„Eine Stadt (…), geformt von Wind und Tragödien, aber immer wieder dazu fähig, stolz aufzustehen.“

(Stefano Boeri, Architekt)

Die letzte Tragödie suchte „La Superba“, „die Stolze“, am 14. August 2018 heim. An jenem Tag stürzte eine Autobahnbrücke ein, die im Westen Genuas über das Polceveratal führte. Mehrere Fahrzeuge wurden mit in die Tiefe gerissen.

Für den Brückenneubau zeichnete Stararchitekt Renzo Piano verantwortlich. Er ist einer der berühmtesten Söhne der Stadt, von Christoph Kolumbus einmal abgesehen. Auf Pianos neuer Autobahnbrücke leuchten 43 Straßenlaternen. Genauso viele Menschen starben bei dem schrecklichen Unglück.

Genua hat 575.000 Einwohner und viel, viel Geschichte auf dem Buckel. Genua ist betörend und charismatisch, ohne eine Kalenderblattschönheit zu sein. Sinnlich und voller erhabener Patina, aber doch auch raubeinig. 

Wäre die Stadt ein Kneipengänger und würde in der Bar neben einem sitzen, hätte sie ganz schön was zu erzählen. Von Glanz und Gloria. Von Aufstieg und Abstieg zum Schmuddelkind Norditaliens. Bis heute ist Genua alles andere als perfekt. Das macht die Stadt aber auch erfrischend authentisch. Ein Städtetrip ganz nach unserem Gusto also, siehe dazu auch → Marseille.

 

Inhaltsverzeichnis

 

DAS HERZ DER STADT: PORTO ANTICO, DER ALTE HAFEN

Doch wo anfangen und wo aufhören? Am besten an dem Ort, der die Stadt reich machte: dem Hafen. Im 16. Jahrhundert galt Genua als wohlhabendste Stadt Europas. Als potente Handels- und Seemacht, deren Schiffe das Mittelmeer beherrschten.

Der historische Hafen gibt der Stadt die Luft zum Atmen. Hier öffnet sich die verwinkelt-verwirrende Altstadt zum Meer hin. Und hier haben die Bewohner der zwischen Meer und Hänge gequetschten Stadt ein wenig Auslauf. Kinder spielen Fußball. Jogger versprühen Aerosole unter den sich im Wind wiegenden Palmen.

Es ist viel los an der Piazza Caricamento. Die heutige Gestalt des ehemaligen Verladekais geht ebenfalls auf Renzo Piano zurück. Eyecatcher: eine Art überdimensionale Wäschespinne, deren Zweck nicht so ganz einleuchten mag. Zwei Arme der Spinne halten ein Zeltdach, unter dem sich stets allerhand Kulturelles abspielt. An einem anderen Arm hängt der so genannte Bigo, eine gläserne Kabine, von der aus man von 40 Metern Höhe über Stadt und Hafen blicken kann.

Streetart, dahinter frskengeschmückter Palast
Palmen, Renzos Wäschespinne, Streetart und Renaissancepalast: Durcheinander am historischen Hafen. Direkt über dem Hafen verläuft zudem eine viel befahrene Hochstraße

In der Nachbarschaft kann man dem → Acquario einen Besuch abstatten, einem der größten Meeresaquarien Europas. In den riesigen Becken sieht man Haie, Wasserschildkröten und Robben ihre Runden ziehen. Insgesamt sollen sich hier rund 12.000 Tiere 600 verschiedener Arten tummeln. Das Acquario stammt ebenfalls von Renzo Piano, genau wie die Biosphäre, die große, auf dem Wasser schwimmende Glaskuppel nebenan. Dort kann man sich in den Regenwald beamen.

Ganz nebenbei: Mitte des 19. Jahrhunderts wurde von Genua (franz. Gênes) aus ein robuster blauer Baumwollstoff mit der französischen Bezeichnung „Bleu de Gênes“ nach Amerika exportiert. Mit der englischen Adaption des Begriffes wurde daraus die Blue Jeans.

