„Hüüühööhääähuuuhüüüühäähööööhüü.“

Da sind sie wieder, die lang gezogenen Klagelaute in der Dunkelheit. Es ist ein schaurig-schönes Heulkonzert ohne Dirigent, das da jede Nacht in den Hügeln der Halbinsel Pelješac im Süden Dalmatiens abgehalten wird. Die Schakale sind so etwas wie die Kirschen auf dem Kuchen dieser fast schon poetisch schönen Halbinsel – dem großen Höhepunkt unseres dreieinhalbwöchigen Roadtrips samt Inselhopping entlang der kroatischen Küste. Eines Roadtrips, bei dem wir tolle Städte besichtigen, an schönen Stränden baden und auf angenehmen Campingplätzen übernachten.

Orts- und Zeitwechsel. Kreuzberg, Mitte September, ein paar Wochen vorher. Berlin und unser Büro können uns einmal gepflegt den Buckel runterrutschen. „Was andere machen, können wir auch“, denken wir. Zumindest für ein paar Wochen wollen wir auch mal wieder digitale Nomaden spielen. Packen einen Grill, unsere Laptops und kistenweise Unterlagen in unseren Campingbus und fahren los. Das letzte Mal Kroatien ist lange her, noch zu Titos Zeiten.

Wir sind gespannt. Ein verlängerter Sommer mit Open-Air-Office unter schattigen Pinien, mit rotweingeschwängerten Sonnenuntergängen statt Feierabendbier in der verräucherten Eckpinte – so stellen wir uns das vor. Rückkehr offen bzw. von der Bora abhängig. Kroatienkenner wissen, was gemeint ist. Die Bora, dieser Fallwind, der sich irgendwann im Herbst so richtig fies aufbläht und eiskalt zuschlägt, kann jeden Spaß verderben.

Autofähre auf dem Meer
Roadtrip kroatische Küste: Mal Straße, mal Fähre. Hier fahren wir gerade mit dem Trajekt von der Insel Brač nach Madarska

Hier haben wir für Euch ein paar Momentaufnahmen gesammelt – vergesst Objektivität und Vollständigkeit. Wie soll das gehen bei über 1000 Inseln und Inselchen sowie einer fast 2000 Kilometer langen Küste?

Roadtrip Kroatien – unsere Stationen

 

Inhaltsverzeichnis

KRK, DIE KARGE

Über eine gewaltige Brücke fahren wir hinüber nach Krk ganz im Norden der Kvarner Bucht. Üppig grün soll die mit 410 Quadratkilometern größte kroatische Insel zwar auch sein. Doch das, was wir vornehmlich zu Gesicht bekommen, ist bleiche, karstige Kargheit.

Auf Krk möchten wir in erster Linie Krk-Stadt besichtigen. Daher beziehen wir einen fußläufig zum Zentrum gelegenen Campingplatz. In fünf Minuten sind wir von dort im bezaubernden Zentrum der hinter wuchtigen Bastionen und Türmen geduckten Seestadt Krk. Flanieren an der Uferpromenade entlang, wo Ausflugsboote und kleine Yachten vertäut liegen, und lassen uns durch das Altstadtlabyrinth treiben.

Unsere Kerzenlicht-Mahlzeit in einer klischeehaften Gassenidylle samt schnurrendem Kater unter der rot-weiß karierten Tischdecke wird zum Festmahl: mit Schafskäse gefüllte Sardinen, hausgemachte Makkaroni mit Krabben aus der Kvarner Bucht, eiskalter, süffiger Inselweißwein.

Campingtipp Krk-Stadt: → Autocamp Ježevac. Ein gepflegter, aber sehr großer Campingplatz mit jeglichem Schnickschnack. Elf Hektar, über 500 Stellplätze, Animation, Tennisplätze, eine Stadt in der Stadt. Der Teutonentreff ist auch im September noch gut voll. Wie es hier wohl zur Hochsaison abgehen mag?

