Vulkane sind magische Orte und Sehnsuchtsziele. Sie schaffen Mythen und erschaffen surreale Landschaften. Sie zerstören und faszinieren. Vulkane zeigen uns, dass die Erde lebt und bis heute an ihrer Figur arbeitet. Wer einmal in den Schlund eines Vulkans gestarrt oder fließende Lava gesehen hat, weiß, warum wir hier so pathetisch daherschwurbeln.

Über 1500 Vulkane sind weltweit aktiv. Sie zu besteigen oder sie zumindest aus sicherer Entfernung anzustaunen, ist ein großer Hype. Vulkantourismus boomt. Der Tanz auf dem Vulkan ist aber nicht immer ganz ungefährlich. Warnungen von offiziellen Seiten sind deswegen absolut ernst zu nehmen. Fundierte Sicherheitstipps könnt Ihr auch hier nachlesen.

Stöber-Tipp: Viele spannende Infos zu Vulkanen weltweit liefert das Online-Magazin → VULKANE NET.

Once-in-a-lifetime-Erlebnis: Blick auf glühende Lava auf Hawaii

Im Folgenden stellen wir Euch unsere persönlichen Vulkan-Highlights vor und geben hier und da Tipps für deren Besteigung. Darunter sind aktive Vulkane genauso wie erloschene. Nicht alle haben wir bestiegen. Alle aber haben uns in ihren Bann gezogen. Für den Beitrag mussten wir ganz schön tief in der Reiseschublade graben, haben aber auch ein paar wirkliche Schätzchen hervorgeholt. Wundert Euch also nicht über das eine oder andere qualitativ fragwürdige Retrofoto!

 

Inhaltsverzeichnis

 

#1 Ararat: „Schmerzensberg“ an der türkisch-armenischen Grenze

Schafsherde durchquert Fluss vor Vulkan mit Schneehaube
Biblischer Berg: Vulkan Ararat an der türkisch-armenischen Grenze

Der 5137 Meter hohe Ararat ist ein Berg, wie ihn Kinder malen. Majestätisch erhebt sich der Stratovulkan im Osten der Türkei an der Grenze zu Armenien. Es ist eine elegische, extrem karge Ecke. Wie viele Male wir den Ararat aus der Ferne bewundert haben, wissen wir nicht mehr. Bestiegen aber haben wir ihn, Asche über unser Haupt, noch nie.

Die Armenier, die den Ararat ebenfalls Tag für Tag vor Augen haben, nennen ihn „Mutter der Erde“. Für die Kurden ist er der „Berg des Bösen“. Und auf Türkisch heißt er Ağrı Dağı, „Schmerzensberg“. Zuletzt spuckte der Ararat 1840 Lava und Asche. 2000 Menschen starben, ein Dorf wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Am höchsten Berg der Türkei soll laut dem Alten Testament die Arche Noah während der Sintflut gestrandet sein. Und tatsächlich erzählen Hirten seit Urzeiten von einem Schiffsbug, der mit der Gletscherschmelze im Sommer zum Vorschein kommen soll. Das zieht Archesucher auf den Berg.

Aber nicht nur die. In guten Zeiten treibt es pro Jahr rund 5000 ambitionierte Trekker auf den Gipfel des Ararat. In den letzten Jahren war der Berg allerdings immer wieder für längere Zeit wegen Entführungen (!) und PKK-Aktivitäten für Touristen gesperrt.

Straße führt auf schneebedeckten Berg zu

 

Besteigung

Wegen der Grenznähe ist die Besteigung genehmigungspflichtig, außerdem darf man den Ararat nur mit einem Guide besteigen. Das komplizierte Prozedere überlässt man am besten einer seriösen Agentur, zum Beispiel → Sobek Trekking. Für Auf- und Abstieg sind vier Tage einzuplanen. Übernachtet wird im Zelt.

 

#2 Barú in Panama: Ausblick auf zwei Meere

Berg im Morgenglühen
Volcán Barú

3478 Meter ist er hoch, der Volcán Barú nahe Boquete ganz im Westen Panamas. Er ist der höchste Vulkan des Landes, hat sich aber zur Ruhe gesetzt. Zuletzt war er vor etwa 700 Jahren aktiv.

„On a clear day it affords views of both the Pacific and the Caribbean Costs“.

So stand’s in unserem Reiseführer. Ein Berg, von dessen Gipfel man bei gutem Wetter den Pazifik und die Karibische See sehen kann. Das konnten und wollten wir uns nicht entgehen lassen, als wir 2012 in Panama waren.

