Es war Juni, als wir auf Rügen waren – eine prima Zeit für die Insel! Wir, das sind Michael, Gabi und Tuffi. Tuffi ist unser rollendes Zweitzuhause während der warmen Monate, ein Mercedes-Vito-Camper, Baujahr 2000. Wegen der mausgrauen Metalliclackierung haben wir ihn nach dem Elefanten benannt, der einst aus der Wuppertaler Schwebebahn sprang…

Drei Wochen lang sind wir auf der Insel-Beauty umhergefahren. Durch durchsonnte Alleen. Vorbei an Salzwiesen und knallroten Mohnfeldern.

Allee mit entgegenkommendem Auto
Tuffi und wir im Glück: Unterwegs auf Rügen

Im Juni ist auf Deutschlands sonnigster Insel gefühlt schon Sommer. Dieses Gefühl hält zumindest so lange an, wie man die Ostsee nur mit dem Auge streift und nicht mit den Zehen. Andere sehen das anders. Aber wir sind nicht so cool. Wir sind in Westdeutschland sozialisierte Warmduscher. Punkt.

Ostseestrand
Strand von Schwarbe: Da kann man doch nicht mosern, oder?

Im Juni, denkt man, ist noch Nebensaison. In Teilen stimmt das. Auf manchen Campingplätzen Rügens gab es nur uns und ein paar wenige andere Camperhanseln. Andere Plätze, vor allem rund um die renommierten Seebäder, waren um die Pfingstage herum ausgebucht. Dort steht man zu dieser Zeit zuweilen auch schon im Stau. Wie es dort im Hochsommer abgeht, möchten wir gar nicht wissen.

Unterm Strich aber herrscht im Juni in weiten Teilen der Insel eine entspannte Gemütlichkeit. Die beste Zeit zum Radeln! Auf schmalen sandigen Wegen geht es durch goldene Felder. Das Korn schunkelt im Wind unter einem weiten Himmel in Blau mit weißen Schäfchen. Auch zum Wandern entlang der Küsten ist der Juni ideal. Der Wanderweg von Sassnitz hoch über den Kreidefelsen zum Königsstuhl gehört für uns zu den schönsten Wanderwegen Deutschlands.

Kornfeld im Frühsommer
Geht’s schöner? Im Inselinneren wiegt das Korn im Wind (oben), an der Küste winken tolle Wanderwege wie der auf dem Hochuferweg über den Kreidefelsen (unten)

Imposante Küstenlandschaft auf Rügen

Auf Rügen im Juni zu campen, bedeutet aber auch: Laaaaange Tage! Dafür sorgt Rügens Lage nördlich des 54. Breitengrades. Zwar geht die Sonne auf Rügen im Juni nur etwa eine halbe Stunde später unter als in Bayern. Doch bis es dann wirklich dunkel wird, dauert es noch Ewigkeiten. Nicht selten lagen wir müde in unseren Schlafsäcken und dachten:

„Sonne, knips mal das Licht aus!“

Rund 30 Campingplätze gibt es auf Rügen. Darunter riesige, sternengeschmückte Komfortplätze genauso wie kleine, familiengeführte ohne viel Luxus, dafür mit viel Atmosphäre. Wir haben während unserer Zeit auf Rügen fast alle gesehen und auf vielen auch übernachtet. Hier kommen unsere persönlichen Tipps zum Campen auf Rügen:

Rügens schönste Campingplätze auf einen Blick

Kiefernwaldidylle: Camping Banzelvitzer Berge

Campingmobil auf einem leeren Campingplatz im Kiefernwald
Campen ohne Nachbarn: Frühsommer in den Banzelvitzer Bergen

Nördlich von Rappin erheben sich die für Rügener Verhältnisse fast schon majestätischen Banzelvitzer Berge bis zu 4500 Zentimeter über dem Meer. In dieser vergessenen Gegend, ab vom Schuss, mit tollem Blick auf den Großen Jas­munder Bodden, liegt der Campingplatz Banzelvitzer Berge. Ein Ort, der einen mit einer Umarmung empfängt – der Favorit unserer Favoriten.