WELTKULTURERBE ZUM ERSTEN: ZADAR

Halb Kroatien könnte auf die UNESCO-Welterbeliste, meint so mancher Kroatienfan. Tatsächlich reihen sich entlang der historischen Region Dalmatien kunsthistorische Hochkaräter wie Perlen an einer Kette. Fünf dieser städtebaulichen Sensationen aus venezianischer Zeit haben es schon auf die Liste geschafft: Šibenik, Zadar, Split, Dubrovnik und Trogir. Weitere werden folgen. Zadar nehmen wir als erstes unter die Lupe. 76.000 Einwohner zählt die Stadt.

Wuchtige Mauern. Ein lebendiger Fährhafen. Und ein Gässchengeäder in der autofreien Altstadt. Ehrfürchtig spazieren wir auf dem uralten Marmor umher. Zadar ist von bemerkenswerter Schönheit und doch nicht ganz so durchgeleckt wie man meinen könnte. Dafür sorgten die Luftangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg und Kampfhandlungen im Kroatienkrieg (1991 bis 1995), dessen Narben hie und da noch sichtbar sind.

Frau in einer historischen Gasse
In den Gassen von Zadar

Spannendste Kirche in der Stadt der schönen Kirchen ist die des Heiligen Donatus aus dem 9. Jahrhundert. Mit 27 Metern Höhe ist sie eine der größten Kirchen des frühen Mittelalters. In ihrem leer geräumten Inneren finden immer wieder Konzerte statt.

Gleich daneben erstreckt sich das Ruinenfeld des römischen Forums. Ein paar Mauerreste und die Säulenstümpfe eines Tempels erinnern noch an die Umbauung des einst monumentalen Platzes.

Kirche mit antikem Ruinenfeld davor
… und von außen. Nebenan das Trümmerfeld des römischen Forums.

Die wahre Attraktion Zadars ist allerdings deutlich jüngeren Datums: die so genannten Meeresorgeln im Südwesten der Altstadt. An der dortigen Kaimauer wird Meereswasser durch Röhren geleitet, an deren Ende Orgelpfeifen angebracht sind. Hier macht also das Meer Musik. Wassermusik, die nichts mit Händel oder Boyle zu tun hat. Verantwortlich zeichnen der kroatische Architekt Nikola Bašić und der Komponist Ivica Stamać. Wer sich nun nichts drunter vorstellen kann, muss herkommen und selbst lauschen… Freut Euch auf diese wunderbare Atmosphäre!

Campingtipp Zadar: Der Fünf-Sterne-Campingplatz Falkensteiner 45 Spazierminuten nördlich der Altstadt von Zadar ist so ziemlich das Stylishste und Komfortabelste, was wir je in Sachen Camping erlebt haben. Hier steht man auf weißem Kies und duscht in Duschen, die wir auch gerne bei uns zuhause hätten. Die Sanitäranlagen sind blitzblank, hinter jeder Klotür scheint eine Putzfrau hervorzulugen. Riesige Poolanlage. Designpreiswürdig, mit Camperromantik hat das Ganze aber nichts mehr zu tun. Aber das wollen die hier Campenden vermutlich gar nicht: Wir sehen Womos, die mehrere Hunderttausend Euro kosten. Kurzum: Nicht unsere Teetasse, aber ein guter Standort für die Erkundung Zadars.

MURTER, DIE BESCHAULICHE

Weiter nach Süden! Nächstes Ziel ist die Insel Murter. Auf der nur 19 Quadratkilometer kleinen Insel, die wie Krk durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, ist die Nebensaison schon angekommen. Auf dem Campingplatz bekommen wir noch ein nettes Plätzchen in erster Reihe und springen bei Kaiserwetter ins warme Wasser der spiegelglatten Bucht.

Gegenüber von uns das schläfrige Örtchen Tisno. Im Dämmerlicht, wenn die Zikaden ihr Bestes geben, spiegeln sich die Lichter und Fassaden des Ortes im Meer.

