Wir wissen nicht, wie oft wir schon auf einer Fähre zwischen Italien und Griechenland unterwegs waren. Zwischen Ancona und Igoumenitsa. Zwischen Igoumenitsa und Bari, Venedig oder Triest. Unzählige Male. Unsere Recherchereisen durch die Türkei haben uns früher fast jedes Jahr Fährpassagen beschert, Camping on Board inklusive.

Wir kennen auch noch jene Zeit, als es die Marmara Line gab. Deren Fährschiffe schipperten von Ancona direkt ins westanatolische Çeşme. Dabei ging es durch den Kanal von Korinth. Über zwei Tage war man unterwegs…

Die Fährpassage ersparte uns das, was uns auf dem Landweg über den Balkan immer so furchtbar nervte:

  • die Staus und Schikanen an den Grenzen,
  • die Gauner am Wegesrand,
  • die falschen oder echten Polizisten und
  • die ewigen Umleitungen wegen der vielen Baustellen

Im Vergleich dazu ist so eine Fährfahrt wie ein kleiner Urlaub auf dem Wasser.

Schiff Küste Spur im Wasser

Hier wollen wir Euch ein paar Infos zur Fährpassage zwischen Italien und Griechenland geben. Zuletzt sind wir Mitte Oktober 2019 mit der Fähre von Igoumenitsa nach Ancona gefahren. Die Fährfahrt besiegelte unseren Roadtrip von Berlin nach Griechenland, der uns auch durch Albanien und Montenegro geführt hatte.

Fähranbieter

Es gibt mehrere Anbieter, unter anderem ANEK Line, Superfast Ferries, Grimaldi Lines, Minoan Lines (gehört ebenfalls zur Grimaldi Group), Ventouris Ferries oder Blue Star Ferries.

Es ist allerdings mühselig, sich auf den Seiten der Fährgesellschaften über Verbindungen und Preise zu informieren. Schneller wird man auf Greekferries.gr fündig.

Ein Reisebüro, mit dem wir schon mehrmals gute Erfahrungen gemacht haben, ist Ferry Center: kompetenter, freundlicher und zuverlässiger Service.

Schiff der Minoan Lines auf dem Meer
Mit der Fähre von Griechenland nach Italien

Routen

Ganzjährig verkehren Fähren auf den Routen Ancona–Igoumenitsa–Patras, Bari–Igoumenitsa–Patras und Brindisi–Igoumenitsa–Patras. Von Frühjahr bis Herbst verkehren zudem Schiffe auf der Strecke Venedig–Igoumenitsa–Patras, in manchen Jahren auch auf der Strecke Triest–Igoumenitsa–Patras.

Auf dieser Karte könnt Ihr die Fährverbindungen zwischen Italien und Griechenland grob nachvollziehen:

Preise

Die Länge der Fährpassage schlägt sich im Preis nieder. Sprich: Am teuersten ist die Fährpassage von Venedig nach Griechenland, am billigsten jene von Brindisi. Der Preisunterschied ist in der Regel aber nicht so erheblich, dass es sich für jedermann lohnen würde, extra bis Brindisi zu fahren. Ob Ihr in Igoumenitsa oder Patras von bzw. an Bord geht, spielt hingegen preislich keine Rolle.

Die Preise sind saisonal unterschiedlich. Für eine einfache Passage von Ancona müsst Ihr zum Beispiel Mitte Juni mit folgenden Preisen rechnen:

  • pro Person ab 70 € für die Deckpassage (also am besten Isomatte und Schlafsack mitbringen)
  • ab 80 € im Sessel
  • ab 130 € in der Vierer-Kabine (innen)
  • Fahrzeug (gewöhnliche Maße) etwa 90 €

Mitglieder von Automobilclubs erhalten Ermäßigungen. Es gibt in der Regel einen Frühbucherrabatt (teils 20 %). Auch spart man viel Geld (teils 30 %), wenn man die Rückfahrt gleich mitbucht. Alle Preisbeispiele Stand April 2020.

Die Sache mit dem Camping on Board

Beim Camping on Board gilt vor allem eins: Früh reservieren! Der Platz für Campingfahrzeuge auf dem luftigen Oberdeck ist beschränkt. Man übernachtet dort in seinem eigenen Wohnmobil. Es gibt Duschen, Toiletten und Strom. Costa quanta? Man bezahlt den Tarif für die Deckpassage, hinzu kommt der Tarif für das Fahrzeug in der entsprechenden Größe.

Diese wortwörtliche Art des „Camping on Board“ bieten jedoch nicht alle! Als die meisten Mittelmeerfähren gebaut wurden, war Camping on Board nämlich noch gar kein Thema. Heute wollen aber fast alle Reedereien auf ihren Schiffen Camping on Board anbieten. Und so gibt es Camping on Board auch dort zu buchen, wo gar kein Camping on Board möglich ist! Sprich: Wo es kein offenes Oberdeck gibt, sondern nur einen geschlossenen Fahrzeugraum, in dem der Aufenthalt aus Sicherheitsgründen während der Passage nicht erlaubt ist.

Minibus steht allein an einer Fähranlegestelle bei Nacht
Erster! Warten aufs Schiff am Fährhafen Igoumenitsa

Wer auf Schiffen dieser Art Camping on Board bucht, bekommt Strom für das Fahrzeug und eine Kabine ohne Aufpreis. Dabei handelt es sich um plastiklastige Innenkabinen mit sauberem Bad. Handtücher werden gestellt. Wer als Paar unterwegs ist, bekommt eine private Zweier-Kabine.

Tiere

Haustiere können mitgenommen werden, für sie stehen Boxen bereit. Bei Minoan Lines dürfen Hunde für den Aufpreis von 30 € mit in die Kabine genommen werden. Auf Deck darf man sie spazieren führen und die Häufchen aufsammeln. Die Pfützchen, in denen sich die Wolken spiegeln, werden regelmäßig vom Schiffspersonal mit einem Wasserschlauch weggespritzt.

