StartEuropaGriechenlandStreet Art unter der Akropolis: Athens schönste Murals

Street Art unter der Akropolis: Athens schönste Murals

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„Athen ist ein Klo.“

Paul Theroux

Das Zitat des legendären Reiseschriftstellers ist nicht das frischeste, es stammt aus den 1990er-Jahren. Aber für manche Ecken der Stadt trifft es heute noch zu. Schockverliebt in Athen sind nur Touristen, die die Gassen unterhalb der überrannten Akropolis nie verlassen. Anderswo macht es die Stadt ihren Besuchern nicht leicht.

Athen muffelt. Die Betonschluchten Athens riechen vielerorts nach Pipi und nach Abgasen. An den großen Kreuzungen stockt einem schier der Atem.

Athen ist laut. Knapp vier Millionen Menschen leben im Großraum Athen. Da kommt eine Soundkulisse zusammen. Ruhe findet man in der Innenstadt kaum. Überall Verkehr. Busse im Stau. An der Ampel Mopeds in der Pole Position. Die Metro ist oft überfüllt und die betagten Waggons quietschen, dass einem die Ohren klingeln.

Athen ist farblos und eintönig, ein weites Häusermeer. Eng bebaut, ohne Raffinesse. Aber auch kunterbunt. Dafür sorgen nicht nur alle möglichen Hautfarben, sondern auch farbenfrohe Murals. Athen ist die perfekte Stadt für Streetart-Künstler. Die nämlich finden geleckte Altstadtviertel uncool, wollen Beton und das Unperfekte. Genau wegen seines chaotischen Stadtbilds und seiner vielen verwahrlosten Ecken gehört Athen heute zu den Topzielen in Sachen Street Art in Europa.

 

Tolles Mural mit Frauenporträt hinter einem Fußballplatz
Street Art in Athen: Dieses tolle Mural findet Ihr im Stadtteil Korydallos – es schmückt eine Gefängnismauer

 

Und dieses Street-Art-Dorado haben wir uns nun einmal genauer angeschaut. Eine Woche haben wir uns durch die Straßen spülen lassen auf der Suche nach den schönsten Murals von Athen. Und wir sind fündig geworden. Aber sowas von!

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, insofern ist unsere Auswahl subjektiv und von persönlichen Vorlieben geprägt. Wir sind große Fans fotorealistischer Murals. Geometrische Arbeiten, Comic-Motive und Graffiti-Writing sind hingegen nicht so unser Ding.

Die Street-Art-Szene von Athen ist im Vergleich zu anderen europäischen Städten sehr national und sehr maskulin geprägt. Die meisten der fast 600 Pieces in der Stadt stammen von griechischen Künstlern. Platzhirsch ist dabei der Athener Street-Art-Künstler INO, dessen riesige Murals überall in der Stadt zu finden sind.

 

Athens schönste Murals: Inhaltsverzeichnis

STREET ART ZWISCHEN OMONIA UND MONASTIRAKI: Manolis Anastasakos & Kretsis Crew, INO, Atek

STREET ART IN EXARCHIA: Guido van Helten, INO, Berlin Kidz, WD

STREET ART IN METAXOURGEIO: SimpleG, WD, INO, Leonidas Giannakopoulos, Gera1, Ilias Papailiakis

STREET ART IN KERAMIK UND GAZI: INO

STREET ART IM NORDEN ATHENS: Gera1, Stelios Pupet

STREET ART IM WESTEN ATHENS: Apset und andere, Meiz, Thinker, Kouka, WD, SimpleG

STREET ART IM SÜDEN ATHENS: INO

STREET ART IM OSTEN ATHENS: Atek, Dimitris Taxis, WD, Millo

Hinweis: Wer alle hier vorgestellte Murals sehen will, sollte mindestens drei Tage in der Stadt einplanen und nur Street Art auf dem Programm haben! Ihr könnt Euch aber auch nur für ein oder mehrere Viertel entscheiden.

 

 

STREET ART ZWISCHEN OMONIA UND MONASTIRAKI

Im Zentrum Athens, zwischen den Metrostationen Omonia und Monastiraki ist der Trubel am größten, der touristische genauso wie jeglicher andere. Bars, Restaurants, Shops und Souvenirs. Viele Autos, viele Menschen.

 

Manolis Anastasakos, Kretsis Crew: Pray for us (2011)

Adresse: Menandrou 39

Das Motiv kommt Euch bekannt vor? Albrecht Dürers betende Hände sind auf diesem riesigen Mural quasi auf den Kopf gestellt, „hängen“ von oben nach unten. Verantwortlich: die Kretsis Crew zusammen mit → Manolis Anastasakos, einem vielseitig aufgestellten Athener Künstler, der auch auf Leinwand malt, fotografiert und mit Glas arbeitet.

