UNESCO-Welterbe und Tschechien. Was fällt Euch dazu ein? Prag, klar! Český Krumlov vielleicht auch noch? Gut! Und dann? Dann wird’s schon schwierig, gell?

Wissenslücken, wenn’s um Tschechien geht, haben viele, auch Vielgereiste. Schließlich ist Tschechien das Land der böhmischen Dörfer. Auch wir hatten lange Zeit wenig Ahnung von den Schönheiten und spannenden Orten unseres Nachbarlandes. Das änderte sich erst, als wir zum Millenium für einige Jahre nach Prag zogen und von dort aus zahlreiche Recherchereisen durch Böhmen und Mähren unternahmen.

Und siehe da: Tschechien entpuppte sich als kleine Wundertüte mit vielen Überraschungen. Einige davon sind nach der Samtenen Revolution auf die UNESCO-Welterbeliste gehüpft: Schlösser genauso wie ganze Städte oder Dörfer, dazu Sakralbauten, eine Bauhaus-Villa und selbst eine barocke Pestsäule. Hier habt Ihr sie alle auf einem Blick:

 

Schloss über einer schönen Stadt an einem Fluss
UNESCO-Welterbe par excellence: das südböhmische Städtchen Český Krumlov

„Die Moldau macht einen Ring. Dann macht sie außerhalb desselben einen zweiten verkehrten und dann noch einen größeren.“

(Adalbert Stifter)

Alles klar? Wer bei Stifters Beschreibung von Český Krumlov nur Bahnhof versteht, merkt vor Ort schnell, was der Böhmerwalddichter so meint. Die Moldau dreht in Český Krumlov nämlich Pirouetten, torkelt nur so durch die Gegend. Zu Stifters Zeiten hieß Český Krumlov übrigen noch Böhmisch Krumau. Man sprach Deutsch.

Das südböhmische Städtchen ist nicht nur exorbitant schön gelegen, sondern auch herzzerreißend schnuckelig. Das verwinkelt-verwirrende Häuserensemble an der Moldau sieht aus wie aus einem Grimmschen Märchen entsprungen. Über der Altstadt mit ihren Buckelgassen, Plätzen samt plätschernden Brunnen und Kirchen thront ein prächtiges Schloss.

Schloss mit Rundturm über einer historischen Stadt
Český Krumlov: Schloss und historisches Zentrum

Historischer Marktplatz mit Pestsäule

Klar, dass bei einer solchen Optik die Verehrer Schlange stehen. Macht Euch deswegen auf jede Menge Mitbewunderer gefasst! In guten Jahren kommen fast zwei Millionen Touristen in die Kleinstadt. Der ist, das muss man zugeben, die Authentizität abhanden gekommen. Vor allem chinesische Touristen lieben Český Krumlov. Es gibt sogar eine Český-Krumlov-Kopie in der Stadt Dongguan.

Also: Český Krumlov ist eine Mega-Touristennummer. Am schönsten mittlerweile außerhalb der Saison. Wir empfehlen den Winter. Wir waren mal im Februar da, in einem unendlich romantischen, leeren Český Krumlov. Stapften nachts durch den Schnee im Schein der Funzellaternen vom Wirtshaus zurück in unsere kleine Pension. Unvergessen.

WAS ANSCHAUEN IN ČESKÝ KRUMLOV?

  • Schloss: Die zweitgrößte Schlossanlage Böhmens (nach Prag) besitzt fünf Höfe und mehr Zimmer, als das Jahr Tage hat. Mehr Infos → hier.
  • Egon Schiele Art Centrum: Der expressionistische Maler weilte im Jahr 1911 ein paar Monate in Böhmisch Krumau. Des Künstlers gedenkt man heute in den imposanten Räumlichkeiten der ehemaligen Stadtbrauerei auf 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Dort gibt es auch immer wieder spannende Wechselausstellungen zu sehen. Weitere Infos → hier.
  • Museum Fotoatelier Seidel: Das sehenswerte Museum befindet sich im Atelier und Wohnhaus der deutschböhmischen Fotografenfamilie Seidel, die als Chronisten des Böhmerwalds bekannt waren. Eine Zeitreise! Weitere Infos → hier.
  • Minoriten- und Klarissenkloster: Das Doppelkloster, das im 14. Jahrhundert gegründet wurde, ist heute Museum und aktives Kloster in einem. Weitere Infos → hier.
  • Noch mehr Infos: 20 Seiten ist das Kapitel zu Český-Krumlov in unserem → Südböhmen-Buch lang. Dort gibt es alles: Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Restaurant- und Übernachtungstipps, Infos zu Ausflügen mit dem Kanu auf der Moldau und zu Radtouren in die Umgebung.