„Früh kräht der Hahn, und den ganzen Tag wird gezirpt, was geht.“

Man erreicht den Platz über schmale Straßen, die die kleinen Dörfer und Höfe der Gegend verbinden. Gecampt wird im lichten Kiefernwald auf weichem Boden. Auf Kinder wartet ein Streichelzoo mit Ziegen. Es gibt eine Gaststube namens Zum Kuck­uck und einen kleinen Laden. Ein weiteres Lokal, die Fischerstube, befindet sich keine 10 Fußminuten entfernt. Nördlich der Berge liegt der Tetzit­zer See, ein na­hezu un­be­rühr­tes Idyll, wo jenes Guts­haus steht, das aus der einstigen Vorabendserie „Hallo Robbie“ bekannt ist.

Camping Banzelvitzer Berge, ge­öff­net April bis Oktober. Weitere Infos gibt es hier.

Bei den Schwarzkitteln: Störtebeker-Camp in Lietzow

Zwischen dem Großen Jasmunder Bodden und dem Kleinen Jasmunder Bodden liegt die 250 Einwohner zählende Siedlung Lietzow. Im Ort gibt es zwei gute Fischräuchereien und über dem Ort den Störtebeker-Camp. Er liegt überaus ideal, um Rügen per Rad in alle Himmelsrichtungen zu erkunden. Der Campingplatz ist nicht allzu groß, die Stellflächen sind parzelliert, zum Camping gehört auch eine gutbürgerliche Gaststätte. Zum Strand am Großen Jasmunder Bodden sind es 500 Meter. Direkt an den Campingplatz grenzt ein Wald, in dem Gabi beim Joggen frühmorgens einer Wildsau samt Frischlingen begegnete. Fand sie nicht lustig.

Störtebeker-Camp, Mitte Oktober bis April geschlossen. Weitere Infos hier.

Direkt am Strand: Campingplatz Drewolke und Knaus Campingpark

Rund um das Seebad Breege-Juliusruh gibt es mehrere Campingplätze. Uns gefällt unter anderem der Campingplatz Drewolke, der trotz seiner Größe durchaus Idylle besitzt – vor allem in der Nebensaison, wenn man die Chance hat, einen der Stellplätze direkt hinter dem schönen schmalen Strand zu ergattern. Ein Träumchen! Kiefern spenden ordentlich Schatten, rauben aber auch den hinteren Stellplätzen den Blick aufs Meer. Es werden auch Wohnwagen und Bungalows vermietet.

Campingplatz Drewolke, ganzjährig geöffnet. Weitere Infos hier.

Campingplatz an der Ostsee
Campen in erster Reihe: Knaus Campingpark

Direkt an den Campingplatz Drewolke schließt der Knaus Campingpark an. Eine andere Campingwelt. Keine Kiefern, wenig Schatten. Hier campt man auf einer weiten grünen Wiese, die durch Hecken unterteilt ist. Der Strand davor ist nicht mehr ganz so einladend, direkt hinter dem Strand steigt auch die Küste steiler an. Vorteil: Man steht höher und genießt so teils tolle Ostseeblicke. Nur gibt es von den spektakulärsten Plätzen in der vordersten Reihe nicht allzu viele. Wer nicht länger als zwei Tage bleiben will, kann dafür preiswert (aber auch eng an eng) im angeschlossenen Reisemobilhafen stehen. In der Gaststätte wird montags gegrillt.

Knaus Campingpark, ganzjährig geöffnet. Weitere Infos hier.

Mitten in der Pampa: Wohnmobilstellplatz Seedorf

Strandkörbe auf einer Wiese am Neuensier See auf Rügen
Für Ruhebedürftige: Der Garten der Pension Seeblick (übrigens mit herrlicher Restaurantterrasse) am Neuensiener See, 500 m weiter am Hafen bei Seedorf wird gecampt