Nicht nur die eingestürzte Autobahnbrücke steht für eine Tragödie in der Geschichte Genuas. Auch der Hafen. 1991 explodierte vor Genua der Öltanker Haven. 30.000 bis 40.000 Tonnen Öl gelangten ins Meer. Eine Katastrophe, bei der die hiesige Küste bis Frankreich verschmutzt wurde. Es war Rohöl, das zu jener Zeit noch über eine Pipeline (heute stillgelegt) von Genua bis Ingolstadt gepumpt hätte werden können.

CENTRO STORICO: MAGISCHES ENSEMBLE MIT LOTTERCHARME

Doch nun hinein in die wunderschöne Altstadt! Mit Sicherheit werdet Ihr Euch verlaufen, doch Verlaufen macht hier Spaß! In den oft nur schulterbreiten Gassen, in die teils nur selten ein Lichtstrahl fällt, riecht es nach frisch gewaschener Wäsche, Fischsuppe und Hundepipi.

Manche dieser Gassen mit ihren hoch aufragenden Palästen, Brunnen, Skulpturen und Skulptürchen sind überaus bunt und lebendig. Spaziert unbedingt einmal die Via di Fossatello ab! Dort gibt es Plattenshop neben Batikklamotten- und Räucherstäbchenladen, dazwischen aber auch die traditionsreiche → Pasticceria Cavo, wo man sich feine süße Teilchen holen kann. Ein Schmuckstück!

Altstadthäuser von unten
Wenig Licht, viel Charme: Genuas Altstadt

Andere Ecken präsentieren sich eher düster, sinister. Vor kleinen Tante-Emma-Läden trinken Männergrüppchen Bier. Regenwurmgassen enden im Sack oder in dunklen, feuchten Höfen.

Vieles steht leer, insbesondere die lichtlosen Wohnungen der unteren Etagen. Die Wohnungen ganz oben sind wiederum begehrt. Zwischen 1970 und heute verlor Genua rund 230.000 Einwohner. Vor allem die vor sich hinbröselnde Altstadt litt unter Abwanderung, war in den 1990er-Jahren schon teils ausgestorben. Wer es sich leisten konnte, war weggezogen, in die lichten Vororte. Der Wandel setzte 2004 ein, als Genua europäische Kulturhauptstadt wurde. Seitdem kommen Touristen. Und die junge Szene entdeckte die Altstadt für sich. Zudem leben hier viele Migranten aus Ecuador, Albanien und Rumänien, dazu Flüchtlinge aus Afrika.

Hin und wieder öffnen sich die Gassen zu kleinen Plätzen. Die Betonung liegt auf „klein“, manche davon passen gefühlt in ein Wohnzimmer. Die Piazza della Lepre ist eine davon. In der Bar La Lepre versammelt sich allabendlich ein fröhliches Völkchen zum feuchtfröhlichen Apero: Bier, leckere Häppchen und Breakbeat von Prodigy. Wir lieben sie, die Aperokultur!

An der Piazza San Luca hingegen fühlt sich Genua fast orientalisch an. Muslimas in bunten Kopftüchern huschen vorüber. Manche Männer tragen Kaftan und Rauschebart. Vor den Läden stapeln sich die Waren. Auch ein wenig Touristentand ist dabei.

Und mittendrin in diesem farbenfrohen Kosmos: Hochkultur! Im spätmittelalterlichen → Palazzo Spinola beispielsweise begegnet man den Meisterwerken genuesischer Malerei in altehrwürdigen Räumlichkeiten. Und in der Kirche Chiesa San Siro an der gleichnamigen Straße fährt das Auge Karussell. Sie ist ausgeschmückt wie ein Palast, teils mit riesigen Statuen.

