„Don’t worry, be Hampi.“

(T-Shirt-Spruch, gesehen in Hampi)

Was für eine unwirkliche Kulisse, in die wir da einfahren! Eine surreale Gneisbrockenlandschaft umgibt uns. Darin verteilen sich mehrere Dutzend Tempel und Tempelchen, Überbleibsel der prächtigen Hauptstadt des legendären Hindureichens Vijayanagar, die im 16. Jahrhundert von einfallenden moslemischen Horden zerstört wurde. Wo einst, so die Schätzungen, bis zu 500.000 Menschen lebten, liebten und lachten, kuschelt sich nun das 600-Seelen-Dorf Hampi Bazaar an die Ruinen. Fragt sich, wie lange noch. Aus Gründen des UNESCO-Welterbeschutzes wurden Teile des Dorfes bereits abgerissen, weitere sollen folgen.

Ihr seid schon in Bagan (Myanmar) oder Angkor (Kambodscha) gewesen? Dann könnt Ihr Euch ein wenig vorstellen, was in Hampi auf Euch warten wird. Ganz großes Tempelkino! Rund 26 Quadratkilometern misst das Areal.

Tempel in Hampi in Indien

Tempel in Hampi in Indien

Relief in HampiHampi liegt im Landesinneren des südindischen Bundesstaates Karnataka, Luftlinie rund 250 km von der Küste entfernt. 1343 wurde mit dem Bau von Hampi, dem damaligen Vijayanagar begonnen, Stadt und Reich trugen den gleichen Namen. Seine Blütezeit erlebte Vijayanagar Anfang des 16. Jahrhunderts. Der portugiesische Reisende Domingo Paes verglich die Stadt mit Rom. ​Andere Reisende berichteten von märchenhaften Festen mit Tempeltänzerinnen. Von Straßen voller Elefanten, die beladen oder mit Berittenen von hier nach dort schritten – damals gab es ja noch keine motorisierten Taxis. Von Herrschern, denen Hunderte von Konkubinen folgten. Von Harems und Eunuchen. Von Märkten voller Juwelen, Gold, Stoffen, Früchten und Getreide. Von Persern, Arabern, Chinesen und auch Europäern, die hier ihre Geschäfte machten. Und wo man nur hinschaute, standen die schönsten Paläste. Alles aber, was aus Holz war, existiert heute nicht mehr.

Was anschauen?

Wir wollen Euch nicht langweilen mit ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Tempel, das ist vor Ort auch spannender zu lesen als hier. Wir wollen Euch auch nicht erklären, welche Hügel Ihr zum Sonnenauf- oder -untergang besteigen sollt – das steht in jedem guten Reiseführer. Wir müssen gar gestehen, dass wir selbst auf keinen dieser Hügel pilgerten – in der Früh konnten wir uns nicht aufraffen, am Abend zogen wir ein kaltes Bier vor. Deswegen fehlt uns auch so manch geniales Foto. Ein paar Eindrücke wollen wir dennoch mit Euch teilen.

Heiße Füße, ein Elefant und viele Affen

Der Hingucker schlechthin ist der zentrale Virupaksha-Tempel. Mit seinem 42 Meter hohen Gopuram, dem Torturm zum Tempelbezirk, beherrscht er das Dorf Hampi Bazaar. Die Grundmauern reichen bis ins 7. Jahrhundert zurück. Und auch nach der Zerstörung Vijayanagars blieb der Tempel ein heiliger Ort. Tag für Tag wälzen sich Pilgermassen aus ganz Südindien durch die Tempelanlage und besuchen den Tempelelefanten Lakshimi. Wer ihm eine Rupie auf den Rüssel legt, erhält seinen Segen.