 

Mural mit Dürers betenden Händen
„Pray for us“ von Manolis Anastasakos und der Kretsis Crew ist das älteste Mural, das wir Euch auf dieser Street-Art-Tour durch Athen zeigen

 

Das Mural ist nicht nur das erste, sondern auch das älteste, das wir Euch in diesem Beitrag vorstellen, eine Ikone mit zeitgeschichtlichem Hintergrund. Die Arbeit entstand mitten in der griechischen Staatschuldenkrise. Die Angst vor Armut und Rezession führte damals zu wütenden Protesten gegen die Sparmaßnahmen. Die Stimmung war am Boden. „Pray for us“ war ein verzweifelter Ruf nach Hilfe und einer besseren Zukunft.

 

INO: My World (2021)

INO ist der Großmeister unter den Athener Street-Art-Künstlern, ein extrem produktiver Mann, ein „All City King“, wie man Street-Art-Künstler nennt, die ihre Stadt mit einer Vielzahl von Arbeiten „plakatieren“. → INOs riesige Murals sind aber nicht nur in Athen zu sehen, sondern weltweit. Egal ob Brasilien, Ibiza, Georgien, die Ukraine oder Abu Dhabi: Überall hat INO Spuren hinterlassen.

Adresse: Sokratou 3

INOs Markenzeichen sind fotorealistisch anmutende Murals in Grauabstufungen, die manchmal silbrig schimmern. Auf den neueren Arbeiten gibt es zudem noch einen markanten blauen Farbspritzer. Hoher Wiedererkennungswert!

Mural mit Mädchen mit langen Haaren
Das Mural „My World“ von INO überblickt das Marktviertel

 

Ältere Arbeiten können surrealistische Züge haben, im Cartoon-Stil daherkommen oder mit geometrischen Verschiebungen spielen. Angeblich brachte INO im zarten Alter von 15 Jahren, also lange vor seinem Studium der Malerei, sein erstes Werk an die Wand. Das war im Jahr 2000. In einem Interview auf skin-artists.com nannte er McEsher, Jenny Saville und Antoni Gaudi als frühe Vorbilder.

Das Mädchen mit Haaren so lang wie eine ganze Hauswand findet Ihr im chaotischen Marktviertel. Wenn Ihr schon mal da seid, solltet Ihr unbedingt auch bei den Fischverkäufern und Metzgern in den nahen Markthallen vorbeischauen – lohnenswert!

Weiterlesen: Streetart-Expertin Giulia vom Blog Blocal hat nahezu alle Athener INO-Murals in einem Beitrag zusammengefasst: All about INO’s Murals in Athens: Locations and Stories Behind the Art

 

INO: Breaking Barriers of Equality und Escaping Reality (2021)

Adresse: Sarri 40

Im netten Viertel Psyri, durch dessen Gassen immer wieder die Akropolis blitzt, überblicken gleich zwei riesige, zusammengehörige INOs einen Parkplatz. Auf der einen Hauswand sieht man ein junges Mädchen mit Hammer – der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter beginnt früh. Auf dem anderen Mural ist das Mädchen als Teenie zu sehen bzw. eben nicht zu sehen. Die Figur nimmt eine traurige, abgewandte Position ein. Flieht vor der Realität.

 

Zwei schwarz-weiße Murals mit jungen Frauen nebeneinander
Girl Power in Psyri

 

ATEK: Untitled (2022)

Geschlechtergerechtigkeit ist auch Thema eines Murals, das man an einem Bankgebäude gegenüber dem klassizistischen Gebäude der Athener Akademie erblickt, einer der wichtigsten Forschungseinrichtungen des Landes.

 

Mural einer jungen Frau an einem verspiegelten Gebäude
ATEKs junge Frau gehört zu den schönsten Murals im Zentrum Athens

 

Adresse: Panepistimiou 31

Die ernst drein blickende junge Frau stammt von → ATEK. Die auf Seilen über ihr balancierenden Figürchen stehen für die zahlreiche Rollen, die die moderne Frau von heute zu übernehmen hat. Ein ewiger Balanceakt. Der Athener Künstler ATEK ist ebenfalls seit den Nullerjahren auf den hiesigen Straßen unterwegs.

 

STREET ART IN EXARCHIA

Wer den wilden Groove der Athener Straßen sucht, findet ihn (noch) hier. Exarchia gilt schon seit den 1960er-Jahren als das Anarcho-Viertel der Stadt. Es ist bunt, jung und ein wenig durchgeknallt. Besetzte Häuser gibt es hier genauso wie Studenten-WGs, aber auch mehr und mehr schicke Wohnungen, die Gentrifizierung ist im vollen Gange. Exarchia wird in Sachen Street Art in Athen oft als erste Adresse genannt, doch stößt man hier in erster Linie auf kleinere illegale Revoluzzer-Pieces und „Free Gaza“-Gekritzel. Die für uns besten Arbeiten sind folgende:

 

Guido van Helten: Untitled (2021)

Murals des australischen Künstlers → Guido van Helten haben wir schon in → Ragusa auf Sizilien und in der griechischen Hafenstadt → Patras entdeckt. Guido van Helten bedeutet ganz großes Mural-Kino! Seine fotorealistischen, oft riesigen Arbeiten sind weltweit präsent, auf Hauswänden genauso wie auf Schiffen oder Brücken.