WEITER GEN NORDEN: MUSEO DEL MARE UND VIA BALBI

Ganz im Norden des historischen Hafens, wo einst die genuesischen Galeeren gebaut wurden, steht heute das → Galata Museu del Mare. In dem riesigen Museum geht es ums Meer und die Seefahrt.

„Genuas Meeresmuseum ist an sich schon ein Grund, die Stadt zu besuchen.“

So steht’s in unserem Reiseführer. Uns bleibt ein Besuch coronabedingt leider versagt. Immerhin können wir die Open-Air-Ausstellung mit spannenden historischen Fotografien vor dem Museum besichtigen.

Hafen mit unten Booten und Hochstraße
Am Hafen beim Meeresmuseum

Danach lassen wir uns zurück ins Gewirr der Altstadtgässchen spülen. Und landen direkt im afrikanischen Viertel. In kleinen Läden werden kunterbunte Stoffe verkauft, in Garküchen gibt es Reis mit Gemüse und Erdnusssauce. Auch dieses Eck Genuas erinnert uns sehr an → Marseille.

Ganz anders hingegen die Welt nur eine Parallelstraße weiter landeinwärts. Dort verläuft die Via Balbi, wo die Stadt ein breites Barocklächeln zur Schau trägt. Pompös-Architektur rechts, Pompös-Architektur links. Die Via Balbi ist das steingewordene Selbstbewusstsein des genuesischen Balbi-Clans, der sich hier im 17. Jahrhundert gemeinsam mit dem Jesuitenorden ein feines Wohnviertel etwas abseits der mittelalterlichen Altstadt errichten ließ. Im ehemaligen Jesuitenkolleg und in einigen Palästen sitzt heute die Genueser Universität – reinspitzen ist nicht verboten.

Zudem befindet sich an der Straße eine der imposantesten Kirchen, die wir je gesehen haben: die Basilica della Santissima Annunziata del Vastato. Fresken, Gold, zig verschiedene Marmorarten auf Säulen und Böden, Stuck. Schade, dass hier keine Liegen herumstehen, auf die man sich legen könnte, um einfach nur das Gewölbe zu betrachten. Stundenlang.

Prächtige Kirche mit Säulen und Gold
Nahezu unglaublich prächtig: Basilica della Santissima Annunziata del Vastato

 

BAROCK UND BOUTIQUE: VIA GARIBALDI UND MADDALENA

Weiter zur nächsten Prachtstraße! Die Via Garibaldi entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als erste vornehme Wohnmeile der Adeligen, also noch vor der Via Balbi. Die insgesamt 14 Palazzi entlang der autofreien Straße gehören seit 2006 zum UNESCO-Welterbe.

Ihre Opulenz erschlägt einen fast: Durchgänge, Loggien, Innenhöfe, Gärten mit plätschernden Brunnen… In so einigen der Paläste sind heute Banken untergebracht. Andere beherbergen spektakuläre Gemäldesammlungen mit den Big Names der Malerszene des 16. und 17. Jahrhunderts. In der Galleria di Palazzo Bianco begegnet man Caravaggio und Paolo Veronese. In der → Galleria di Palazzo Rosso wiederum hängt ein Dürer. Ganz ohne Eintritt darf man Teile des Palazzo Doria-Tursi besichtigen. Dort ist heute das Rathaus untergebracht.

Prächtiger Innenhof eines Palasts
Prachtstraße Via Garibaldi: Das Rathaus im Palazzo Doria-Tursi kann jeder besichtigen

Südlich der Via Garibaldi erstreckt sich das schöne Altstadtviertel Maddalena. Dort kann man durch hübsche Hipster-Boutiquen ziehen. Der Renner im Frühjahr 2020: Badehosen mit Octopus- und Quallenmotiven.