Haupttempel von Hampi in Indien

Haupttempel von Hampi in Indien

Haupttempel von Hampi in Indien
Virupaksha-Tempel: Eyecatcher in Hampi Bazaar

Die der Sonne erbarmungslos ausgelieferten Tempelhöfe dürfen nur barfuß betreten werden – wegen des heißen Steins eine Tortur für so manche Füße. Zwar werden die Böden beständig mit Wasser bespritzt, das aber ist schon nach wenigen Sekunden wieder warm und verdampft. Und da auch Lakshimi seine Runden über den Hof dreht, beschleicht einem zuweilen das Gefühl, durch Elefantenpipi zu waten…

Tempelelefant Lakshimi in Hampi in Indien
Tempelelefant Lakshimi

Schöne Pfade führen aus dem Dorf hinaus durch die Gneisbrockenlandschaft zu den anderen Tempeln, die man oft ganz für sich alleine hat. Denn viele indische Touristen sind zu faul zum Laufen, und viele ausländische Touristen zu faul vom Kiffen. Hampi ist ein Eldorado backpackender Neohippies, die sich nur ungern von ihrem Chillum trennen.

Pilger in der Gneisbrockenlandschaft Hampi

Touristengruppe in einem Tempel in Hampi in Indien

Steinmetzarbeiten in Hampi in IndienWas für ein Zauber liegt über dieser Landschaft, wie erhaben ist die Patina. Jeder Tempel hat ein anderes Erscheinungsbild, die meisten besitzen filigrane Reliefs – wegen fehlender Abgase bestens erhalten. Der Achyutharaya-Tempel zum Beispiel ist berühmt für seine erotischen Darstellungen. Ebenfalls bis ins letzte Detail ausgeschmückt ist der Vitthala-Tempel. Andere Tempel, wie den kleinen Rama-Tempel okkupieren Horden frecher Affen und klauen den Verkäuferinnen des benachbarten Cafés Weintrauben und Kokosnüsse.

Affe in Hampi in Indien

Elefantengaragen und das Bad der Königinnen

Nicht alles kann man zu Fuß erreichen. Um die recht weit auseinander liegenden, imposanten Überreste des so genannten „königlichen Bezirks“ drei Kilometer südlich von Hampi Bazaar zu erkunden, leihen wir ein Rad. Wir staunen über überkuppelte Elefantengaragen, über den hübschen Pavillon Lotus Mahal, der allein der Frau Königin vorbehalten war, und über das Queen’s Bath: ein großes Becken, drum herum ein umlaufender Korridor mit 24 verschiedenen Kuppeln. Im nicht überdachten Becken badeten die edlen Damen unter schützenden Schirmen.

Elefantengaragen in Hampi in Indien
Elefantengaragen

Radtour durch Hampi in Indien

Lotus Mahal in Hampi in Indien
Lotus Mahal
Bad der Königin in Hampi in Indien
Queen’s Bath

Dorfalltag in Anegondi

In das rund sechs Kilometer entfernte, auf der Nordseite des Tungabhadra-Flusses gelegene Dorf Anegondi lassen wir uns mit der Rikscha bringen. Verlassene Tempel, ein in Trümmern liegender Palast und eine Festungsanlage zeugen von der einstigen historischen Bedeutung auch dieses Ortes. Drum herum und dazwischen erstreckt sich heute ein aufgeräumtes Dorf mit aus den Häusern winkenden Menschen und über die Straßen flanierenden Affen, Hühnern, Hunden und Ziegen. In der Mitte des Dorfes steht ein großer Tempelwagen aus Holz.

Es scheint Waschtag zu sein, die öffentlichen Wasserstellen sind besetzt von Frauen und ihren großen Bottichen. Für den Rückweg auf die andere Seite des Flusses nehmen wir das Fährbötchen und wandern gemütlich zurück nach Hampi.

Anegondi bei Hampi in Indien
Dorfalltag in Anegondi
Fähre in Hampi in Indien
Zurück geht’s mit dem Fährbötchen

HAMPI – PRAKTISCHE INFOS

Hinkommen

Wir hatten uns hinwärts für die Holzklasse entschieden und rumpelten zehn Stunden in einem völlig überfüllten Public Bus vom Küstenort Gokarna durch eine eintönige, ausgetrocknete Landschaft. Umgerecht vier Euro kostete die Fahrt mit dem Public Bus von Gokarna nach Hampi, geschwollene Füße und viele neue Bekanntschaften inklusive.