 

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Die beiden Männer muss man sich ein wenig genauer ansehen, erst dann erschließt sich einem der Zauber des Murals. Es zeigt Buchbinder bei der Arbeit. In Exarchia hat die Buchbinderei Tradition. So nah an Unigebäuden und der Universitätsbibliothek wird sie immer noch gebraucht – Unis möchten schließlich ein Exemplar von jedem wissenschaftlichen Werk besitzen. Auch kleine Verlage und Druckereien gibt es in Exarchia bis heute.

Adresse und Tipp: Ecke Gravias / Emmanouil Benaki. Genau gegenüber befindet sich die Ouzerie Lesvos, ein charmantes Lokal, in dem man für kleines Geld wunderbar tafeln kann. Unbedingt reservieren (Tel. + 30 21 0381 4525).

 

INO: Wake up (2014)

Hände sind ein beliebtes Motiv von Streetart-Künstlern, und so wundert es nicht, dass wir auf unserer Streetart-Tour durch Athen einem weiteren Mural mit Händen begegnen. Es stammt von dem uns bereits bekannten INO und ist schon ein wenig älter.

Adresse: Koletti 13.

Auf der monochromen Arbeit, hier noch ohne den markanten blauen Fleck, sieht man, wie eine Hand einen Unterarm umklammert. Nach INOs Interpretation handelt es sich um ein Wiederauferstehungsmotiv. Gott packt den Unterarm eines toten Mannes und zieht ihn zurück ins Leben. Die Hand des Toten wiederum greift nicht nach der Hand Gottes, sondern gierig nach einer Geldmünze und löst sich damit von Gott. Herrgott, geht’s noch metaphysischer?

 

Mural mit zwei Händen
INO: Wake up

 

INOs Hände sind nicht die einzigen Kunstwerke auf diesem Parkplatz in Exarchia. Nebenan haben sich die Berlin Kidz mit ihren typischen Runensäulen verewigt – über 400 davon gibt es allein in Berlin. Die rotzfrechen Street-Art-Rebellen, die sich oft unter Lebensgefahr an Häuserwänden abseilen, passen gut nach Exarchia. „Athens is the new Berlin“ haben sie an die Wand geschrieben. Ob das stimmt? Bleibt zu hoffen, dass sich Athen nicht genauso selbst zerstört wie Berlin, dessen subkulturelle Kreativität vielerorts dem Kommerz weichen muss.

 

Gebäude mit runenartiger Graffiti
Die Berlin Kidz in Athen

 

Wer aufmerksam durch Exarchia schlendert, wird noch viele weitere politische, meist illegale Murals entdecken. Dazu gehört das Porträt der türkischen Band Grup Yorum an der Andrea-Metaxa-Straße. Die Band gründete sich 1985 im studentischen Umfeld İstanbuls und existiert bis heute. Ideologisch steht sie der „Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front“ nahe. Die marxistisch-leninistische Untergrundorganisation ist sowohl in der Türkei als auch in Deutschland verboten und wird als terroristische Vereinigung eingestuft.

 

Grup Yorum

 

Auf Youtube haben die Songs von Grup Yorum bis zu 15 Millionen Aufrufe. Immer wieder landeten Bandmitglieder im Laufe ihrer Karriere im Gefängnis, Konzertverbote waren an der Tagesordnung. Die auf dem Mural zu sehenden Bandmitglieder Helin Bölek und İbrahim Gökçek starben 2020 an den Folgen eines Hungerstreiks.

 

Wild Drawing (WD): No Land for the Poor (2015)

Adresse: Emmanouil Mpenaki 84–86

Der Street-Art-Künstler → Wild Drawing wuchs auf Bali auf. 2006 kam er nach Athen, wo er sein Kunststudium beendete und seitdem lebt. Wild Drawing zählt zu den wichtigsten Street-Art-Künstlern nicht nur Griechenlands, sondern ganz Europas. Arbeiten von ihm kennen wir unter anderem aus → Malta und → Tschechien.

Die griechische Hauptstadt steckt voller „WDs“, die für uns schönsten stellen wir Euch auf dieser Street-Art-Tour vor. Dazu gehört dieses horizontal ausgerichtete, schon etwas in die Jahre gekommene Mural. Leider ist es meist zugeparkt. Das Mural ist den Armen und Obdachlosen der Stadt gewidmet, von denen es 2015 als Folge der Finanzkrise sehr viele gab. Armut ist bis heute ein Thema in Athen.

 

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STREET ART IN METAXOURGEIO

Die Gegend zwischen der Metrostation Metaxourgeio und dem Stadtteil Keramikos bietet von allem etwas: Junkies mit Spritzen in der Hand, Bordelle, Ramschläden, aber auch coole Shops und nette Viertel mit ebensolchen Cafés. Altes und Neues, Schickes und Morbides verbindet sich hier zum athentypischen Stil.

