„Hüüühööhääähuuuhüüüühäähööööhüü“

Da sind sie wieder, die lang gezogenen Klagelaute in der Dunkelheit. Es ist ein schaurig-schönes Heulkonzert ohne Dirigent, das da jede Nacht in den Hügeln der Halbinsel Pelješac im Süden Dalmatiens abgehalten wird. Die Schakale sind so etwas wie die Kirschen auf dem Kuchen dieser fast schon poetisch schönen Halbinsel – dem großen Höhepunkt unseres dreieinhalbwöchigen Trips durch die kroatische Küsten- und Insellandschaft.

Orts- und Zeitwechsel. Mitte September 2016 konnten uns Berlin und unser Büro einmal gepflegt den Buckel runterrutschen. „Was andere machen, können wir auch“, dachten wir. Zumindest für ein paar Wochen wollten wir auch mal wieder digitale Nomaden spielen. Packten einen Grill, unsere Laptops und kistenweise Unterlagen in unseren Campingbus und fuhren los. Das letzte Mal Kroatien war lange her, noch zu Titos Zeiten. Wir waren gespannt. Ein verlängerter Sommer mit Open-Air-Office unter schattigen Pinien, mit rotweingeschwängerten Sonnenuntergängen statt Feierabendbier in der verräucherten Eckpinte – so stellten wir uns das vor. Rückkehr offen bzw. von der Bora abhängig. Kroatienkenner wissen, was gemeint ist. Die Bora, dieser Fallwind, der sich irgendwann im Herbst so richtig fies aufbläht und eiskalt zuschlägt, kann jeden Spaß verderben.

Fähre zwischen Brac und Madarska
Mit dem Trajekt von Brač nach Madarska

Hier haben wir für Euch ein paar Momentaufnahmen gesammelt – vergesst Objektivität und Vollständigkeit. Wie soll das gehen bei über 1000 Inseln und Inselchen sowie einer fast 2000 Kilometer langen Küste? Unsere Stationen im Einzelnen:

Krk, die Karge

Über eine gewaltige Brücke fahren wir hinüber nach Krk ganz im Norden der Kvarner Bucht. Üppig grün soll die mit 410 Quadratkilometern größte kroatische Insel zwar auch sein. Doch das, was wir vornehmlich zu Gesicht bekommen, ist bleiche, karstige Kargheit.

Staunen und Schlucken beim Check-in auf unserem Campingplatz in Krk-Stadt: Elf Hektar, über 500 Stellplätze, Animation, Tennisplätze, eine Stadt in der Stadt. Wir beziehen unser Katzenplätzchen in der vorletzten Reihe im Kiefernwald, wo wir immerhin noch einen Fetzen Meer durch die Zweige erhaschen können, und schauen uns um. Was für ein Teutonentreff! Wo wir auch hinblicken, Autokennzeichen von A wie Augsburg bis Z wie Zwickau. Beschaulichkeit sieht anders aus – wie es hier im Juli und August zugeht, mögen wir uns nicht ausmalen. Immerhin sind wir fünf Minuten später im bezaubernden Zentrum der hinter wuchtigen Bastionen und Türmen geduckten Seestadt Krk. Flanieren an der Uferpromenade entlang, wo Ausflugsboote und kleine Yachten vertäut liegen, und lassen uns durch das Altstadtlabyrinth treiben. Unsere Kerzenlicht-Mahlzeit in einer klischeehaften Gassenidylle samt schnurrendem Kater unter der rot-weiß karierten Tischdecke wird zum Festmahl: mit Schafskäse gefüllte Sardinen, hausgemachte Makkaroni mit Krabben aus der Kvarner Bucht, eiskalter, süffiger Inselweißwein.

Murter, die Beschauliche

Weiter nach Süden! Wir entscheiden uns für die rund 300 Kilometer entfernte Insel Murter, die wir dank der gut ausgebauten Autobahn in rund vier Stunden erreichen. Auf der nur 19 Quadratkilometer kleinen Insel, die ebenfalls durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, ist die Nebensaison im Vergleich zu Krk schon angekommen. Wir kriegen noch ein nettes Plätzchen in erster Reihe und springen bei Kaiserwetter ins warme Wasser der spiegelglatten Bucht. Gegenüber von uns das schläfrige Örtchen Tisno. Im Dämmerlicht, wenn die Zikaden ihr Bestes geben, spiegeln sich die Lichter und Fassaden des Ortes im Meer.

