Schroffe nackte Berge, deren Gipfel bis ins Frühjahr schneebedeckt sind. Archaische Ruinendörfer mit Wohntürmen samt Schießscharten. Uralte Klöster mit kunstvollen Fresken. Kapellen an weißen Kieselstränden. Und am Abend Schakale, deren unheimlicher Ruf durch die Täler dringt. Die karge, wasserarme Máni, der mittlere Finger des Peloponnes, ist eine traurige Landschaft. Keine traurig-triste, sondern eine traurig-schöne. Melancholisch, düster und faszinierend zugleich. Von Abwanderung gekennzeichnet. Und doch auch voller Esprit und Pep.

Zwischen Kalamata und Gýthion erstreckt sich eine Region, die wie geschaffen ist für einen abwechslungsreichen Roadtrip. Kommt mit an einen der südlichsten Zipfel auf dem Festland Europas!

Bergdorf mit Wolken darüber
Roadtrip Mani: Meer und geheimnisvolle Dörfer

 

Roadtrip Mani – unsere Stopps

 

Roadtrip Mani – ein paar Infos vorab

  • Zeit: Nehmt Euch mindestens eine Woche Zeit, besser etwas mehr. Vor allem, wenn Ihr neben Roadtripping und Beaching auch Ausflüge und Wanderungen im Programm haben wollt.
  • Übernachten: Übernachtungsmöglichkeiten gibt es zuhauf. Da die Máni mittlerweile ziemlich hip geworden ist, liegt das Preisniveau etwas über dem anderer Regionen Griechenlands. Vom Massentourismus mit seinen hässlichen Hotelklötzen ist die Máni aber weiter als weit entfernt. Es dominieren Unterkünfte für Individualtouristen. In der Nebensaison sollte man vorbuchen, da nicht immer jemand vor Ort anzutreffen ist. Infos zum Campen am Ende des Posts.
  • Anreise: Wir waren mehrere Wochen mit unserem Camper unterwegs. Wer nicht über den Land- und Seeweg anreisen möchte, fliegt am besten nach Kalamata. Billigere Flüge gibt es meist nach Athen. Von dort sind es 170 Kilometer bis Gýthion.
Weißer Kieselstrand am türkisblauen Meer
Máni-Strände: weiße Kieseln, blaues Meer

Inhaltsverzeichnis

GÝTHION, DAS TOR ZUR MÁNI

Ein hübsches Ding, noch nicht ganz Máni, aber fast. Gýthion ist eine gemütliche Kleinstadt mit etwas über 7000 Einwohnern am Fuße des Taýgetos-Gebirges. An der Uferstraße schmiegen sich klassizistische Häuser in Buntstiftfarben aneinander. Vorgelagert ist dieser aparten Kulisse ein kleines Inselchen.

Am Hafen begegnet man einer ganzen Latte realer Griechenlandklischees. Fischer sitzen in schaukelnden Booten und flicken ihre Netze. Oktopusärmchen hängen zum Trocknen auf Leinen. Und Katzen gehen den Touristen in den Tavernen auf den Keks.

Gýthion bietet alles, was die Urlauber der Gegend so brauchen. Die meisten von ihnen, darunter viele Camper, wohnen jedoch am langen Beach von Mavrovóuni, der zwei Kilometer südlich anschließt.

Ein weiterer toller Strand mit feinem Sand ist der Valtaki-Strand. Eyecatcher dort: die völlig verrostete Leiche der Dimitrios, eines Schiffes, das hier seit 1981 für eine bizarre Kulisse sorgt. Während wir dort im Spätnachmittagslicht spazieren gehen, lassen Instagramer ihre Drohnen durch die Lüfte tanzen.

Verrostetes Schiffswrack spiegelt sich im Wasser
Das Wrack der Dimitrios am Valtaki-Strand

BLAUES WUNDER: ÜBER SKOÚTARI NACH KONOTRAS 

Nichts Hässliches weit und breit. Mit gereckten Hälsen und diversen „Ahs!“ und „Ohs!“ gurken wir das schmale Asphaltband der Ostküste entlang. Boote dümpeln in Buchten. Daneben Ruinen, oben ein stahlblauer Himmel.

Erster Stopp: die Siedlung Skoutári. Wir fallen direkt in eine Postkarte. Hinterm Sandstrand eine kleine Kirche mit Tambour – von einem Schiffbrüchigen gestiftet, der hier das rettende Ufer erreichte? Etwas weiter eine weißgetünchte Taverne. Auf der Terrasse kipplige Stühle, von denen die Gäste aufs pastellfarbene Meer blicken.