Wir stiegen in einer sternenklaren Nacht auf. Zum Sonnenaufgang wollten wir oben sein. Doch wir kamen zu spät. Was für eine Enttäuschung: Als wir den Gipfel endlich erreichten, zeigte sich der Himmel überm Pazifik bereits wolkenverhangen. Nur die Karibische See konnten wir noch ausmachen. Wir drücken Euch die Daumen, dass Ihr mehr Glück habt, falls Ihr den Barú ins Visier nehmt!

Besteigung

Viele besteigen den Berg im Rahmen einer geführten Tour, was unserer Meinung nach nicht zwingend nötig ist. Wir haben uns von einem Taxi so weit nach oben bringen lassen, bis der Taxifahrer keinen Bock mehr hatte, und sind dann losmarschiert. Etwa zehn Stunden brauchten wir hoch und runter. Als Souvenir gab’s einen Muskelkater, den die Welt noch nicht gesehen hatte.

 

#3 Capelinhos auf Faial: Der Leuchtturm in der Aschewüste

Leuchtturm am Meer in einer Vulkanlandschaft
Faial: Leuchtturmruine an der Ponta dos Capelinhos

Mit einem Vulkan geben sich die Azoren nicht zufrieden. Da gibt es zig Vulkane und noch mehr Krater. Die Azoreninsel Faial bietet den Wanderweg Trilho dos Dez Vulcões, den Wanderweg der zehn Vulkane. Er ist einer der attraktivsten Trails der Azoren. Wobei er genau genommen nicht an zehn Vulkanen vorbeiführt, sondern vielmehr an zehn Schloten eines Vulkans.

Der Wanderweg beginnt auf der mächtigen Caldeira von Faial, die das Inselinnere dominiert und höchsten Schauwert hat. Von dort führt der Weg hinab in den Westen der Insel. Dorthin, wo der Ausbruch des Vulkans Capelinhos die Bevölkerung Faials 1957/58 ein Jahr lang in Angst und Schrecken versetzte.

 

Unter dem Ascheregen des Capelinhos verschwanden Felder, von manchen Häusern waren nur noch die Giebel zu sehen. Rund 250 Familien verließen daraufhin Faial für immer. Noch heute sieht es an der Ponta dos Capelinhos aus, als wäre eben erst der Mond auf die Erde gefallen. Mittendrin steht die Ruine eines Leuchtturms, der einst den Schiffen den Weg wies. Und unter dem Leuchtturm (!) gibt es heute ein Besucherzentrum, das über den Vulkanausbruch von damals informiert.

Mehr über Faial lest Ihr auch in unserem Beitrag zu den Azoren.

 

# 4 El Hierro: Kleine Insel mit großem Landschaftskino

Frau wandert in Vulkanlandschaft
Karg-schön: Inselinneres von El Hierro

Wahnsinn, wie viel Landschaft auf so eine kleine Insel passt! El Hierro, die jüngste der Kanareninseln, ist gerade mal 278 Quadratkilometer groß und doch unglaublich vielfältig. Immer wieder erinnert die Insel an ihren vulkanischen Ursprung.

Wo die Lava einst ins Meer floss, erstarrte sie zu bizarren Felsformationen, zu Toren, Grotten und Pools, in denen der Atlantik gurgelt und rülpst. Die Hochebene ist von Vulkankegeln durchsetzt. Andernorts kann man weitläufige, raue Lavafelder durchstreifen. Manche davon sehen so aus, als wäre die Lava eben erst erkaltet. Dabei ereignete sich der letzte Ausbruch auf El Hierro im Jahr 1793.

 

Ganz ohne Sorgen lässt es sich auf El Hierro aber dennoch nicht leben. Im Meer vor der Südküste der Insel brodelte es im Jahr 2011 gewaltig. Dort versuchte ein submariner Vulkan aus der schäumenden See emporzusteigen wie einst Aphrodite. Aus dem Wasser schossen 20 Meter hohe, mit Steinen durchsetzte Fontänen. Hunderte von Insulanern mussten evakuiert werden. Für die neue Insel, die sich anbahnte, überlegte man sich schon einen Namen. Doch auf einmal war der Spuk vorbei.

Wir bekamen von all dem gar nichts mit. Wir waren fünf Jahre früher auf der Insel.