Gabriele Tröger und Michael Bussmann in Trogir
Gute Laune, schlechte Laune

Auch andere hübsche Orte gilt es zu erkunden: Murter-Stadt, Betina, Jezera. Jezera erwandern wir von Tisno auf einem uralten Prozessionsweg vorbei an kratzbürstiger Macchia, an Olivenhainen und Feigenbäumen. Kaum in Jezera angekommen, lädt uns Josip in seinen Lagerschuppen ein. Der kauzige Graubart trocknet dort nicht nur Feigen, sondern hortet auch Schwarz-Weiß-Fotos aus jenen Zeiten, als er noch als Steward auf Luxusyachten in der Karibik arbeitete. Er spricht perfekt Deutsch und entlässt uns mit Phrasendrescherei: „Unter Tito war alles besser.“ Im Anschluss spazieren wir das hufeneisenförmige Hafenbecken entlang, bestellen in einer Bar zwei Flaschen Karlovačko. Und scannen die Straßen nach Fischern ab – nicht zum ersten und zum letzten Mal während dieser Reise. Jezera soll ein Fischerort sein, überhaupt gelten die Männer von Murter als hervorragende Fischer. Steht im Reiseführer. Nur, wo sind die Kerle? Keine Lederhäute beim Netzflicken, keine derben Hafenspelunken, keine zappelnden Plastiktüten, die nach Hause getragen werden. Dafür Touristentavernen, die zu Preisen, die sich wohl kein Josip Normalverbraucher leisten kann, Calamari und Ćevapčići servieren. Ganz ehrlich, wir fanden viel Reizvolles an dieser Küste. Eines nur fanden wir kaum: Authentizität.

Trogir, Stadt mit Wow-Effekt

Halb Kroatien könnte eigentlich auf die UNESCO-Welterbeliste, meint so mancher Kroatienfan. Tatsächlich reihen sich entlang der historischen Region Dalmatien kunsthistorische Hochkaräter wie Perlen an einer Kette. Fünf dieser städtebaulichen Sensationen aus venezianischer Zeit haben es immerhin schon auf die begehrte Liste geschafft: Šibenik, Zadar, Split, Dubrovnik, Trogir. Wir wollen uns Trogir genauer unter die Lupe nehmen.

Blick auf Trogir Kroatien
UNESCO-Welterbe Trogir

Die Altstadt quetscht sich auf eine künstliche Insel, die einst aus strategischen Gründen vom Festland abgetrennt wurde. Im Norden eine Steinbrücke, im Süden eine Zugbrücke. Mehr Mittelalter geht nicht: ein klobig-gedrungenes Kastell mit neuneckigem Turm, Tore und gewundene Pflastergässchen, durch die gerade ein Moped passt, düstere Klöster, prächtige Paläste. Jedes Eck atmet die Geschichte einer einst sehr reichen Stadt. Das Freilichtmuseum könnte man mit strammem Schritt in wenigen Minuten durchqueren. Wir aber haben es nicht eilig, lassen uns treiben, spitzen verstohlen in Innenhöfe und landen schließlich vor der Hauptsehenswürdigkeit Trogirs, der Sankt-Laurentius-Kathedrale. An ihr wurde sage und schreibe fast 400 Jahre gebastelt, bis sie im Jahr 1610 vollendet wurde. Romanik, venezianische Gotik, Renaissance – einen überladenen Karneval der Stilrichtungen präsentiert dieses Gotteshaus, dessen Hauptportal uns einen steifen Nacken beschert. Welch großartige Steinmetzkunst: filigrane Figürchen, Fabeltiere, Adam und Eva, die sich schamhaft Feigenblätter vors Geschlecht halten, zwei wachsame Löwen.

