Gehört Ihr auch zu denen, die die schweren Pforten einer Kirche stets mit Spannung öffnen? Und die drinnen mit großen Augen barocke Fresken, Buntglasfenster und Reliquien anstaunen? Und die dann den Kopf in den Nacken legen?

Wir schauen uns jede Kirche an, die bei Drei nicht auf dem Baum ist. Zumindest jede vielversprechende. Und oft legen wir die Kamera auf den Boden und tätigen den Selbstauslöser. Irre, was dabei für schöne Fotos herauskommen. Bildkompositionen, die Ausflüge in die Geometrie und Symmetrie bieten. Teils mit einem einfallenden Licht, als hätte Caravaggio höchstpersönlich Hand angelegt.

Hier zeigen wir Euch eine bunte Reihe an Kirchendecken und Kirchengewölben zwischen Franken und Indien, zwischen Malta und Hiddensee. Die meisten befinden sich bislang in Deutschland. Weitere Gewölbe werden folgen. Work in Progress.

#1 Angermünde: Die ehemalige Franziskanerkirche

Historische Laternen, Kopfsteinpflaster, Kirchen und wuchtige Türme. Die brandenburgische Kleinstadt Angermünde wirkt wie eine Filmkulisse. Am Rande der Altstadt steht die ehemalige Klosterkirche Peter und Paul. Sie gehörte einst zu einer Franziskanerabtei.

Die 30 Meter hohe Hallenkirche, die 1292 erstmals erwähnt wurde, kann in den Sommermonaten besucht werden. Sie dient heute, leer geräumt und voller Patina, als Kulturzentrum. Hingucker: das reich verzierte Gewölbe der Sakristei.

Kirchengewölbe mit Rippen
Die Franziskanerkirche von Angermünde ist heute ein Kulturzentrum

#2 Bamberg: Der Reiter im Dom

Der Kaiserdom St. Peter und St. Georg mit seinen vier Türmen ist ein Prachtbau der Romanik. Sein Inneres war einst vollständig ausgemalt. Heute gehört es eher zur nüchternen Sorte. Einen Eyecatcher unterm Kreuzrippengewölbe gibt es aber: den berühmten „Bamberger Reiter“, einen Sandsteinjüngling mit gelocktem Pagenkopf auf einem Pferd. Der hübsche Reiter stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Damit ist er eine der ältesten erhaltenen Reiterplastiken.

Mehr über Bamberg, das oberfränkische UNESCO-Welterbe, lest Ihr hier.

Reiterstatue in einer Kirche
Jüngling hoch zu Ross: der Bamberger Reiter

#3 Berliner Dom: Tempel der Hohenzollern

Der Berliner Dom, 1905 eingeweiht, folgt ganz dem Motto der Hohenzollern: bitte größer und pompöser! Doch der wilhelminische Prunkbau im Stil der Hochrenaissance wurde im Zweiten Weltkrieg arg mitgenommen. Durch die Kuppel, die sich einst 114 Meter über Straßenniveau erhob (heute nur noch 70 Meter), flogen nach dem Krieg Tauben. 1975 begann man mit dem Wiederaufbau. Erst zwei Jahre nach der Jahrtausendwende wurde das letzte Kuppelmosaik feierlich enthüllt.

Infos zu Konzerten, Gottesdiensten und Besichtigungszeiten gibt es hier.

Blick in eine Kirchenkuppel von unten
Berliner Dom: Tempel der Hohenzollern

#4 Benz: Die Dorfkirche St. Petri auf Usedom

Wir lieben die kleinen Dorfkirchen Vorpommerns. Winzige, oft barock-verschnörkelte und reich ausgeschmückte Feldsteinkirchen im touristischen Abseits. Sie sind immer wieder für eine Überraschung gut.

Die Kirche des Dorfes Benz war ein Zufallsfund bei einer Winterwanderung auf Usedom. Ihre Fundamente reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Ihr wunderschönes hölzernes Tonnengewölbe mit den blauen, sternendekorierten Kassetten erhielt sie jedoch erst bei einer Restaurierung im frühen 19. Jahrhundert.