 

#5 Hawai’i Vulcanoes National Park: Ein Date mit Pele

Mann neben Pool mit glühender Lava
Vulkan-Highlight: Lava-Spektakel im Vulcanoes National Park auf Big Island

Der Vulcanoes National Park auf Big Island, der größten Insel des hawaiianischen Archipels, ist das Reich der Feuergöttin Pele. Vergöttert wird sie von den dortigen Rangern. Diese haben zig Webcams im Einsatz, um auch ja kein Spielchen der launischen Pele zu verpassen: mal eine Lavaträne, mal ein kleines Beben, mal eine große Eruption, mal brodelt ein Lavasee.

Hier geht’s zu den Webcams. Falls Ihr nur ins Schwarze schaut, liegt’s an der Zeitdifferenz. Diese beträgt zwölf Stunden: 12 Uhr in Deutschland = 0 Uhr auf Hawaii.

 

 

Als ich (Michael) im letzten Jahrtausend ein paar Dates mit Pele hatte, floss gerade Lava ins Meer. Damals arbeitete ich für den Fotografen und Dokumentarfilmer Franz Lazi. Wir drehten hier für die Dokureihe Länder – Menschen – Abenteuer. „Hawaii – Im Reich der Feuergöttin“ war der Titel des Films.

 

Damals war vor allem der Pu’u Ō’ō an der Westflanke aktiv. Zuletzt hingegen brodelte ein Lavasee im Halemaʻumaʻu, das ist ein Schachtkrater inmitten der Caldera des Kīlauea. Der Kilauea-Krater lässt sich spielend mit dem Auto ansteuern, er ist sozusagen ein Drive-in-Vulkan.

 

# 6 La Palma: Eine Caldera, die keine ist

 

Wo Caldera drauf steht, muss nicht Caldera drin sein. Denn die Caldera da Taburiente auf der Kanareninsel La Palma ist durch Erosion entstanden. Für gewöhnlich bezeichnen Calderen aber Einsturzkrater eines Vulkans. Lange hielt man auch die Caldera da Taburiente für so einen Krater. Schließlich ist La Palma eine Vulkaninsel par excellence.

Wer La Palma mit Wanderstiefeln erkundet, bekommt mit dem Parque Natural de Cumbra Vieja ein Highlight. Gleich 120 Vulkankegel reihen sich auf diesem Höhenzug wie Perlen aneinander. Die Gipfel ragen über die Vegetationszonen hinaus. Das gesamte Gebiet ist ein Dorado für Naturtouristen.

Der jüngste Vulkanausbruch auf La Palma ereignete sich 1971 ganz im Süden der Insel. 23 Tage lang spie der Vulkan Teneguía Lava und Asche. Seitdem sieht die Südspitze der Insel bei Fuencaliente ziemlich surreal aus: Lava, Krater und dahinter das azurblaue Meer.

 

# 7 Liparische Inseln: Bei Vulcanus daheim

Auf den Liparischen Inseln ist Vulcanus zu Hause, der Gott des Feuers. Seine Mutter warf ihn wegen einer Missbildung aus dem Himmel, so zumindest heißt es in der römischen Mythologie. Eine Insel trägt seinen Namen: Vulcano.

Am Krater des Vulcano verbreiten Fumarolen den Gestank von Schwefeldioxid. Zu Ende des 19. Jahrhunderts spuckte der Feuerberg das letzte Mal Lava.Auf Vulcano war ich (Michael) vor über 30 Jahren. Damals hatte ich scheinbar noch ein Talent zum Posen, wie Ihr seht. Das Talent ist verflogen, Vulcano ist weitestgehend gleich geblieben:

 

Aktiver ist der Schichtvulkan auf der nahen Insel Stromboli. Die Insel besteht aus nicht viel mehr als dem Vulkan. Zwei Ortschaften gibt es darauf. Immer wieder kommt es zu größeren Ausbrüchen. Als ich im letzten Jahrtausend dort war, machte es etwa alle 20 bis 30 Minuten „Wumms“. Dann stieg eine Rauchwolke auf und Steine flogen durch die Luft. Damals konnte man einfach hoch zum Kraterrand kraxeln und dem Schauspiel beiwohnen.

Besteigung des Stromboli

Unfälle führten dazu, dass die Besteigung irgendwann nur noch in Begleitung eines Bergführers erlaubt war. Und seit einem größeren Ausbruch im Juli 2019 darf man gar nicht mehr zum Kraterrand, der auf etwa 900 Höhenmetern liegt. Falls das Verbot aufgehoben wird, solltet Ihr sechs bis acht Stunden für die Tour (hoch/runter) einplanen. Man startet schließlich auf Meereshöhe.

