Ein früher Abend Ende Oktober. Die Schatten fallen schon schräg, als wir oben auf der Zitadelle von Monemvasiá ankommen. Über uns der himmelblaue Himmel. Vor uns das meerblaue Meer. Und unter uns der ziegelfarbene Ziegeldachteppich Monemvasiás mit seinen Kuppeln. Wir hören … nichts. Oder fast nichts. Eine Yacht segelt draußen übers Azur. Und man glaubt die Wassermusik des Windes zu hören. Was für ein Setting!

Stadt am Hang, darunter das Meer
Monemvasiá: Die alte Stadt und das Meer

Das mittelalterliche Dorf Monemvasiá, das sich spektakulär an und auf einen Fels klammert, ist komplett verkehrsfrei. Keine Mopeds, keine Autos. Wo sollten sie auch fahren in den engen Gassen? Menschen aber gibt es. Die meisten sind Touristen. Oder arbeiten für Touristen. Monemvasiá ist der große Publikumsmagnet des südöstlichen Peloponnes-Fingers. Zu Recht. Eine Schönheit.

Aber auch sonst birgt die bezaubernde Region nördlich und südlich von Monemvasiá viel Spannendes. Anschnallen, bitte! Wir nehmen Euch mit auf einen abwechslungsreichen Roadtrip über den Zeigefinger des Peloponnes. Denkt daran, genügend Zeit einzuplanen, die Tage gehen hier schnell vorbei. Abhaken war gestern. Immer schön langsam.

Inhaltsverzeichnis

Lage, Lage, Lage: Was Monemvasiá so besonders macht

Übernachtungstipps für Monemvasiá findet Ihr unten.

Im Mittelalter war Monemvasiá eine reiche Stadt an einer wichtigen Schiffsroute zwischen Konstantinopel und den italienischen Seerepubliken. Heute ist Monemvasiá ein pittoreskes Museumsdorf, in dem noch rund 70 Menschen ganzjährig leben. Gesellschaft bekommen sie von vielen Tages- und Individualtouristen, Letztere mieten sich in den schmucken Boutiquehotels ein.

Monemvasiá ist also kein Geheimtipp. Monemvasiá ist wunderschön, aber nicht authentisch. Und Google ist nicht zurückhaltend, was Treffer zu Monemvasiá angeht.

Heute wie damals gleich: die atemberaubende Lage. Der vom Meer umspülte Fels, auf dem Monemvasiá liegt, ist nur über eine schmale Dammbrücke vom gegenüberliegenden Städtchen Géfira zu erreichen. Daher rührt auch der Name der Stadt: Moni embasia = einziger Zugang.

Brücke führt auf einen Fels mit Häusern zu
Felsklops im Meer: Monemvasiá

Wer den vom Meer umspülten Felsklops zum ersten Mal sieht, am besten im Dämmerlicht, dem bleibt schon mal die Spucke weg. Und schnell wird man verstehen, warum Monemvasiá auch „Gibraltar des Ostens“ genannt wurde. Angreifer bissen sich an diesem Ort die Zähne aus. Wie bitteschön sollte der auch eingenommen werden?

Oberstadt mit Zitadelle

Um einen Ort zu verstehen, steigt man ihm am besten erst einmal aufs Dach. Das machen auch wir zu Beginn unseres Sightseeings. Und wir sagen Euch: Der Weg nach oben ist jede Schweißperle wert!

Auf den über 200 Meter hohen Felsen von Monemvasiá führt ein steiler, steinglatter Weg. Es geht vorbei an megacharmanten Sundowner-Adressen und charismatischen Ruinen.

Café vor einer Kirche mit Blick aufs Meer
Steile Wege und Sundowner-Adressen: Weg zur Zitadelle

Oben thront die Kirche Agía Sofía, die zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert errichtet wurde. Sie soll schöne byzantinische Fresken haben. Aber wir können sie nicht sehen. Sie entgehen uns genauso wie die aller anderer Kirchen Monemvasiás. Wir sind zu spät dran. Too late for the church party. Wenn Ihr sie sehen wollt, so kommt vor 15 Uhr!

Blick über eine Stadt zwischen Fels und Meer
Über den Dächern der Stadt

Dafür schauen wir ganz beseelt hinab auf die zwischen ihren wuchtigen Mauern eingeklemmte Stadt und die Bucht von Epídaurus Limera. Neben uns sonnen sich Geckos im noch immer warmen Oktoberabendlicht. Zeit für einen Klick auf den Selbstauslöser:

Paar vor ruinösem Mauerwerk
Posing vor der Agía Sofía

Gassenzauber in der Unterstadt

Wenn unser Reiseführer Recht hat (bestimmt!), dann gab es in Monemvasiá einst über 40 Kirchen. Nur ein Bruchteil ist übrig geblieben, aber das sind noch immer genug Kirchen für die wenigen Einwohner. In ihrer Blütezeit hatte die Stadt 10.000 bis 20.000 Einwohner.