VON DER ALTSTADT IN DIE NEUSTADT: PIAZZA MATTEO UND PIAZZA DI FERRARI

Wer von Maddalena Gasse für Gasse Richtung Süden schlendert, landet mit etwas Glück an der Piazza San Matteo. Ein Geviert von etwa 20 mal 20 Metern mit Renaissanceoptik pur! Der kleine Platz samt Kirche steht ganz im Zeichen der schwerreichen Patrizierfamilie Doria. Bekanntester Name: Andrea Doria (1466–1560).

Andrea Doria war nicht nur ein weitgereister Admiral, sondern auch ein schillernder Staatsmann. Sein unglaubliches schönes Wohnhaus mit schwarz-weißer Streifenfassade und filigranen Portalverzierungen kann man bis heute am Platz bewundern (Hausnummer 17). Nach Andrea Doria wurde Mitte des 20. Jahrhunderts ein Luxusliner benannt – Heimathafen Genua. Nur fünf Jahre war das Schiff im Einsatz. Auf dem Weg nach New York kollidierte es vor der Küste von Nantucket mit einem anderen Schiff und sank. Die meisten Passagiere konnten zum Glück gerettet werden.

Weit und luftig ist die Piazza De Ferrari nur ein paar Schritte weiter, der Dreh- und Angelpunkt des modernen Genuas. Hier sprudelt ein Brunnen. Und hier stehen Kunstakademie und Theater. Mit einer leckeren Focaccia aus einer der Bäckereien nahebei kann man hier ein wenig People Watching betreiben.

Von der Piazza gehen alle wichtigen Geschäftsstraßen der Stadt ab. Besonders gut gefällt uns die Via XX Settembre mit ihren historisierenden Fassaden, ihren tollen Arkadengängen, ihren traditionsreichen Geschäften und dem typischen Trubel einer italienischen Großstadt.

Arkaden in einer schönen Stadt
Arkadenzauber: Via XX Settembre

Wer ihr stadtauswärts folgt, passiert den Mercato Orientale. Von dieser Markthalle sind wir schwer angetan. In den metallenen Auslagen des Fischstands glitzern silberne Doraden und zeigen Seeteufel ihre glitschigen Fratzen. An einem Gemüsestand kaufen wir lange dünne Auberginen und riesige Ochsenherztomaten. Die Petersilie für die sagenhafte Bruschetta später gibt’s für umme dazu.

„Buona vacanza!“,

ruft uns die Gemüsehändlerin nach. Das breite Lachen hinter ihrer Maske können wir nur erahnen. Schließlich ist Corona-Zeit. Als eine der ersten ausländischen Touristen im Land werden wir überall herzlich willkommen geheißen. Auch am Weinstand, wo wir piemontesischen Nebbiolo vom Fass kaufen und zu mehreren Becherchen Spumante eingeladen werden.

ÜBER DIE VIA SAN LORENZO ZUM DOM

Doch wo waren wir eigentlich stehen geblieben? Genau, an der Piazza De Ferrari! Ums Eck steht der prächtige Palazzo Ducale, in dem oft spannende Ausstellungen gezeigt werden. Genau dort beginnt die Via San Lorenzo, die direkt zum Dom führt bzw. zur Cattedrale di San Lorenzo.

Wieder so eine Kirche, die man mit offenen Mündern anstaunt und voller Erfurcht betritt. Sie ist das größte Gotteshaus der Stadt. Ihre gotische, schwarz-weiße Ringelfassade besitzt sie seit Anfang des 14. Jahrhunderts. Im Inneren setzen sich die schwarz-weißen Streifen fort. Dazu gibt’s eine wunderbare Rosette zu bewundern und außerdem die Kapelle des Heiligen Giovanni Baptista. Wer einen Euro einwirft, sieht die Seitenkapelle auch beleuchtet.

 

CASTELLO-VIERTEL: DIE WIEGE DER STADT

Eine erste befestigte Siedlung auf dem Boden Genuas gab es ganz im Süden der jetzigen Altstadt. Dort erstreckt sich heute das überaus atmosphärische Gassengeäder der Castello-Viertels.