Mehr über Usedom lest Ihr hier.

Frau fotografiert Kassettendecke einer Kirche
Wirkt fast ein wenig mediterran: die Dorfkirche von Benz auf Usedom

#5 Cheb: Das Franziskanerkloster in der Altstadt

Die tschechische 32.000-Einwohner-Stadt Cheb, das alte Eger, liegt nur zehn Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt. Ihr historisches Zentrum ist entzückend: ein farbenfroher Marktplatz mit Barock- und Renaissancehäusern, romantische Gassen, geschichtsträchtige Kirchen.

Eine davon ist die Mariä Verkündigungskirche. Sie gehört zu einem einstigen Kloster, das im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Die sakralen Gebäude verkamen in sozialistischer Zeit fürchterlich, das Interieur wurde fast vollständig geraubt. Was übrig blieb, ist morbider Charme – in der Kirche genauso wie im Kreuzgang des Franziskanerklosters. Seht selbst:

 

#6 Cottbus: Oberkirche St. Nikolai

Cottbus, die zweitgrößte Stadt Brandenburgs, bietet einen schrägen Karneval der Architekturen. Backsteingotik, Klassizismus, Barock – an allen möglichen Stilrichtungen rattert die Straßenbahn vorbei.

Sterngewölbe einer Kirche
Cottbus: Sterngewölbe der Oberkirche St. Nikolai

Das bemerkenswerte Sterngewölbe, das Ihr hier seht, gehört zur zentral gelegenen Oberkirche St. Nikolai, einer dreischiffigen Hallenkirche. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist die größte Kirche der Niederlausitz.

#7 Dettelbach: Wallfahrtskirche Maria im Sand

Dettelbach ist ein bildhübsches 7300-Einwohner-Städtchen im Fränkischen Weinland. Das schöne Gewölbe auf dem Foto gehört zur am Ortsrand gelegenen Wallfahrtskirche Maria im Sand, einem echten Highlight in Sachen barocker Sakralarchitektur. In ihrem Inneren ist sie prächtigst ausgestattet.

Mehr über Dettelbach lest Ihr hier.

Geometrisches Gewölbe
Spiel der Formen: Wallfahrtskirche Maria im Sand in Dettelbach

#8 Dinkelsbühl: Stadtpfarrkirche St. Georg

Wir bleiben in Franken, fahren nur ein wenig weiter nach Westen, nach Mittelfranken. Im Gegensatz zu Dettelbach zieht die knapp 12.000 Einwohner zählende Kreisstadt Dinkelsbühl recht viele Touristen an. Ein bewohntes Museum wie beispielsweise Rothenburg ob der Tauber ist es aber noch lange nicht.

„Eine Stadt wie ein aufgeräumtes Zimmer.“

Mittendrin im Kleinstadtzauber Dinkelsbühls steht die dreischiffigen Hallenkirche St. Georg, zugleich die Stadtpfarrkirche. Ihr spätgotisches Langhaus wurde an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert errichtet. Toll ist das auf Pfeilern ruhende Tonnengewölbe mit schwer elegantem Rippennetz. Was für eine Raumwirkung!

Elegantes Kreuzrippengewölbe einer Kirche
Very elegant: Die Stadtpfarrkirche St. Georg in Dinkelsbühl

#9 Franzensbad: Die orthodoxe Kirche im Kurbad

Franzensbad heißt heute eigentlich Františkovy Lázně und ist ein verschnarchtes, recht spießiges Heilbädchen in Westböhmen nahe der deutschen Grenze.

Schon immer gab es hier auch russische Kurgäste. Die 1887–1889 errichtete orthodoxe Kirche der Heiligen Olga gilt gar als älteste russisch-orthodoxe Kirche Tschechiens. Sie ist ein wahres Schmuckstück.