Die größte Kirche ist die Christós-Elkoménos-Kirche mit ihrem hohen schlanken Glockenturm. Nahebei kann man dem kleinen archäologischen Museum einen Besuch abstatten, das in einer einstigen Moschee untergebracht ist. Traumschön liegt auch die weißgetünchte Panagia-Chrysaphitissa-Kirche. Auf der Platia nebenan verstreuen sich Kanonenkugeln von anno dazumal.

Danach spazieren wir durch handtuchschmale Buckelgassen mit stolzen Patrizierhäusern aus dem Mittelalter. Hier waren wohlhabende Kaufleute zu Hause.

Wir spitzen in uralte Hinterhöfe, treten Stiegen hinauf und wieder hinab, verirren uns in den dunklen Passagen und Durchgängen der verwinkelt-verwirrenden Altstadt. Und finden immer wieder zurück zur Hauptgasse mit ihren Lokalen, Bars, Souvenir- und Schmuckläden.

Historische Häuser vor einer Felswand
Monemvasiá: Eindrücke aus der Unterstadt

Liménas Geráka: Oktopus am Wasser

Auf Miniatursträßchen gondeln wir von Monemvasiá gen Norden nach Liménas Geráka. Das Bilderbuch-Fischernest liegt an einer völlig ungewöhnlichen Bucht. Ein fjordartiger Kanal stellt hier die Verbindung zu einem Binnensee her. Darin ein Inselchen, wie geschaffen für eine Kapelle. Schade, die hat man vergessen.

Griechisches Dorf mit Tavernen am Meer
Nebensaison in Liménas Geráka

Vor den Häusern dümpeln Holzboote im Wasser. Die Tavernentische stehen direkt neben dem seichten Schwippschwapp des Mittelmeers. Mehr Klischee geht nicht, we know. Aber ist halt so.

Hier muss man einfach tafeln. Wir setzen uns auf die Terrasse von Tasos, der mit seiner norwegischen Frau die → Taverna to Remetzo betreibt. Neben uns trocknet ein Oktopus vor Fliegen geschützt in einem luftigen Kasten. Oktopus! Wir bestellen marinierte Krake, dazu frittierte Sardellen und Salat. Abgerundet wird das Festessen mit feinem Olivenöl aus der neuen Ernte des Wirts. Für einen Liter Olivenöl braucht man übrigens je nach Sorte drei bis sechs Kilo Oliven. Wahnsinn, oder? Diese Info gibt uns Tasos mit auf den Weg.

Kyparissi: Weißes Dorf am blauen Meer

Tausende von Olivenbäumen, sonst wenig. Der Landstrich nördlich von Liménas Geráka scheint ein einziges großes Nichtsda zu sein. Zumindest erst einmal. Dann jedoch geht es hoch in die Küstenberge und danach auf einer atemberaubenden Straße an Felswänden entlang steil hinab nach Kyparissi.

Hinweis: Kyparissi ist nicht zu verwechseln mit der Kleinstadt Kyparissía im messenischen Westen des Peloponnes!

Wie schön ist das denn! Schneeweiße Häuser mit blauen Fenstern und Türen vor türkisblauem Meer. Am kleinen Hafen ein kanariengelbes Boot. Fast müssen wir uns die Augen reiben. Wir sind mitten in eine Postkarte gefallen! Eine, die ein wenig nach Kykladen aussieht. Vor dieser wunderbaren Kulisse erstreckt sich auch ein schöner Strand, auf dem sich jetzt im Spätherbst nur ein paar wenige Hanseln sonnen.

Weißes Dorf am Meer im Gegenlicht
Kyparissi: Geht’s schöner?

Das völlig abgeschiedene Dorf scheint vor allem Kletterer (mehrere Routen in der Umgebung) und Alternative anzuziehen, die sich frühmorgens zum Strandyoga treffen. Es gibt ein paar kleine Hotels und Studio-Vermietungen, dazu einige wenige Tavernen. Hier kann man nicht nur übernachten. Hier sollte man es sogar unbedingt tun.

Geráki: Ein Hügel voller Ruinen

Von Kyparissi fahren wir auf schmalen Sträßchen ins Landesinnere. In der weiten Talebene des Eurótas wollen wir uns die Ruinenstätte Geráki ansehen, eine verfallene mittelalterliche Stadt mit einigen kunsthistorisch überaus interessanten Kirchen.