 

#2 Holašovice: Dorfschönheit im Bauernbarock

Frau fotografiert Häuserfassade in einem Dorf
Bauernbarock: Holasovice

Wir bleiben in Südböhmen und damit in einer Welt aus sanften Hügeln, Wäldern und verschlafenen Dörfern. Wenn Ihr denkt, dort Räuber Hotzenplotz oder die Kleine Hexe gesehen zu haben: Nicht wundern, sie waren’s vermutlich tatsächlich!

Märchenonkel Otfried Preußler (1923–2013) war Deutschböhme. Er erblickte im nordböhmischen Reichenberg (heute: Liberec) das Licht der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand er in Oberbayern eine neue Heimat und kehrte nie mehr nach Böhmen zurück. In seinen Geschichten aber ließ er das Böhmen seiner Kindheit Revue passieren.

Doch wir wollten Euch von Holašovice erzählen: Holašovice ist ein Dorf wie aus dem Märchenbuch. Rund ein Dutzend Gehöfte im Bauernbarockstil gruppieren sich um den grünen Dorfanger samt Tümpel. Die meisten Häuser sind liebevoll restauriert. Sehr viel mehr als ein Eis essen und eine Runde um den Weiher spazieren, kann man in Holašovice allerdings nicht tun. Höchstens noch ins Wirtshaus gehen. Es gibt immerhin zwei Gasthöfe, die auch Zimmer vermieten (→ das hier zum Beispiel).

 

#3 Kladruby nad Labem: Das Gestüt an der Elbe

Im 60 Kilometer östlich von Prag gelegenen Nationalgestüt an der Elbe werden seit dem 16. Jahrhundert die berühmten Altkladruber Schimmel gezüchtet. Damit zählt das Gestüt zu den ältesten der Welt.

Die Altkladruber Schimmel sind Prestigerösser, die vor höfische Prunkkarossen gespannt werden können. Einst wurden die Rösser von den Habsburger Monarchen und deren Kutschern geschätzt. Heute stehen sie in den Stallungen des dänischen Königshauses.

 

Die rund 700 Tiere werden jeden Morgen auf die umliegenden Koppeln getrieben, wo man sie in Ruhe beobachten kann. Die Rösser werden übrigens erst im Alter von sieben bis acht Jahren schneeweiß, die Fohlen präsentieren sich braungrau.

Durch das Gestüt werden Führungen angeboten. Infos erhaltet Ihr → hier.

 

#4 Kroměříž: Schloss und Barockgarten

UNESCO hin wie her: Vom großen Touristenrummel ist in der 29.000-Einwohner-Stadt Kroměříž nichts zu spüren. Das Leben geht seinen angenehm-provinziellen Gang im gemütlichen, teils unter Denkmalschutz stehenden Zentrum.

Prächtiges Schloss samt Gartn
Erzbischöfliches Schloss

 

Die Highlights von Kroměříž, die sich seit 1998 auf der UNESCO-Welterbeliste befinden, liegen an den Rändern der Altstadt. Das eine ist das Erzbischöfliche Schloss samt Garten, das andere der so genannte Blumengarten, ein Flower-Power-Prachtstück im Südwesten der Stadt.Die mächtige Bischofsresidenz mit ihrem 84 Meter hohen Turm stammt aus dem 17. Jahrhundert. Im Schloss gibt es eine Gemäldegalerie mit einer beachtlichen Sammlung alter europäischer Meister, darunter Veronese und Lucas Cranach der Ältere. Bei einer Führung seht Ihr zudem den reich ausgemalten Versammlungssaal aus dem Rokoko. Wer beim Film Amadeus gut aufgepasst hat, kann sich vielleicht an diesen Saal erinnern.