 

# 8 Nicaragua zum Ersten: Masaya, am Wohnort des Teufels

Wer auf einen brodelnden Lavasee sehen will, ohne auch nur ein Fingerchen dafür krumm machen zu müssen, dem sei der Masaya im Süden Nicaraguas empfohlen. Der Parque Nacional Volcán Masaya liegt quasi in Blickweite zur Hauptstadt Managua und ist von dort easy zu erreichen.

Der Masaya ist kein Solitär, sondern ein komplexes System aus zwei Calderen mit mehreren Kratern. Der Promi darunter ist der Santiago, in dem es raucht und brodelt – insbesondere seit 2016. Als wir 2012 da waren, dampfte es „nur“ wie aus einem riesigen Kartoffeltopf, was an sich schon spektakulär war. Wer jetzt hinfährt, sieht besagten Lavapool.

Die spanischen Eroberer vermuteten im Santiago den Wohnort des Teufels. Und in der Tat riecht es vor Ort ein wenig so, als hätte Luzifer gerade einen fahren lassen. Doch wie meinte schon Mark Twain:

„Der Geruch von Schwefel ist für einen Sünder nicht unangenehm.“

 

#9 Nicaragua zum Zweiten: Ometepe, Vulkaninsel im See

Auf einem Schiff, voraus ein Vulkan
Ometepe: Mit dem Schiff zu den Vulkanen

Der Nicaraguasee, der größte Binnensee Mittelamerikas, ist an sich schon ein Superlativ. Getoppt wird das Ganze aber noch von der Insel Ometepe mit ihren beiden augenfälligen Vulkanen inmitten des Sees.

Der größere der beiden Feuerberge ist 1610 Meter hoch und trägt den schönen Namen Concepción. Er ist das perfekt geformte Supermodel unter den Vulkanen Nicaraguas. Und Temperament hat er dazu: Der aktive Vulkan spuckt hin und wieder Asche, zuletzt 2010.

Der kleinere Vulkan Maderas (1394 Meter) hingegen verhält sich mittlerweile sehr ruhig. Wer ihn besteigt, erblickt auf seinem Gipfel eine malerische Kraterlagune.

Weil Michael ein wenig kränkelte, konnten wir die beiden Vulkane während unseres Aufenthalts auf Ometepe nur von unten bewundern. Doch das machte nichts, denn auch aus der Hängematte-Perspektive war der Ometepe die Wucht!

Besteigungen

Für beide Vulkane benötigt Ihr unbedingt einen lokalen Guide, den die Unterkünfte vor Ort vermitteln. Vor allem die Besteigung des Concepción ist nichts für Weicheier: Retour dauert der schwierige Trip rund zehn Stunden, es sind extrem steile Passagen zu bewältigen. Für den Vulkan Maderas sollte man hoch/runter acht Stunden einkalkulieren.

 

# 10 Nicaragua zum Dritten: Sonnenaufgang am Telica

Rauchender Vulkan im Morgenlicht
Der Mond sagt Tschüß zum qualmenden Telica

Ist Nicaragua schon ein Dorado für Vulkan-Aficionados, so ist es die Gegend um Léon erst recht. Sage und schreibe 21 Vulkane gibt es rund um die adrette Kolonialstadt, davon fünf aktive. Wer auf Vulkane steht, könnte somit einen ganzen Urlaub nur hier verbringen – und zwar ohne ein Fünkchen Langeweile.

Wir haben uns für den Telica entschieden. Und wurden nicht enttäuscht. Der 1061 Meter hohe Vulkan gehört zu den aktivsten des Landes. 2011 brach er zuletzt aus. 2012 tanzten die Hierdadorts an.

Im Kraterschlund des Telica glüht rote Lava. Die sieht jedoch nur der, der genug Arsch in der Hose hat und sich ganz nah an den Kraterrand herantraut (robbend, nicht aufrecht!). Die Touren zum Vulkan finden in der Regel nachts statt, wenn der rote Lavasee am besten zu sehen ist. Die Krönung des Trips: ein spektakulärer Sonnenaufgang am Krater.

Besteigung

Mehrere Anbieter in Léon. Die Trekkingtouren zum Krater (reiner Aufstieg ca. vier Stunden) starten gegen 22 Uhr. Gegen 10 Uhr morgens ist man zurück in Léon, müde und verdreckt, aber sehr sehr glücklich. Denkt an warme Klamotten!