Orthodoxe Kirche in Hellblau und Ocker
Franzensbad: Orthodoxe Kirche in Pastell

#10 Genua: Stadt der Kirchen

Dahin oder dorthin? Im ligurischen Genua ist eine Kirche schöner als die andere, von den Gewölben ganz zu schweigen.

In der Chiesa San Siro in der gleichnamigen Altstadtstraße fährt das Auge Karussell. Die luftige dreischiffige Basilika ist ausgeschmückt wie ein Palast, teils mit riesigen Statuen. Wenn man hochguckt, sieht man das:

Gold glänzende Kirchendecke
Chiesa San Siro

Eine der imposantesten Kirchen aber, die wir je gesehen haben, ist die Basilica della Santissima Annunziata del Vastato an der berühmten Via Baldi. Fresken, Gold, marmorne Säulen und Böden, Stuck. Alle namhaften Genueser Maler des 17. Jahrhunderts hatten hier ihre begnadeten Hände im Spiel. Schade nur, dass es hier keine Liegen gibt, um stundenlang das Gewölbe betrachten zu können:

Goldenes Kirchengewölbe mit vielen Fresken
Basilica della Santissima Annunziata del Vastato

Im Castello-Viertel steht die Chiesa Santa Maria di Castello. Die Kirche, die einem Kloster angegliedert war, erhielt im 15. Jahrhundert unter den Dominikanern ihre reiche Ausstattung. Heute führen kauzige Opis durch Kirche und Klostertrakt und zeigen Euch unter anderem dieses schöne Gewölbe:

Decke mit blauem Kreis
Dem Himmel ganz nah: Die Chiesa Santa Maria di Castello

Mehr über Genua lest Ihr hier.

#11 Goa Velha: Portugiesische Kirchen in Indien

Goa fanden wir an der Küste teils ziemlich gruselig. Indischer Sauftourismus, Neohippie-Gedöns, zugebaute Strände. Das Meer davor eine Massenbadewanne zum Davonlaufen. Der liberale Bundesstaat hat aber auch viel Tolles zu bieten. Wer die schönen Seiten sehen will, sollte der Küste den Rücken zuwenden und das Landesinnere mit seinen Hinterlassenschaften aus der portugiesischen Kolonialzeit erkunden.

„Wer Goa kennt, braucht Lissabon nicht zu sehen.“ (Sprichwort)

Am Flusslauf des Mandavi liegt Goa Velha (Old Goa) – einst die Hauptstadt der portugiesischen Kolonie. Im 16. und 17. Jahrhundert lebten hier rund 200.000 Menschen. Außer ein paar Ruinen und Kirchen blieb nicht viel erhalten. Die Solitäre in der tropischen Landschaft stehen heute auf der UNESCO-Welterbeliste.

Eine spektakuläre Kuppel besitzt die Kirche St. Cajetan. Sie wurde um 1651 nach dem Vorbild des Petersdoms in Rom errichtet.

Größer als jede Kirche Portugals ist die Sé Catedral. Ihr im korinthischen Stil gehaltenes Inneres ist überwältigend, die Decken genauso wie die sage und schreibe 15 Altäre.

Mehr über Goa lest Ihr hier.

 

#12 Havelberg: Dom St. Marien

Havelberg ist ein fast 1000 Jahre altes Städtchen in Sachsen-Anhalt, unweit der Mündung der Havel in die Elbe. Das Zentrum ist hübsch, die Stimmung verhalten, die Gastronomie unterirdisch. Das war vermutlich einmal anders, als Havelberg stolze Hansestadt und wohlhabendes Bistum war.