An das Schloss schließt ein englischer Landschaftspark an, der fast doppelt so groß ist wie die gesamte Altstadt.

 

Pavillon in einem Barockgarten
Tschechisches UNESCO-Welterbe: Blumengarten von Kroměříž

Rund zehn Gehminuten sind es vom Schloss zum Blumengarten, einem 14 Hektar großen Lustgarten im Stil französischer Spätrenaissancegärten. Der ist im Gegensatz zum Schlosspark streng symmetrisch, wirkt wie aus dem Ei gepellt und besitzt Büsche, die vermutlich mit Friseurscheren gestutzt werden.

Mehr zu den UNESCO-Welterbestätten von Kroměříž erfahrt Ihr → hier.

 

#5 Kutná Hora: Das einstige Kuttenberg

Schädel in einem Gewölbe
Tschechisches UNESCO-Welterbe bizarr: die Knochenkapelle von Kutná Hora

Die einstige königliche Bergbaustadt Kuttenberg in Mittelböhmen war einmal steinreich. Aus jener Zeit zeugen mehrere prächtige gotische Kirchen. Trotz seines UNESCO-Status und trotz vieler Touristengruppen hat sich die 20.400-Einwohner-Stadt eine angenehme, bisweilen etwas verstaubte Bodenständigkeit bewahrt.

Eine Übernachtung ist keine schlechte Idee, auch wenn Prag nur 60 Kilometer entfernt liegt und ein Trip nach Kutná Hora von dort als Tagesausflug unternommen werden kann. Es gibt eine ganze Reihe netter Unterkünfte. Zudem ist es in Kutná Hora abends am schönsten. Dann legt sich Ruhe übers Städtchen. Und dann kann man einen heben gehen in der urigen → Dačický pivnice. Das Wirtshaus mit eigener Brauerei füllt eines der besten Biere Mittelböhmens ins Glas. Das könnt Ihr uns glauben, immerhin haben wir den Anspruch, alle Brauereien des Landes zu testen! Bis gegen Mitternacht klirren die Gläser, im Sommer im Biergarten.

Barockstadt im Abendlicht
Kutná Hora: Highlight der malerischen Altstadt ist die spektakuläre St.-Barbara-Kathedrale. Die gruselige Knochenkapelle liegt etwas außerhalb

WAS ANSCHAUEN IN KUTNÁ HORA?

  • Silbermuseum: Das Museum in einer kleinen Burganlage widmet sich der historischen Silber- und Kupferförderung in Kuttenberg. Auch kann man von dort in ein uraltes Bergwerk absteigen. Weitere Infos → hier
  • St.-Barbara-Kathedrale: Ein mittelalterliches Trumm mitten im Zentrum. Mehr als sehenswert.
  • Steinernes Haus: In diesem wunderschönen gotischen Gebäude ist ebenfalls ein Museum untergebracht, das über die Geschichte der Stadt informiert. Weitere Infos → hier.
  • Beinhaus: Größte Sehenswürdigkeit Kutná Horas ist das im Vorort Sedlec gelegene Beinhaus, eine mit grotesken Kunstwerken aus den Knochen Zehntausender Pestopfer dekorierte Kapelle. Da ein Kronleuchter aus Oberschenkelknochen und Rippen, dort Schädelketten – Ed-Hardy-Fans werden sich im Paradies wähnen. Weitere Infos → hier.
  • Mariä Himmelfahrtskirche: Fast in Nachbarschaft des Beinhauses und einer der Gründe, weswegen Kutná Hora heute auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Die fünfschiffige gotische Kirche entstand zwischen 1290 und 1330.