 

#11 Ol Doinyo Lengai: Gottesberg der Massai

Jeeps vor einem mächtigen Vulkan in Afrika
Highlight unter den afrikanischen Vulkanen: Ol Doinyo Lengai

Die ersten europäischen Reisenden, die den Ol Doinyo Lengai sahen, glaubten, dass der Gipfel des Berges schneebedeckt sei. Der Schnee aber ist erkaltete Lava. Nach dem Austreten rinnt die Lava wie eine schwarze Träne die Hänge des Ol Doinyo Lengai hinab. Dann aber verfärbt sie sich an der feuchten Luft weiß.

Den Ol Doinyo Lengai bestieg ich (Michael) in den 1990er-Jahren im Rahmen eines Drehs für den Dokumentarfilm Ein Leben mit den Feuerbergen. Im Mittelpunkt stand Wolfgang Müller. Ein Mann mit Magma in den Adern. Ein Mann, der sich Vulkane gab wie andere Heroin.

 

 

Der Ol Doinyo Lengai ist der heilige Berg der Massai. Er gilt als Thron des Gottes Engai, der die Savannen schuf, die Rinder und die Menschen. So die Schöpfungsgeschichte der Massai. Wenn der Regen ausbleibt oder die Herden der Massai von Krankheiten heimgesucht werden, opfert man Ziegen am Krater.

Aus geologischer Sicht ist der annähernd 3000 Meter hohe Ol Doinyo Lengai Teil des Gregory Rift Valleys, das zu dem mehr als 5000 Kilometer langen afrikanischen Grabensystem gehört. Die weißen Türme in der weiten Kraterebene nennt man Hornitos. Aus ihnen spuckt der Vulkan seine Lava. Ich hatte das Glück, nach der Besteigung nochmals darüber fliegen zu dürfen. Aussichten sind das, bei denen man schon einmal tief Luft holen muss:

 

Vulkan von oben
Flug über den Vulkan

Besteigung

Der Ol Doinyo Lengai erhebt sich in Tansania nahe dem Lake Natron, der wegen seiner Abertausenden von Flamingos bekannt ist. Wir brauchten mit dem Jeep zwei Tage für die Fahrt von Arusha bis zum Ol Doinyo Lengai. Um den Berg zu besteigen, gilt es 2000 Höhenmeter zu bewältigen bei einem Gefälle, das so hochprozentig ist wie der Underberg. Ein harter Trip. Stefan vom Blog Burning Feet beschreibt die Besteigung hier im Detail.

 

# 12 Pico: Vulkanberg mitten im Atlantik

Der 2351 Meter hohe Pico Alto, kurz Pico, ist der höchste Berg Portugals und die Kirsche auf dem Kuchen der ohnehin schon berauschend schönen Azoreninsel gleichen Namens. Er nimmt den gesamten Westen der Insel ein. Sein Gipfel, im Winter von einer weißen Haube überzogen, küsst gerne die Wolken. Hunderte weitere Vulkankegel spicken das Hochland von Pico.

Kühe vor dem Pico (Azoren)
Kuhparty vor dem mächtigen Pico

Zu Füßen des mächtigen Berges erstrecken sich weite Weinanbaugebiete. Und aus dem Meer davor grüßen die Wale. Pico ist ein derart schönes Eiland, so dass uns jedes Mal das Herz aufgeht, wenn wir nur daran denken. Der letzte Ausbruch des Pico wurde übrigens 1963 registriert, es war eine Flankeneruption unter Wasser. Was viele vergessen: Der Pico ist viel größer, als er daherkommt: Allein vom Meeresgrund steigt er schon ein paar Tausend Meter an, bevor er Tageslicht sieht.

 

 

Den Vulkan bei gutem Wetter zu erklimmen, ist eines der beeindruckendsten Azorenerlebnisse überhaupt. Der Blick vom Gipfel über die Inseln des Zentralarchipels ist so großartig, dass man vor Ergriffenheit fast weinen könnte. Vor allem dann, wenn man sich von hier den Sonnenaufgang anschaut. Am Krater unterhalb des Gipfels kann man übernachten.

Besteigung

Für Auf- und Abstieg des Pico sollte man fünf bis acht Stunden einplanen. 1150 Höhenmeter sind zu bewältigen. Für den Aufstieg bedarf es einer kostenpflichtigen Genehmigung, die man beim Einstieg in den Weg in der Casa de Montanha erhält. Insgesamt ein Abenteuer von überschaubarem Risiko.