Ganz klasse: die Via Canneto íl Lungo. Hier trifft man auf ein schönes und vor allem sehr natürliches Durcheinander: Schuster und Änderungsschneider neben Boutique, Tierfutter- und Spielwarenladen neben Bar, Minimarkt, Metzger und diverse Holes in the Wall mit verschiedensten Sortimenten.

Wir spazieren umher. Bekommen von einem kauzigen Opi nach eingehender Fiebermessung eine detailverliebte Führung durch die tolle Kirche Chiesa Santa Maria di Castello. Und lernen danach beim Mittagsmahl in der → Trattoria Sà Pesta den Geschmack der Region kennen. Im urigen verkachelten Lokal essen wir gedrehte Trofie-Nudeln mit Pesto Genovese, frittierten Stockfisch und Farinata, die wunderbare ligurische Kichererbsentorte. Zum Niederknien, delizioso! Auch am Abend kehren wir wieder und wieder zurück ins Castello-Viertel und in die netten Terrassenbars an der Piazza delle Erbe.

 

VON BURG ZU BURG: WANDERUNG ÜBER DEN DÄCHERN GENUAS

Steil, steiler, Ligurien. Genua bleibt wie ganz Ligurien wenig Platz. Hier das Meer und einen Katzensprung dahinter schon die Berge. Wer sich auch abseits der Altstadt umsehen will, braucht ein wenig Kondition. Dort, wo jene wohnen, die es gerne einen Tick feiner mögen, muss man Treppen steigen. Treppen rauf, Treppen runter. Das geht in die Knie. Seit Genua knackt Gabis linkes.

Um ein wenig Ausblick abzubekommen, gibt es in Genua diverse Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für die Schmalspurbahn und eine anschließende Wanderung über den Dächern der Stadt.

Dazu gehen wir von der City in etwa 30 Minuten durch feine Wohnviertel hinauf zur Piazza Manin, wo das altertümliche Bähnchen zu den imposanten Festungsruinen im hügeligen Hinterland startet. Ein Muss für Eisenbahnfans! Die Zeiten erfahrt Ihr → hier.

Ein langes Pfeifen und los kann es gehen! Die Befüllung des Zuges ist durchaus coronakompatibel: Es gibt nur den Lokführer, den Schaffner, uns und drei weitere Fahrgäste. So kann Abstand gewahrt werden! Nach ca. 15 Minuten Ruckelruckel steigen wir am Miniaturbahnhof des Dorfes Campi aus.

Von dort wandern wir in etwa drei Stunden auf einem gut markierten Weg entlang ginsterbeleuchteter Hänge zurück nach Genua. Unter uns die große Stadt, vor uns, über uns und neben uns immer wieder düstere Festungsruinen aus dem Mittelalter. Die Tour wäre noch schöner ohne Nieselregen und dem pfeifenden Wind an diesem kühlen Junitag.

Mann steht in Ruinen und blick über eine Stadt

ZUG MIT MEERBLICK: AUSFLÜGE AN DIE RIVIERA DI LEVANTE

Von den beiden Bahnhöfen Brignole und Porta Principe gelangt man problemlos an die östlich von Genua gelegene Riviera di Levante. Sie ist ein schroffer Küstenzug mit kleinen Buchten vor kleinen Orten – viel passt nicht zwischen Meer und die steilen Hänge. Hierher fährt, wer baden möchte.

Die Badestellen sind hübsch anzusehen und das Wasser ist – zumindest noch im Juni – klar wie Gin. Meist aber sind die Ministrände sehr eng bestuhlt und teuer (bis zu 25 Euro für zwei Liegen!). Wir haben’s beim Schauen belassen.

