Eines sei Euch gesagt: Einsam ist man hier nur gemeinsam! Die Wanderung durch die Rheinschlucht (auf Rätoromanisch Ruinaulta) gehört zu den populärsten Graubündens und das nicht ohne Grund. Erstens ist sie durch und durch spektakulär und zweitens in Teilabschnitten auch für Familien mit Kindern und selbst mit Krücke zu meistern. Die Rhätische Bahn, die hindurchfährt, macht möglich, dass man auch kürzere Etappen wählen und mit dem Zug zurückfahren kann. So wandern viele nur von Versam nach Valendas. Den Fahrplan der Rhätischen Bahn gibt es hier.

Blick auf eine spektakuläre Schlucht mit Flussschleife
Die Wanderung durch die Rheinschlucht gehört zu den Must-dos in Graubünden

Die Rheinschlucht

Die Rheinschlucht, ein mächtiger Canyon des Vorderrheins, erstreckt sich über eine Länge von rund 13 Kilometern zwischen Ilanz und Reichenau. Schroff abfallende Kalksteinwände kennzeichnen die bis zu 400 Meter tiefe Schlucht.

Verantwortlich für das Mega-Naturspektakel zeichnete der so genannte Flimser Bergsturz vor etwa 10.000 Jahren. Kein größerer Bergsturz wurde weltweit bis heute nachgewiesen. Rund 100.000 Millionen Kubikmeter Fels bewegten sich. Oft ist zu lesen, dass sie zu Tale donnerten. Das hört sich dramatisch an. Aber vermutlich war es keine Sturzgeburt, sondern eine geologische Verschiebung über mehrere Kilometer hinweg, die nicht auf einmal vonstatten ging. Auf jeden Fall war zum Schluss das Vorderrheintal unter einer mächtigen Ablagerungsmasse begraben.

Noch heute bewegen sich hier die Berge. Noch heute brechen Felsen ab. Im August 2019 mussten Wanderwege wegen Abbrüchen gesperrt werden. Der letzte größere Felssturz nahe Flims ereignete sich 1939. 100.000 Quadratmeter Fels lösten sich aus einer Wand und begruben ein Kinderheim unter sich.

Unsere Route

Wir haben die Tour durch die Rheinschlucht als Rundwanderung vom Parkplatz Staderas (nahe Laax-Murschetg) gemacht. Anstrengend, aber einfach toll. Ihr könnt aber auch von Laax oder Flims in die Tour einsteigen.

Rechnet mit Pausen auf jeden Fall einen Tag ein, die reine Gehzeit beträgt etwa 6,5 Stunden. 20 Kilometer sind zurückzulegen, 655 Höhenmeter zu überwinden. Unterwegs gibt es wunderschöne Grillplätze. In den Wanderkarten, die die Touristeninformationen vor Ort kostenlos bereit halten, ist die Tour eingezeichnet. GPS-Daten zum Download – eigentlich nicht nötig – findet Ihr hier.

Parkplatz Staderas (nahe Laax-Murschetg auf 1100 m) – Caumasee (997 m) – Conn (970 m) – Rheinschlucht – Bahnhof Versam-Safien (635 m) – Bahnhof Valendas-Sagogn (669 m) – Planezzas – Salums (1029 m) – Laax-Murschetg (1100 m)

Waldbad(en): Von Staderas zum Caumasee

Unsere erste Etappe von Staderas zum Caumasee führt durch nach Sommer duftenden Wald. Plötzlich liegt der türkis brillierende Bergsee wie ein von Bäumen eingefasster Edelstein im sanften Vormittagslicht vor uns. Darüber erheben sich die schneebedeckten Berge.

 

Höchster Schauwert! Ein buntes Holzboot paddelt ins Bild. Ein Mann krault durchs klare kalte Nass zu der kleinen Insel im See. Noch ist wenig los an diesem warmen Junimorgen. Auch nicht auf der Liegewiese des gemütlichen Strandbads.

Der Caumasee ist wie geschaffen für eine Luftaufnahme. Doch Drohnen sind rund um den See (zum Glück) verboten.

Boot auf einem grün leuchtenden See, dahinter Berge

Weiter zum Aussichtspunkt Il Spir

Wir passieren den See auf seiner Südseite, wandern durch den Flimser Grosswald und erreichen zur frühen Mittagszeit Conn. Dort gibt es ein lauschiges → Terrassenrestaurant, das auch die Spezialität der Region serviert: Capuns, in Mangoldblätter eingewickelte, deftig aufgepeppte Teigbällchen.

