„Der Spargel ist wahrscheinlich der König aller Gemüse; bedauerlich nur, dass seine Herrschaft so kurz währt.“

Johann Wolfgang von Goethe

Wusstet Ihr, dass um die brandenburgische Kleinstadt Beelitz auf rund 1700 Hektar Spargel angebaut wird? Von Zauchwitz im Osten bis Klaistow im Westen, von Schlunkendorf im Norden bis Schäpe im Süden. Damit gilt die Gegend um Beelitz als größte zusammenhängende Spargelregion Deutschlands. Wo der Beelitzer Spargel wächst, seht Ihr auf dieser Karte:

Spargel, ein komisches Gemüse – ein paar Infos vorab

  • Es gibt verschiedene Spargelzüchtungen. Grundsätzlich aber unterscheidet man zwischen weißem, grünem und violettem Spargel. Jeder Spargel wird grün, wenn man ihn über der Erde im Tageslicht aufwachsen lässt. Das hat mit der Photosynthese zu tun. Weißer Spargel aber sieht bis zu dem Zeitpunkt, an dem er gestochen wird, kein Tageslicht, sondern ist unter einem Damm voll Sand verborgen. Gönnt man dem Spargeltrieb die Freiheit, den Kopf aus dem Sand zu stecken, verfärbt er sich zunächst violett, bevor er grün wird.
  • Aus dem Wurzelstock kommen, nachdem die Spargeltriebe gestochen wurden, wieder neue Triebe. Der weiße Spargel wird bis zu sechsmal in der Saison gestochen. Beim siebten Versuch des Spargels, den Stamm einer Pflanze zu bilden, lässt man ihn durchwachsen, um auch im nächsten Jahr wieder ernten zu können.
  • Zum Stechen des Spargels werden spezielle Spargelmesser verwendet. Sie ähneln Brecheisen und können außerhalb der Spargelsaison für Einbrüche in Grunewald genutzt werden.
  • Allzu schön anzusehen sind die Spargelfelder leider nicht: Dixie-Klos und Plastikfolien bis zum Horizont. Unter Plastik nämlich hat es der Spargel deutlich wärmer und kann so früher geerntet werden. Das bringt alljährlich Tonnen von Plastikmüll mit sich – eine unglaubliche Umweltsauerei.
  • Den lustigsten Namen hat der Spargel im Türkischen: Kuşkonmaz. Wörtlich: „Wo sich kein Vogel draufstellt“.
  • Spargel ist verdammt gesund: Beim Spargelessen kann man zulangen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. 100 Gramm gekochter Spargel weist gerade mal 13 kcal (52 kJ) auf. Außerdem enthält 100 Gramm Spargel: 95 Gramm Wasser, 1,7 Gramm Eiweiß, 1,5 Gramm Kohlenhydrate, 0,1 Gramm Fett, außerdem viel Kalium (daher die harntreibende Wirkung), dazu Phosphor, Natrium, Calcium, die Vitamine A, B1, B2, C und Niacin sowie weitere bioaktive Pflanzenstoffe.
  • Die Sache mit dem Spargelpipi: Für den streng riechenden Spargelurin ist die sogenannte Asparagusinsäure verantwortlich, die im menschlichen Körper zu schwefelhaften Verbindungen führt. Interessanterweise riecht der Spargelurin aber nur bei jedem zweiten Menschen streng.
  • Es gibt Leute, die Angst vor Spargel haben. Spargarophobie nennt sich das. Ohne Scheiß!
Spargelfeld mit Dixieklo
Plastikbahnen und Dixie-Klo: So sieht ein typisches Spargelfeld bei Beelitz aus

Spargelanbau rund um Beelitz – damals und heute

Mit dem Anbau des „weißen Goldes“ begann man in Beelitz 1861. Schon 1910 soll es 150 Spargelbauern gegeben haben, die Zwanziger Jahre gelten als Hochzeit des Beelitzer Spargels. Mit dem Zweiten Weltkrieg setzte jedoch der Niedergang ein. Das arbeitsintensive und kalorienarme Gemüse musste nahrhafteren Gemüsesorten weichen.

Die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und der Fünfjahresplan zu DDR-Zeiten brachten den Spargelanbau im großen Stil zum Erliegen. Wer sich jedoch im eigenen Garten ein paar Reihen Spargel zog, war ein gemachter Mann bzw. eine gemachte Frau. Spargel nämlich galt als zweite Währung: Man konnte ihn gegen Traktorersatzteile eintauschen, den Arzt damit bezahlen oder Fliesen kaufen. Seine Renaissance erlebte der Spargelanbau in Beelitz nach dem Fall der Mauer.