Dorf am Meer im Abendlicht
Beschauliches Murter

Auch andere hübsche Orte gilt es zu erkunden: Murter-Stadt, Betina, Jezera. Jezera erwandern wir von Tisno auf einem uralten Prozessionsweg vorbei an kratzbürstiger Macchia, an Olivenhainen und Feigenbäumen.

Kaum in Jezera angekommen, lädt uns Josip in seinen Lagerschuppen ein. Der kauzige Graubart trocknet dort nicht nur Feigen, sondern hortet auch Schwarz-Weiß-Fotos aus jenen Zeiten, als er noch als Steward auf Luxusyachten in der Karibik arbeitete. Er spricht perfekt Deutsch und entlässt uns mit Phrasendrescherei:

„Unter Tito war alles besser.“

Im Anschluss spazieren wir das hufeneisenförmige Hafenbecken entlang, bestellen in einer Bar zwei Flaschen Karlovačko. Und scannen die Straßen nach Fischern ab – nicht zum ersten und zum letzten Mal während dieser Reise. Jezera soll ein Fischerort sein, überhaupt gelten die Männer von Murter als hervorragende Fischer. Steht im Reiseführer. Nur, wo sind die Kerle? Keine Lederhäute beim Netzflicken, keine derben Hafenspelunken, keine zappelnden Plastiktüten, die nach Hause getragen werden. Dafür Touristentavernen, die zu Preisen, die sich wohl kein Josip Normalverbraucher leisten kann, Calamari und Ćevapčići servieren. Ganz ehrlich, wir fanden viel Reizvolles an dieser Küste. Eines nur fanden wir kaum: Authentizität.

Campingtipps für Murter: Wir gaben dem → Holiday Village Jezera-Lovišća in Tisno den Vorzug wegen des besseren WIFIs. Ansonsten hätten wir uns für den → Autocamp Stella Maris entschieden (sehr schöne terrassierte Plätze mit Weitblick). Das Holiday Village Jezera-Lovišća ist eine Ferienanlage mit großem Campinggelände, Apartment- und Zimmervermietung. Hat seine besten Jahre schon hinter sich, dennoch nett und mit viel Platz für alle. Gute Einstiegsmöglichkeiten ins Meer, ruhige Bucht, in Laufnähe zu Restaurants.

WELTKULTURERBE ZUM ZWEITEN: TROGIR

Nach Zadar wollen wir uns nun Trogir vornehmen, eine zweite städtebauliche Perle an der kroatischen Küste, die von der UNESCO geadelt wurde. Die Altstadt quetscht sich auf eine künstliche Insel, die einst aus strategischen Gründen vom Festland abgetrennt wurde. Im Norden eine Steinbrücke, im Süden eine Zugbrücke. Mehr Mittelalter geht nicht: ein klobig-gedrungenes Kastell mit neuneckigem Turm, Tore und gewundene Pflastergässchen, durch die gerade ein Moped passt, düstere Klöster, prächtige Paläste. Jedes Eck atmet die Geschichte einer einst sehr reichen Stadt. Das Freilichtmuseum könnte man mit strammem Schritt in wenigen Minuten durchqueren.

Blick auf Altstadt am Meer
Trogir: Kirchen, Paläste und das Meer

Wir aber haben es nicht eilig, lassen uns treiben, spitzen verstohlen in Innenhöfe und landen schließlich vor der Hauptsehenswürdigkeit Trogirs, der Sankt-Laurentius-Kathedrale. An ihr wurde sage und schreibe fast 400 Jahre gebastelt, bis sie im Jahr 1610 vollendet wurde. Romanik, venezianische Gotik, Renaissance – einen überladenen Karneval der Stilrichtungen präsentiert dieses Gotteshaus, dessen Hauptportal uns einen steifen Nacken beschert. Welch großartige Steinmetzkunst: filigrane Figürchen, Fabeltiere, Adam und Eva, die sich schamhaft Feigenblätter vors Geschlecht halten, zwei wachsame Löwen. Im Anschluss besteigen wir den Glockenturm und blicken von oben auf dunkle Dächer, Dachterrassen und das Meer.