Die meisten Wanderer aber erstürmen erst einmal den Aussichtspunkt Il Spir. Einer von vielen Aussichtspunkten entlang der Schlucht, aber einer von den architektonisch spannendsten. Il Spir heißt auf Rätoromanisch Mauersegler und tatsächlich erinnert die kühne Konstruktion der Churer Architektin Corinna Menn an einen Mauersegler, der seine Flügel spreizt.

So schnell erklettern wir die Aussichtsplattform, um den obergrandiosen 180-Grad-Blick über die Schlucht zu genießen, dass wir glatt vergessen, das Stahlgerüst auch einmal vom Boden aus zu fotografieren. Blöd für uns und für Euch. Asche über unser Haupt! Wie das Teil aussieht, seht Ihr zumindest → hier.

Unsere Aussicht ist ein paar Sätze mehr wert. Etwa 300 Meter unter uns zieht der hier noch recht schmale Vorderrhein eine imposante Schlaufe. Er trägt ein Kleid in der Farbe „Blue Curaçao mit Milch“. Der rote Spielzeugzug, der gerade durch die Schlucht fährt, wirkt wie eine Borte am helltürkisfarbenen Wasserband:

Zug fährt durch spektakuläre Schlucht
Wanderung in die Rheinschlucht: Unten fährt die Rhätische Bahn

Hinab in die Schlucht und wieder hoch

Nach dem Aussichtspunkt geht es durch märchenhaften Nadelwald und schließlich in Serpentinen steil hinab in die Schlucht. Über 300 Höhenmeter steigen wir ab. Den Rhein überqueren wir auf der Eisenbahnbrücke mit dem hübschen Namen Isla Bella.

Entlang dem Fluss wandern wir zum Bahnhof Versam-Safien. Die Picknickbänke unterwegs sind allesamt belegt. Wir packen unsere Brotzeit auf einem der weißen Kieselstrände am Rhein aus und winken den Kayakfahrern zu, die an uns vorüberpaddeln. Wer mag, kann aber auch im Café des → Spirituellen Zentrums am Bahnhof Versam einkehren. Das Essen dort: superhealthy.

Paddler auf türkisfarbenem Fluss
Wir picknicken, die paddeln

Weiter geht es durch Wald, vorbei an idyllischen Wasserstellen und über grüne Wiesen mit Holzhütten, die nach Heimatfilm aussehen. Unser nächstes Ziel ist der Bahnhof Valendas-Sagogn. Auch im dortigen Besenbeizli lässt es sich gemütlich pausieren. Nicht aber am Dienstag, da ist nämlich Ruhetag. Kann uns heute egal sein. Wir wollen nämlich grillen!

Um unsere beschauliche Grillstelle auf der weiten Lichtung Planezzas-Sur zu erreichen, müssen wir den Rhein erneut überqueren und ein ganzes Stück ansteigen. Die Grillpause tut gut, unsere Steaks schmecken deutlich besser als sie aussehen. Doch zwischen Grillplatz und Stinkstiefelausziehen samt Feierabendbier liegt noch rund eine Stunde Gehzeit mit rund 400 Höhenmetern vor uns. Mit Anstiegen, die es in sich haben.

WENN IHR SCHON IN DER REGION SEID…

… dann schaut Euch unbedingt auch einmal die authentischen Bergdörfer südlich der Rheinschlucht im so genannten Safiental an. Da dort nie Skigebiete ausgewiesen wurden, konnten sich die Dörfer ihre Natürlichkeit bewahren. Leider passiert man auf unserer Wanderung nur den einen oder anderen Bahnhof der Dörfer, nicht aber die Ortschaften selbst, die viel weiter oben am Hang liegen.

Berglandschaft mit Dörfern
Blick aufs Safiental

Zu diesen Dörfern gehören Valendas (mit dem urigen → Gasthaus am Brunnen) und Versam (mit schöner kleiner → Brauerei). Alle mit Womo oder Zelt sollten sich Carrera vormerken, wo man ungemein idyllisch → campen kann.

Zudem gibt es auf der Südseite der Rheinschlucht ein paar tolle Aussichtspunkte wie zum Beispiel Islabord bei Versam. Außerdem sehr cool: die Straße zwischen Versam und Bonaduz hoch über der Schlucht mit ihren Galerientunneln. Für Kurven-Aficionados ein Tipp!

LITERATURTIPP

Unser Schweizer Kollege Marcus X. Schmid hat viel Wissenswertes zu Graubünden aufgeschrieben. Sein → Reiseführer ist im Michael Müller Verlag erschienen.

 

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