 

#6 Lednice-Valtice: Das Sanssouci der Liechtenstein

Schloss im Grünen
Schloss Lednice

Hier wurde geklotzt und nicht gekleckert. Im lieblichen Südmähren nahe der heutigen Grenze zu Österreich schuf sich die Adelsfamilie Liechtenstein ab dem 18. Jahrhundert eine dekadente Spielwiese. Rund 180 Quadratkilometer ist das Areal Lednice-Valtice groß. Im Grünen stehen dort zwei prächtige Schlösser, Tempel mit antiken Götterstatuen, Obelisken und orientalische Pavillons. Seit 1996 ist das Areal auf der UNESCO-Welterbeliste verzeichnet.

Die größte Parkanlage Europas liegt zwischen den Städten Lednice und Valtice. Ihr erkundet sie am besten zu Fuß (markierte Wanderwege) oder mit dem Fahrrad (Verleiher vor Ort). Auch mit der Kutsche könnt Ihr fahren.

Schloss Valtice

Nehmt Euch am besten einen Tag Zeit und einen Picknickkorb mit, es gibt unendlich viel zu entdecken. Die architektonischen Kleinode verstreuen sich zwischen Wald, Wiesen, Weinbergen und Teichen. Ein romantischer Lustgarten par excellence!

WAS ANSCHAUEN AUF DEM AREAL LEDNICE-VALTICE?

  • Schloss Valtice: Für das monumentale Barockschloss zeichnete unter anderem der Wiener Baumeister Johann Bernhard Fischer von Erlach verantwortlich. Bei einer Führung seht Ihr prächtige Freskensäle und die opulent ausgeschmückte Kapelle. Im Schlosskeller befindet sich der Weinsalon der Tschechischen Republik, eine Mischung aus Ausstellung und Verkauf prämierter Weine. Weitere Infos gibt es → hier.
  • Schloss Lednice: Im gigantischen neugotischen Schloss pflegten die Liechtenstein ihre Sommer zu verbringen. Die adelige Luxusdatsche ist eine optische Granate. Als Vorbild dienten englische Herrensitze. Verschiedene Führungen werden angeboten, Infos gibt es → hier.
  • Minarett: Das romantisierende Bauwerk befindet sich im nördlich ans Schloss Lednice anschließenden Landschaftspark. Die 302 Stufen hinauf zur Galerie lohnen sich. Von oben blickt Ihr nicht nur übers Areal, sondern bei guter Sicht bis zum Wiener Stephansdom.

 

#7 Litomyšl: Renaissanceschloss in Smetanas Geburtsort

Renaissanceschloss mit Briefchensgraffiti
Litomyšl: ein Renaissanceschloss auf der Welterbeliste

Von Schlössern nicht genug. Hier kommt schon das nächste. Dieses Renaissanceschloss aus dem 16. Jahrhundert steht nicht nur auf der UNESCO-Welterbeliste, sondern gleichzeitig in einer der schönsten Kleinstädte des Landes. Trotzdem fahren viele an Litomyšl vorbei. Schade für die und Glück für Euch, denn überlaufen ist hier nichts.

Zu finden ist das 10.000-Einwohner-Kleinod in Ostböhmen. Zentrum ist der reizvoll-natürliche Marktplatz Smetanovo náměstí. Unter seinen Arkaden werden Gemüse und Waschpulver verkauft, nicht Souvenirs oder Postkarten.

Benannt ist der Platz nach dem großen tschechischen Komponisten Bedřich Smetana. Er wurde in der einstigen Brauerei (!) geboren, die heute ein Teil des Schlosskomplexes ist und eine Smetana-Gedenkstätte beherbergt.

Die Fassade des Schlosses ist mit so genannten Briefchensgraffiti verziert, wie sie typisch für die Renaissance waren. Ihr könnt verschiedene Touren durchs Innere buchen. Dabei seht Ihr unter anderem das Schlosstheater, die Bankettsäle und diverse Musiksalons.