Die Zugstrecke entlang der Riviera di Levante ist ein Traum – wir können allerdings nur für den Abschnitt bis Rapollo sprechen. Teilweise fährt man direkt am Meer entlang. Hier ein paar Tipps für Stopps unterwegs:

Nervi

Der hübsche Vorort Genuas besitzt viel natürliches Stadtleben und einige Kunstmuseen in stattlichen Villen. Einen Überblick über die Ausstellungen bekommt Ihr → hier. Wer damit nichts anfangen kann, legt sich zu den Teenies und Verliebten in einen der schönen Parks, bummelt die hübsche Uferpromenade entlang oder isst eine Pizza am Hafen.

Laterne und Hafen im Gegenlicht
Nervi: Parks, Paläste und ein hübscher Hafen

Bogliasco

Ebenfalls ein sehr ansehnlicher Ort mit betriebsamem Fischerhafen. Merken sollten ihn sich vor allem die Camper unter Euch.

Der terrassierte Camping Genova Est befindet sich am Hang über Bogliasco. Einfach, aber freundlich geführt. Die Stellplätze für Womos sind wenig aufregend (Parkplatzcharakter), die Zeltplätze weiter oben recht nett. Gutes Restaurant und Shuttleservice zum Bahnhof. Ansonsten läuft man ca. zehn Minuten zum Bahnhof, der Rückweg ist äußerst schweißtreibend. Fazit: Nichts für einen längeren Urlaubsaufenthalt, aber als Standort für die Erkundung der Gegend durchaus okay.

Hübsche Stadt am Meer
Abendstimmung am Hafen von Bogliasco

Camogli

Beim Anblick von Camogli macht das Herz auf der Stelle einen heiteren Sprung. Der Ort mit seinen hohen bunten Häusern empfängt einen mit einer warmen Umarmung. Unbedingt hinfahren! Alte Fischer trinken dort um neun Uhr morgens ihr Feierabendbier. Touristen sitzen am Hafen und frühstücken Focaccia (hammermäßig schmecken die vom → Forno Revello).

Es gibt einen für hiesige Verhältnisse sogar recht großen Strand. Davor ein Meer in der Farbe von Zahngel, daneben eine hübsche Kirche. Die Luft riecht nach Sonnenöl. Klar, Camogli ist touristisch. Aber auf eine, meinen zumindest wir, angenehme Art.

Stadt, Strand und türkisfarbenes Meer
Camogli: Perle an der Riviera di Levante

Rapallo

Ebenfalls ein Ort, den sich Camper merken sollten. Aber auch jeder andere kann hier einen gemütlichen Stopp einlegen. Zur schönen Bucht hin gibt es eine Palmenpromenade und einen schicken Jachthafen. Landseitig wird ordentlich gewuselt. Dort trifft man auf lebendigen kleinstädtischen Alltag und viele, viele Feinkostläden.

Vom Campingplatz → Miraflores läuft man ca. 15 Minuten ins Zentrum. Er liegt direkt neben der Autobahnauffahrt, doch die Autobahn selbst hört man wenig. Freundlich und gepflegt.

HIGHLIGHT-ALARM: KÜSTENWANDERUNG AUF DER HALBINSEL VON PORTOFINO

„Der Italiener geht nie zu Fuß, wo er fahren kann; wie man zum Vergnügen zu Fuß gehen kann, bleibt ihm ein Räthsel.“ 

(Baedeker, 1880er-Jahre)

Stimmt das noch? Nicht mehr, zumindest nicht auf der umwerfend schönen Portofino-Halbinsel, die unter Naturschutz steht. Dort nämlich ist im Frühsommer halb Ligurien unterwegs. Selten haben wir einen frequentierteren Wanderweg erlebt! Das soll Euch jedoch nicht vom Wandern abhalten. Wir haben die Tour trotz vieler Mitwanderer sehr genossen und erzählen Euch ein paar Details.

Die reine Gehzeit für die Wanderung beträgt rund fünf Stunden. Mit Pausen und evtl. Besichtigungen sollte man einen ganzen Tag einplanen. Wanderschuhe und -stöcke sind keine schlechte Idee. Und ein bisschen Kondition auch! Die Anreise kann problemlos mit den Zügen auf der Strecke Genua – Rapollo erfolgen. Die Wanderung ist gut markiert, ein Verlaufen unmöglich.

