Affen sind meine Lieblingstiere. Schon im Vorschulalter kuschelte ich mit Monchichis. Später bekam ich „Gori“ geschenkt, einen etwa 80 Zentimeter großen, dickarschigen Plüschgorilla. Noch heute lümmelt er auf unserem Küchenschrank, trägt Panama-Hut und VfB-Trikot.

Meine Faszination für Primaten ist ungebrochen, keine Reportage über Schimpansen, Gorillas oder Orang-Utans lasse ich aus. Der Film Gorillas im Nebel, der vom Engagement der Verhaltensforscherin Dian Fossey für die Berggorillas berichtet, ist mir unvergessen. Ihre in Musanze (Ruanda) ins Leben gerufene Schutz- und Forschungseinrichtung trägt heute den Namen The Dian Fossey Gorilla Fund International und stellt immer wieder Videos ins Netz. Wem bei diesen Videos nicht das Herz aufgeht, der braucht gar nicht weiterlesen.

„The more you learn about the dignity of the gorilla, the more you want to avoid people.“ (DIAN FOSSEY)

Auf die Idee, selbst einmal die Berggorillas im Nebelwald des Dreiländerecks Uganda – Ruanda – Demokratische Republik Kongo aufzusuchen, kam ich lange Zeit nicht. Dass es Touren dahin gab, wusste ich zwar. Doch ich dachte dabei an Reisen für Millionäre, an etwas völlig Unerreichbares. Bis mich eines Tages in einem Reisemagazin zwei kastanienbraune Augen aus einem schwarzen Gesicht anblickten und darunter zu lesen war: „Die Erlaubnis zum Besuch der Menschenaffen kostet mindestens 450 Euro.“ „Mindestens? Nicht mehr?“, fragte ich mich. Andere Frauen kaufen sich fürs gleiche Geld ein paar Prada-Espandrilles.

Knapp 1000 Berggorillas, so schätzt man, leben in der schwer zugänglichen Grenzregion, verteilt auf vier Nationalparks in drei Ländern. Eine genauere Zahl ist nicht zu ermitteln, da wegen Unruhen im Kongo keine Zählungen statt finden. Die Berggorillas sind bedroht durch Wilderei, durch die Zerstörung Ihrer Lebensräume durch zunehmende Besiedlung und Bürgerkrieg (Kongo). Der Gorillatourismus, mittlerweile ein lukratives Geschäft, ist zwar nicht unumstritten, trägt aber definitiv zum Schutz der Tiere bei. Der Begriff „Gorilla-Tracking“ kommt übrigens von „Track“ für „Fährte“.

Wie wir unseren Gorillatrip planten und warum wir uns für das Gorilla-Tracking in Uganda statt in Ruanda entschieden haben, könnt Ihr am Ende des Beitrags lesen.

Juhu, Gorillakacke!

Wir haben Glück. Kein Regen. Die Nebelwolken, die noch im Morgengrauen in den Tälern hingen, lösen sich auf und ziehen über die Baumwipfel davon. Die Sonne hat es noch nicht über den Bergkamm geschafft. In der Nationalparkverwaltung treffen wir auf die anderen Glückspilze des heutigen Tages: zwei holländische Backpacker und drei englische Nobeltouristen. Wir erhalten ein Briefing: keine Tiere anfassen, nicht direkt anschauen, nichts essen, nichts trinken. Und keinesfalls krank sein. Eine simple Erkältung kann die sanften Riesen umbringen, mit denen wir über 98 Prozent unserer Gene teilen.

Bwindi-Nationalpark
Auf dem Weg zum Briefing

Begleitet von bewaffneten Rangern (die vor allem aggressiven Zwergelefanten Einhalt gebieten sollen), Trägern (die für 15 US-Dollar Rucksäcke schultern und im unwegsamen Gelände Hände reichen; braucht man eigentlich nicht) und Machetenmännern (der Bwindi Impenetrable National Park macht seinem Namen alle Ehre) laufen wir los. Es geht zunächst bergab, auf ausgetretenen Pfaden, die die Dörfler auf dem Weg zu ihren Feldern benutzen. Die Gorillas wohnen auf den Bergen gegenüber. Entlang glucksender Bäche queren wir das Tal und steigen vorbei an mannshohem Farn und Dornengestrüpp wieder auf.