Wir tun das wenig später auch. Allerdings von der Terrasse der Dorftaverne in Konotras. Konnten dem Geruch von Grillfisch, der über die Bucht waberte, nicht widerstehen. Sitzen nun glücklich da mit unseren Sardinen und beobachten die Nachbartische. Vornehmlich Opas beim späten Frühschoppen. Das hiesige Herrengedeck: ein Fläschchen Tsipouro und frittierte Calamari. Das ist das Rezept zum Altwerden auf der Máni.

Weißgetünchtes Haus an einem Strand
Strand von Skoútari

 

WANDERUNG VON KONOTRAS ZUM KLOSTER SOTIRAS

Gestärkt zurren wir unsere Wanderschuhe fest und machen uns von Konotras auf in die umliegenden Hügel. Unser Ziel: das längstens aufgegebene Kloster Sotiras.

Was für eine pastorale Idylle! Vor dem kleinen Kloster hütet ein junger Hirte seine Schafe. Vom Klosterhof fällt der Blick aufs Meer, das gerade so funkelt, als hätten sich dort Millionen von tagaktiven Glühwürmchen zum Rave verabredet.

Wenn auch das Kloster selbst in Ruinen daliegt, so wird seine bemerkenswerte, ja sensationelle Kapelle doch gehegt und gepflegt. Im Inneren ist sie über und über mit farbenfrohen mittelalterlichen Fresken ausgeschmückt. Eine Augenweide:

Fresken einer mittelalterlichen Kapelle
Klosterkapelle Sotiras

Der Rückweg führt uns durch das halb aufgegebene Dorf Gonea. Ein paar Häuser wurden bereits zu schicken Ferienresidenzen aufgehübscht. Andere liegen in Ruinen, wirken aber gleichzeitig so, als wären sie gestern erst verlassen worden. In einer Kate sehen wir einen Tisch, an der Wand einen Spiegel.

Dorf überm Meer
Gonea

WEITER NACH VÁTHIA

Wir fahren weiter Richtung Süden. Passieren Dörfer mit den für die Máni typischen, bis zu 20 Meter hohen Wohntürmen. Die meisten dieser wehrhaften Wohnburgen wurden im 17. Jahrhundert errichtet. In jener Zeit fühlten sich die Mánioten ständig bedroht, mal von dem Clan von der anderen Seite des Berges, mal von den Türken. Es muss ein anstrengendes Leben gewesen sein.

Heute restauriert man die düsteren Wohntürme nicht nur und stattet sie mit Ferienwohnungen aus, sondern baut sie gar neu, wobei man auf Alt macht. Was herauskommt, ist Ruinenkitsch.

Ruinendorf auf einem Hügel

Eines der beeindruckendsten und vermutlich meistfotografierten Wohnturm-Dörfer im Süden der Máni ist Váthia. Eine fast unwirkliche Kulisse. Wie die letzten Zähne eines Crystal-Meth-Junkies stehen die Türme bzw. Turmruinen etwas wackelig auf einem Hügelrücken. Dahinter das Meer. Daneben noch bewohnte Häuser in engen Gassen. Ergriffen spazieren wir umher.

Dorf auf einem Hügel über dem Meer
Váthia

DAS ENDE EUROPAS: KAP TÉNARO

Am Kap Ténaro oder Kap Matapan, wie es auch heißt, befand sich in der Antike einer der Zugänge zum Hades. Schon vor Ewigkeiten wurde dieser geschlossen. Heute ist am Kap Ténaro nicht nur die mániotische Welt zu Ende, sondern auch die europäische. Zumindest die festlandeuropäische. Arg viel südlicher geht es auf dem Kontinent kaum. Nur die Punta de Tarifa, der südlichste Punkt Spaniens, liegt gerade 22 Seemeilen südlicher.

Die Straße von Váthia Richtung Kap kennt keine Geraden. Nur Schlangenlinien. Die An- und Ausblicke sind ein Traum. Links unten kuschelt sich der ehemalige Piratenhafen Pórto Kágio in eine Bucht. Rechts erstreckt sich der Strand von Marmári, einer der längsten der Máni. An diesem schönen Arsch der Welt kann man auch übernachten.