Die Ruinen liegen auf einem Hügel etwa zwei Kilometer östlich des heutigen Geráki. Das heutige Geráki ist ein verschnarchtes Landstädtchen, das ohne jegliche touristische Infrastruktur auskommt. Beim Bäcker ist das Brot schon mittags ausverkauft. In den hiesigen Olivenhainen schuften Saisonarbeiter aus Bangladesch für einen Witzlohn. Aber nicht nur da.

Städtchen auf einem Hügel in einer Ebene
Landstädtchen Geráki

Das Gelände ist in der Regel zwischen 8 und 15 Uhr geöffnet und kostenlos zugänglich.

Doch zurück zu den Ruinen. Eine derartig spektakuläre Ruinenstätte für lau ist nahezu unglaublich. Wir sind die einzigen Besucher an diesem Tag. Schließfächer (!) gäbe es im Besucherzentrum am Eingang des Areals für viele viele mehr. Dort gucken wir uns ein kurzes Video an, bevor wir unseren Rundgang starten. Nehmt Euch am besten zwei, drei Stunden Zeit für den Ruinenhügel!

Wir wandern schwer beeindruckt umher. Eingestürzte Wohnhäuser, Treppenwege, Kirchen. Das Gros der Ruinen stammt aus dem 12. bis 15. Jahrhundert. Obenauf schließlich die Zitadelle mit einer herrlichen Aussicht auf die Eurótas-Ebene. Da steht auch die einstige Bischofskirche Agios Giorgios mit bestens erhaltenen Fresken. Was für ein genialer Abstecher.

Alte dunkle Kirche mit Fresken
Freskenzauber in den Kirchen von Geráki

Gut erhaltene Freskendecke

Gen Süden: Weiter nach Neápoli

Wir fahren wieder zurück in den Süden, vorbei an Monemvasiá und nun richtig in den schmalen Halbinsel-Zeigefinger hinein. Wahnsinn, wie viele unterschiedliche Landschaften doch darauf passen! Schroffe und liebliche Küstenszenerien, imposante Bergmassive, dann wieder weite Ebenen, in denen Obst und Gemüse angebaut werden.

Wir lassen uns treiben. Autofahren kann mitunter so genussvoll sein, wie es einem die Werbung vorgaukelt. Wir halten da, halten dort. Fotografieren. Entdecken Streetart im Nirgendwo. Picknicken. Und zuckeln zuweilen Pick-ups mit prallen Jutesäcken hinterher. Überall ist die Olivenernte in vollem Gange.

Am Abend landen wir in Neápoli. Die so unaufgeregte wie unaufregende 2000-Einwohner-Stadt ganz im Süden des Fingers ist zum Übernachten okay. Urlaubsqualitäten hat sie nicht. Der Lack blättert gehörig, der Strand ist nicht der sauberste. Die Häuser ziehen sich den Hang hoch. Volle Punktzahl vergeben wir für den Sonnenuntergang, den wir von unserem Hotelzimmer genießen:

Mann mit Moped im Sonnenuntergang

Unten am Hafen gibt es Tavernen, Bars und schlichte Hotels, in denen vor allem Reisende nach Kýthira absteigen, die Fähren dahin legen in Neápoli ab. Vor dem Inselchen Kýthira entstieg übrigens Aphrodite dem aufschäumenden Meer, nix da Zypern.

Kap Maléas zum Ersten: Der versteinerte Wald und (k)eine Wanderung zum Kloster Agía Irini

Neuer Tag, neues Glück. Wir wollen an die Spitze des Fingers. Den Buckel hoch, den Buckel runter geht es Richtung Fingerkuppe. Nahe dem Küstendorf Profitias Elías parken wir. Und gehen dort auf die Suche nach dem so genannten versteinerten Wald.

Der versteinerte Wald besteht aus fossilen Baumstümpfen. Erdbeben und Vulkanausbrüche vor Millionen von Jahren sind die Erschaffer dieses kleinen geologischen Wunders. Skurril, aber auch nichts, was den Mund offen stehen lässt. So sieht das Ganze aus:

Skurrile Gesteinsformationen am Meer

Am versteinerten Wald beginnt ein Wanderweg zu einem verlassenen Kloster am Kap Maléas. Dort fällt das Parnon-Gebirge als schroffe Felsspitze ins Meer. Rund vier Stunden hin und zurück soll die Wanderung zu einem der entlegensten Fleckchen des Peloponnes dauern. Klingt vielversprechend.