Campingtipp für Trogir: → Kamp Rožac, Gornij Okrug: Bereits auf der Insel Čiovo gelegen, aber dank guter Fährbootverbindungen mit Trogir ein angenehmer Standort zur Erkundung der Stadt. Eigener Strand, gutes Restaurant, blitzsauber.

BRAČ: INSEL MIT BILDERBUCHSTRAND

Nur ein Katzensprung ist es von Trogir nach Split, wo wir den Trajekt, wie die Autofähren in Kroatien heißen, auf die Insel Brač nehmen. Die landschaftliche Vielfalt nimmt zu, je weiter wir uns nach Süden bewegen.

14.000 Menschen bewohnen das hügelige bis bergige Eiland, dessen 778 Meter hoher Hausberg Vidova Gora bestiegen werden kann. Ein Drittel der Insel ist bewaldet, anderswo wird strahlend weißer Marmor abgebaut; kaum einer weiß, dass der hiesige Marmor selbst den Berliner Reichstag schmückt.

Dorf mit Kirche am Meer, dahinter Berge
Insel Brač, hier das Dorf Sumartin

Zugpferd der Insel ist der Bilderbuchstrand Zlatni rat, das „Goldene Horn“. Und wie ein goldgelbes Horn ragt der Strand 300 Meter ins türkisblaue Meer hinein – ein affenstarkes Fotomotiv, wenn noch eine Yacht davor ankert. In der Hauptreisezeit möchten wir allerdings nicht hier sein, selbst in der zweiten Septemberhälfte hat der Geräuschpegel am Beach Freibadqualitäten.

Strand im schönen Abendlicht
September am Goldenen Horn

Wir schlagen unsere Zelte im geschützten Aleppokiefernwald hinter dem Goldenen Horn auf – die Sonne strahlt, aber der Wind wird stärker und kühler. Im Schatten und am Abend müssen die Fleecepullis geholt werden.

Unsere Nachmittage verbringen wir hinterm Laptop oder am Gemüsemarkt im nahen Hafenstädtchen Bol. Dort decken wir uns mit fleischigen Eiertomaten, nussigem Olivenöl, duftendem Salbeihonig, knusprigem Holzofenbrot und Pršut, dem luftgetrockneten Rohschinken ein. Dazu gibt es den hausgekelterten, leichten Rotwein unseres jungen Campingplatzwirts, den man eisgekühlt (!) trinkt.

Im milchigen Morgenlicht joggen wir auf dem schmalen Asphaltband hoch über der Küste gen Westen und blicken hinüber nach Hvar. Die schöne, spindelförmige Nachbarin zeigt uns ihre grüne, menschenleere Nordseite. Ein Ziel fürs nächste Mal.

Restaurantterrasse am Meer, dahinter Insel
Vorne Brač, hinten Hvar

Campingtipp für Brač: → Camp Zlatni Rat, Bol: Direkt über dem Goldenen Horn und in Laufnähe zum Städtchen Bol. Terrassenförmig angelegt, von den oberen Etagen Meerblick. Sehr einfach, dafür auch ruhig.

ZWISCHEN SPLIT UND STON: KÜSTENKINO

Die rund 190 Kilometer lange Küstenstraße zwischen Split und Ston legen wir mit offenen Mündern zurück. In kühnen Kurven schmiegt sich die Straße um das auf fast 1800 Meter ansteigende Biokovo-Gebirge.

Steil unter uns funkelt das Meer wie ein Smaragdcollier, liegen kleine Badeorte, an denen sich Touristen auf schmalen, schneeweißen Kiesstränden räkeln. Jede Parkbucht gerät zum Aussichtspunkt mit Logenplatz und einem Hauptdarsteller: der Adria.