Straße führt zu einem Kap
Auf dem Weg zum Kap Ténaro: rechts der Strand von Marmári, links Porto Kágio

Die Straße endet an einem Parkplatz. Flipflops runter, Wanderschuhe an! Den Leuchtturm am Kap Ténaro nämlich wollen wir uns nicht entgehen lassen. 45 Minuten brauchen wir auf dem gut ausgetretenen Pfad bis zum Kap, passieren dabei ein Mosaik aus hellenistischer Zeit. Zu Füßen des Leuchtturms packen wir unsere Stullen aus und hören dem Meer zu.

Frau wandert auf einen Leuchtturm zu

EIN ABEND IN GEROLIMÉNAS

Für eine Nacht mieten wir uns in einem einfachen Hotel im Fischerdorf Geroliménas ein. Ein uriger Hafen ganz nach unserem Geschmack. Es gibt ein paar Tavernen, eine Kneipe mit handfesten Jungs und vier Streuner auf der Dorfstraße, die entweder schlafen, sich gegenseitig am Hintern schnüffeln oder vorbeifahrenden Autos hinterherkläffen.

Unser Zimmer riecht nach kaltem Rauch, besitzt aber einen schönen Aussichtsbalkon mit Blick auf das Treiben unter uns und die untergehende Sonne am Horizont:

Blick auf eine Bucht im Abendlicht
Room with a view: Geroliménas

Danach nichts wie ab ins Restaurant, wo sich auch die Familie vor dem Fernseher versammelt hat. Die betagte Dame des Hauses kocht wie eine junge Göttin. Wir essen Traditionskost aus besten Zutaten: gefüllte Auberginen, Zucchinibällchen, Salat.

AUF DER SPUR DER KUHFLADEN: WANDERUNG ZUR HOCHEBENE ÜBER KITA

Wandern auf der Máni, das ist so eine Sache. Vor allem dann, wenn es an Markierungen hapert und der mitgebrachte Wanderführer die Route so schlecht beschreibt, dass man den Autor am liebsten mit dem Wanderstock penetrieren möchte.

Lernt von unseren Fehlern! Ladet Euch für Touren auf der Máni unbedingt GPS-Tracks herunter! Zudem gibt es topografische Wanderkarten aus dem Anavasi Verlag. Wir hatten sie nicht dabei, würden sie aber das nächste Mal ausprobieren.

Zum Glück aber stimmt einen die schroffschöne Landschaft immer wieder positiv, auch wenn man im dornigen Gestrüpp festhängt. So auch auf dieser Wanderung vom Dorf Kita zu einer verlassenen Hochebene in der Inneren Máni. Die karge Bergwelt dort gehört den Kühen, nicht den Menschen.

Frau wandert in Geröllbergen
In der Inneren Máni

Der erste Teil der Strecke ist problemlos. Leicht zu finden. Dann wird unser Wanderweg zu einem kaum zu erkennenden, steinigen Pfad, gepflastert mit Kuhscheiße.

„Kuhscheiße an den Schuhen, Kuhscheiße an den Waden.“

Beim Picknick schauen wir Mistkäfern zu, die Kuhscheißebällchen davon rollen. Und immer wieder umschwirren uns Myriaden von Fliegen.

Schließlich löst sich der Pfad vollständig in Wohlgefallen auf. Wir kraxeln mehr als dass wir laufen. Keine Markierungen. Nur Kuhscheiße und Knochen verendeter Tiere. Wir schwitzen trotz des empfindlich kühlen Oktoberwindchens. Gleichzeitig müssen wir immer wieder tief durchatmen, so schön ist die Szenerie. Und irgendwann, das könnt Ihr Euch denken, landen wir auch wieder am Auto.

Frau wandert in Bergen des Mittelmeerraums
Máni-Wanderungen: wunderschön, aber ein wenig tricky

ARÉOPOLIS AND AROUND: HIPSTER UND HÖHLEN

Bunt, bunter, Aréopolis! Katzen schlafen auf Flickerteppichen. Lilafarbene Bougainvilleen fallen Natursteinmauern hinunter. Knallbunte Tischchen und knallbunte Stühle vor hippen Läden. Das auf einem Plateau oberhalb des Meers gelegene Kleinstädtchen ist der Farbklecks der Máni und bei Hipstern schwer angesagt.

In den charmanten Pflastergässchen, zwischen Kirchen und Wohntürmen, gibt es Trendcafés und Tavernen, die nicht nur Souvlaki & Tsatsiki, sondern auch neugriechische Gerichte with a twist zu vergleichsweise satten Preisen servieren. Daneben: Boutiquehotels und Concept Stores.

