2018 trägt Valletta den vornehmen Titel „Europäische Kulturhauptstadt“. Ein Grund, Valletta vorzustellen. Das dauert nicht allzu lange. Die Hauptstadt und Kulturhauptstadt habt Ihr lässig an einem Tag durchstreift. Ihr könnt Euch aber auch länger einmieten. Es lohnt sich.

Valletta, Blick in den Himmel
Valletta – im Schachbrettmuster erbaut
„Valletta ist eine Stadt, die von Gentlemen für Gentlemen errichtet wurde.“
(Benjamin Disraeli, 1804–1881)

„Früher war alles besser.“ Von wegen! Es ist noch gar nicht so lange her, da war es schwierig, am Abend ein geöffnetes Lokal in Valletta zu finden – von ein paar wenigen drögen Hotelrestaurants einmal abgesehen. Nach 18 Uhr, wenn die Pendler der Hauptstadt Maltas den Rücken gekehrt hatten, herrschte eine fast gespenstische Ruhe. Nur ein paar dicke Kakerlaken trieben sich dann noch in den verlassenen Treppengassen herum. Das hat sich in den letzten Jahren gründlich geändert. Die Grande Dame räkelt sich nicht nur, sie dreht so richtig auf. Hipster beziehen topsanierte Altbauten, Touristen schlafen in federleichten Boutiquehotelbetten, aufregende Restaurants und witzige Bars schießen aus dem Boden wie Pilze nach einem Sommerregen. Trotz alledem ist Vallettachen von einer Metropole weit entfernt. Nur 5700 Ladies und Gentlemen wohnen in der Festungsstadt, auch wenn man das tagsüber gar nicht glauben will. Dann nämlich stehen die Verehrer Schlange und sind die Cafés gefüllt, zumal in Valletta auch das Parlament tagt und diverse Ministerien und diplomatische Vertretungen angesiedelt sind.

Republic Street in Valletta
Die Republic Street, Vallettas Hauptader

Renaissancestadt par excellence

Fürs geistige Auge: Die in ein Korsett aus wuchtigen Mauern gezwängte Stadt hat ein wenig die Form einer herausgestreckten Zunge. Sie ist umringt von Wasser. Aber nur von der Zungenspitze blickt man auf die offene See. Von rechts und links züngeln andere Zungen der Kapitale entgegen und schaffen so beidseitig Naturhäfen, die ihresgleichen suchen. Valletta, von den Kreuzrittern im 16. Jahrhundert auf blankem Fels errichtet, hat seinen Platz auf der UNESCO-Welterbeliste zu Recht. Die Renaissancestadt ist eine architektonische Perle. Als erste Stadt Europas wurde sie schachbrettförmig angelegt, damit der Wind kühlend durch die Gassen fegen konnte. Das kommt Ihr bis heute zugute – die Sommermonate auf Malta sind mörderisch heiß! Dafür fängt hier der Frühling auch schon im Winter an.

Grand Harbour Valletta Malta
Der Grand Harbour vor Valletta gehört zu den schönsten Naturhäfen der Welt

Auf geht’s, unserem Schirm hinterher! Wir wollen Euch ein bisschen durch die Straßen führen, vorbei an den goldgelben Kalksandsteinpalästen mit ihren roten oder dunkelgrünen Erkern, vorbei an Bars und Kneipen, glanzvollen Kirchen und vielen Details am Rand. Und wem unsere Tipps für einen Kurztrip nach Valletta hier nicht reichen, geht in die nächste Buchhandlung und besorgt sich Michaels Reiseführer zu Malta, Gozo und Comino!

Moderne Architektur: City Gate

Für gewöhnlich betritt man Valletta durch das City Gate, das Nadelöhr im Süden der Stadt. Es hat der italienische Stararchitekt Renzo Piano entworfen, genauso wie die beiden wie angeraspelt wirkenden Blöcke gleich dahinter rechter Hand, in denen das Parlament tagt.

Das Parlament in Valletta
Kühne Architektur: Renzo Pianos Parlament
Das Parlament in Valletta
Hinter dem neuen City Gate

Flanieren: Republic Street

Die Republic Street ist Vallettas Flaniermeile schlechthin. Hier pocht Vallettas Herz. Zig Prachtbauten säumen die Hauptader Vallettas, dazu nette Cafés und der eine oder andere Band Club, wie die zünftigen Kneipenrestaurants der Blaskapellenvereine genannt werden. Dazwischen Geschäfte und Boutiquen.

