. Sie ist von der Ramla Bay bereits zu sehen, meist sind Touristen vor Ort – die Höhle mit dem herrlichen Ausblick ist ein Instagramer-Hotspot!

 

Frau mit Rock steht in einer Höhle und blickt aufs Meer
Fotostopp auf dem Gozo Coastal Walk: Għar tal-Mixta

 

Nochmal zum Mitschreiben: Wählt unbedingt den Pfad hinauf zur Höhle, auch wenn der unmarkierte Küstenpfad verlockend aussieht. Auf diesem landet Ihr nämlich zunächst in einer dramatischen Felsbrockenlandschaft und, nachdem Ihr von Fels zu Fels geklettert seid, vor einem Hangrutsch. Das klingt nicht nur gefährlich, das ist es auch.

Der Rest dieser Tagesetappe verläuft auf breiten Wegen oder schmalen Sträßchen nach Nadur – nicht sehr aufregend, aber bislang alternativlos. Unterwegs passiert Ihr das grüne Tal Wied Binġemma. Auf terrassenartig angelegten Feldern sprießen Korn und Gemüse, lassen Obstbäume ihre Früchte fallen.

Der offizielle Wanderweg führt unterhalb des Zentrums von Nadur vorbei. Dabei quert er die Straße Triq San Blas. Hier endet unsere Tagesetappe. Wir halten uns auf der Triq San Blas nach rechts bergauf und gelangen so ins Zentrum von Nadur. Das freundliche Örtchen auf 150 Metern über dem Meeresspiegel ist ein gemütlicher, authentischer Übernachtungsort.

Infos Nadur: Essen/Übernachten: Mehrere Snackbars und Restaurants vor Ort. Essen und übernachten gleichzeitig kann man im Quaint Hotel*, einem Mittelklassehaus in historischem Gemäuer neben der Pfarrkirche. Wegkommen: Der letzte Bus (Route 303 und 305) nach Victoria fährt gegen 22.30 Uhr.

 

Etappe 5: Von Nadur nach Mġarr

Der Kreis schließt sich

Länge/Dauer: 11,5 km, ca. 4,5–5,5 Std. Einkehr unterwegs: Snackbar in der Bucht Daħlet Qorrot, Restaurant in der Ħondoq Bay.

Nadur ist von fruchtbaren Tälern umgeben – und das ist durchaus eine Anmerkung wert auf diesen kargen Inseln. Eines dieser Täler habt Ihr bereits am Vortag kennen gelernt, nun durchwandern wir das nächste.

Dazu folgen wir den Markierungen von der Triq San Blas, wo wir die letzte Etappe unterbrochen haben, ins nächste Tal. So gelangen wir an eine Art „Feldwegwendeplatte“. Hier hält man sich links. Ein schöner Pfad führt nun durch eine Felsbrockenlandschaft in Richtung Meer. Dann wendet sich der Wanderweg der Bucht Daħlet Qorrot zu, die man alsbald erreicht.

 

Mann sitzt mit Kamera in felsiger Landschaft
Gozo Coastal Walk: Pause in der Felsbrockenlandschaft zwischen Nadur und Daħlet Qorrot

 

Daħlet Qorrot

Daħlet Qorrot ist eine unserer Lieblingsbuchten auf Gozo. Ein Local Place, der dazu außerdem noch verdammt hübsch ist. Rund um die Bucht parken Fischerboote in bunt gestrichenen „Garagen“, die in den hellen Fels gehauen sind. Davor ein Sandkiessträndchen. Wer in Daħlet Qorrot im richtigen Licht aufläuft, erlebt ein Fest der Strahlefarben. Mittelmeerblau trifft auf den typischen Honigton Gozos.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Im Nordwesten der Bucht steigt Ihr die Treppe mit dem blauen Geländer auf und folgt dann dem Pfad entlang der Küste. Nach etwa 500 m müsst Ihr nach rechts auf den betonierten, bergauf führenden Pfad abbiegen. Es geht an teils verwilderten und an teils noch bestellten Feldern vorbei. Nach ca. 15 Minuten erreicht Ihr eine T-Kreuzung, voraus eine Natursteinmauer mit Bambuszaun darauf. Hier haltet Ihr Euch links. Fünf Minuten später habt Ihr die ersten Häuser von Qala erreicht. Wir wandern aber nicht ins Zentrum von Qala, sondern umgehen den Ort im Norden mit Blick aufs Meer und wandern dann hinab in die Ħondoq Bay.

Da der Gozo Coastal Walk in diesem Abschnitt schlecht markiert ist, hier eine etwas ausführlichere Beschreibung. Am Ortsbeginn von Qala, bei einer Kreuzung mit Dreieck statt Kreisverkehr und einer Palme in der Mitte haltet Ihr Euch links. 400 Meter weiter beschreibt das Sträßlein eine Rechtskurve, nach einem weiteren Kilometer endet es an einer T-Kreuzung, hier rechts halten. Bei der folgenden Straßengabelung (links ein Telefonmast mit Laterne) links halten. 200 Meter weiter, wenn die Straße vor einem Haus nach rechts abschwenkt, haltet Ihr Euch abermals links. Jetzt seid Ihr auf dem Sträßchen hinab in die Ħondoq Bay. Noch ein weiterer Straßenkilometer liegt nun vor Euch.