Frau steht auf Aussichtspunkt
Aussichtsreich: Wanderweg von Camogli nach Portofino

Startpunkt ist der niedliche Ort Camogli (siehe oben).Den Ort verlässt man im Süden über die Via San Rocco und steigt über einen steilen Treppenweg hoch und nochmals höher ins Bergdorf Rocco, wo man bei herrlichem Panoramablick verschnaufen kann.

Weiter geht es durch einen Mischwald, durch dessen Baumkronen die Sonne funkelt. Hier und da plätschern kleine Wasserfälle. Die Luft ist weich und zirpt. Vögel tschilpen. Kirchenglockengeläute weht über die Berge. Gestört wird die Idylle hin und wieder nur vom lauten Blabla der Wandergruppen.

Nächster Stopp: die Klosterbucht San Fruttuoso in einer tief eingeschnittenen Felsbucht. Diesen Anblick sollte man sich ausgiebig auf der Netzhaut zergehen lassen. Geht’s schöner?

Klosteranlage an einem Strand
Klosterbucht San Fruttuoso

Die Klosterkirche gehört zu den ältesten Liguriens. Im Gegensatz zum Kloster selbst ist sie kostenlos zugänglich. Die meisten Besucher jedoch zieht es direttamente an den Strand, zumindest jene, die sich vorab um ein Ticket gekümmert haben – im Coronasommer 2020 ein Muss. Der Rest sitzt unter den schattigen Bäumen der kleinen Trattorien oder wandert wie wir weiter nach Portofino, dem Ziel unserer Wanderung.

Man sieht den weltberühmten Nobelort lange, bevor man ihn erreicht. Er ist so wunderschön in eine Traumbucht eingebettet, dass man schon mal kurz den Atem anhalten muss:

Ort an einer schönen Meeresbucht
Zuviel versprochen?

Vorbei an Boutiquen von Cucinelli, Dior und Longchamps spazieren wir zum Hafen. Frauen mit Schlauchbootlippen und Männer mit Ledermokkasins und fetter Rolex am Handgelenk laufen an uns vorbei. Wir fühlen uns ein wenig underdressed in unseren verschwitzten Klamotten und klobigen Wanderboots. Und ohnehin fehl am Platz. Nicht unsere Welt, die der Aufschneider.

Sehenswürdigkeiten gibt es keine in diesem exklusiven Ort. Einen Strand auch nicht. Wer hier urlaubt, springt in der Regel von der Yacht oder einem der schönen Leihboote ins leuchtende Nass.

Schöne Stadt mit Hafen
Am Hafen von Portofino

In einem kleinen Laden kaufen wir uns zwei Colas. Ein Abschlussessen schenken wir uns nach einem Blick auf die Speisekarten – sündhaft teuer. Wer ein Glas Wein für unter 10 € bekommt, hat Glück. Selbst das Parken ist nicht billig (5,50 € die Stunde). Falls Ihr den Ort einfach so ansteuern wollt, kommt also besser mit den Öffis! Busse verkehren in der Saison halbstündlich vom und zum ebenfalls recht noblen Seebad Santa Margherita Ligure, wo man auf Züge Richtung Genua oder La Spezia aufsteigen kann.

Schöne Stadt mit Yachthafen
Auch nicht zu verachten: Santa Margherita Ligure

NOCH MEHR GENUA

Unsere Kollegen Sabine Becht und Sven Talaron haben ihr geballtes Ligurienwissen in ein über 400 Seiten starkes → Buch und zusätzlich in einen → Wanderführer gepackt. Beide Bücher erschienen im Michael Müller Verlag. Da bleibt keine Frage offen. Unbedingt empfehlenswert!

 

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