 

SimpleG: Expiration Date (2017)

Adresse: Theodore Diligiannis 42

In der Nähe des Bahnhofs treffen wir zum ersten Mal auf dieser Tour auf den Athener Künstler → SimpleG. Der noch recht junge Künstler ist erstaunlich produktiv und vielseitig unterwegs. Er kreiert riesige Murals, aber auch kleinere Arbeiten und Taggings. SimpleGs erklärtes Ziel: Seine unattraktive Stadt mit Hilfe von Street Art ästhetisch interessanter zu gestalten.

Verblühen und neu blühen als normaler Lauf des Lebens ist das Thema dieses Murals. Eine Hand – mal wieder eine Hand! – hält eine Iris, die zu verwelken beginnt, während nebenan ein zartes neues Blümchen heranwächst.

 

Hand hält Blume Mural
SimpleG: Expiration Date

 

Wild Drawing (WD): Knowledge speaks – Wisdom listens (2017)

Adresse: Ecke Samou Kai / Konstantinou Palaiologou

„Knowledge speaks – Wisdom listens“ ist ein Zitat, das Jimi Hendrix zugesprochen wird. Wild Drawing nutzte es für sein Eulen-Mural, das ein eher langweiliges Wohnviertel aufpeppt. Auch wenn die Eule mit den durchdringenden Augen von überschaubarer Größe ist, wurde das Mural doch innerhalb kürzester Zeit zu einer Ikone.

Die Eule symbolisiert Weisheit und ist gleichzeitig das Symbol der Göttin Athene, von der wiederum die Stadt ihren Namen hat.

 

Eulenmural an einer Straßenecke
Das Eulen-Mural von Wild Drawing gehört zu den bedeutendsten Murals von Athen

 

INO: Taken over (2022)

Adresse: Lenorman 40

Voilá! Wenig später stehen wir an einer Bahnschranke und damit erneut vor einem Burner des Street-Art-Künstlers INO. Auch dieses INO-Mädchen mit dem typischen blauen Fleck ist überaus catchy. Ganz anders als die meisten anderen INO-Arbeiten wurde das Mural nicht gesprüht, sondern gemalt. Der Künstler würdigt mit dieser Arbeit die griechische Pfadfindergesellschaft, die 2022 ihr 90. Bestehen feierte.

 

Schwarz-weißes Mural eines Mädchens mit blauem Fleck
INO: Taken over

 

Leonidas Giannakopoulos: Ode 2 the Big Sea (2021)

Adresse: Agiou Konstantinou 58

Die emportauchende Aphrodite trägt ein Schiff auf dem Kopf – very Griechenland, very Mittelmeer. Für das schöne Schwarz-Weiß-Mural ließ sich der 1983 geborene Künstler → Leonidas Giannakopoulos vom Song „Ode to the Big Sea“ der britischen Nu-Jazzband Cinematic Orchestra inspirieren. Leonidas Giannakopoulos stammt aus Kreta, lebt aber schon lange in Athen. Ihr findet das Mural direkt am alles andere als romantischen Karaiskáki-Platz, einem verkehrsreichen, lärmigen Kreisverkehr mit einigen Großhotels.

 

Mural Frau trägt Schiff auf dem Kopf
Leonidas Giannakopoulos: Ode 2 the Big Sea

 

SimpleG: So many books, so little time (2019)

SimpleG haben wir bereits vorgestellt. Nun folgen zwei seiner für uns schönsten Murals direkt aufeinander. Das erste davon, das lesende Mädchen, gilt als Masterpiece des Streetart-Künstlers. Mehr noch: Kenner der Szene meinen, es sei das schönste Mural Athens.

Adresse: Meg. Alexandrou 2

Die großformatige Arbeit mutet altmodisch an. Ein Mädchen mit langem braunen Rock und weißer Bluse blickt gebannt in ein Buch, hinter ihr eine nostalgische Mustertapete. In einer Gegend mit zahlreichen Bordellen wirkt SimpleGs Mural als kunstgewordenes Gegenprogramm zu den Lebenswelten vieler junger Frauen hier.

 

Mädchen liest in einem Buch Mural
SimpleGs Mural „So many books, so little time“ ist für viele das schönste Mural Athens

 

SimpleG: Life Passengers (2022)

Das nächste Highlight lässt nicht lange auf sich warten. An einer Wand an der Kolokynthous 36 taucht ein älterer Mann im dicken Wintermantel auf. Traurig blickt er aus einem Zug auf einen vorüberziehenden Flüchtlingstreck.

Mit diesem Mural erinnert SimpleG an den 100. Jahrestag der Zerstörung Smyrnas (heute İzmir) und den darauf folgenden türkisch-griechischen „Bevölkerungsaustausch“ – letztendlich eine Vertreibung bzw. ethnische Säuberung. Ca. 1,4 Millionen Griechen mussten 1923 die Türkei verlassen, in entgegen gesetzter Richtung waren rund 350.000 Türken unterwegs. Die Angst vor der ungewissen Zukunft ist dem Mann förmlich ins Gesicht geschrieben.