Sankt-Laurentius-Kathedrale, Ansicht der Kassettendecke der Kapelle des hl. Johannes
Die Kassettendecke der Kapelle des hl. Johannes in der Sankt-Laurentius-Kathedrale in Trogir
Im Glockenturm der Kathedrale

Im Anschluss besteigen wir den Glockenturm und blicken von oben auf dunkle Dächer, Dachterrassen und das Meer. Auf dem Balkon gegenüber baut sich eine Folkloregruppe auf, Touristen zücken ihre Kameras. Wir ziehen weiter durch die Regenwurmgassen mit ihren Souvenirläden und Speisekartenwedlern vor Vitrinen voller Fische mit eingefallenen Augen. Unser Feierabendbier trinken wir auf Plastikstühlen draußen vor den Toren der Stadt. Am Abend speisen wir im Campingplatzrestaurant: frische (!) Dorade vom Grill mit Mangoldgemüse und als Nachtisch einen Sonnenuntergang der Extraklasse.

Brač, Insel mit Bilderbuchstrand

Nur ein Katzensprung ist es von Trogir nach Split, wo wir den Trajekt, wie die Autofähren in Kroatien heißen, auf die Insel Brač nehmen. Die landschaftliche Vielfalt nimmt zu, je weiter wir uns nach Süden bewegen. 14.000 Menschen bewohnen das hügelige bis bergige Eiland, dessen 778 Meter hoher Hausberg Vidova Gora bestiegen werden kann. Ein Drittel der Insel ist bewaldet, anderswo wird strahlend weißer Marmor abgebaut; kaum einer weiß, dass der hiesige Marmor selbst den Berliner Reichstag schmückt. Zugpferd der Insel ist der Bilderbuchstrand Zlatni rat, das „Goldene Horn“. Und wie ein goldgelbes Horn ragt der Strand 300 Meter ins türkisblaue Meer hinein – ein affenstarkes Fotomotiv, wenn noch eine Yacht davor ankert. In der Hauptreisezeit möchten wir allerdings nicht hier sein, selbst in der zweiten Septemberhälfte hat der Geräuschpegel am Beach Freibadqualitäten.

Blick Zlatni rat auf der Insel Brac / Kroatien
Zlatni rat auf der Insel Brač

Wir schlagen unsere Zelte im geschützten Aleppokiefernwald hinter dem Goldenen Horn auf – die Sonne strahlt, aber der Wind wird stärker und kühler. Im Schatten und am Abend müssen die Fleecepullis geholt werden. Unsere Nachmittage verbringen wir hinterm Laptop oder am Gemüsemarkt im nahen Hafenstädtchen Bol. Dort decken wir uns mit fleischigen Eiertomaten, nussigem Olivenöl, duftendem Salbeihonig, knusprigem Holzofenbrot und Pršut, dem luftgetrockneten Rohschinken ein. Dazu gibt es den hausgekelterten, leichten Rotwein unseres jungen Campingplatzwirts, den man eisgekühlt (!) trinkt. Im milchigen Morgenlicht joggen wir auf dem schmalen Asphaltband hoch über der Küste gen Westen und blicken hinüber nach Hvar. Die schöne, spindelförmige Nachbarin zeigt uns ihre grüne, menschenleere Nordseite. Ein Ziel fürs nächste Mal.

Blick von Brac auf Hvar
In Spuckweite: Brač (vorne) und Hvar (hinten)
Blick auf Sumartin auf der Insel Brac
Sumartin auf der Insel Brač

Zwischen Split und Ston: Küstenkino

Die rund 190 Kilometer lange Küstenstraße zwischen Split und Ston legen wir mit offenen Mündern zurück. In kühnen Kurven schmiegt sich die Straße um das auf fast 1800 Meter ansteigende Biokovo-Gebirge. Steil unter uns funkelt das Meer wie ein Smaragdcollier, liegen kleine Badeorte, an denen sich Touristen auf schmalen, schneeweißen Kiesstränden räkeln. Jede Parkbucht gerät zum Aussichtspunkt mit Logenplatz und einem Hauptdarsteller: der Adria.

Küstenstraße zwischen Omis und Makarska
Spektakulär: Küstenstraße zwischen Omiš und Makarska

Dazu gibt es zwei empfehlenswerte Zwischenstopps. Das alte Seeräubernest Omiš, ein schmales 5000-Einwohner-Städtchen, drängt seinen mittelalterlichen Kern zwischen Berge und Küstenstraße. Und Madarska, das malerisch gelegene Zentrum der gleichnamigen Riviera. Ach ja: Auf dem weiteren Weg nach Ston fährt man auch schlappe acht Kilometer durch Bosnien-Herzegowina. Raus aus der EU und wieder rein in die EU – Personalausweis bereithalten!