Natursteinhäuser mit bunten Stühlen in einer Altstadt
Buntes Aréopolis

Mann mit Moped fährt durch eine schöne Altstadtgasse

Was spannend klingt und very instagramable daherkommt, überzeugt uns selbst nicht ganz so. Das dicke Make-up macht Aréopolis maskenhaft. Gleichzeitig kommt uns die zu groß geratene Platia ein wenig steril vor.

Long story short: Nicht ganz unsere Teetasse, was Euch aber nicht abhalten sollte, hier einmal vorbeizuschauen. Gleiches gilt für die Siedlung Liméni, den ehemaligen Hafen von Aréopolis unterhalb der Stadt. In den dortigen Natursteinhäusern direkt am türkisfarbenen Wasser sind Restaurants für den anspruchsvollen Gaumen und edle kleine Unterkünfte untergebracht. Einen Strand sucht man hier allerdings vergebens.

Natursteinhäuser am Meer
Pittoresk: Liméni

Die Publikumsmagneten südlich von Aréopolis sind die Unterwasserhöhlen von Pírgos Diroú, die man mit Kähnen durchfahren kann. Die haben wir ausgelassen. Wer schon da war, kann in den Kommentaren gerne erzählen, wie es war.

EINFACH NUR CHARMANT: TRAHÍLA UND ÁGIOS NIKOLÁOS

Byzantinische Kirchen(ruinen) rechts und links der Straße weisen von Aréopolis den Weg Richtung Stoúpa. Noch bevor wir den Badeort erreichen, biegen wir nach links ab. Zwei Dörfer stehen auf unserem Zettel: Trahíla und Ágios Nikoláos.

Frau sitzt am Steuer eines Autos im Sonnenuntergang
Auf dem Weg nach Trahíla…

Im sanften Licht der untergehenden Sonne fahren wir auf dem schmalen Küstensträßchen nach Trahíla. Ein Sacksträßchen, das in Trahíla endet. Das Dorf hat keine 100 Häuser, die meisten im charmanten Natursteinlook. Am Platz über dem verträumten Fischerhafen sitzen ein paar schwarz gekleidete Frauen und schauen aufs Meer. Das war’s. So fühlt sich Frieden an.

Wolken und Sonnenuntergang über einem Dorf am Meer
… und in Trahíla

Deutlich trubeliger geht es in den Tavernen des Vorzeigehafens Ágios Nikoláos zu. Und das Anfang November! Ein riesiger Parkplatz nahe dem Hafen lässt vermuten, wie es hier im Hochsommer aussehen mag. Doch ganz ehrlich: Wer möchte hier nicht sitzen?

Beleuchteter Hafen
Am Hafen von Ágios Nikoláos

BEACHVIBES IN STOÚPA

Zwei in der Abendsonne goldbraun glänzende Sandbuchten. Dahinter Restaurants und Bars. Gutes Essen. Sonnenuntergänge zum Sundowner. Sympathische Stimmung. An der Hafenmole ein Hippiepärchen wie aus dem Prospekt, barfuß und mit Joint. So sehen wir den Badeort Stoúpa Anfang November. Andere sehen ihn anders.

„Schrecklich, was aus Stoúpa geworden ist“,

sagt Gerd, den wir ein paar Wochen später kennen lernen. Ein Griechenlandliebhaber aus Augsburg, der den Peloponnes schon seit Jahrzehnten bereist. Das alte Stoúpa, das er noch kennt, kennen wir jedoch nicht. Und das Stoúpa, das Nikos Kazantzakis erlebt hatte, erst recht nicht. Der grandiose Autor wohnte 1917/1918 in Stoúpa. Hier schrieb er den Alexis Sorbas.

Kurzum: Auch wenn Stoúpa als der größte und lauteste Touriort der Máni gilt: Viel zu meckern gibt es in der Nebensaison nicht.

Essen in Stoúpa: Sehr angetan waren wir von der Taverne Meuko ganz im Süden der Bucht mit einer erhöht über dem Strand gelegenen Terrasse. Eine tolle Location mit viel Expat-Publikum. Auch Anfang November noch bestens besucht. Freundliches Personal und leckerster Máni-Salat mit Orangen und Schinkenspeck. Wunderbar sitzt man auch im → Stoupa Restaurant mit einer baumbestandenen Terrasse am nördlichen Ende des Stoúpa-Strandes.