 

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Gera1: It’s yours! (2022)

Adresse: Millerou 35

Dem Athener Künstler → Gera1 sind wir bereits auf unserer → Street-Art-Tour durch Patras begegnet. Gera1 ist beeinflusst von der Ästhetik der so genannten Glitch Art, einer stilistischen Eigenart, bei der durch digitale oder analoge Störungen verzerrende Effekte erzeugt werden. Gera1 arbeitet weltweit und mittlerweile recht kommerziell. Murals von ihm sieht man auch in Berlin oder Wiesbaden.

Auch in seiner Heimatstadt ist Gera1 selbstverständlich zahlreich vertreten. Thema dieses Murals: Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Konsum.

 

Buntes Wandgemälde
Gera1: It’s yours

 

Ilias Papailiakis: The Kiss (2021)

Die begrünte Plateia Avdi ist heute ein hübscher Platz mit netten Cafés und der Städtischen Kunstgalerie. Das war nicht immer so – bis zur Umgestaltung des Platzes im Jahr 2008 galt die Gegend als ziemlich verrucht.

Das minimalistische Mural „The Kiss“ des auf Kreta geborenen Athener Künstlers → Ilias Papailiakis erinnert an Zeichnungen Jean Cocteaus. Es entstand mitten in der Pandemie, als Körperkontakt alles andere als eine Selbstverständlichkeit war. Die Nähe der Liebenden steht damit im krassen Gegensatz zur damals staatlich verordneten Verpflichtung zu sozialer Distanz.

 

Minimalistisches Mural, auf dem sich zwei Menschen küssen
Ilias Papailiakis: The Kiss

 

STREET ART IN KERAMIKOS UND GAZI

Keramikos ist einer der ältesten Stadtteile von Athen und erhielt seinen Namen von den in der Antike hier ansässigen Töpfern. Gazi wiederum wurde nach einigen historischen Gasometern benannt, die in jüngerer Zeit in das hippe Multifunktionsareal Technopolis umgewandelt wurden.

 

INO: Parallel Worlds (2024)

Adresse: Keramikou 108

Die besten Arbeiten, die wir in den beiden Vierteln entdeckt haben, stammen erneut von INO. Dazu gehört das gesprühte Mural „Parallel Worlds“, das zu den neuesten in diesem Beitrag vorgestellten Pieces gehört:

Mural mit Ballettänzerin
Street Art in Athen: Auch in Keramikos ist INO vertreten

 

Ein Mann beobachtet eine Balletttänzerin. Zwei Welten, die sich nicht begegnen können, die des Voyeurs und die der unerreichbaren Tänzerin. Ein tolles Mural, über dessen Entstehung es auch ein eindrucksvolles Video gibt. Hier seht Ihr INO bei der Arbeit:

 

 

INO: „Last Supper“ und mehr (2019)

2019 jährte sich der Todestag des genialen Künstlers, Architekten und Mechanikers Leonardo da Vinci zum 500. Mal. Dieses Jubiläum nahm INO zum Anlass, um da Vinci ein extrabreites Mural zu widmen, das man ohne Panoramafunktion kaum fotografieren kann. Ihr findet es gegenüber dem Technopolis-Areal an der Pireos-Straße.

Die Arbeit besteht aus mehreren Teilen. Man sieht die Augen der Mona Lisa, aber auch da Vincis „Letztes Abendmahl“ neu interpretiert. Jesus fehlt auf dem Mural, und aus den Jüngern wurden Politiker. Einige von ihnen halten Papier in den Händen, das an Banknoten erinnert, einer steckt sich ein solches Papier in den Mund. Der Appetit auf Geld ist groß in der Politik, nicht nur in Griechenland.

 

Ultrabreites Mural mit Panoramafunktion fotografiert
INOs „Last Supper“ ist nur mit Panoramafunktion als Ganzes fotografierbar

 

Leonardo da Vinci selbst ist auch zu sehen, natürlich nicht ohne den für INO typischen blauen Fleck:

 

Mural von Leonardo da Vinci mit blauem Fleck

 

STREET ART IM NORDEN ATHENS: NEA FILADELFIA UND PERISTERI

Bei Street-Art-Touren durchstreift man oft Viertel, in die man als gewöhnlicher Tourist nie gekommen wäre. Das ist auch in Athen nicht anders. Die beiden nördlichen Vorstädte Nea Filadelfia und Peristeri gehören ganz und gar den Locals. Gentrifizierung ist hier noch ein Fremdwort.

 

Gera1: Roots of Instability (2023)

Adresse: Leof. Dekelias 114

In einem netten Viertel mit Kleinstadtatmosphäre treffen wir erneut auf Gera1. Das eine Brache überblickende Mural zeigt eine Frau, die schützend ein Kleinkind an sich drückt. Das Thema passt zum Viertel Nea Filadelfia. Dieses wurde ab 1923 für griechische Flüchtlinge aus dem kleinasiatischen Philadelphia (heute Alașehir in Westanatolien) errichtet. Im Rahmen des türkisch-griechischen Bevölkerungsaustauschs mussten sie ihre Heimat verlassen.

