Berlin kann auch Romantik und Natur. Die Stadt der wilden Partys, der ballernden libanesischen Clans und der krakeelenden Spinner kann richtig lauschig sein. Sogar mittendrin.

Der Beitrag zum Ruderbootfahren ist eines von 33 Erlebnissen, die wir für unser Buch „Stadtabenteuer Berlin“, erschienen im Michael Müller Verlag, recherchiert haben.

Entspannung pur verspricht zum Beispiel der Tiergarten, der Central Park Berlins. Über 200 Hektar ist er groß. Darin gibt es einen See, der auf alten Postkarten blau schimmert, in Wirklichkeit aber grün ist. Zehn erdbeerrote Ruderboote verleiht dort das Café am Neuen See – eigentlich kein Café, sondern ein Biergarten im bayerischen Stil.

Ruderboote in einem See, dahinter Biergarten

Ein Biergarten im Tiergarten. Was sich reimt, ist hier nicht nur gut, sondern einfach klasse! In den Biergarten gehen wir später, zuvor wollen wir eine Runde rudern. Wir legen ab und ärgern uns sofort, dass wir es nicht den anderen gleichgetan und ein Hefeweizen mit aufs Boot genommen haben.

DIE TIERE DES TIERGARTENS

Eine Berliner Melange lässt mit uns die Paddel ins Wasser gleiten: verliebte Pärchen, junge Familien, die Kinder mit orangefarbenen Schwimmwesten ausgestattet, zwei grell geschminkte Muslimas mit gezückten Smartphones. Wasser plätschert, der Sound der Straße ist kaum mehr zu hören.

Enten ziehen vorbei, hinter dem Gebüsch lugt ein Graureiher hervor. Was wäre der Tiergarten ohne Tiere? Genauso doof wie ein Biergarten ohne Bier! Im Tiergarten, korrekt übrigens »Großer Tiergarten«, tummeln sich auch Wiesel, Füchse und Biber. Mittags singen Amseln, zum Vollmond Nachtigallen. Selbst ausgesetzte Schildkröten sollen hier turteln. Und dank der zunehmend milden Winter hat sich der »Rote Amerikanische Sumpfkrebs« so vermehrt, dass er mittlerweile abgefischt wird und auf den Speisekarten mancher Gourmetlokale als »Berliner Hummer« auftaucht. Der hätte auch den preußischen Monarchen geschmeckt, die den Tiergarten einst als Jagdrevier anlegten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Park verheizt und als Kartoffelacker missbraucht, dann mühevoll wieder aufgeforstet. Auch heute noch geht es hinter den Büschen zuweilen heiß her: Sex & Crime bringen den Tiergarten immer wieder in Verruf.

LEBERKÄS’ ZUM ABSCHLUSS

Vom schlechten Ruf des Parks merkt man beim Ruderbootfahren aber rein gar nichts. Versprochen! An den Ufern des Sees, im Schatten von Eichen und Buchen, dösen Touristen. Drumherum geschotterte Wege und Statuen aus der Preußenära: neben diversen Wilhelms und Friedrichs auch Goethe, Wagner, Rousseau & Co.

Frau in einem RuderbootWir lassen uns treiben. Lassen die Beine im Wasser baumeln. Und schauen schließlich auf die Uhr. Zeit für die Rückfahrt! Allzu viel gibt es ohnehin nicht zu errudern: Die weitverzweigten Arme des Sees sind größtenteils für den Bootsverkehr gesperrt.

Der Biergarten des Cafés am Neuen See kann tatsächlich auch Nichtpreißn wie uns begeistern. Wir holen uns zwei Halbe süffiges Löwenbräu, dazu Leberkäs‘ mit süßem Senf und Krautsalat, und setzen uns an einen der rustikalen Biertische. Durch die Baumkronen fallen die letzten Sonnenstrahlen des Tages und zaubern Goldfäden ins Wasser. Mit ihnen kehren auch die letzten Boote des Abends heim. Die Besatzungen sehen aus wie wir: ziemlich entspannt.

Praktische Infos

WO? Lichtensteinallee 2 +++ Bus 200 bis Haltestelle Corneliusbrücke +++ WANN? Bei gutem Wetter täglich ab 12 Uhr bis zur Dämmerung +++ WIEVIEL? Halbe Stunde 6 Euro, ganze Stunde 12 Euro +++ www.cafeamneuensee.de +++

Literaturtipp

Die Ruderboottour über den Neuen See ist eines von 33 Erlebnissen in der Hauptstadt, die wir für unser Buch → „Stadtabenteuer Berlin“, erschienen im Michael Müller Verlag, recherchiert und aufgeschrieben haben. Das Buch ist kein klassischer Reiseführer, sondern eher ein Lustmacher auf Orte und Aktivitäten abseits des touristischen Mainstreams.

 

Mehr Stadtabenteuer zum Weiterlesen findet Ihr auch hier auf dem Blog:

→ Weder gehupft noch gesprungen: Baseflying in Berlin

→ Grenzerfahrungen: Unterwegs auf dem Berliner Mauerradweg

→ Fest im Sattel: Critical Mass in Berlin

 

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2 Kommentare

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