Mehr über Pico gibt es auch in unserem Beitrag zu den Azoren hier.

 

# 13 Piton de la Fournaise: Superspreader auf La Réunion

Rauer Vulkanberg, davor Vegetation
Einer der aktivsten Vulkane der Welt: Piton de la Fournaise

Als wir 2007 Mauritius und La Réunion bereisten, machten wir einen Megafehler: Für Mauritius veranschlagten wir drei Wochen, für La Réunion nur eine einzige Woche. Würden wir heute genau andersrum machen. Noch immer trauern wir all den Wanderungen nach, die wir auf La Réunion nicht unternehmen konnten.

Die Besteigung des Piton de la Fournaise aber haben wir geschafft. Der 2632 Meter hohe Vulkan gehört zu den aktivsten Vulkanen der Welt. Er rumpelt und gärt vor sich hin, mehrere Ausbrüche im Jahr sind keine Seltenheit.

Doch keine Sorge: Der Berg wird bestens überwacht. Stehen Eruptionen an, werden die Wanderwege frühzeitig gesperrt. „Volcan la pété“, heißt es dann, „Der Berg furzt“. Ein Kommando, das Schaulustige von überall her aufruft, dem Spektakel beizuwohnen. In sicherem Abstand versteht sich.

Auch in den eruptionsfreien Phasen ist man am Piton nur gemeinsam einsam, doch das macht nichts. Die Menge verteilt sich ganz gut in der spektakulären Mondlandschaft, wie Ihr auf unseren Fotos seht.

Besteigung

25 Kilometer sind es vom Örtchen Bourg-Murat bis zum Einstieg in den „Sentier du Volcan“. Um dahin zu gelangen, ist ein Mietwagen nötig. Es lohnt sich, mitten in der Nacht zu starten – denn später verdichten sich meist die Wolken am Berg und man sieht nüscht mehr. Die fünfstündige Wanderung (hin/zurück, 14 Kilometer) führt zunächst über einen Treppenweg hinunter auf eine weite Ebene mit Stricklava und dann hoch zum Hauptkrater. Achtung, es kann ganz schön blasen!

Frau wandert durch einsames Stricklavafeld
Spektakulär: Stricklava-Ebene auf dem Weg zum Gipfel

# 14 Virunga-Vulkane in Ruanda: Im Reich der Berggorillas

Die Virunga-Vulkankette besteht aus acht Vorzeigevulkanen, 3500 bis 4500 Meter hoch. Fünf davon befinden sich in Ruanda, drei in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo. Aktiv ist nur noch der Nyiragongo im Kongo (siehe dazu auch unsere unten stehende Vulkan-Bucket-List). Im Krater des Stratovulkans brodelt der größte Lavasee der Welt.

Die ruandischen Virunga-Vulkane sind Teil des Volcanoes National Park. Dort wohnen auch einige Familien der rund 1000 bedrohten Berggorillas, die in der Grenzregion Ruanda – Uganda – Kongo beheimatet sind. Als wir 2016 von Uganda nach Ruanda einreisten, lag unser Besuch bei den → Berggorillas bereits hinter uns.

In Ruanda wollten wir vornehmlich wandern und Szenerien genießen. Was hatten wir uns gefreut! Als „eine der schönsten Landschaften unseres Planeten“ wird die von Vulkanen durchsetzte Gegend im Nordwesten Ruandas zuweilen bezeichnet. Ist sie bestimmt auch. Wenn sie sich denn zeigt.

Oft aber versteckt sich die Wahnsinnsszenerie im Nebel. Nicht umsonst heißt der berührende Film über die Zoologin Dian Fossey ja auch „Gorillas im Nebel“. Während unseres Aufenthalts trugen die Vulkanberge fast unentwegt dicke graue Wollmützen. Mal tauchte ein Gipfel für wenige Minuten auf, dann war er auch schon wieder verschwunden.

 

 

Trotzdem ließen wir nicht von unserem Plan ab, einen der fünf Vulkanberge des Nationalparks zu besteigen. Wir entschieden uns für den 3711 Meter hohen Mount Bisoke. Gaben ein Heidengeld dafür aus, uns nach oben zu quälen. Um dann nass geschwitzt und frierend durch düstere Nebenschwaden hindurch ein Fitzelchen des Kratersee zu erblicken. Sonstige Aussichten? Nada. Bessere Chancen auf tolle Panoramablicke hat man angeblich zur Regenzeit, wenn der Regen die Luft immer wieder reinwäscht.