 

Buntes Mural Mutter mit Kind
Gera1: Roots of Instability

 

Stelios Pupet: Portrait of a Lady (2025)

Adresse: Leof. Kifisou 3

Schwerlastverkehr und Overflys: Der weite Weg in diese unwirtliche Ecke von Athen lohnt sich nur für diejenigen unter Euch, die eine Drohne haben. Alle anderen können dieses an sich wunderschöne Mural getrost aussparen. Es befindet sich nämlich auf dem Dach eines Abbruchhauses neben einer Tankstelle und ist von der Straße nicht wahrzunehmen. So sieht das Ganze aus:

 

 

Der Athener Künstler → Stelios Pupet hat sich auf figurative Frauenfiguren spezialisiert. Seine Porträts, die er sowohl auf Leinwand als auch auf Wände malt, sind aus unterschiedlichen Rechtecken zusammengesetzt.

 

STREET ART IM WESTEN ATHENS: KORYDALLOS UND NIKEA

Korydallos im Westen von Athen gefällt uns gut: ruhig, sauber, gepflegt. Das migrantisch geprägte Nikea wirkt deutlich ärmer. Manche Straßenzüge mit ihren niedrigen Häusern machen einen fast dörflichen Eindruck. Gesäumt werden die Straßen von Mandarinenbäumchen, die im Frühwinter voller Früchte hängen. Die Anwohner können ihren Nachtisch direkt vom Balkon pflücken.

 

Apset: Liberdreaming (2022) und andere

Adresse: Grigoriou Lampraki 193

Korydallos steht nicht nur für nette Wohnviertel, sondern auch für den größten Knast des Landes. Heillos überfüllt soll das Hochsicherheitsgefängnis sein, dazu übelst ausgestattet und voller Ungeziefer. Direkt davor erstreckt sich eine Freizeitanlage mit Bolzplatz und Wasserbecken, die den schönen Namen Korydallos Lake Park trägt. Der „Park“ befindet sich an der Stelle des alten, mittlerweile abgerissenen Frauentrakts.

Die Gefängnismauer, die zum Park zeigt, wurde 2022 von 14 nationalen und internationalen Künstlern mit Murals verziert und gilt seitdem als das größte Streetart-Projekt der Stadt. Auf 1000 Quadratmetern Fläche gibt es gleich etliche Murals zu bestaunen, darunter auch eines des uns bereits bekannten Wild Drawing.

Junge spielt vor Wand mit Street Art Fußball, dahinter der Wachturm eines Gefängnisses
Korydallos: Street Art zwischen Sportanlage und Knast

 

Unser persönliches Highlight ist jedoch das Mural „Liberdreaming“ des Streetart-Künstlers → Apset aus Thessaloniki. Apsets coole, selbstbewusst wirkende Frauen sind an vielen Orten der Stadt zu sehen. Die Dame an der Knastmauer träumt wohl von der Freiheit:

 

Mural mit Frauenporträt
Apset: Liberdreaming

 

Think & MeiZ: Free your mind (2020)

Die Plateia Eleftherias in Korydallos ist ein gepflegter Platz mit Cafés, Kiosken und einem Spielplatz. Zusätzliche Deko: ein Mural mit dem Seitenporträt einer Dame, das wirkt, als sei sie gerade vor der Kulisse des Mondes aus einem Teich mit Sumpfhibiskus aufgetaucht. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit der griechischen Streetart-Künstler → Think und → MeiZ aka Dimitris Meizar. Beide gehören zu den eher weniger bekannten Urban-Art-Aktivisten ihres Landes.

 

Think & MeiZ: Free your mind

 

Kouka: Untitled (2012)

Ein weiteres Mural, das uns schwer beeindruckt, finden wir in einer ruhigen Straße Nikeas. Der Erschaffer dieses schönen Afrikaners ist der französisch-kongolesische Künstler → Kouka.

Adresse: Achilleos 28, Nikea

Kouka wurde 1981 in Paris als Enkel des Malers Francis Gruber geboren. Roter Faden seines Œuvres ist der Bantu-Krieger, den er auch auf Leinwand, Textilien und selbst Holz zaubert. Krieger-Murals von ihm sind in vielen französischen Städten zu sehen, schmücken aber auch Brandschutzwände in Lissabon oder Miami. Sein künstlerisches Credo:

„Der öffentliche Raum gehört niemandem.“

 

Mural eines afrikanischen Kriegers
Auch dieser Krieger von Kouka gehört für uns zu den schönsten Murals Athens

 

Wild Drawing (WD): The Last are Lost from List (2018)

Zahlreiche Schulen in Athen wurden im Rahmen von Auftragsarbeiten von Street-Art-Künstlern verschönert. Dazu gehört auch diese Grundschule an der Ecke Ionias/Gervasiou Grevenon in Nikea. Die Schüler werden beim Basketballspielen von zwei indigenen Kindern und diversen Tieren beobachtet. Die Zukunft aller Lebewesen auf dem Mural ist ungewiss, sie sind vom Aussterben bedroht. Die Arbeit von Wild Drawing ist zwar schon etwas mitgenommen, aber noch immer imposant und mit seiner düsteren Prophezeiung stets aktuell.