Strand mit Dorf dahinter
Stoúpa in der Nebensaison

KARDAMÍLI UND DIE RINDOMO-SCHLUCHT

Bei Kardamíli haben sich die schroffen Bergmassive der Máni etwas zurückgezogen. An der Küste ein Meer aus Olivenbäumen, das sich bis zum 35 Kilometer entfernten Kalamata und noch weiter ausbreitet.

Kardamíli ist hübsch. Besitzt eine große Piazza mit den Büsten verdienter Mánioten, einen kleinen Hafen und eine ganze Reihe von Tavernen. Nördlich des Orts befindet sich ein netter, grobkiesiger Strand.

Durch idyllische Gassen vorbei an Natursteinhäusern und dem einen oder anderen kläffenden Hund spazieren wir hinauf in den ältesten Ortsteil Kardamílis. Der ist heute eine Mischung aus Ruinenstadt und restauriertem Museumsdorf samt Kirche, mehreren kleinen Ausstellungen und einem zugänglich gemachten Wohnturm.

Wer schon mal hier ist, kann auch noch weiterlaufen! Rund um Kardamíli wurden einige Wanderwege markiert. Sie führen auf uralten, gepflasterten Maultierpfaden durch Olivenhaine zu byzantinischen Kirchen und in die Nachbardörfer. Herrliche Aussichten und gute Laune sind Euch gewiss!

Frau läuft auf gepflastertem Weg über Olivenhainen und dem Meer
In und um Kardamíli

Alles andere als ein Spaziergang ist hingegen die Wanderung durch die Rindomo-Schlucht, die sich noch etwas weiter Richtung Kalamata befindet. Der Canyon soll zu den spektakulärsten des Landes gehören, was wir sofort glauben, auch wenn wir nur ein kleines Stück hineingehen. Teilweise ist er so schmal, dass man fast mit den Schultern an den Felsen rechts und links kratzt. Seht selbst:

Frau steht in Schlucht unter riesigem Felsen
Die Rindomo-Schlucht gehört zu den spektakulärsten des Landes. Kann man glauben, oder?

Hinweis: Wer die Rindomo-Schlucht als Teil einer Rundwanderung vom Bergdorf Vorio (zu erreichen über Kámbos) begehen will, sollte mindestens dreieinhalb Stunden einplanen und bloß nicht nach oder bei Regen wandern. Wer nur mal gucken will wie wir, parkt in Vorio an der Kirche und folgt dann stets der Schotterpiste hoch über der Schlucht landeinwärts. Nach etwa 70 bis 80 Minuten endet die Piste und ein Pfad führt hinab in die Schlucht.

RUINENZAUBER: AUSFLUG NACH MYSTRÁS

Ein steiler Felshügel voller byzantinischer Kirchen, Paläste und Klöster. Verwachsene Pfade, über die Nonnen huschen. Ganz oben eine Zitadelle mit phänomenalen Ausblicken. Erhabene Patina liegt über dem riesigen Ruinengelände Mystrás, das einmal eine Stadt mit über 40.000 Einwohnern war.

Wer von der Máni keinen Ausflug nach Mystrás unternimmt, ist eigentlich selbst schuld. Nehmt Euch für den Ausflug mindestens einen Tag Zeit. Mystrás liegt sechs Kilometer westlich der 16.000-Einwohner-Stadt Sparta (Sparti) bzw. rund 50 Kilometer nördlich von Gýthion. Spektakulär ist die Anfahrt von Kalamata über ein sich ewig windendes Bergsträßlein (Dauer etwa zwei Stunden).

Das Ruinengelände ist riesig, klebt an einem Buckel und hat zwei Zugänge. Wer mag, kann zuerst die Unterstadt ansteuern und besichtigen und im Anschluss zur Oberstadt fahren und sich die Zitadelle und die oben auf dem Berg gelegenen Sehenswürdigkeiten anschauen. Ist weniger mühselig, vor allem im heißen Sommer.

Die Kirchen und Klöster sind unterschiedlich gut erhalten. Manche sind nicht mehr als charismatische Ruinen, andere noch sehr gut in Schuss. Dazu gehört die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche Mitropolis in der Unterstadt. Ihre prächtigen Wandmalereien über abgetretenen Marmorböden sind faszinierend. Motive unter anderem: Letztes Abendmahl, Hochzeit von Kanaa, Flucht nach Ägypten.

Nahebei, am westlichen Rand von Mystrás, steht das Pantánassa-Kloster, ein noch immer aktives Nonnenkloster. Dort wie auch in allen anderen Kirchen des Areals sollte man angemessen gekleidet sein. Soll heißen: Schultern und Knie bedecken!