Besteigung des Mount Bisoke

Touristisches Zentrum der Region ist Musanze, von wo man die Besteigungen der Vulkane organisieren kann. Für den sechsstündigen Ausflug auf den Mount Bisoke zahlten wir rund 200 US-Dollar. Inbegriffen waren die Taxifahrt zum Ausgangspunkt, der Guide und bewaffnete Soldaten, die nicht nur vor aggressiven Zwergelefanten schützen, sondern auch vor aggressiven Rebellen aus dem Kongo…

 

Nach dem Vulkan ist vor dem Vulkan: Unsere Vulkan-Bucket-List

  • Nyiragongo im Kongo: Der Blick in den glühenden Krater muss der Wahnsinn sein.
  • Hawaii: Die Inseln sind einfach toll. Michael war schon mehrmals da, Gabi noch nie. Irgendwann wollen wir uns die Inseln einmal zusammen ansehen.
  • Pico do Fogo: Der aktive Vulkan auf der gleichnamigen Insel ist mit fast 3000 Metern der höchste Berg der Kapverden.
  • Guatemala: Wenn der Fuego nahe Guatemala-Stadt sein Feuerwerk zündet, kann man das Erlebnis vom Nachbarvulkan Acatenango verfolgen.
  • Ambrym: Auch auf dieser Insel, die zu Vanuatu gehört, gibt es einen aktiven Vulkan mit einem Lavasee. Und nach Vanuatu wollen wir ohnehin…
  • Kamtschatka: Die sibirische Halbinsel zählt 160 Vulkane, davon 28 aktive. Ist das nicht unglaublich? Katrin vom Blog Viel unterwegs hat uns ordentlich den Mund wässrig gemacht, die Fotos in ihrem Blogbeitrag hauen einen um. Schaut mal hier rein.
  • Ecuador und Chile: Auch Ecuador und Chile stecken voller spektakulärer Vulkane und Vulkanlandschaften.
  • Lanzarote: Warum wir noch nie auf Lanzarote waren? Wir wissen es nicht. Den Nationalpark Timanfaya haben wir aber schon länger auf dem Schirm.
  • Fuji: Eine Fuji-Besteigung wäre schon der Wahnsinn. Und Japan überhaupt.
  • Indonesien: Vulkanausbrüche gibt es in Indonesien immer wieder. Wenn’s der Agung auf Bali ist, hört man auch bei uns davon. Viele indonesische Vulkane sehen nicht nur spektakulär aus, sondern sind auch gefürchtet. Der Merapi auf Java zum Beispiel. Oder der Sinabung und der Sibayak auf Sumatra. Im Toba, ebenfalls auf Sumatra, kann man sogar baden. Der See mit Insel ist nichts anderes als der über 80 Kilometer lange, mit Wasser gefüllte Krater eines riesigen Vulkans. Verschiedenfarbige Seen hat der Kelimutu auf der Insel Flores. Am Mount Bromo (Java) war Michael schon. Aber seine alten S/W-Fotos wollte er nicht mehr ausgraben…

 

Jetzt sind wir gespannt: Was sind Eure Vulkan-Favoriten? Welche habt Ihr schon bestiegen, wo wollt Ihr unbedingt mal hin? Erzählt von Eurer Vulkanliebe in den Kommentaren. Und wenn Euch der Artikel gefallen hat, so freuen wir uns wie immer über Eure Pins.

 

14 Kommentare

  1. Hallo ihr Zwei,

    ein super interessanter Beitrag mit wunderschönen Fotos!
    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir gar nicht bewusst war, dass der Ararat ein Vulkan ist. Immer schön, wenn ich abends zum Feierabend noch was Neues lerne… 😉
    Besonders gut gefällt mir an eurem Beitrag, dass er die Vielfältigkeit von vulkanischen Landschaften so klar zum Ausdruck bringt.
    Afrika, Asien, Südamerika, grün, karg, mit Schnee oder mit Lava…. Da gehören die Retrobilder (vor allem vom Ol Doinyo Lengai) einfach dazu!
    Obwohl wir bisher schon ein paar Vulkane gesehen haben (Tongariro, Rinjani, Vesuv und Arenal), hatten wir bisher nie das Glück, frische Lava zu sehen. Das muss wirklich ein einmaliges Erlebnis sein!