 

Mural mit Aufschrift The Last is Lost from the List
Wild Drawing: The Last are Lost from List

 

SimpleG: Mother’s hug (2018)

Adresse: Gervasio Grevenon 5

Der Künstler SimpleG, dem wir im Laufe dieser Street-Art-Tour durch Athen bereits mehrmals begegnet sind, widmet sich mit diesem Mural erneut dem Thema „Flucht“. Die traurige Arbeit besteht aus mehreren Teilen. Der Hauptteil an der Hausecke zeigt eine Mutter mit ihren Kindern. Dazu verteilen sich über das gesamte Gebäude hinweg kleinere Figuren eines Flüchtlingstrecks. Der betagte Zweckbau ist übrigens das ehemalige Rathaus von Nikea.

 

Mutter hält Kind im Arm Mural
SimpleG: Mother’s hug

 

STREET ART IM SÜDEN ATHENS: PIRÄUS UND KALLITHEA

Was gute Street Art im Süden von Athen angeht, so findet man diese insbesondere in Piräus und Kallithea. Beide sind eigenständige Gemeinden, die jedoch schon längst im Moloch Athen aufgegangen sind. Piräus präsentiert sich irgendwo zwischen mondän und marode. Glanzvoll restaurierte Repräsentativbauten wechseln ab mit vor sich hin gammelnden historischen Stadtpalästen.

Kallithea ist durch eine Straßenbahnlinie sowohl mit Piräus als auch mit dem Athener Stadtzentrum verbunden. Auch in Kallithea fanden in den 1920er-Jahren Flüchtlinge aus Kleinasien eine neue Heimat. Später folgten aus der Sowjetunion vertriebene Griechen.

 

INO: We Have the Power (2015)

Die beiden schönsten Murals von Piräus stammen erneut von INO. Das erste befindet sich unübersehbar an der Platia Karaiskaki direkt am riesigen Hafen von Piräus, einem der größten im Mittelmeerraum. Ein Kind schaut dort ehrfürchtig zu einem bärtigen Mann auf, der den frühgriechischen Philosophen Demokrit darstellen soll. Dem Mural fehlt noch der signifikante blaue INO-Fleck.

 

Kind blickt zu bärtigem Mann auf Mural
INO: We Have the Power

 

Demokrit vertrat die so genannte Atomtheorie, nach der die gesamte Natur aus kleinsten, untrennbaren Elementarteilchen besteht. Gesponsert wurde das Mural vom Magazin National Geographic, das im gleichen Jahr eine Dokumentation über Griechenland produzierte.

 

INO: Lost (2018)

Adresse: Ecke Notara/Filellinon

Ein paar Blocks hinter dem Hafen von Piräus erstreckt sich ein Viertel, das für sein Nachtleben bekannt ist. Nightspots in Hafenvierteln haben ja immer einen sinistren Touch, in Piräus ist das nicht anders. Mehrere Tage arbeitete INO am Porträt dieses Mädchens, das scheinbar verloren ist in seiner eigenen Gedankenwelt.

 

Schwarz-weißes Mural mit Mädchen
INO: Lost

 

SimpleG: The real |R|evolution of Love (2024)

Mit der Straßenbahn fahren wir von Piräus bis zur Delta Marina im Stadtteil Kallithea, einem großen Yachthafen. Die Marina ist einer der wenigen Orte Athens, an denen man in Ruhe durchschnaufen kann. Paare gehen spazieren, Jogger und Skater bevölkern die Promenade.

Hinkommen: Nächste Straßenbahnhaltestelle ist Faliro Delta.

Die Delta Marina ist ein Ort, den man im Graffiti-Jargon als „Hall of Fame“ bezeichnet. Hier schauen immer mal wieder die Big Names der Szene vorbei, an den hiesigen Wänden darf sich aber auch der Sprayer-Nachwuchs legal bzw. zumindest geduldet zum Üben treffen. Das Mural von SimpleG, auf dem sich zwei alte Menschen küssen, ist zwar nicht das größte, dennoch sehr berührend. Es stammt aus dem Jahr 2024.

 

Mural von zwei küssenden älteren Menschen
SimpleG: The real |R|evolution of Love

 

Lasst Euch Zeit beim Entdecken anderer Wände, es gibt viel zu sehen:

 

 

STREET ART IM OSTEN ATHENS: AMBELOKIPI, ZOGRAFOS UND VYRONAS

ATEK: With the Telescope (2022)

Adresse: Michalakopoulou 158

Dem Athener Künstler ATEK sind wir schon am Anfang dieser Tour im Zentrum von Athen begegnet. Nun treffen wir ganz im Osten von Athen erneut auf ihn – und zwar in Ambelokipi (dt. „Weingärten“). Idylle darf man hier nicht erwarten, die namengebenden Gärten sind längstens überbaut. Das Mural „With the Telescope“ befindet sich in einem ungemütlich-lauten Teil von Ambelokipi mit breiten Verkehrsschneisen und Hochhäusern.