Im Südosten Rügens, in einer zauberhaften Landschaft, die von Alleen durchsetzt ist, liegt der Neuensie­ner See. Ein Wasserarm verbindet den See mit der golfartigen Ostseebucht Lan­ckener Bek. Dort liegt das beschauliche Örtchen Seedorf mit einem recht großen Yacht- und Fischerhafen. Direkt hinter dem Bootsanleger vermietet die Hafenmeisterin ein paar preiswerte Wohnmobilstellplätze. Die Geräusche: das Klangklang der Takelagen und das Schwippschwapp des Wassers. Sonst wenig. Herrlich! Duschen und Klos sind vorhanden, dazu auch mehrere Restaurants. Wir waren furchtbar neidisch auf die Camper, die hier vor ihren Womos schnurrten wie zufriedene Kätzchen – für uns gab es leider keinen Platz mehr. Merke daher: Auch in der Nebensaison reservieren!

Wohnmobilstellplatz Seedorf, März bis Oktober geöffnet. Weitere Infos hier.

Abendrot-Show: Küstencamp in Bakenberg

Sonnenuntergang am Strand von Bakenberg auf RügenIm Nordwesten der Halbinsel Wittow, in der Urlaubsregion Bakenberg, erstreckt sich ein lang gezoge­ner Kiefernwald. Der Badestrand an der Steilküste davor ist eine optische Granate und auch am Abend ein Pilgerziel. Hier nämlich kann man einem ohnehin schon gelungenen Tag noch ein Krönchen aufsetzen. Traumschöne Sonnenuntergänge, die man am besten bei einem Gläschen Wein genießt.

Im Wald dahinter liegen mehrere Feriendörfer und Campingplätze. Unser Tipp ist der Küstencamp, ein gepflegtes baumbestandenes Wiesenareal etwa drei Gehminuten hinter dem Strand. Sehr freundlich und sehr relaxt. Davor gibt es auch einen kleinen Wohnmobilhafen. In der Umgebung bietet der Reiterhof Schwarbe Ausritte an.

Küstencamp, ganzjährig geöffnet. Weitere Infos hier.

Für den Sprung nach Hiddensee: Campingplatz Am Schaproder Bodden

Boote in der Ostsee bei Sonnenuntergang
Campingplatzstrand von Schaprode, im Hintergrund Hiddensee

Der kleine Ort Schaprode liegt gegenüber von Hiddensee. Und da die autofreie Insel keinen Campingplatz hat, ist Schaprode ideal, um Tagesausflüge nach Hiddensee zu unternehmen. Regelmäßig tuckern Fähren der Weißen Flotte von Schaprode hinüber, Fahrpläne gibt es hier.

Der Campingplatz vor Ort hat uns gut gefallen: sympathisch, unprätentiös, einfach aber sauber. Schatten gibt es kaum, dafür eine Segel- und Surfschule namens Wiking Surf. Der Sandstrand davor fällt extrem flach ins Meer ab, prima also für alle mit Kids im Schlepptau. Wer nicht vorhat, nach Hiddensee zu fahren, schaut einfach nur hinüber und hat dabei am besten Nina Hagen im Ohr. Ihr wisst schon:

„Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee,

Micha, mein Micha, und alles tat so weh.“

Bratwurst mit Kraut auf einem Teller
Beste Biowurst gibt’s in Schilling’s Gasthof

Dem Campingplatz angegliedert ist auch eine einfache Gaststätte, in der zwei Mal wöchentlich Fisch geräuchert wird. Bestes Lokal vor Ort ist der Schillings Gasthof. Hier gibt es super Biobratwürste und allerfeinste Steaks von den eigenen Rindern, die auf den Salzwiesen der vorgelagerten Insel Öhe weiden. Was Schaprode sonst noch bietet? Ein nettes Zentrum mit einer paar alten Fischer- und Kapitänshäusern und einer hübschen Kirche.

Camping Am Schaproder Bodden, geöffnet April bis Oktober. Weitere Infos hier.

Ruckzuck in Stralsund: Womo-Stellplatz An der Rügenbrücke und Sund Camp Altefähr

Marktplatz mit schönen historischen Backsteinbauten
Backsteingotik at its best: Alter Markt in Stralsund

Wollt Ihr auch die Altstadt von Stralsund besichtigen, die mächtigen Backsteinkirchen und das Ozeaneum? Zwei Plätze eignen sich dafür: Der Wohnmobilstellplatz An der Rügenbrücke ist einem Wohnmobilhändler angeschlossen. Er ist auch ohne Charme völlig okay und bietet saubere Sanitäranlagen. Ins Zentrum läuft man 20 Minuten.