Violetter Spargel auf Eis
Braucht wie der grüne Spargel nicht geschält zu werden: violetter Spargel

Und heute? Heute werden in ganz Brandenburg jährlich über 20.000 Tonnen Spargel gestochen, lediglich in Niedersachsen ist es mehr. Die Saison beginnt im April und endet traditionell am Johannistag (24. Juni). Wie heißt es doch so schön?

„Kirsche rot, Spargel tot.“

Die Erntearbeit wird vor allem von Saisonarbeitern aus Rumänien und Polen bezwungen. Deutsche Erntehelfer sind schwer zu bekommen, angeblich melden sich viele schon nach wenigen Tagen krank. Die Arbeit auf den Spargelfeldern muss heftig sein, mühsam und durchaus auch anspruchsvoll. Also nix für Spargeltarzans mit Rückenleiden.

Spargelfeld mit Mohnblume
Spargelanbau bei Beelitz: Feierabend auf dem Feld

Spargelhauptstädtchen Beelitz – was gibt’s zu sehen?

Die 12.000-Einwohner-Stadt Beelitz ist – Beelitzer verzeiht uns – ein recht träger Brandenburger Ort. Müde blinzelt er seine Besucher an. Der kleine Kern mit seinen Fach- und Backsteinbauten gruppiert sich um die Kirche St. Marien und St. Nikolai, die in ihren Ursprüngen bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht.

Frau läuft durch stille Straße mit Backsteingebäuden
Verschlafen: Zentrum von Beelitz

Selbstverständlich gibt es ein → Spargelmuseum. Es ist nur einen Spargelwurf von der Kirche entfernt und hält ein paar kurzweilige Spargelinfos bereit. So erfährt man zum Beispiel, dass schon die Römer vor 2500 Jahren Spargel aßen und dass bereits Hippokrates die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Stangengemüses beschrieb.

Ein weiteres Museum befindet sich neben der Touristeninformation in der → Alten Posthalterei. Hier machten früher die Kutschen auf ihrem Weg von Leipzig nach Berlin Pause. Und hier wurden die Pferde gewechselt. Auch gab es eine Gastwirtschaft samt Fremdenzimmer, in deren Betten vermutlich schon Spargelkenner Goethe und Schiller pupsten. Die Ausstellung hat das preußische Postwesen zum Thema. Am nordöstlichen Ortsrand steht eine schmucke → Bockwindmühle aus dem 18. Jahrhundert, die in den Sommermonaten besucht werden kann.

Weidende Tiere im Abendlicht
Landidylle bei der Bockwindmühle

Die große Party des steppenden Spargels findet in Beelitz übrigens am ersten Juniwochenende statt (zumindest in Jahren ohne Corona & Co). Höhepunkt des Spargelfests: der Festumzug am Sonntag samt Spargelpyramide und Spargelkönigin.

Stangenorgien: Die schönsten Spargelhöfe in um Beelitz

Auf rund 15 Spargelhöfen rund um Beelitz kann man zur Saison frischen Spargel einkaufen und/oder es sich bei Spargelcremesuppe & Co im angeschlossenen Restaurant gut gehen lassen. Hier unsere Tipps.

Hinweis: Der verdammte C-Virus betrifft natürlich auch die Spargelhöfe und deren Restaurants bzw. Hofläden. Konsultiert vor der Fahrt zu einem bestimmten Hof unbedingt dessen Webseite, um zu erfahren, was geht (Take-away-Gerichte?) und was eben nicht.

Jakobs-Hof Schäpe

Der → Jakobs-Hof Schäpe im gleichnamigen Dorf etwa sechs Kilometer südwestlich von Beelitz ist der unserer Meinung nach schönste Spargelhof der Region. Er punktet mit einem guten Hofladen und einem ebensolchen Restaurant mit Scheunenambiente und nettem Innenhof. Hier schlemmt man unter anderem Spargel-Crepes, Spargelauflauf oder Spargelsalat. Sehr lecker! Danach kann man das sogenannte 5-Minuten-Museum in der historischen Dorfschmiede mit einer Ausstellung zur Ortsgeschichte besichtigen.