 

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In diesem Umfeld wirkt die Arbeit zunächst überaus beruhigend. Sie zeigt eine Gruppe von Menschen am Strand, weckt die Sehnsucht nach dem Meer und dem Sommer. Tatsächlich aber ist die Erholung am Meer für viele Athener eher die Ausnahme denn die Regel. Auf seinem Instagram-Account schreibt ATEK:

„Kellner (…) arbeiten zwölf Stunden am Stück für vier Euro die Stunde, ein freier Tag ist Luxus.“

 

Dimitris Taxis: At the River (2021)

Auch auf dem nächsten Mural wird gebadet, dieses Mal in einem glasklaren Fluss. Verantwortlich zeichnet der 1983 in Polen geborene Grieche → Dimitris Taxis, der auch auf unserer → Street-Art-Tour durch Ragusa auf Sizilien vertreten ist. In Athen entführt uns der Künstler nach Nordwestgriechenland an den lauschigen Fluss Acheron. Das Mural kommt derart erfrischend daher, dass es eine helle Freude sein muss, im ultraheißen Athener Sommer darauf zu schauen.

Adresse: Louizis Riankour/Platia Kanelopoulou (Metro Panormou). Samstags ist Wochenmarkt!

 

Mural mit Badenden an einem Fluss
Dimitris Taxis: At the River

 

Die fast schon naiv wirkende Szene hat einen ernsten Hintergrund. Wenn wir nämlich nicht aufpassen, so der Aufruf des Künstlers, wird es Orte wie diesen bald nicht mehr geben. Der Untertitel des Murals lautet:

„Orte und Erinnerungen, die bald vergessen sind, wenn wir unser Naturerbe nicht vor gierigen, ekelhaften Menschen schützen.“

 

Wild Drawing (WD): What if I fall? But imagine, what if you fly… (2015)

Wer hier studiert, hat’s weit. Zografos ist schon kein Stadtteil mehr, sondern eine eigene Stadt, die heute mit Athen verbunden ist. Dort befindet sich der Hauptcampus der Athener Universität – ein riesiges Areal im Grünen mit mehreren Fakultäten. Wir steuern direkt die School of Civil Engineering an, um das niedliche Elefanten-Mural von WD zu suchen. Manche Gebäude auf dem Areal wirken eher wie Clubs als Lehreinrichtungen, einige Wände sind bunter als auf dem Berliner RAW-Gelände.

Hinkommen: Die Fakultät erreicht man von der Metrostation Katehaki erreichen mit Bus 242.

 

Mural mit lustigen Elefanten, die ins Wasser springen
Wild Drawing: What if I fall? But imagine, what if you fly…

 

Auch wenn das Mural schon einige Jahre auf dem Buckel hat und schwer verblasst ist, hat es seine humorvolle Note nicht verloren. Elefanten mit Schwimmflügelchen und einer, der sich nicht ins Wasser zu springen traut – herrlich.

Nahebei gibt es noch viel anderes Spannendes zu entdecken. Schaut Euch in Ruhe um, die lange Anfahrt muss sich schließlich lohnen.

 

 

Wild Drawing (WD): New Day, new Fight, new Strength (2022)

Adresse: Ecke Voutza/Leoforos Chrisostomou

Wer vom Elefanten-Mural auf dem Unicampus direkt in die Vorstadtgemeinde Vyronas fährt, lernt eine ganz andere Seite von Wild Drawing kennen. Im Gegensatz zu seinen von Graphic Novels und Fantasy beeinflussten Murals der Zehnerjahre sind seine jüngeren Arbeiten zunehmend fotorealistisch.

 

Mural Frau hält Kind im Arm
Wild Drawing: New Day, new Fight, new Strength

 

Frauen und ihr Leid in Kriegszeiten sind das Thema des pazifistischen Murals „New Day, new Fight, new Strength“, über das WD auf Instagram verlauten lässt:

„Women and children are the first who suffer. At the moment there are more than 25 ongoing conflicts around the world affecting 2 billion people or, 1/4 of the world’s population.“

 

Millo: A Sea Tale (2023)

Last but not least zeigen wir Euch noch ein Mural von einem Großmeister der Szene: vom Italiener → Millo. Arbeiten von ihm haben wir schon in → Kreuzberg, → Ragusa und → Patras gesehen. Millos Figuren haben stets etwas Comicartiges und sind meist im großstädtischen Umfeld angesiedelt.

Das duschende Kind neben dem Lidl von Vyronas ist eine Hommage an den italienischen Schriftsteller Italo Calvino, der 2023 100 Jahre alt geworden wäre, und gleichzeitig eine Erinnerung an das von ihm adaptierte Märchen „Pesce Cola“. Darin geht es um einen Jungen, der das Meer so sehr liebt, dass er sich in einen Fisch verwandelt. Unterstützt wurde Millos Arbeit von der Gemeinde Vyronas und vom Italienischen Kulturinstitut.

 

Kind mit Fischschuppen duscht comicartiges Mural
Millo: A Sea Tale

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