Wohnmobilstellplatz An der Rügenbrücke, ganzjährig geöffnet. Weitere Infos hier.

Strand mit Bänken, im Hintergrund das Meer und die Stadt Stralsund
Blick von Altefähr hinüber nach Stralsund

Auf der anderen Seite des Meeresarms Strelasund befindet sich am Ortsrand von Altefähr der Sund Camp Altefähr. Von Altefähr kann man mit den Schiffen der Weißen Flotte von Mitte April bis Ende Oktober etwa viermal täglich nach Stralsund übersetzen. Der Sund Camp Altefähr ist ein sympathischer Platz mit parzellierten Stellplätzen, eher vom einfachen Schlag, aber nett! Er liegt am Waldrand ca. 300 Meter oberhalb des Strelasund. Es gibt einen Fischbrötchen-Imbiss und unten am Strand das modern-rustikale Restaurant Strandhaus mit netter Terrasse. Leckeres „Baltic Sea Soulfood“ (Eigenbezeichnung) kommt dort auf den Tisch (Mo Ruhetag).

Sund Camp Altefähr, November bis Februar geschlossen. Achtung: Rezeption nur von 8–17 Uhr besetzt. Weitere Infos hier.

Kiter-Dorado: Ostseecamp Suhrendorf

Sonnenuntergang auf einem Campingplatz auf Rügen
Ostseecamp Suhrendorf

Dieser Campingplatz befindet sich gar nicht auf Rügen, sondern auf der westlich angrenzenden Insel Ummanz. Sie ist nur 18 Quadratkilometer groß, so flach wie eine aufgehaltene Hand und ein kleines Naturparadies. Gefühlt wohnen hier mehr Schafs- und Haflingerseelen als Menschenseelen. Im Frühjahr und Herbst kommen auch Kraniche vorbei. Verbunden ist die Insel mit Rügen über eine 250 Meter lange Brücke.

Die Westküste steht bei Kitern hoch im Kurs. Sie treffen sich in der Surfbase Ummaii auf dem Ostseecamp Suhrendorf. Der gro­ße, gepflegte und gut orga­nisierte Cam­ping- und Cara­van­platz mit teils altem Baumbestand befindet sich direkt am Wasser, bietet aber keinen nennenswerten Strand. Außerdem: Gaststätte, Kiosk, Minigolf­platz, Volley­ball, Spiel­platz, Bootsverleih, Sauna und Bungalowvermietung.

Ostseecamp Suhrendorf, Mitte April bis Oktober geöffnet. Weitere Infos hier.

Kiter im Sonnenuntergang in der Ostsee
Kiter vorm Strand von Suhrendorf

LITERATURTIPP

Noch mehr Tipps für Campingplätze auf Rügen gibt es in dem detailreichen Reiseführer „Rügen“ unserer Kollegen Sabine Becht und Sven Talaron, erschienen im Michael Müller Verlag.

 

Konnten wir Euch bei der Planung Eueres Campingurlaubs auf Rügen ein wenig weiterhelfen? Wenn ja, freuen wir uns sehr über Euere Pins auf Pinterest!

Ihr wollt mehr Rügen?

Unsere Lieblingsplätze auf Rügen abseits des Mainstream haben wir hier aufgeschrieben.

Ihr wollt mehr Ostsee?

Wie sich Fischland-Darß-Zingst im Frühsommer so anfühlt, haben wir hier aufgeschrieben.

Was in Timmendorfer Strand im Winter los ist, gibt es hier zu lesen.

Und einen Stadtbummel durch Lübeck gibt es hier.

Ihr wollt mehr Meck-Pomm?

Was man in der Mecklenburgischen Schweiz so anstellen kann, lest Ihr hier.

Und mehr Infos über das geschichtsbelastete Bilderbuchdorf Alt Rehse gibt es hier.

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