Mann fotografiert Hund auf Schiff
Fotoshooting

Dauer der Fährpassage

Von Venedig nach Igoumenitsa ist man ca. 26–29 Stunden unterwegs, bis Patras etwa 32–35 Stunden. Von Ancona bis Igoumenitsa sind es ca. 16–19 Stunden, bis Patras 23–25 Stunden. Das heißt: Ein Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang ist auf jeden Fall drin – falls das Schiff noch nahe einer Küste unterwegs ist, einfach nur großartig! Der schönste Abschnitt der Fährpassage ist ohnehin die Fahrt entlang der albanischen und griechischen Küste.

Von Brindisi nach Igoumenitsa geht es recht schnell: Auf dieser Route ist man nur 8–10 Stunden unterwegs.

Sonnenaufgang über Küstenlandschaft, fotografiert von Deck eines Schiffes
Zuviel versprochen?

Mann läuft im Sonnenaufgang auf Schiffsdeck

Verspätungen

Verspätungen sind nichts Ungewöhnliches. Uns ließ man beim letzten Mal sage und schreibe sieben Stunden warten! Die Entschädigung: ein Wasser, ein Snack und ein verbilligtes Essen im Self-Service-Restaurant.

Wünschenswert wäre ein EU-Schiffsgastrecht in Anlehnung an das Fluggastrecht. Und dazu Agenturen, die einem helfen, seine Rechte durchzusetzen. So aber können die Reedereien walten und schalten wie DHL mit den Päckchen. Ein Problem ist zudem, dass die Seeleute gerne streiken und deswegen Fähren im Hafen bleiben. Wir mussten deswegen schon einmal eine ganze Woche in Igoumenitsa warten!

Tipp: Wer auf dem Weg zum Fährhafen im Stau steht, kann auf marinetraffic.com schauen, wo sich sein Schiff im Moment befindet. Wenn es gerade die Küste Albaniens passiert und laut Fahrplan in vier Stunden in Ancona ablegen soll, herrscht keine Eile.

Verpflegung und Preise

Billig ist nichts an Bord – auch wenn Camping-on-Board-Passagiere teils einen Rabatt von 30 % in den Schiffsrestaurants bekommen. Daher können wir nur raten: Nehmt Verpflegung mit, nehmt Wein mit und schaut, dass Ihr Euch nur den Cappuccino (4 Euro, Stand Herbst 2019) abknöpfen lasst.

Ansonsten würdet Ihr viel Geld an den Tresen lassen: Ein Bier kostet zum Beispiel 4,50 Euro, ein Frühstück 9 Euro. Im Selbstbedienungslokal gibt es Burger oder Souvlaki für 14 Euro, ein Moussaka für 11 Euro. Teuerer wird es im À-la-carte-Restaurant, wo man unter anderem Ossobuco oder Gambaretti Saganaki serviert.

Zwei volle Teller mit Salat und Reis auf dem Plastiktablett einer Fährgesellschaft
Reis mit Scheiß

Das Publikum

Viele Individualtouristen mit Camper, Wanderschuhen und/oder Hunden. Dazu in der Nebensaison italienische Schulklassen en masse. Die Mädels darunter haben Drama-Queen-Potential. Das kann SEHR LAUT werden!

Junge Leute tanzen bei Sonnenuntergang auf Deck eines Schiffes
Klassenparty auf Deck

Des Weiteren türkische, griechische oder bikulturelle Familien, die zum Heimaturlaub aufbrechen oder von dort zurückkehren. Zuletzt lernten wir auf der Fähre einen Schweizer mit griechischer Frau kennen. Zweimal im Jahr würden sie ins griechische Ferienhaus fahren, um dort die „Kack-er-la-cken“ aus den Zimmern zu fegen.

Und nicht zuletzt treiben sich auf der Fähre jede Menge LKW-Fahrer aus der Türkei, Bulgarien oder Griechenland herum. Eine Sache ist ihnen gemeinsam: Sie rauchen mehr als die Schlöte des Schiffes!

Wie vertreibt man sich die Zeit?

Auf dem Oberdeck gibt es auf vielen Schiffen eine Bar vor einem kleinen Pool, den wir allerdings noch nie gefüllt sahen – was einfach damit zusammen hängen kann, dass wir stets in der Nebensaison unterwegs sind. Unter Deck gibt es in der Regel eine Spielothek, ein Fitnessstudio und ein paar Läden, die Klamotten und hässlichen Schmuck verkaufen.

Dolce far niente ist so die hauptsächliche Tätigkeit an Bord. Aufs Meer schauen, Mitpassagiere beobachten, ein wenig lästern. Die einen machen Kreuzworträtsel, Sudokus oder spielen Karten. Die anderen lesen.

Denkt an Sonnenschutz! Bei schlechtem Wetter, das wir interessanterweise noch nie hatten, könnten wir uns die Fährüberfahrt etwas dröge vorstellen.

Deck eines Schiffes im Abendlicht
Auf dem Oberdeck zum Sonnenaufgang…

 

Haben Euch unsere Infos etwas bei der Reiseplanung geholfen? Wenn ja, dann freuen wir uns über Eure Pins bei Pinterest!

Oder seid Ihr alte Hasen in Sachen Fährfahrten zwischen Italien und Griechenland? Dann würden uns Eure Erfahrungen interessieren!

1 Kommentar

  1. Was ist den das bitte für ein rassistischer Rotz, den Ihr da geschrieben habt? Echt unterste Schublade, tut mir leid für Euch…

Gib süßen oder scharfen Senf dazu (E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt)

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