Weitere Infos zum Schloss findet Ihr → hier

 

#8 Montanregion Erzgebirge: In Erinnerung an den Bergbau

Das böhmische Erzgebirge und wir, das ist so eine Sache. Richtig geil finden wir’s nicht. Zu kalt. Zu rau. Die Hochebenen und bewaldeten Kuppen zwar idyllisch, die Städtchen und Dörfer aber für unseren Geschmack etwas zu trist. Trotzdem sprang die Region im Jahr 2019 als „transnationale Welterbestätte“ auf die begehrte Liste der UNESCO. Grund: die lange, lange Bergbautradition.

Die meisten Orte, die das UNESCO-Gremium als schützenswert betrachtet hat, liegen auf deutschem Terrain. Auf tschechischer Seite gehören einige Stollen um das Bergdorf Boží Dar (Gottesgab) und der ehemalige Bergbauort Jáchymov dazu. Jachýmov ist das frühere Joachimsthal. Auch wenn der Straßenstrich mittlerweile der Vergangenheit angehört: Charme besitzt der Kurort nicht.

WAS ANSCHAUEN IM BÖHMISCHEN ERZGEBIRGE?

  • Stollen Nr. 1 in Jáchymov: Jáchymov stand einst für das berüchtigtste Konzentrationslager der Tschechoslowakei. Hier wurde radioaktives Uran von politischen Gefangenen abgebaut. Viele starben an Leukämie. Der Stollen Nr. 1 kann besichtigt werden, Infos → hier.
  • Boží Dar: Der ansprechendste Ort weit und breit. Hier findet Ihr nette Unterkünfte, Wanderwege in schöner Landschaft und nahebei den Klínovec (Keilberg), den mit 1244 Metern höchsten Berg des Erzgebirges.
  • Johannes-Stollen: Hier wurde ab dem 16. Jahrhundert bis in die 1970er-Jahre Erz abgebaut. Infos über Besichtigungen → hier.
  • Mauritius-Grube: Das ehemalige Zinnbergwerk kann ebenfalls besichtigt werden. Bereits 1944 war hier Schicht im Schacht. Weitere Infos → hier.

 

#9 Olomouc: Die Dreifaltigkeitssäule auf dem Marktplatz

Eigentlich hätte es die ganze Stadt verdient, auf der UNESCO-Welterbeliste zu stehen, nicht nur ihre Pestsäule. Das über 1000 Jahre alte Olmütz ist die lebendigste und attraktivste Stadt Nordmährens. Rund 100.000 Einwohner zählt sie, damit ist Olomouc die fünftgrößte Stadt Tschechiens. Jung ist die Stadt dazu, etwa ein Fünftel der Einwohner sind Studenten. Das bringt hippe Cafés, ein witziges Nachtleben und spannende Kulturmomente mit sich. Kurzum: Olomouc verspricht ein nettes Stadterlebnis!

Doch zunächst zu der Säule, die Olomouc zum Platz auf der begehrten Liste verhalf. Die Dreifaltigkeitssäule ist die Kirsche auf dem Kuchen des ohnehin schon umwerfend schönen Marktplatzes Horní náměstí. Das barocke Wunderding ist 35 Meter hoch. 18 Heiligenfiguren zieren sie, in ihrem Fundament findet sogar eine kleine Kapelle Platz.

Riesige Pestsäule auf einem Marktplatz
Ein barockes Wunderding: die Dreifaltigkeitssäule von Olomouc

Nachdem Ihr die Säule angestaunt habt, wird es Zeit für einen Rundgang durch die City mit ihren prächtigen Palästen, schmucken Plätzen und altehrwürdigen Sakralbauten. Die Stadt ist eine prall gefüllte kulturelle Schatzkammer.

WAS SONST NOCH TUN IN OLOMOUC?

  • Kunstmuseum: Das hiesige Kunstmuseum hat einen Fundus von rund 60.000 Exponaten. Tschechische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts überwiegt, darunter befinden sich auch echte Big Names. Weitere Infos zum Museum → hier.
  • Wenzelsplatz: Der Olmützer Wenzelsplatz ähnelt in nichts seinem Prager Pendant. Dominiert wird er vom Dom, der den höchsten Kirchturm Mährens besitzt. Falls Ihr auf sakrale Kunst steht, könnt Ihr das → Erzdiözesanmuseum nebenan besichtigen.
  • Quargeln essen: Die Olmützer Quargeln sind die Spezialität der Stadt. Die klebrigen, würzigen Sauerkäsescheiben schmecken zum Beispiel in der → Svatováclavský Pivovar, wo auch süffiges Bier gebraut wird.