    Liebe Grüße,
    Nadine

    • Liebe Nadine, herzlichen Dank für das nette Feedback. Ihr habt vielleicht noch keine frische Lava gesehen, dafür bestimmt auch ein paar tolle Vulkane, die wir eben erst mal googlen mussten. Unsere schöne Welt gibt sooo viel her, echt Wahnsinn. Hoffentlich dürfen wir bald wieder los und sie erkunden. In diesem Sinne: Haltet durch und bleibt gesund, viele Grüße, Gabi und Michael

  2. Was für eine Zusammenstellung! Ich schaue mir zwar im Fernsehen durchaus gern Dokus über Vulkane an, aber „in echt“ habe ich bisher nur den Vesuv besucht. Ach ja, und den Teide – Teneriffa ist ja auch vulkanischen Ursprungs. Der Ausflug zum Vesuv ist aber nachhaltiger in Erinnerung geblieben – der Weg war ziemlich beschwerlich, nachdem wir zuvor den halben Tag durch Pompeji gelaufen sind und meine Füße eh‘ schon schmerzten. Aber irgendwie gehörte der Abstecher zum Vesuv dazu, hat uns doch Pompeji so stark beeindruckt.

    • Liebe Cornelia, oh, der Vesuv war ja auch noch. Ich (Gabi) würde ihn auch gerne mal sehen bzw. besteigen. Michael war schon da, aber wir haben leider keine Fotos mehr gefunden… Den Teide haben wir bisher nur von Gomera aus bewundert. Der ist hoffentlich auch irgendwann mal dran. Dankeschön fürs Feedback.

    • Oho, danke dir für die Info, Selim. Schon durchgestrichen. Deinen Artikel schauen wir uns gleich mal an. Viele Grüße!

  3. Hallo,
    sehr schöne Zusammenstellung von Vulkanen. Ich liebe es auf den Reisen auch Vulkane zu sehen. Mich hat vor allem der Bromo in Indonesien beeindruckt. Dazu war auch der Fuji ein Erlebnis und die Vulkane bei Arequipa in Peru.
    Liebe Grüße
    Thomas

    • Hallo Thomas, da hast du ja auch schon einige tolle Feuerberge gesehen. Der Fuji, der wäre schon wirklich mal was. Danke für dein Feedback und viele Grüße!

  4. Aaaaah so eine coole Liste, die muss ich gleich mal abspeichern. Ich habe einen absoluten Vulkanfaible, hatte das als Kind schon. Meine Vulkanhighlights bisher waren auf jeden Fall der Bromo, die Lava in Hawaii und grade eben der Vulkanausbruch in Island.
    Lg Sabrina

    • Liebe Sabrina, da geht’s dir wie uns. Aber was du da gerade in Island erlebt hast, ist natürlich kaum zu toppen. Deinen Artikel haben wir uns natürlich auch gleich abgespeichert! Lg zurück von Gabi und Michael

  5. Wie toll, da können wir uns ergänzen! Ich bin auch Vulkanfan, kenne aber die Feuerberge auf der anderen Seite der Erde: Indonesien vor allem und Neuseeland. Habe auch den ein oder anderen schon bestiegen. Das tollste Erlebnis: der Rinjani auf Lombok. Bei der ersten Besteigung vor über zwanzig Jahren übernachteten außer mir drei Menschen oben. 2017 war es eine Völkerwanderung! Liebe Grüße, Elke

    • Wow, das hört sich auch spannend an. Wieder ein neues Ziel für unsere eh schon endlose Liste. Liebe Grüße zurück!

  6. Wow, ich habe mir gerade eure Vulkan-Sammlung durchgelesen und erstarre dabei vor Hochachtung. Einerseits vor den extrem schönen Erlebnissen die ihr dort hattet und andererseits vor den Strapazen, die ihr dafür auf euch genommen habt. Ich habe bisher noch nie einen Vulkan gesehen, zweifle auch daran – dass ich es konditionstechnisch da hoch schaffen würde! Eine wirklich gelungene Sammlung. Toll, dass ihr eure Leidenschaft so auslebt! LG Melanie

    • Liebe Melanie, danke dir ganz herzlich. So einen Berg schafft man, auch wenn man sonst nicht die allerbeste Kondition hat. Ist vielleicht so, wie man sich das Kinderkriegen vorstellt: viele Schmerzen, aber danach soviel Glück, dass man die Schmerzen vergisst. Hach, wie gerne würden wir diese Leidenschaft mal wieder ausleben… Viele Grüße!

Gib süßen oder scharfen Senf dazu (E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt)

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