Gorillatracking Bwindi-Nationalpark Uganda
Der Abstieg

Nach rund anderthalb Stunden erste Vorzeichen: grün-braune Gorillahaufen! Noch nie haben wir uns über Tretminen so gefreut. Keine 30 Minuten später verlassen wir den schmalen Pfad, marschieren weglos durchs Gestrüpp und dann auf den vor uns liegenden Wald zu. Die Spannung steigt. Die Guides geben uns zu verstehen, dass wir uns ruhig verhalten sollen.

Fährtensucher Bwindi-Nationalpark
Auch in der Regenzeit, wenn mal keine Touristengruppe zusammenkommt, marschieren die Ranger zu den Gorillas. So wird verhindert, dass diese sich dem Menschen „entwöhnen“.

Fährtensucher haben bereits am Abend vorher die Schlafnester unserer Gorilla-Gruppe ausgespäht. Jede Nacht bauen sich Gorillas neue Nester. Und am Morgen machen sie das, was vielen von uns nur an Wochenenden vergönnt ist: ausschlafen und mit Muße frühstücken. Deswegen lassen sich die Gruppen in der Früh auch am leichtesten wiederfinden. Nachmittags wird das zuweilen etwas schwerer. Zum Glück für die Fährtensucher bewegen sich die dicken Kerle aber meist kaum mehr als 800 Meter am Tag fort.

Eine Stunde Glück

Noch während wir die letzten Instruktionen bekommen („Wasserflaschen und Rucksäcke ablegen, nicht mehr auf Toilette gehen!“), knacken die Äste am Hang unter uns. Und schließlich über uns, keine zehn Meter entfernt. Wir erblicken eine behäbige Gorilladame im Baum. Den Freudenschrei muss ich unterdrücken. Ich gucke mir die Augen aus dem Kopf. Der Dame sind wir egal. Sie blickt uns kurz an, als denke sie sich: „Ach, die Deppen sind wieder da.“ Ausgewachsene Berggorillas in Bäumen sind übrigens ein seltenes Bild. Kein Wunder. Ein Silverback kann 300 Kilogramm auf die Waage bringen. Irgendwann lernen sie, dass sie kaum ein Ast trägt.

Berggorilla Profil
Hand aufs Maul

In der schnellsten, schrägsten, schönsten und adrenalinstärksten Stunde meines Lebens geben uns von den rund 20 Mitgliedern der Nkuringo-Gruppe etwa zehn Tiere die Ehre. Was heißt die Ehre? Sie kümmern sich einen Scheiß um uns. Die Gorillas, die wir herzklopfend und mit offenen Mündern bestaunen, sehen einfach durch uns hindurch oder an uns vorbei. Lonesome Riders an Kneipentheken können es nicht besser. Lediglich die Kleinen, die spielen und sich jagen, schenken uns zuweilen etwas Aufmerksamkeit. Die Großen sind unbeeindruckt, scheinen aber gut gelaunt zu sein. Schälen Bambus, schieben sich Blätter ins Maul. Lausen sich, ja begatteten sich mit wohligem Grunzen, während wir uns mit unseren mitgebrachten Gartenhandschuhen von Ast zu Ast hangeln und bis zu den Knöcheln im Schlamm versinken. Die Ranger, die jedes Tier beim Namen kennen und die Gorillas an der Nase zu unterscheiden wissen, erzählen Anekdoten aus dem Leben der Familie. Einer der beiden Silverbacks liegt sinnierend auf dem Bauch, die Füße übereinander, das Kinn in der Hand – mit dem Hinterteil zu uns. Wir gehen ihm scheinbar buchstäblich am Arsch vorbei. Wir stehen im Unterholz keine zwei Meter von ihm entfernt, die Kamera auf seinen Hinterkopf gerichtet. Wenn er sich umdreht, wird es „klack, klack, klack“ machen. Er dreht sich nicht um.