 

#10 Prag: „UNESCO!“ schallt’s aus allen Ecken

Prag und UNESCO-Welterbe, das ist ein Kapitel für sich. Wo anfangen und wo aufhören? Das ganze historische Zentrum Prags gehört zum UNESCO-Welterbe. Darunter fallen die Altstadt, die Neustadt, das jüdische Viertel Josefov, die Kleinseite und der Stadtteil Hradčany samt seiner Burg, welche die Deutschen als Hradschin kennen.

Auch eine zweite Burg ist auf der UNESCO-Liste vermerkt: die Burg Vyšehrad im Süden des Zentrums hoch über der Moldau. Und schließlich gehört auch ein weitläufiges Parkgelände zum Prager UNESCO-Welterbe: der Schlosspark im Nobelvorort Průhonice ganz im Südosten der Stadt. Der Park ist bezaubernd, vor allem im Frühsommer, wenn dort Tausende von Rhododendren, Azaleen und Rosen blühen.

Blick auf Brücken einer schönen Stadt
Prager Brückenpanorama von der Letná-Höhe

WAS ANSCHAUEN IN PRAG?

Sorry, da fangen wir jetzt gar nicht mit irgendwelchen Auflistungen an. Holt Euch einfach einen ordentlichen Reiseführer (wir können den hier empfehlen ;-)) und überlegt selbst, was Euch interessiert und was eher nicht. Wer nicht nur abhaken, sondern auch das Prag der Prager entdecken will, sollte Praha mindestens vier Tage geben.

 

#11 Telč: Ein Städtchen in Pastell

Pastellfarbene Häuserzeilen aus der Renaissance
Renaissance in seiner Reinform: Marktplatz von Telč

Das Kleinstädtchen Telč liegt, von Klatschmohnfeldern umgeben, am Arsch der tschechischen Welt nahe der österreichischen Grenze. Seine Blüte erlebte es im 16. Jahrhundert. Damals wurde es noch Teltsch geschrieben. In den folgenden Jahrhunderten fehlte – heute kann man sagen: zum Glück – das Geld für Neu- und Umbauten. So konnte das elegante Renaissancestadtbild in seiner Reinform die Zeiten überdauern.

Telč wirkt wie eine Mischung aus Puppenstube und Märchenfee aus Stein, wie stets zum Festtag herausgeputzt. Kein Häusergiebel am keilförmigen Marktplatz gleicht dem anderen. In den Laubengängen der pastellfarben gestrichenen Bürgerhäuser verstecken sich kleine Galerien. Und erst das Schloss! Anschauen – die Schlossbibliothek mit rund 8000 Wälzern ist genial.

 

#12 Třebíč: Jüdisches Viertel und Basilika

Die Kleinstadt Třebíč auf der gefühlt immerkalten Böhmisch-Mährischen Höhe ist an sich nichts, was einen umhaut. Wären da nicht zwei bedeutende Orte, die das 35.700-Einwohner-Städtchen auf die UNESCO-Welterbeliste gehievt hätten.

Der eine dieser Orte ist das jüdische Viertel, ein verschachteltes Ensemble aus Treppen, Gassen, Passagen und niederen Häusern. Von den ursprünglich 128 Gebäuden fehlen lediglich fünf. Noch existent sind mehrere Synagogen, das Hospital und die Schule. Hoch über dem Viertel liegt der jüdische Friedhof mit rund 3000 Gräbern. Der älteste stammt aus dem Jahr 1631.

 

Die zweite UNESCO-Welterbestätte in Třebíč ist die Basilika Mariä Himmelfahrt aus dem 13. Jahrhundert. Sie besitzt ein bemerkenswert schönes romanisches Rundportal. Auch innen seht Ihr Mittelalter pur, samt Kreuzrippengewölbe und frühgotischen Wandmalereien.