Aber herrje, das mit dem Shoppen ist so eine Sache. Die Gefahr, dass man mit ein, zwei Koffern mehr nach Hause kommt, ist praktisch nicht vorhanden. Ganz Malta ist kein Shoppingparadies, und Valletta ohnehin nicht Maltas erste Shoppingadresse – dafür weicht man besser in die Nachbarstadt Sliema aus. Kurz und gut: 40.000-Einwohner-Städte in Deutschland bieten deutlich mehr Shoppingmöglichkeiten als die maltesische Kapitale. Dafür besitzt Valletta an der Merchants Street, einer Parallelstraße zur Republic Street, ein Shopping- und Shoppingpausenschmankerl: Zum Kulturhauptstadtjahr wurde die alte Markthalle Is-Suq tal-Belt in neuem Glanz wiedereröffnet, mit Cafés, Lounges, Fisch- und Obsthändlern. In der Vorstadt Floriana geht zudem sonntagvormittags ein bunter Markt über die Bühne.

Straße in Valletta
Ferraria Palace an der Republik Street

Den Überblick behalten: Vallettas Gärten

Vom Hastings Garden blickt man über den Marsamxett Harbour hinüber nach Msida und Sliema. Das Fort, das Ihr linker Hand im Hafen seht, ist Fort Manuel. Nahebei gab es einst eine Quarantänestation – wer zu Zeiten der Ritter den Quarantänebestimmungen zuwiderhandelte, wurde mit dem Tode bestraft.

Die Kirsche auf dem Aussichtskuchen ist jedoch der kleine Upper Barraca Garden, wo der Blick frei über den Grand Harbour hinweg auf die so genannten Three Cities fliegt. Die drei benachbarten Stadtschönheiten – Vittoriosa, Cospicua und Senglea – könnt Ihr übrigens ganz bequem mit der Fähre erreichen. Am besten fahrt Ihr am Abend hinüber, wenn rund um den Grand Harbour die Lichter angeknipst werden.

Upper Barracca Garden in Valletta
Zwei Mal Barracca Garden: hier der Upper Barracca Garden…
Lower Barracca Garden in Valletta
… und hier der Blick vom Lower Barracca Garden, der sich auch nicht lumpen lassen muss
Der Grand Harbour von Valletta
Mit dem Wassertaxi durch den Grand Harbour

Valletta kreativ: Sciortino & Co

Zum Kulturhauptstadtjahr 2018 soll das neue Museum der Künste mit dem Namen Muża in der Auberge d’Italie eröffnen. Hier wird man unter anderem Skulpturen des maltesischen Bildhauers Antonio Sciortino (1879–1947) sehen können, der stark von Rodin beeinflusst war. Kunst gucken kann man auch im Center for Creativity im St. James Cavalier (mit Kino, Galerieräumen, Konzert- und Vortragssälen), im Palazzo de La Salle, wo die Malta Society of Arts ihren Sitz hat, und in den Galerien Blitz und Studio 104. Und bis Ende 2018 soll in den alten Schlachthöfen an der Christopher’s Street das Kreativzentrum Valletta Design Cluster entstehen.

Nicht verpassen sollte man das Archäologische Museum an der Republic Street, das in einem Stadtpalast, der einstigen Auberge de Provence aus dem 16. Jahrhundert, untergebracht ist. Possierlichstes Ausstellungsstück: die so genannte Venus von Malta, ein nur 13 Zentimeter großer Torso mit Brüsten im Russ-Meyer-Format, mindestens 5000 Jahre alt.

Bauch voll schlagen: Da Pippo Trattoria

Schon während Ihr das hier lest, reserviert Ihr am besten einen Tisch in der Da Pippo Trattoria an der Melita Street 136 (Tel. 00356-21248029). Mehr Malta geht kaum als in dem kleinen, völlig überdekorierten Souterrainlokal. Grüne Holzstühle, karierte Tischdecken und feuchtfröhliche Stimmung bei den Gästen, die Hektoliter Rotwein süffeln und sich gegenseitig Köstlichkeiten in den Mund schieben: Tintenfischsalat, Meeresfrüchte-Pasta, Rinder-Carpaccio. Die Küche, die keine Speisekarte kennt, ist zum Niederknien gut und völlig fair kalkuliert. Leider vergessen wir hier vor Gier und Freude am Essen jedes Mal, die Kamera zu zücken…

Das Erbe der Ritter: Großmeisterpalast

Die Malteser nennen den Großmeisterpalast einfach „Il-Palazz“, den Palast. Wo einst der Großmeister der Ordensritter residierte, empfängt heute die maltesische Präsidentin Staatsgäste aus aller Welt. Der 95 Meter lange Palast gehört zu den Must-sees Vallettas, doch durchläuft er gerade eine Renovierung. Daher sind die Staatsgemächer bis auf Weiteres geschlossen, nicht aber die Rüst- und Waffenkammer (Armoury). Checkt unbedingt die Webseite, bevor Ihr Euch dahin aufmacht! Falls dicht: Nahebei steht die Casa Rocca Piccola, ein Palast aus dem 16. Jahrhundert, noch heute im Besitz einer Adelsfamilie. „Schöner Wohnen“ lässt grüßen!