Aus dieser Zeit stammt der unübersehbare Dom St. Marien, der als riesiges Klinkerwunder über der Stadt thront. Er wurde im 12. Jahrhundert von Mönchen des Prämonstratenserordens errichtet und weist gotische und romanische Elemente auf. Eyecatcher im Inneren sind die schönen Buntglasfenster. Zudem gefällt uns das gotische Kreuzrippengewölbe:

Blick auf ein gotisches Kreuzrippengewölbe von unten
Havelberg: Dom St. Marien

#13 Hiddensee: Die Inselkirche in Kloster

Wenn man in der Kirche von Kloster auf dem Ostsee-Eiland Hiddensee den Kopf zur Decke hebt, will man fast „Grüß Gott!“ rufen, so nahe fühlt man sich dem Himmel. Ein halbnackter Engel tanzt unter dem taubenblauen und mit Blümchen bemalten, hölzernen Tonnengewölbe:

Engel hängt unter Blümchendecke
Inselkirche Hiddensee: der tanzende Engel unterm Tonnengewölbe

Nebenan, auf dem Friedhof hält der Literat und Hiddenseefan Gerhart Hauptmann seinen ewigen Schlaf. Falls Ihr Euch die Kirche anschauen wollt: Kommt unbedingt in der Nebensaison. Schon ab Juni ist Hiddensee fully booked, und das in der Regel über ein Jahr im Voraus!

#14 Iphofen: Kirche St. Veit

Mainfranken again. Ihr merkt, es gefällt uns in Franken. Dahinter steckt zum einen ein wenig Heimatliebe – Gabi ist Oberfränkin. Zum anderen aber gibt es in Franken einfach außergewöhnlich schöne Gotteshäuser.

Die Kirche St. Veit steht mitten im Fachwerk-Bilderbuchort Iphofen, in dem auch fleißig gewinzert wird. Das spätgotische Gotteshaus besitzt überaus elegante ockerfarbene Gewölberippen. Nicht im Bild, aber in der Kirche: die Plastik des Evangelisten Johannes. Es schuf sie kein Geringerer als Tilman Riemenschneider (1460–1531), einer der größten Bildhauer der Spätgotik.

Mehr über Iphofen lest Ihr hier.

Blick auf elegantes Rippengewölbe von unten
Iphofen: Kirche St. Veit

#15 Istanbul: Hagia Sophia, die Kirche aller Kirchen

Mal Kirche, mal Moschee, mal Museum, nun wieder Moschee. Wäre die Hagia Sophia eine Person und würde neben einem am Kneipentresen sitzen: Mein Gott, hätte die was zu erzählen! Mehr Geschichte hat kaum ein Kirchenbau auf dem Buckel.

In der Hagia Sophia, einer der ältesten und imposantesten Kirchen der Welt, wird seit 2020 wieder zu Allah gebetet. Erdoğan wollte das, und Erdoğan bekam seinen Willen. Ein symbolischer Faustschlag in die Magengrube der Christen.

Mit dem Bau der „Kirche der Heiligen Weisheit“ wurde im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian begonnen. Für knapp 1000 Jahre, bis zum Bau des Petersdoms in Rom, war sie die größte Kirche der Welt. Nach dem Fall von Byzanz 1453 wurden die Kirchenbänke durch Gebetsteppiche ersetzt.

Der westlich gesinnte Staatsgründer Atatürk wandelte die Hagia 1934 in ein Museum um. Er wollte verhindern, dass sie zum Zentrum reaktionärer islamischer Kreise wurde. Mit dieser Tradition machte Recep Tayyip Erdoğan nun Schluss. Wundert’s?

Das Hauptschiff ist einer der gewaltigsten Räume, die je von Menschenhand geschaffen wurden. Gekrönt wird es von einer Kuppel mit einem Durchmesser von 33 Metern, die scheinbar jeglicher Gesetze der Statik spottet. Aus den Bögen direkt unterhalb der Kuppel grüßen Engel. Oder grüßten? Welche Auswirkungen die erneute Umwandlung in eine Moschee auf die christlichen Kunstwerke in der Hagia Sophia haben wird, bleibt abzuwarten. Vermutlich werden viele wertvolle Fresken und Mosaike unter Tüchern verschwinden.