Die Tour beginnt gemütlich und endet mit Unmut. Anfangs verläuft der Weg auf einem aussichtsreichen Schottersträßlein, das man eigentlich auch mit dem Auto hätte abfahren können. Dann wird aus dem Weg ein schmaler Pfad. Irgendwann verläuft der Pfad hoch und ungesichert über der steil abfallenden Küste. Links Fels, rechts nichts. Wir sind ja einiges gewohnt, was abenteuerliche Pfade am Mittelmeer angeht. Das hier aber ist uns too much, Höhenangst lässt grüßen. Wir kehren um. Etwas enttäuscht und verärgert, das Kloster nicht gesehen zu haben. Wer es besucht hat, kann uns gerne in den Kommentaren schreiben, wie’s war.

Kap Maléas zum Zweiten: Velanídia und der Leuchtturm am Kap Maléas

Schon die Fahrt nach Velanídia malt uns leidenschaftlichen Roadtrippern ein Grinsen ins Gesicht. In vielen Serpentinen führt die Passstraße in das Bergdorfträumchen. Weißgetünchte Häuser klammern sich an den Hang. Nur die Kirche trägt hier Braun. Die Zugabe heute: Was auf die Ohren! Es ist Sonntagmorgen und durch das Tal wabern die Choräle aus der Kirche. So hört sich das an:

Wir fahren durch das enge Dorf und holpern drei weitere Kilometer auf einem Schotterweg einer Ziegenherde hinterher. Wir haben ja Zeit. Die griechische Gelassenheit haben wir mittlerweile, nach vier Wochen auf dem Peloponnes, verinnerlicht.

„Siga siga, immer schön langsam.“

Ziegenherde auf einer Schotterstraße
Siga, siga, immer schön langsam
Im Weiler Agios Myros parken wir und zurren unsere Wanderstiefel fest. Heute wollen wir uns dem Kap Maléas von der anderen Seite nähern und zum Leuchtturm wandern. Ob’s dieses Mal klappen wird? Ja, es klappt! Der Weg ist gut markiert. In etwa zwei Stunden erreichen wir den Leuchtturm. Dort vespern wir, während die Gedanken weit fliegen.

Am Lakonischen Golf: Archángelos und Plítra

Am Lakonischen Golf auf der Westseite des Zeigefingers geht es recht beschaulich zu. Olivenhaine, Felder und kleine Dörfer säumen die Küste. Eigentlich wollten wir uns in Archángelos oder Plítra noch für ein paar Extreme-Beaching-Tage einquartieren. Das stellten wir uns sehr relaxt vor. Hätten wir auch getan, wäre es im Spätoktober nicht ganz so nebensaisonig. So aber wirken die beiden recht netten Dörfer mit ihren geschlossenen Tavernen und leeren Stränden fast ein wenig morbide.

Statt zu bleiben, düsen wir deswegen weiter nach Westen in eine andere tolle Ecke des Peloponnes: die → Máni.

Dorf auf Landzunge am Meer
Oktoberabend in Archángelos

ROADTRIP MONEMVASIÁ UND DER ZEIGEFINGER – ÜBERNACHTEN UND CAMPING

Die traurige Nachricht für Camper vorab: Campingplätze findet man leider auf dem gesamten Zeigefinger nicht. Die nächsten liegen bei Gýthion Richtung Máni.

Übernachten in Monemvasía: Am schönsten wohnt man in den liebevoll eingerichteten Boutiquehotels der stillen Unterstadt. Auch Apartments werden dort vermietet. Parken muss man außerhalb des Stadttors, man rollkoffert also eine Weile zwischen Auto und Zimmer. Tipp: Im Hochsommer unbedingt ein paar Monate im Voraus reservieren!

Ferienhaus am Meer Griechenland
Ferienhaus in Monemvasiá: Nicht von schlechten Eltern, oder?

Günstiger als in Monemvasía wohnt man in Géfira, dem Ortsteil gegenüber dem Fels von Monemvasía, also auf der anderen Seite der Dammbrücke (20 Spazierminuten bis Monemvasiá). Haben wir auch gemacht. In der lebendigen, wenn auch etwas billig wirkenden Kleinstadt gibt es zig Unterkünfte (austauschbare 08/15-Hotels überwiegen) und am Hafen eine Menge Restaurants.

Auch in Kyparissi kann man herrlich übernachten. Der Ort ist viel zu schade für eine schnelle Stippvisite.

Für die Erkundung des südlichen Fingers bietet sich Neápoli an, auch wenn der Ort selbst nicht sonderlich schön ist. Wer gerne beacht, kann sich schließlich noch in den Stranddörfern Archángelos und Plítra einmieten.

LITERATURTIPP

Der im Michael Müller Verlag erschienene → Reiseführer unseres Kollegen Hans-Peter Siebenhaar ist die Peloponnes-Bibel mit vielen Hintergrundinfos und Adressen.

 

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Magische Máni: Roadtrip über den Mittelfinger des Peloponnes

Kreta im Frühjahr: Roadtrip im Fleecepulli

 

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