Ħondoq Bay: ein weißer Sandkiesstrand, zahngelfarbenes Wasser und als Zugabe auch noch ein herrlicher Blick hinüber nach Comino. In der kleinen Bucht lässt es sich aushalten, zumal es auch noch ein gutes Kioskrestaurant gibt.

 

Weißer Kiesstrand mit türkisfarbenem Wasser davor
Ħondoq Bay

 

Von der Ħondoq Bay führt ein schöner Küstenpfad in etwa einer halben Stunde nach Mġarr, wo Ihr auf Euch und den Gozo Coastal Walk anstoßen könnt. Vielleicht schaut Euch ja ein Pferd beim Kneippen zu. Die Marina von Mġarr ist ein beliebter Ort für die ausgiebige Pferdewellness:

 

Pferd steht in einer Mittelmeermarina im Wasser
Pferdewellness in der Marina von Mġarr

 

Infos Mġarr: Essen: In Mġarr gibt es ein paar hervorragende Restaurants. Das gehobenste ist das → It-Tmun mit sternewürdiger Fusionküche. Übernachten: Ein Haus mit über 100 Zimmern und tollem Ausblick ist das Grand Hotel*. Wegkommen: Busse (Route 301) nach Victoria fahren bis spät in die Nacht.

 

Literaturtipp

Unser Reiseführer „Malta | Gozo | Comino“* ist im Michael Müller Verlag erschienen. Die Neuauflage wird Anfang 2027 veröffentlicht.

 

Mehr Malta und Gozo hier auf dem Blog

 

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10 Kommentare

  1. Hi, bin den Weg vor 3 Jahren im Oktober gelaufen, in 3 Tagen, jeweils mit An- und Abreise per ÖPNV bei Standquartier in Vicoria. War gut machbar, aber din 4 Tagen wäre es sicher entspannter gewesen. Fand ihn auf jeden Fall lohnenswert und ein Highlight unseres Urlaubs auf Malta/Gozo. Kann die Schilderung hier nur in allem, woran ich mich noch erinnern kann, nachvollziehen und den Weg empfehlen. Zukünftigen Wanderern viel Spaß!

    • Hi Christian,

      hui, 3 Etappen wären uns Ü-50ern vermutlich zu stressig, aber auch das ist sicherlich machbar. Danke für das nette Feedback von einem, der das kennt, was wir da geschrieben haben, und viele Grüße, Gabi und Michael

  2. Hmm, jetzt habe ich eine fixe Idee, was wir in den nächsten Osterferien machen könnten… Das klingt einfach herrlich und die Bilder sehen auch so aus! Und mit der super genauen Beschreibung, können wir uns ja kaum verlaufen. Danke dafür!

    Liebe Grüße
    Angela

    • Liebe Angela,

      rund um Ostern ist die ideale Zeit für dieses Projekt, zumal man dann auch noch die eine oder andere spannende Osterprozession auf Gozo mitnehmen kann. Nachts kann es in den Steinhäusern dann allerdings noch empfindlich kalt werden, das schon mal gesagt.

      Liebe Grüße
      Gabi und Michael

  3. Oh, das ist eine großartige Alternative zu den mittlerweile überlaufenen Weitwanderwegen. Und ich muss gestehen: Bei „keine Berge, nur Hügel“ habt ihr mich gehabt…

    • Liebe Gudrun, danke fürs Feedback.

      Ja, keine Berge, nur Hügel ist ab einem gewissen Alter schon echt cool beim Wandern :-D.
      Herzliche Grüße

      Gabi und Michael

    • Liebe Dagmar,

      schwindelfrei sollte man auf jeden Fall sein, denn es gibt einige riskante Passagen. Gozo ist super und für einen Tag viel, viel zu schade. Leider setzen die Massen der Tagestouristen aus Malta der Inselbevölkerung zunehmend zu. Wer nicht an ihnen verdienen kann, verzweifelt.

      Viele Grüße
      Gabi und Michael

  4. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Da muss ich doch glatt nochmal nach Malta fahren. Mir hat Gozo auch super gefallen. Wir haben das Azure Window noch gesehen – zwei Monate nach unserem Besuch ist es eingestürzt. Der Coastal Walk hört sich aber auch ohne diesen Felsbogen toll an.

    • Danke fürs Feedback, Sabine. In der Tat bietet die Klippenlandschaft von Gozo auch ohne das Azure Window viel – aber der Einsturz des Wahrzeichens von Gozo war für viele Gozitaner wirklich traumatisch war.

      Herzliche Grüße
      Gabi und Michael

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