Blick auf Omis in Kroatien
Omiš

Halbinsel Pelješac, unser Liebling

Fast 1000 Meter hohe Berge, an denen Reben wachsen, darunter lang gestreckte, fruchtbare Täler, Austernbänke, Buchten über Buchten und stille Dörfer. Die betörend schöne, 70 Kilometer lange Halbinsel, ein Dorado für Wanderer und Mountainbiker, liefert den Stoff für nicht nur einen Urlaubstraum. Beneidenswert, wer Flügel hat und diese Inseldiva von oben sehen kann! Das Tüpfelchen auf dem Wohlfühl-i ist unser Campingplatz in einer Bilderbuchbucht beim Fährstädtchen Trpanji an der Nordküste, liebevoll geführt von der Deutschen Uli. Während wir uns häuslich einrichten, fallen uns reife Oliven vor die Füße. Vor uns Dattelpalmen, ein weißer Kieselstrand und glasklares Wasser.

Blick von Trpanj aufs kroatische Festland
Trpanj: Über glasklares Wasser hinweg blickt man hinüber aufs Festland

Ein perfektes Idyll, wären da nicht unsere Nachbarn von rechts hinten. Michael und Inge aus Wirverratensnicht. Frührentner und Spießer vor dem Herrn. Bis im vergangenen Jahr leidenschaftliche Pauschaltouristen, nun unzufriedene Wohnwagen-Camper. Sie haben sich bereits den zweiten Wohnwagen in einer Saison geleistet („Unter sieben Meter geht nichts!“), aber auch der soll nun verkauft werden, für nächstes Jahr ist ein Wohnmobil angedacht. Unterhalten sich die beiden nicht gerade über Wohnmobile oder Wohnwagen, nerven sie andere Camper: „Dürfen wir mal Ihr Wohnmobil anschauen?“. Uns haben sie nicht gefragt. Auf unseren alten, selbst ausgebauten Vito blicken sie verächtlich herab. Und dass wir überhaupt in Kroatien sind, zu einer Zeit, in der das gemeine Volk zu arbeiten hat, macht sie skeptisch und neugierig zugleich: „Der Armbanduhr nach zu schließen, betreiben Sie eine kleine Werbeagentur.“ „????!!!!“ Ob die beiden Quälgeister je registriert haben, an welch gemütlichem Plätzchen sie sich aufhalten? Neben Wohnmobilen anderer scheint sie nur noch das Geschehen auf dem Schotterweg vor unserem Camping zu interessieren. Die Zeiten, an denen die Olivenbauern mit ihren Kleinlastern in die Bucht holpern, werden nicht nur registriert, sondern auch notiert. „Wissen Sie, ich muss ja sicher gehen, dass uns bei unserer Abreise kein größeres Fahrzeug entgegenkommt.“

Trpanj auf der Halbinsel Peljesac
Open-Air-Office

Wir arbeiten an unseren Büchern, schwimmen, planschen, sonnen uns. Schauen aufs Meer und fragen uns, warum der Mensch eigentlich so gerne aufs Meer schaut. Schon gegen sechs Uhr allerdings, wenn dem Tag das Stündlein schlägt und die Sonne hinter den hohen Bergen versinkt, merken wir, dass es auch in Kroatien Herbst wird. Unsere Tage auf der Pelješac-Halbinsel – jeder einzelne verdient ein Trinkgeld – sind gezählt. Noch aber schauen wir uns ausgiebig um.

Vučine-Bucht auf der Halbinsel Pelješac
Türkises Wunder: Vučine-Bucht auf der Halbinsel Pelješac

Pelješac gilt als Insel des Weins. Steilere Weinberge haben wir selten gesehen. Bei einer Bodenneigung von 30 bis 70 Prozent müssen die Weinbauern Steigeisen tragen – was für eine Knochenarbeit. Was herauskommt, kann sich allerdings sehen lassen. Unbedingt probieren: den Dingač, eine Tannin-Wuchtbrumme, die keinen Zahn weiß lässt, aber jeden Cent wert ist. Über die ganze Halbinsel verteilen sich Weinkellereien, die zur Degustation einladen, fast jede Familie macht ihren eigenen Wein.