Wer von der Küste nach Hampi will und auf den Public Bus keine große Lust hat, kann von Gokarna und Goa auch mit halbwegs bequemen Schlafbussen anreisen. Diese Variante wählten wir für den Rückweg. Fahrtdauer auch hier rund zehn Stunden, wenn man keine der häufigen Pannen erlebt, wie es auch uns geschah. Die Busse (einfach ca. 13 Euro) bieten großzügige, auf zwei Stockwerke verteilte Schlafkojen mit Vorhängen als Sichtschutz. Doch nicht jeder kann darin schlafen, das ist dem Land der Millionen Bodenwellen geschuldet. Zum Nachtbus noch ein kleiner Tipp am Rande: Wägt jeden Schluck Wasser sorgfältig ab! Es gibt kein Klo an Bord (zumindest gab es keines in unserem Bus), und unsere stinkstiefeligen Busfahrer machten in zwölf Stunden exakt eine Pinkelpause! Die Nachtbusse können in fast allen Reisebüros von Goa und Hampi gebucht werden.

Öffentlicher Bus in Indien
So sieht ein Public Bus aus…
Gabriele Tröger und Michael Bussmann in Hampi in Indien
… und so das Innere eines Schlafbusses

Wo wohnen?

Es gibt vornehmlich auf Backpacker zugeschnittene Guest Houses in Hampi Bazaar und in Virupapuragadda. Virupapuragadda befindet sich nur ein paar hundert Meter von Hampi Bazaar entfernt, der Flusslauf des Tungabhadra trennt die beiden Ortsteile. Die Vorteile von Virupapuragadda: schönere Panoramen und Alkohol. In Hampi Bazaar, das als Teil der heiligen Stätte gilt, wird kein Alkohol ausgeschenkt. Wir selbst wohnten im Mowgli Guesthouse, wo die meisten Zimmer Terrassen mit herrlichen Blicken über leuchtend grüne Reisfelder hinweg besitzen. Andere Unterkünfte in Virupapuragadda bieten Blicke über Bananenplantagen hinweg auf die Gneishügel oder auf den nachts angestrahlten Haupttempel. Der trennende Fluss ist in der Trockenzeit ganz bequem zu Fuß zu überqueren, in der Regenzeit verkehren Boote.

Mowgli Guesthouse in Hampi in Indien
Terrasse des Mowgli Guesthouses
Fluss in Hampi in Indien
Ein Flüsslein trennt die beiden Ortsteile

Wo essen?

Wir waren sehr angetan vom Restaurant Laughing Buddha in Virupapuragadda, dem auch ein Guesthouse angeschlossen ist. Gute indisch-internationale Küche, hübsche Terrasse mit einem herrlichen Blick auf den abends angestrahlten Virupaksha-Tempel.

Wie lange bleiben?

Es soll Traveller geben, die die Sitzkissenlandschaften auf der Traumterrasse ihres Guest Houses zwei Wochen lang kaum verlassen und auch kaum einen Tempel zu Gesicht bekommen. Das ist schade, aber auch nicht verwunderlich bei der völlig entschleunigenden Atmosphäre im Örtchen. Hier weilt man gerne länger. Wir selbst blieben drei volle Tage in Hampi, haben die Gegend zu Fuß, mit dem Rad (2 Euro pro Tag) und der Rikscha (13 € pro Tag) erkundigt.

Michael Bussmann in Hampi in Indien

Gabriele Tröger und Michael Bussmann in IndienEintritt

Manche Tempel kosten Eintritt, viele sind aber auch frei zugänglich. Für die Hauptsehenswürdigkeiten – Lotus Mahal, Vitthala-Tempel und Archäologisches Museum – muss ein Kombiticket zu umgerechnet 6,50 € gelöst werden. Der Kauf von Einzeltickets ist nicht möglich. Bekloppterweise ist das Kombiticket nur einen Tag gültig, wodurch das Sightseeing auf dem weitläufigen Areal stressig werden kann.

Mehr zu unserer Indienreise erfahrt Ihr hier, einen eigenen Beitrag haben wir zudem Goa gewidmet.

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