Dazu gibt es zwei empfehlenswerte Zwischenstopps. Das alte Seeräubernest Omiš, ein schmales 5000-Einwohner-Städtchen, drängt seinen mittelalterlichen Kern zwischen Berge und Küstenstraße. Und Madarska, das malerisch gelegene Zentrum der gleichnamigen Riviera.

Ach ja: Auf dem weiteren Weg nach Ston fährt man auch schlappe acht Kilometer durch Bosnien-Herzegowina. Raus aus der EU und wieder rein in die EU – Personalausweis bereithalten!

Campingtipp für Omiš: → Kamp Galeb: Riesiger Platz für 3000 Personen. Als Ausgangspunkt zur Erkundung der Stadt gut. Wie man aber auf die Idee kommt, hier Urlaub zu machen, ist uns ein Rätsel. Eigener, unspektakulärer Strand.

VÖLLEREI IN STON

Ston, das Tor zur Halbinsel Pelješac, besteht aus Veliki Ston und Mali Ston, also dem Großen Ston und dem Kleinen Ston. Das Kleine Ston liegt im Norden der Halbinsel Pelješac, das Große Ston im Süden der Halbinsel.

Die Halbinsel ist hier schmal wie ein Flaschenhals, nur etwa einen Kilometer breit und mit mächtigen mittelalterlichen Befestigungsmauern versehen. Diese Mauern verbinden Veliki Ston mit Mali Ston und sind begehbar.

Vor Veliki Ston wird Salz aus Salinen gefördert. Dahinter erstreckt sich ein schachbrettigartig angelegtes, bezauberndes, teilweise auch etwas lepröses Ensemble aus blumenüberrankten Natursteinhäusern und uralten Kirchen. Auch ein Franziskanerkloster ist zu finden. So still ist es hier, dass man teils nur das Flattern der Tauben im ruinösen Dachgebälk hört.

In Ston solltet Ihr das tun, was hier jeder tut und wir natürlich auch: Austern essen! Austern aus Ston gelten als die besten des Landes. Unser feudales Mittagessen in Ston besteht außerdem aus Oktopussalat, Muscheln in Weißweinsud und Dorade mit Mangold und Butterkartoffeln.

Die berühmten 1000 Schritte hinterher führen uns vorbei an Olivenhainen und Weinfeldern zurück zu unserem schönen Campingplatz in der Bucht von Prapratno.

Campingtipp für Ston: Der große → Camping Prapratno liegt an einer traumschönen türkisfarbenen Bucht samt Strand. Viel Schatten unter Olivenbäumen, Föhren und Zypressen. In der Nebensaison enorm relaxt. Der Platz ist ca. drei Kilometer bzw. eine schöne kleine Wanderung von Ston entfernt.

HALBINSEL PELJEŠAC, UNSER LIEBLING

Fast 1000 Meter hohe Berge, an denen Reben wachsen, darunter lang gestreckte, fruchtbare Täler, Austernbänke, Buchten über Buchten und stille Dörfer. Die betörend schöne, 70 Kilometer lange Halbinsel, ein Dorado für Wanderer und Mountainbiker, liefert den Stoff für nicht nur einen Urlaubstraum. Beneidenswert, wer Flügel hat und diese Inseldiva von oben sehen kann!

Abendstimmung mit Wolken am Meer
Herbstabend auf Pelješac

Das Tüpfelchen auf dem Wohlfühl-i ist unser Campingplatz in einer Bilderbuchbucht beim Fährstädtchen Trpanj an der Nordküste, liebevoll geführt von der Deutschen Uli. Während wir uns häuslich einrichten, fallen uns reife Oliven vor die Füße. Vor uns Dattelpalmen, ein weißer Kieselstrand und glasklares Wasser.

Wir arbeiten an unseren Büchern, schwimmen, planschen, sonnen uns. Schauen aufs Meer und fragen uns, warum der Mensch eigentlich so gerne aufs Meer schaut. Schon gegen sechs Uhr allerdings, wenn dem Tag das Stündlein schlägt und die Sonne hinter den hohen Bergen versinkt, merken wir, dass es auch in Kroatien Herbst wird.