Seitensprung nach Korčula

Eine kurze Fährfahrt bringt uns hinüber zur Nachbarinsel Korčula. Schön grün ist es hier, aber auch sehr flach. Unser Ziel ist der gleichnamige Hauptort, der als einer der schönsten des kroatischen Archipels gilt. Der Seefahrer Marco Polo soll hier 1254 geboren worden sein, die Venezianer bezeichnen ihn als Sohn ihrer Stadt. Wie dem auch sei. Es erwartet uns mittelalterliche Klischeesuppe pur: Türme, Paläste, Kirchen und Kapellen drängen sich auf einer ovalen Halbinsel zusammen. Von der Hauptachse gehen die Treppengassen lanzettförmig ab, am höchsten Punkt sitzt die Kathedrale wie eine Krone aus Stein. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Ehrfürchtig stehen wir vor dem Altarbild mit den Heiligen Markus, Hieronymus und Bartholomäus. Kein Geringerer als der große Tintoretto zeichnet dafür verantwortlich. Auch sonst keine Ecke, wo es nichts zu gucken gibt. Wir sind schwer beeindruckt – obwohl Korčula alles andere als ein Geheimtipp ist und sich die Kreuzfahrttouristen in den engen Gassen zuweilen auf die Füße treten.

Korcula
Bilderbuchstädtchen Korčula
Korcula
Korčula

5. Oktober 2016

Gestern badeten wir das letzte Mal. Das Thermometer fällt, für die nächsten Tage sind 13 Grad Celsius angekündigt. Es zieht schon wie Hechtsuppe. Die Schakale heulen um die Wette, wagen sich mittlerweile gar bis ans Toilettenhäuschen des Campingplatzes heran und spitzen im Morgendunst hinterm Olivenbaum hervor. Ein letztes Mal trinken wir Dingač und essen Girice, wie die leckeren frittierten Minifischlein genannt werden. Und dann nehmen wir Abschied.

Halbinsel Pelješac
Herbststimmung auf Pelješac

PRAKTISCHE INFOS

Unsere Route

Berlin – Salzburg – Krk – Murter – Trogir – Brač – Pelješac – Korčula – Pelješac – Omiš – Steiermark – Berlin

 

Entfernung Berlin – Krk: ca. 1150 Kilometer, Entfernung Omiš – Berlin: ca. 1500 Kilometer

Literaturtipp

Wir können das im Michael Müller Verlag erschienene Reisehandbuch „Kroatische Inseln und Küstenstädte“ (8. Auflage 2015) unserer Kollegin Lore Marr-Bieger sehr empfehlen. Sehr detailliert, ein weiterer Campingführer ist nicht nötig. Dazu auch viele Wandertipps.

Unsere Campingplätze

Krk: Autocamp Ježevac, Krk-Stadt: Ein gepflegter, aber sehr großer Campingplatz mit jeglichem Schnickschnack. Auch im September noch gut voll. Wir wählten ihn wegen der Laufnähe ins Zentrum von Krk.

Murter: Holiday Village Jezera-Lovišća, Tisno: Wir gaben diesem Platz den Vorzug wegen des besseren WIFIs. Ansonsten hätten wir uns für den Autocamp Stella Maris entschieden (sehr schöne terrassierte Plätze mit Weitblick). Das Holiday Village Jezera-Lovišća ist eine Ferienanlage mit großem Campinggelände, Apartment- und Zimmervermietung. Hat seine besten Jahre schon hinter sich, dennoch nett und mit viel Platz für alle. Gute Einstiegsmöglichkeiten ins Meer, ruhige Bucht, in Laufnähe zu Restaurants.

Trogir: Kamp Rožac, Gornij Okrug: Bereits auf der Insel Čiovo gelegen, aber dank guter Fährbootverbindungen mit Trogir ein angenehmer Standort zur Erkundung der Stadt. Eigener Strand, gutes Restaurant, blitzsauber.