Erlebnis mit Suchtfaktor

Jede Begegnung mit den Gorillas läuft völlig anders ab, wie uns die Ranger berichten. Mal pisst es in Strömen, mal scheint die Sonne. Mal erlebt man die Gorillafamilie einem Stillleben ähnlich auf der grünen Wiese sitzen, wie geschaffen für Selfies nach dem Motto „Gabi und der Silberrücken“. Mal eben nicht. Unserer Nkuringo-Gruppe gefällt es heute nun mal im unwirtlichen Unterholz. Würden die Ranger mit ihren Macheten nicht zuweilen den Blick auf die Tiere frei schlagen, wäre außer einem Gewusel im Wald nichts gewesen. Dafür kommen wir den Gorillas trotz eines offiziellen Mindestabstands von sieben Metern ganz nah. Andere Touristen können die Tiere nur aus der Ferne sehen.

Ein letztes Foto. Und Tschüs.

 

Gorilla und die Früchte des Waldes
Beim Frühstück: Bis zu 30 Kilogramm Pflanzen (vor allem Bambus, Früchte, Afrikanische Berg-Petersilie, Nesseln) essen die hiesigen Gorillas am Tag, dazu ein paar Insekten und etwas Erde wegen den Mineralien

Mit Gorillaweh im Herzen machen wir uns auf den Rückweg, mit Gorillaweh fliegen wir zurück nach Deutschland. Niemand, der diesen Lebewesen je in ihrer wunderschönen Heimat begegnet ist, wird auch nur einen Cent bereuen, den er dafür gezahlt hat. Ganz im Gegenteil: Könnte man kurzfristig Touren buchen, hätten wir die Gegend erst verlassen, wenn beide Girokonten leer geräumt gewesen wären.

Wir werden wieder hinfahren – nach Uganda, Ruanda oder in den Kongo. Unser Küchen-Gori erinnert uns jeden Tag an diesen schönen Plan.

Berggorilla beim Fressen

Gorilla mit braunen Augen beim Kauen

 

Das Gorilla-Tracking war Teil unserer siebenwöchigen Reise durch Uganda und Ruanda. Mehr über diesen Trip lest Ihr hier.

 

PRAKTISCHE INFOS

Wo tracken? In Uganda, Ruanda oder im Kongo?

Warum wir uns fürs Gorilla-Tracking im Bwindi-Impenetrable-Nationalpark von Uganda entschieden haben, hatte vor allem einen Grund: der Preis. In Uganda ist der Permit deutlich billiger als in Ruanda: 600 US-Dollar (in der Nebensaison 450 US-Dollar) versus 1500 US-Dollar (!) im Volcanoes National Park in Ruanda. Noch billiger ist das Gorilla-Tracking übrigens im Kongo (400 US-Dollar), Infos auf visitvirunga.org. Jedoch fallen für die Einreise in den Kongo satte Visumgebühren an, auch sollte man vor der Planung die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes  beachten.

Wie bekomme ich ein Gorilla Permit?

Um an einem Gorilla-Tracking teilnehmen zu können, braucht Ihr ein so genanntes Gorilla Permit. Da nur acht Touristen pro Tag für eine Stunde zu einer habituierten (sprich: einer zwar wilden, aber an Menschen gewöhnten) Gorillafamilie dürfen, sollte man sich frühzeitig (mindestens vier Monate vorab) um die Besuchserlaubnis kümmern.

In einer ersten formlosen Mail an die Uganda Wildlife Authority fragten wir nach freien Plätzen an unserem Wunschdatum. Schon kurz darauf kam die positive Antwort: „Ja!“. Gleichzeitig forderte man uns auf, den Gesamtbetrag für die Permits an die Uganda Wildlife Authority zu überweisen. Und zwar zackig. Innerhalb einer Woche müsse der Beitrag (Transfergebühr nicht vergessen!) auf dem UWA-Konto eingegangen sein, sonst werde die Reservierung gecancelt. Nach unserer Überweisung ließ die Uganda Wildlife Authority erst einmal nichts mehr von sich hören. Wir schwitzten ein wenig, sahen im Geiste schon korrupte Beamte mit Bündeln voller Tröger-Bussmann-Dollars aus den Büros springen. Doch dann die erlösende Email: „I write to confirm your reservation.“ Puh.