Jakobs-Hof Beelitz

Der → Jakobs-Hof Beelitz liegt etwa zwei Kilometer nördlich des Zentrums von Beelitz. Nicht verwirren lassen: Hierbei handelt es sich um den Spargelhof von Jürgen Jakobs, dem Bruder von Josef Jakobs, der den Hof in Schäpe betreibt. Die Brüder entstammen einer Spargelbauerfamilie am Niederrhein und gründeten die beiden Höfe nach der Wende. Gleiche Speisekarte, aber deutlich weniger Idylle. Dafür können Kinder Tiere streicheln.

Spargelhof am Storchennest

Der → Spargelhof am Storchennest im Dorf Rieben neun Kilometer südöstlich von Beelitz heißt natürlich nicht umsonst so. Er wird seit vielen Generationen von der Familie Heinrich betrieben und rühmt sich des guten Umgangs mit seinen Erntehelfern: keine Akkordlöhne, gemeinsame Mittagessen, ganzjähriger freundschaftlicher Kontakt. Am Spargelhof selbst gibt es nur einen Hofladen. Kosten kann man den hofeigenen Spargel im netten → Landgasthof Rieben schräg gegenüber.

Spargel- und Erlebnishof Klaistow

Der → Spargel- und Erlebnishof Klaistow ist eine Art Spargel-Disney-World und ein Megakommerz! Absolute Geschmackssache. Wir finden es grässlich da. Familien hingegen können hier einen spaßigen Tag verleben. Das große Areal liegt rund 13 Kilometer nordwestlich von Beelitz. Es bietet unter anderem ein Maislabyrinth, einen Kletterwald, Budenzauber, dazu mehrere Lokale und Läden. Es gibt auch Führungen und zur Saison Rundfahrten über die Felder.

Tipps für den Spargelkauf und das beste Rezept

Grüner, violetter und weißer Spargel

Achtet darauf, dass aus den Schnittenden des Spargels noch Saft strömt – dann ist er schön frisch. Ungeschälter Spargel kann, in ein feuchtes Tuch eingewickelt, im Kühlschrank etwa vier Tage aufbewahrt werden.

Wir bereiten unseren Spargel stets im Backofen zu. So bleiben die Geschmacksstoffe schön beim Spargel und werden nicht ausgekocht. Der geschälte Spargel wird gesalzen und mit viel Butter obenauf in Alufolie gepackt. Dann ab damit in den auf 200 Grad vorgeheizten Backofen! Nach 30 Minuten ist er al dente, nach 45 Minuten gut durch.

Und wenn man schon in der Gegend ist: Lost Place Beelitz-Heilstätten

Lost Place Beelitz-Heilstätten

Nur etwa fünf Kilometer nordwestlich des Zentrums von Beelitz liegt Beelitz Heilstätten, ein grandioser Lost Place, den die denkmalgeschützten Backsteingebäude der ehemaligen Lungenheilanstalt in Szene setzen. Wer also zum Spargelfuttern kommt, sollte sich diesen spannenden Ort nicht entgehen lassen.

Die größte Lungenheilstätte der Welt wurde zwischen 1898 und 1902 aus dem märkischen Sand gestampft. Tuberkulose war zu jener Zeit eine der häufigsten Todesursachen. Die Heilstätten waren auf dem neuesten Stand der Technik (eigenes Heizwerk, Einsatz von Elektromobilen) und der medizinischen Vorsorge. 600 Beschäftigte kümmerten sich um etwa 1200 Pfleglinge.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus den Heilstätten ein sowjetisches Lazarett und eine medizinische Forschungsstätte. In den 1990er-Jahren verkamen weite Teile des Areals zu einem spannenden Lost Place, der für Filmaufnahmen genutzt wurde.

Menschen unter einer grünen Kuppel

2015 wurde auf dem Areal ein Baumkronenpfad eröffnet. Er führt am sog. Alpenhaus vorbei, einem alten Kliniktrakt, auf dessen Dach bereits Bäume wachsen. Durch das Alpenhaus und durch die ehemalige Chirurgie finden überaus spannende → Führungen mit hohem Schauderfaktor statt.

 

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Habt Ihr vielleicht einen Lieblingsspargelhof rund um Beelitz, den wir vergessen haben? Dann nichts wie ab damit in die Kommentare!

 

Mehr Brandenburg zum Weiterlesen findet Ihr hier:

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→ Fahrt ins Blau-Grüne: Mit der Motoryacht über die Rheinsberger Seenkette

 

2 Kommentare

    • Das ist aber schade, sehr schade! Lieben Dank fürs Feedback und viele Grüße zurück, Gabi und Michael

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