Großmeisterpalast in Valletta
Vor dem Großmeisterpalast
Die Armoury des Großmeisterpalasts in Valletta
Und drinnen

Baden und Sonne tanken: Felsstrand oder Sandstrand?

Rund um Valletta findet man keine Sandstrände, nur blanken Fels. Dennoch wird gebadet. Auf Höhe des War Memorial und der St. Lazarus Bastion führen Stufen hinab in Meer. Schwimmt aber nicht zu weit hinaus, sonst fährt Euch ein Kreuzfahrtschiff über den Haufen! In die Golden Bay, Malta beliebtestem Sandstrand, und in die ebenfalls sandige Mellieha Bay im Nordwesten Malta gelangt man spielend mit Bussen, die vor den Toren der Stadt abfahren. Rund 40 bis 60 Minuten seid Ihr dahin unterwegs. Nur so viel: Macht Euch auf ein Bad in der Menge gefasst – weder die Golden Bay noch die Mellieha Bay fallen in die Heimlich-still-und-leise-Kategorie. Malta ist leider keine Insel für Strand-Aficionados.

Mellieha Bay in Malta
Mellieha Bay

Was geht ab auf den Bühnen?

Jede Menge für so ein kleines Städtchen. Und zum Kulturhauptstadtjahr 2018 ist noch viel mehr geplant. Was gerade auf dem Programm steht bzw. stehen wird, erfahrt Ihr auf valletta2018.org. Kultur hat übrigens Tradition in Valletta. Das Manoel-Theater mit seinen goldverzierten Rängen ist eines der ältesten neuzeitlichen Theaterhäuser Europas (1731 erbaut).

Kaffeepause: Unter Stuck oder mit Thunfisch-Semmel?

Warum zieht es uns trotz unfreundlicher Kellner und satter Preise immer wieder ins Café Gordina am Republic Square? Ganz einfach: Das Sacher Vallettas, das bereits seit 1837 existiert, ist einfach eine Augenweide. Güldener Stuck, Spiegel, pathetische Törtchenauslagen, Kronleuchter unter Kuppeln, das ganze Programm eben. Und draußen am Platz sitzt man sogar noch schöner. Trinkt einen Cappuccino, liest die Times of Malta und lässt sich immer wieder ablenken – die Kreuzfahrtstouristen am Nebentisch geben nun mal gute Lästervorlagen.

Weniger prunkvoll, aber nicht minder authentisch ist das Museum Café an der Melita Street 25. In dem ewig vollen, kleinen Schlauch mit seinen nostalgischen Emailleschildern an den Sandsteinwänden kommt man am besten zum Lunch-Quickie. Unser All-time-Favourite: Hobz biz-Zejt, ein knuspriges, mit Glück noch warmes Steinofenbrötchen, bestrichen mit Tomatenmark, Olivenöl und Thunfisch, belegt mit Insel-Kapern und sauren Gurken.

Maltesische Zeitung
Kaffee, Zeitung, Sonnenschein: Frühstück in Valletta

Allah ganz nah: St. John’s Co-Cathedral

Gott, den man hier „Allah“ ruft, hat im erzkatholischen Malta so viele Häuser wie das Jahr Tage hat. Sagt man zumindest. Und allein in Valletta erweisen ihm über ein Dutzend die Ehre. Wer sich nur eine Kirche anschauen will, sollte der St. John’s Co-Cathedral am gleichnamigen Platz den Vorzug geben – ein überladenes Sahnestück. Der Boden besteht aus über 400 Grabplatten, unter denen Ordensritter begraben liegen. Im Oratorium trifft man auf Caravaggios „Die Enthauptung des Heiligen Johannes“, das zu den bedeutendsten Gemälden des 17. Jahrhunderts zählt. Was für eine Lichtdramatik! Kein Wunder, dass die Wände von Bewunderungsseufzern widerhallen.