Eine bestätigte Reservierung ist aber noch kein Permit. Die ugandische Bürokratie hat Kafka-Qualitäten. Wer meint, nun einfach mit seinem Ausweis zum Gorillagucken spazieren zu können, ähnlich dem Einchecken am Flughafen, täuscht sich. Vor dem Tracking mussten wir die Permits in persona im UWA Office von Kampala abholen. Das kostete zwei Nächte in einer grässlichen Stadt. Und zwar nur, um eine mit Papier umrollte und mit Gummiband fixierte Scheckkarte zu erhalten. Die dann vorm Gorilla-Tracking wieder „entrollt“ wurde.

Ganz wichtig: Pennen, wo die Affen pennen!

Die elf habituierten Gorilla-Familien im Bwindi-Nationalpark verteilen sich auf ein Areal von 327 Quadratkilometern. Der eine Teil des Nationalparks ist nur von Norden zugänglich, der andere nur von Süden. Wer also eine Unterkunft im Norden gebucht hat, am frühen Morgen aber eine Gorillagruppe ganz im Süden tracken will, den beißen die Hunde. Und zwar richtig.
Die meisten Unterkünfte im Park sind im Gegensatz zu denen im Rest des Landes verboten teuer: bis zu 1000 US-Dollar für ein Cottage! Eine der wenigen bezahlbaren Alternativen ist die Bwindi Backpackers Lodge nahe dem Ausgangspunkt des Nkuringo-Trails. Wir können die Lodge guten Gewissens weiterempfehlen: schnuckelige Zimmer, eine unglaubliche Aussicht auf die üppig grünen Bwindi-Berge und Betreiber Seith, der sich rührend um das Wohl seiner Gäste kümmert. Er fuhr uns am Tag des Trackings auch zum Ausgangspunkt. Die Lodge bietet übrigens auch Campingmöglichkeiten.

Bwindi-Nationalpark Uganda
Gorillas im Nebel: Aussicht von unserer Lodge

Und was Ihr sonst noch wissen solltet

Fitness ist ratsam: Die Gorillas treiben sich auf rund 1500 Höhenmetern herum (in Ruanda übrigens auf bis zu 3000 Metern!). Wir waren recht schnell bei ihnen, andere Tracker müssen fünf Stunden (einfach) durch den Nebelwald marschieren. Es lohnt sich, vor dem Tracking die eine oder andere Wanderung zu machen, um sich zu akklimatisieren.

Ohne Fitness oder mit Gehbehinderung: Wäre ein Trip zumindest bei der Nkuringo-Gruppe auch möglich gewesen. „If you want, we can organize an african helicopter for you“, sagten die Träger zu dem älteren Engländer, der mit uns unterwegs war. Gemeint war eine Trage.

Leider nichts für Kinder: Aus Angst vor der Übertragung von Kinderkrankheiten dürfen Kinder nicht mit.

Und übrigens: Berggorillas kann man nicht in Zoos bewundern, sie können in Gefangenschaft nicht überleben. In Zoos sieht man ausschließlich die deutlich kurzfelligeren Flachlandgorillas.

3 Kommentare

  1. Hi,
    der Bericht ist super interessant!! Wenn man die Gorillas besuchen möchte, soll man zu erst unterkunft buchen?
    vielen Dannk, Gal

    • Hallo Gal, danke für dein Feedback! Nein, zuerst Permit, dann Unterkunft. Du solltest zuerst sicher sein, dass du die Gorillas an dem Tag tracken kannst, dann kannst du die Unterkunft buchen. Wenn du dir überlegst, in dem von uns erwähnten Bwindi Backpackers abzusteigen, dann maile der Unterkunft zunächst einmal. Der Besitzer ist professionell, zuverlässig und sehr freundlich. Er kann dir wohl zusammen mit der Unterkunft auch das Permit buchen, was wir erst später erfahren haben. Dann ersparst du dir die ganze Prozedur, wie von uns beschrieben. Viel Glück und viel Freude mit den Gorillas!

Gib süßen oder scharfen Senf dazu (E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt)

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