 

#13 Villa Tugendhat: Bauhaus in Brünn

Villa im Bauhausstil
Villa Tugendhat von außen… (© David Židlický)

Die mit über 380.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Tschechiens verdient eigentlich einen eigenen Blogbeitrag, den wir irgendwann in unserem Leben hoffentlich noch schreiben werden. Als das „Paris Mährens“ wird Brno bzw. Brünn auch schon mal bezeichnet, als die „Schöne im Schatten Prags“. Oder als „Klein-Wien“. Fazit: eine verdammt reizvolle Second City.

Brünn bietet urbane Nonchalance ohne einen Funken Touristennepp. Ideal für einen kurzen Städtetrip! Designaffine Menschen werden als erstes die Villa Tugendhat ansteuern, die seit 2001 auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Das formschöne Wohnhaus des jüdischen Textilfabrikanten Tugendhat aus den späten 1920er-Jahren entwarf kein Geringerer als der große Mies van der Rohe!

Von außen schnörkellose Eleganz, von innen eine Traumvilla. Vergesst nicht, Eure Führung rechtzeitig vorzubuchen, denn auch viele andere wollen das 280 Quadratmeter große Wohnzimmer sehen oder aus der versenkbaren Glasfront in den Garten blicken.

Buchen könnt Ihr Eure Führung → hier

 

#14 Westböhmische Bäder: Tschechiens jüngstes Welterbe

Die drei westböhmischen Kurorte Karlsbad (Karlovy Vary), Marienbad (Mariánské Lázně) und Franzensbad (Františkovy Lázne) sind erst 2021 auf die begehrte Liste der UNESCO gesprungen. Aber nicht allein. Sondern zusammen mit Baden (Österreich), Spa (Belgien), Vichy (Frankreich), Montecatini (Italien), Bath (England) sowie den deutschen Kurorten Bad Ems, Bad Kissingen und Baden-Baden. Als die „Great Spa Towns of Europe“ bereichern die Kurorte nun die Welterbeliste.

Das freut uns total, schließlich bereisen wir die Region im Zuge unserer Reisebuchrecherchen seit Ewigkeiten. Wo wollt Ihr hin?

Karlsbad ist der berühmteste, größte und eleganteste der drei Kurorte. Und der internationalste! Nach Karlovy Vary zieht es Russen (mit viel Gold um den Nacken), Asiaten (mit Selfiesticks) und arabische Großfamilien. In Karlsbad findet Ihr ein breites Spektrum an Luxushotels, auch das gastronomische Angebot kann sich sehen lassen.

 

Kolonnade mit Schnitzwerk
Im Zentrum Karlsbad

 

Marienbad ist der für uns schönstgelegene Kurort Westböhmens. Inmitten einer sanftgrünen Quellenlandschaft versammelt sich eine wahre Pracht an pastellfarbenen Bauten der Belle Époque. Marienbad ist jedoch deutlich kleiner als Karlsbad und präsentiert sich dementsprechend etwas schüchterner. Auch sind die Portemonnaies der Gäste dünner als in Karlsbad.

 

Springbrunnen und Kolonnade
Marienbad

 

Franzensbad wiederum ist das Musterbeispiel eines Heilbads im klassischen Sinn und gleichzeitig eine echte Unschuld vom Lande, die ein wenig spießig daherkommt. Das Publikum des kleinen Kurorts ist zudem schon etwas betagter, die Freizeitgestaltung vieler beschränkt sich auf einen Tanztee am Nachmittag. Für einen Tag ist der
Ort okay. Aber länger?

 

 

#15 Zelená Hora: Die Nepomukkapelle auf dem Grünen Berg

Eine Kapelle? Gähn. Von wegen! Unser UNESCO-Welterbe No. 14 liegt wie Třebíč auf der Böhmisch-Mährischen Höhe, genauer bei der Kleinstadt Žďár nad Sázavou. Eine Kleinstadt so blass wie der Bauch eines Froschs (Metapher von T.C. Boyle geklaut). Unser Tipp: Gleich durchfahren zum nördlichen Ortsrand, wo sich die von der UNESCO geadelte Kapelle befindet. Sie ist Teil eines mächtigen Zisterzienserklosters.