Ob das auch die örtlichen Schakale merken? Sobald es dunkel wird, heulen sie um die Wette. Wagen sich aus den Hügeln gar bis ans Toilettenhäuschen des Campingplatzes heran. Und spitzen im Morgendunst hinterm Olivenbaum hervor. Ein magischer Lärm, den wir bis ans Ende unserer Tage mit der schönen Pelješac-Halbinsel in Verbindung bringen werden.

Und dazu den hiesigen Wein. Pelješac gilt als Insel des Weins. Steilere Weinberge haben wir selten gesehen. Bei einer Bodenneigung von 30 bis 70 Prozent müssen die Weinbauern Steigeisen tragen – was für eine Knochenarbeit. Was herauskommt, kann sich allerdings sehen lassen. Unbedingt probieren: den Dingač, eine Tannin-Wuchtbrumme, die keinen Zahn weiß lässt, aber jeden Cent wert ist. Über die ganze Halbinsel verteilen sich Weinkellereien, die zur Degustation einladen. Fast jede Familie macht ihren eigenen Wein.

Campingtipps für Pelješac: → Autocamp Vrila, Trpanj: Unser absoluter Lieblingsplatz. Idylle pur im Olivenhain hinter einer türkisfarbenen Bucht. Sehr liebenswerte, deutsche Leitung, leichtes Hippie-Flair. Ein paar Tage waren wir zudem auf dem  → Camp Vučine in Žuljana auf der Südseite der Halbinsel. Terrassenförmig angelegter Platz über einer Badebucht der Extraklasse, ins Dorf geht es über einen Hügel. Freundlicher Familienbetrieb, Verkauf von Gemüse und hausgekeltertem Wein.

Türkisfarbene Bucht mit Yacht
Der Campingplatz von Žuljana liegt direkt über dieser Bucht. Da kann man doch nicht meckern, oder?

INSEL KORČULA UND DER ABSCHIED VON KROATIEN

Eine kurze Fährfahrt bringt uns hinüber zur Nachbarinsel Korčula. Schön grün ist es hier, aber auch sehr flach. Unser Ziel ist der gleichnamige Hauptort, der als einer der schönsten des kroatischen Archipels gilt. Der Seefahrer Marco Polo soll hier 1254 geboren worden sein, die Venezianer bezeichnen ihn als Sohn ihrer Stadt.

Palme, dahinter historische Stadt
Bilderbuchstädtchen Korčula

Wie dem auch sei: Es erwartet uns mittelalterliche Klischeesuppe pur: Türme, Paläste, Kirchen und Kapellen drängen sich auf einer ovalen Halbinsel zusammen. Von der Hauptachse gehen die Treppengassen lanzettförmig ab, am höchsten Punkt sitzt die Kathedrale wie eine Krone aus Stein. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Ehrfürchtig stehen wir vor dem Altarbild mit den Heiligen Markus, Hieronymus und Bartholomäus. Kein Geringerer als der große Tintoretto zeichnet dafür verantwortlich.

Schöne Stadt am Meer
Eine Kathedrale wie eine Krone aus Stein

Auch sonst keine Ecke, wo es nichts zu gucken gibt. Wir sind schwer beeindruckt – obwohl Korčula alles andere als ein Geheimtipp ist und sich die Kreuzfahrttouristen in den engen Gassen zuweilen auf die Füße treten.

Doch wir können den Herbst nicht mehr wegignorieren. Das Thermometer fällt, für die nächsten Tage sind 13 Grad Celsius angekündigt. Es zieht schon jetzt wie Hechtsuppe. Es wird ungemütlich. Ein letztes Mal trinken wir Dingač und essen Girice, wie die leckeren frittierten Minifischlein genannt werden. Und dann nehmen wir Abschied.