Die St. John's Co-Cathedral in Valletta
St. John’s Co-Cathedral
Prozession in Valletta
Prozessiert wird gerne

Kreuzfahrer verabschieden: An der Waterfront

Klein ist der Mensch, klein ist Valletta, riesig nur die Luxusdampfer! Dieses Gefühl überkommt einen an der Valletta Waterfront, einer Zeile restaurierter Hafenspeicher, vor der die Kreuzfahrtsschiffe anlegen. Tausende von Landgängern werden hier im Sommer Tag für Tag ausgespuckt, laufen bunten Fähnchen hinterher, haken schnell das Muss-Programm ab und decken sich im Anschluss mit Souvenirs ein. Gegen Abend jedoch, wenn auf den schwimmenden Wohnmaschinen die Büfetts aufgefahren werden, wird es ruhig an der Waterfront. Dann treffen sich hier die Locals zum Bier, zum Wein oder auf eine Steinofenpizza. Exzellent sind diese übrigens im Pepe Nero. Hinab zur Waterfront gelangt man am einfachsten mit dem Aufzug vom Upper Barraca Garden.

Waterfront von Valletta
Valletta Waterfront

Valletta by night: Absacker im „Darm“ oder Jazz bei der Brücke?

Wenn dem Tag das Stündlein schlägt und auch die Tagestouristen aus den Ferienresorts der Insel zurück in ihren Hotels sind, ist Valletta noch schöner als tagsüber. Beste Zeit für den „Gut“, den „Darm“, wie die enge Strait Street im Herzen der Stadt etwas unappetitlich genannt wird. Bis 1979 machten im „Hinterhof Vallettas“ britische Matrosen Jagd auf alles, was bei drei nicht auf dem Baum war. Dann kam der Niedergang des rot beleuchteten Gassenschlauchs. Heute entstehen hier immer mehr bunte Altmöbel-Bars, wie man sie aus Berlin-Neukölln kennt. Uns gefällt die Tico-Tico Bar besonders gut, eine lässige Retrobar, die auch draußen eintischt – ein idealer Platz im lauen Nachtlüftchen. Junge Malteser glühen hier vor, bevor es zur großen Party ins ein paar Kilometer nordwestlich gelegene St. Julian’s geht.

Wer etwas älter ist und ruhige Klänge bevorzugt, kann freitags gegen 22 Uhr auch noch in die Bridge Bar nahe dem Upper Barraca Garden gehen. Dort sitzt man auf bunten Kissen auf Treppenstufen und lauscht dem Live-Open-Air-Jazz. Ein wunderschönes Valletta-Erlebnis, das man lange nicht vergisst. Aber Achtung: Ende Oktober ist Schicht im Schacht!

Strait Street Valletta
Strait Street: Nightlife mit viel Charme

UND NOCH EIN PAAR TIPPS

Valletta – Standort oder Ausflugsziel?

Freunden, die uns nach Maltatipps fragen, empfehlen wir Valletta eher als Standort denn als Ausflugsziel. Denn vor den Toren Vallettas liegt der große Busbahnhof, von dem nahezu jeder Zipfel der Insel und jeder Strand problemlos angefahren werden kann. Falls Ihr noch ein paar ruhige Badetage dranhängen möchtet, dann ist die Nachbarinsel Gozo unser Tipp. Eine super Kombi ist zum Beispiel: Eine Woche Abhängen auf Gozo, eine Woche Valletta und von dort aus Malta erkunden.

 

Beste Zeit

Frühjahr oder Herbst, im Sommer ist es einfach zu heiß.

Wohnen

Ihr seid gut beraten, wenn Ihr Euch möglichst früh um eine hübsche Unterkunft bemüht. Denn Valletta boomt und das ist zum Kulturhauptstadtjahr 2018 nicht anders. Auch wenn immer mehr Hotels aufmachen: Die Bettenzahl ist überschaubar! Dementsprechend sind die Preise zum Teil ziemlich gesalzen. Das Gleiche gilt für Apartments, die meist sehr stilvoll eingerichtet sind und Balkönchen, Erkerchen und/oder Dachterrassen haben. Eine Auswahl schöner Hotels und Apartments findet Ihr in unserem Malta-Reisehandbuch. Wir selbst wohnen meist in einem der vier schnuckeligen Valletta Studios von Michael Mercieca. Er ist ein liebenswerter Gastgeber, bei dem man bestens aufgehoben ist. Seine Preise sind für Valletta fair: 65–90 Euro pro Apartment und Tag. Hier der Blick von einem der Studios auf den Grand Harbour:

Valletta Studios Malta
Blick von Valletta über den Grand Harbour

Reiseliteratur

Für das Reisehandbuch „Malta Gozo Comino“ aus dem Michael Müller Verlag (2016) haben wir fast jeden Stein in der maltesischen Hauptstadt umgedreht. Hier findet Ihr neben allen Sehenswürdigkeiten (inkl. Öffnungszeiten, Adressen und Eintrittspreisen) auch viele Hotel-, Restaurant- und Kneipentipps. Dazu die schönsten Wanderungen auf der Insel.

Gib süßen oder scharfen Senf dazu (E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt)

Please enter your comment!
Please enter your name here