Die faszinierende Wallfahrts- und Friedhofskapelle entstand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Baumeister war einer unserer Lieblingsarchitekten jener Zeit: Giovanni Santini, ein Böhme mit Migrationshintergrund. Santini vermischte Barock- mit Gotikelementen und reicherte das Ganze noch mit einer fetten Prise Symbolik an. Diese Mixtur ist auch in Žďár zu sehen.

Zelená Hora: Auch eine Kapelle gibt es auf der Liste der tschechischen UNESCO-Welterbestätten

Die Kapelle besitzt den Grundriss eines fünfzackigen Sterns, aus dem wiederum fünf kleinere, ovale Kapellen hervortreten. Die symbolische Fünf steht dabei für die fünf Wunden Christi. Im Reliquienschrein des Hauptaltars ruht die Zunge des Heiligen Nepomuk.

Auch die Konventskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Klostergelände stammt von Santini. Sie ist üppigst ausgeschmückt. Zudem kann man auf dem weitläufigen Klosterareal mehrere Ausstellungen besuchen.

9 Kommentare

  1. Hi ihr Zwei,

    Bei Český Krumlov war ich durch ein Bild ein wenig irritiert. Ich war im letzten Jahr im Loket und meinte mich daran zu erinnern, dass ich ein ähnliches Bild mit Brunnen und Häusern im Hintergrund habe. Witzig, dass die Städte so weit entfernt voneinander liegen.

    Tschechien so schön und noch unentdeckt. Freu mich schon mit unserem Kastenwagen dort auf Tour zu gehen.

    Liebe Grüsse, heute aus Oppurg in Thüringen 🙂

    Lisa von http://www.wanderwithlilu.com

    • Liebe Lisa, wenn du mit dem Reisemobil auf Tschechientour gehst und noch Fragen hast, dann immer her damit. Loket ist auch toll, aber deutlich kleiner als Český Krumlov. Dafür aber zum Glück vom asiatischen Massenmarkt noch nicht so entdeckt. Liebe Grüße aus Berlin nach Thüringen!

  2. Exorbitant schön gelegen..? Herrlich!
    Nach Eurem Bericht möchte ich am liebsten noch heute Abend in den Zug steigen und endlich mal die böhmischen Dörfer verstehen lernen. Die lustigen Häkchen und Striche über den tschechischen Orten wirken übrigens sehr dekorativ – passend zum vergnüglichen Schreibstil.
    Danke für diesen lesenswerten Beitrag.
    Viele Grüße
    Mandy

    • Liebe Mandy, nichts zu danken. Wenn Ihr’s mal schafft, in den Zug nach Tschechien zu steigen, können wir Euch gerne weitere Tipps geben. Und die Sache mit den Häkchen und Strichchen: Gesprochen wird das Ganze nochmals lustiger… Beste Grüße!

  3. Wow, was für ein gehaltvoller Beitrag. Vielen Dank dafür. Supergute Tipps, die ich im Hinterkopf behalte und die Bilder machen mir übrigens richtig Lust, ich will da jetzt auch mal hin 🙂 . Gratulation übrigens zu so vielen Büchern! Lg Sandra

    • Hi Sandra, danke dir. Tschechien ist tatsächlich immer noch ein sehr unterbewertetes europäisches Reiseland. Und zu den Büchern: Hat natürlich auch ein paar Jahrzehnte gedauert, die zu recherchieren und schreiben 😉

  4. Eine sehr schöne Zusammenfassung mit vielen Anregungen für einen Urlaub in Tschechien. Bei meinem letzten Besuch in Tschechien haben mir diese Tipps offensichtlich gefehlt. Nächstes Mal … Danke dafür!

    Liebe Grüße aus dem Münsterland,
    Sina

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