Campingtipp für Korčula: Kein Tipp, nur ein Hinweis. Wir wohnten auf einem Campingplatz, der sich ca. 3 Kilometer vom Zentrum entfernt befand und ganz okay, aber nicht umwerfend war. Mittlerweile ist es unter neuer Leitung, nennt sich → Port 9 Camping und hat seinen Schwerpunkt nun wohl in der Vermietung von Mobile Homes.

LITERATURTIPP

Wir können das im Michael Müller Verlag erschienene Reisehandbuch → „Kroatische Inseln und Küstenstädte“ unserer Kollegin Lore Marr-Bieger sehr empfehlen. Sehr detailliert, ein weiterer Campingführer ist nicht nötig. Dazu auch viele Wandertipps.

KROATISCHE KÜSTE – PLUS UND MINUS

Plus

  • Die Landschaften: Die Inselwelt und die vielfältigen Küstenszenerien, die von Bausünden größtenteils verschont geblieben sind, haben uns schwer begeistert. Die Region reicht für mindestens zehn Badeurlaube, und keiner wird dabei sein wie der andere.
  • Die Menschen: Bis auf eine Putzfrau, der während einer Schlechtwetterphase wohl eine Laus über die Leber gelaufen war, haben wir ausschließlich nette, hilfsbereite Menschen getroffen. Das überraschte uns sogar, da wir vor dem Trip auch anderes gehört hatten.
  • Kunst und Kultur: Römer, Venezianer, Byzantiner, Habsburger – sie alle haben Spuren hinterlassen. Es ist ein geballter kunsthistorischer Wahnsinn, der da auf einen einschlägt. Städte und Dörfer werden liebevoll gepflegt, und Denkmalschutz wird groß geschrieben.

Minus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Ganz ehrlich, wir fanden’s teuer. Für einen Campingstellplatz (zwei Personen, ein Auto, Wasser, Strom) haben wir bis 30 Euro gezahlt – in der Nebensaison! In der Hauptsaison wird für den gleichen Platz auch gerne mal das Doppelte verlangt. Ein einfaches Abendessen für zwei Personen mit einer Flasche einfachem Wein kam im Durchschnitt auf 30 bis 40 Euro. Was zuweilen serviert wurde, bekommen wir in Berlin billiger. Wir mussten allerdings feststellen, dass sich die Preise in den Küstenorten von denen im Landesinneren stark unterscheiden.
  • Essen: Oft aßen wir sehr gut (wählt Muscheln, falls Ihr sie mögt!), oft aber auch nicht. Industrie-Ćevapčići mit weißen Pommes oder verkochten Kartoffeln lassen keine Freunde aufkommen, vor allem dann, wenn so ein Portiönchen 13 Euro kostet (siehe Preis-Leistungs-Verhältnis). Der „fangfrische Fisch“ schmeckte zuweilen nach Tiefkühltruhe. Lag’s an der Nachsaison?
  • Etwas zu steril: Gibt es an dem von uns besuchten Küstenabschnitt eigentlich Kneipen, in denen Zecher abends mit dem Kopf auf den Tisch knallen? Frauen, die sich auf den Stufen ihrer Hauseingänge treffen? Alte Männer auf einem Schemel, die das Leben vor der Tür Leben verfolgen? Hunde, die den Gehweg vollscheißen? Und fliegenumtoste Fischmärkte? All das haben wir nicht gesehen. Und das war schade. Wir vermissten die kleinen alltäglichen Dinge am Wegesrand, die authentischen Erlebnisse und skurrilen Begegnungen anderer Reisen.

Aber vielleicht haben wir nur nicht genau genug hingesehen? Erzählt uns von Euren Kroatienurlauben, wir können nur dazulernen! Und wenn Euch das hier alles gefallen hat, könnt Ihr den Beitrag auch gerne pinnen!

MEHR BALKAN ZUM WEITERLESEN HIER AUF DEM BLOG

→ Campingtrip Albanien: Kleines Land mit großem Herz

→ Stopover Montenegro: Zwischen Overtourism und Undertourism

 

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