Nonne in einer Ruine
Pantanassa-Kloster

Roadtrip Mani – Literaturtipps

Siebenhaar, Hans Peter: Peloponnes. Der im → Michael Müller Verlag erschienene Reiseführer unseres Kollegen Hans-Peter Siebenhaar ist die Peloponnes-Bibel mit vielen Hintergrundinfos und Adressen.

Sir Patrick Leigh Fermor: Mani. Reisen auf der südlichen Peloponnes. Der britische Agent und abenteuerlustige Literat und Reisefreak Patrick Leigh Fermor (1915–2011) machte die Máni mit seinen Reisebeschreibungen 1958 weltberühmt.

Campen auf der Máni

Campingplätze gibt es nur an den Ausläufern des Máni-Fingers, bei Mavrovoúni im Osten und in Stoúpa im Westen (siehe unten), nicht auf dem Finger selbst. Dort gibt es lediglich ein paar Restaurants (zum Beispiel in Karavostasi oder in Pórto Kágio), auf deren Parkplätzen Wohnmobile stehen können. Gebühr: ein Essen im Restaurant.

Was Tipps fürs Wildcampen angeht, so seid Ihr bei uns an der falschen Stelle. Erstens, weil wir nicht autark sind und daher auch nicht groß Ausschau nach Freisteherplätzen halten. Und zweitens, weil wir das Freistehen in Griechenland eher ablehnen.

Warum?

  • Weil es immer mehr Camper gibt und somit automatisch auch immer mehr Idioten unter den Campern. Solche, die freistehen wollen, aber ihren Müll nicht mitnehmen. Die ihr Abwasser einfach ablassen. Und die den Olivenhain als ihre Toilette betrachten. Verschissene Macchia und Haine hinter Wildcamper-Stränden sind leider keine Seltenheit. Die armen Bauern.
  • Das ist neben der Brandgefahr auch einer der Gründe, weswegen Wildcamping in Griechenland offiziell verboten ist. Ein bisschen Respekt kann man den Gesetzen des Gastlandes schon entgegenbringen.
  • Auch ist es eine nette Geste, dem Land, das man bereist, etwas zurückgeben. Und zwar nicht nur in Form eines mit dem Klappspaten ausgehobenen Lochs voller Scheiße und leerer Bierdosen, die man gar aus Deutschland mitgebracht hat. Vor allem in der Nachbarschaft von Campingplätzen frei zu stehen, finden wir ausgesprochen peinlich.
  • Doch versteht uns nicht falsch: Wer in den Bergen unterwegs ist und dort ein schönes Plätzchen für eine Nacht findet, wo er keinen stört, soll dort stehen. Und wer einmal in einer abgelegenen Bucht übernachtet und sie am nächsten Morgen so hinterlässt, wie er sie vorgefunden hat: Was soll daran verwerflich sein?

Campingplätze auf der Máni

→ Camping Gythion Bay: Einer von mehreren Plätzen am schönen Strand von Mavrovoúni bei Gýthion, vom Beach leider durch einen Zaun getrennt. Großer Platz unter Olivenbäumen, sehr freundlich. Tolle Poolanlage mit chilligem Lounge-Areal, das auch zu einem Fünf-Sterne-Resort passen würde. April bis Ende Oktober.

Pool mit Palmen im Abendlicht
Nicht von schlechten Eltern: Pool des Campings Gythion Bay

→ Camping Kalogria: Einfacher, familiengeführter Platz zurückversetzt vom Kalogria-Strand in Stoupa. Nichts Besonderes, aber freundlich, funktional und sauber. Fünf Minuten ins Zentrum. April bis Ende November.

Camperbus im Olivenhain
Camping Kalogria in Stoúpa

Campingplätze bei Mystrás

Für Camper gibt es nahe den Ruinen gleich zwei Möglichkeiten. Der nettere Platz ist der → Camping Castle View, der jedoch nur von Anfang April bis Mitte Oktober in Betrieb ist. Ganzjährig ist der einfache → Camping Paleologio Mistras zwischen Mystrás und Sparta geöffnet.

 

Mehr Griechenland bei uns im Blog

→ Kreta im Frühjahr: Roadtrip im Fleecepulli

 

Falls Ihr selbst schon auf der schönen Máni wart, dann freuen wir uns auf Eure Kommentare und Tipps. Wenn nicht, dann wird es definitiv Zeit.

 

 

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