Brač: Camp Zlatni Rat, Bol: Direkt über dem Goldenen Horn und in Laufnähe zum Städtchen Bol. Terrassenförmig angelegt, von den oberen Etagen Meerblick. Sehr einfach, dafür auch ruhig.

Pelješac: Autocamp Vrila, Trpanj: Unser absoluter Lieblingsplatz. Idylle pur im Olivenhain hinter einer türkisfarbenen Bucht. Sehr liebenswerte, deutsche Leitung, leichtes Hippie-Flair. Tel. 0385-20743967.

Pelješac: Camp Vučine, Žuljana: Auf der Südseite der Halbinsel. Terrassenförmig angelegter Platz über einer Badebucht der Extraklasse, ins Dorf geht es über einen Hügel. Freundlicher Familienbetrieb, Verkauf von Gemüse und hausgekeltertem Wein.

Omiš: Kamp Galeb: Riesiger Platz für 3000 Personen. Als Ausgangspunkt zur Erkundung der Stadt gut. Wie man aber auf die Idee kommt, hier Urlaub zu machen, ist uns ein Rätsel. Eigener, unspektakulärer Strand.

KROATISCHE KÜSTE – PLUS UND MINUS

PLUS

Die Landschaften: Die Inselwelt und die vielfältigen Küstenszenerien, die von Bausünden größtenteils verschont geblieben sind, haben uns schwer begeistert. Die Region reicht für mindestens zehn Badeurlaube, und keiner wird dabei sein wie der andere.

Die Menschen: Bis auf eine Putzfrau, der während einer Schlechtwetterphase wohl eine Laus über die Leber gelaufen war, haben wir ausschließlich nette, hilfsbereite Menschen getroffen. Das überraschte uns sogar, da wir vor dem Trip auch anderes gehört hatten.

Kunst und Kultur: Römer, Venezianer, Byzantiner, Habsburger – sie alle haben Spuren hinterlassen. Es ist ein geballter kunsthistorischer Wahnsinn, der da auf einen einschlägt. Städte und Dörfer werden liebevoll gepflegt, und Denkmalschutz wird groß geschrieben.

MINUS

Preis-Leistungs-Verhältnis: Ganz ehrlich, wir fanden’s teuer. Für einen Campingstellplatz (zwei Personen, ein Auto, Wasser, Strom) haben wir bis 30 Euro gezahlt – in der Nebensaison! In der Hauptsaison wird für den gleichen Platz auch gerne mal das Doppelte verlangt. Ein einfaches Abendessen für zwei Personen mit einer Flasche einfachem Wein kam im Durchschnitt auf 30 bis 40 Euro. Was zuweilen serviert wurde, bekommen wir in Berlin billiger. Wir mussten allerdings feststellen, dass sich die Preise in den Küstenorten von denen im Landesinneren stark unterscheiden.

Essen: Oft aßen wir sehr gut (wählt Muscheln, falls Ihr sie mögt!), oft aber auch nicht. Industrie-Ćevapčići mit weißen Pommes oder verkochten Kartoffeln lassen keine Freunde aufkommen, vor allem dann, wenn so ein Portiönchen 13 Euro kostet (siehe Preis-Leistungs-Verhältnis). Der „fangfrische Fisch“ schmeckte zuweilen nach Tiefkühltruhe. Lag’s an der Nachsaison?

Gedeckter Tisch, im Hintergrund Korcula
Perfektes Trio: Sardellen, Brot und Weißwein

Etwas zu steril: Gibt es an dem von uns besuchten Küstenabschnitt eigentlich Kneipen, in denen Zecher abends mit dem Kopf auf den Tisch knallen? Frauen, die sich auf den Stufen ihrer Hauseingänge treffen? Alte Männer auf einem Schemel, die das Leben vor der Tür Leben verfolgen? Hunde, die den Gehweg vollscheißen? Und fliegenumtoste Fischmärkte? All das haben wir nicht gesehen. Und das war schade. Wir vermissten die kleinen alltäglichen Dinge am Wegesrand, die authentischen Erlebnisse und skurrilen Begegnungen anderer Reisen.

Aber vielleicht haben wir nur nicht genau genug hingesehen? Erzählt uns von Eueren Kroatienurlauben, wir können nur dazulernen!

Gib süßen oder scharfen Senf dazu (E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt)

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