Engel und eine Kirchenkuppel von unten
Wie lange noch? Engel in der Kuppel der Hagia Sophia

#16 Kutná Hora: Die Knochenkapelle von Sedlec

Auch die ehemals königliche Bergbaustadt Kutná Hora 60 Kilometer östlich von Prag steht heute auf der begehrten Welterbeliste der UNESCO. Als die Stadt noch den deutschen Namen Kuttenberg trug und dort Silber abgebaut wurde, war sie steinreich. Heute zählt Kutná Hora 20.400 Einwohner und viele viele Besucher aus Nah und Fern. Trotzdem trifft man hier immer noch auf charmant-verstaubte Kleinstadtatmosphäre.

Größter Anziehungspunkt ist das im Vorort Sedlec gelegene Beinhaus. Es befindet sich im Untergeschoss der Allerheiligenkirche auf dem dortigen Friedhof. Im Beinhaus wurden die Knochen Zehntausender Pestopfer zu grotesken Kunstwerken dekoriert. Da ein Kronleuchter aus Oberschenkelknochen und Rippen, dort Schädelketten – St. Pauli- und Ed-Hardy-Fans werden sich im Paradies wähnen.

Mehr über Kutná Hora lest Ihr hier.

Knochen und Totenschädel in einem Gewölbe
Bizarr: Knochenkapelle in Sedlec bei Kutná Hora

#17 Luckau: Kirche St. Nikolai

Das kleine, 9500 Einwohner zählende Städtchen Luckau in Brandenburg besitzt ein wahres Trumm von einer Kirche. Gotisch, mit riesigem Satteldach. Die mittelalterliche Ausschmückung ging bei einem Brand im 17. Jahrhundert flöten, genauso wie das ursprüngliche Kirchengewölbe. Danach wurde die Hallenkirche barock ausgeschmückt. Besonders faszinierend sind die Doppelwendeltreppe, die Emporen und die Logen. Das weiß getünchte Kreuzgewölbe ist schlicht, aber hübsch:

Weiß getünchtes Gewölbe einer Kirche
Schön schlicht: Gewölbe der Kirche St. Nikolai in Luckau

#18 Marseille: Notre Dame de la Garde

Die neoromanische Wallfahrtskirche Notre Dame de la Garde hoch über Marseille ist ein Wahrzeichen der Stadt. Ihr 60 Meter hoher Turm wird von einer zehn Tonnen schweren, vergoldeten Madonna gekrönt. Vom Kirchenvorplatz habt Ihr einen Megablick auf Marseille.

Und innendrin? Reingehen! Die goldenen Fresken an den Wänden und in den Kuppeln lassen an orientalisch-byzantinische Gotteshäuser denken. Holzschiffe baumeln von der Decke.

Mehr über Marseille lest Ihr hier.

Kirche mit goldenen Deckenfresken
Ein Goldstück: Wallfahrtskirche Notre Dame de la Garde in Marseille

#19 Mystrás: Ein Fels voller Kirchen

In Mystrás bekommt man schnell einen steifen Nacken vom Deckenschauen, das schon mal vorab. Mystrás, eine riesige Ruinenstätte voller byzantinischer Kirchen, Paläste und Klöster, liegt nahe der Stadt Sparta auf dem Peloponnes.

Die sakralen Monumente sind unterschiedlich gut erhalten. Manche sind nicht mehr als charismatische Ruinen, andere noch sehr gut in Schuss. Fast überall aber blickt man auf wunderschöne mittelalterliche Wand- und Deckenfresken. Hier zeigen wir Euch einen kleinen Ausschnitt aus der Schatzkammer Mystrás.

Mehr über Mystrás lest Ihr hier.

Kuppel und Fresko einer alten Kirche

#20 Náfplion: Die glänzende Panagia-Kirche

Das Geplapper der Hipster in den umliegenden Cafés vermischt sich mit den Chorälen im Inneren der Kirche. Die Panagia-Kirche im Herzen von Náfplion, einer der schönsten Städte Griechenlands, ist ein Goldstück.

Das heutige Erscheinungsbild der kleinen, aber megaprächtigen Kirche stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es glitzert von allen Seiten. Keine Ecke, wo es nichts zu gucken gibt. Ikonen, Deckenfresken, Kronleuchter. Seht selbst:

Kirchendecke mit Mosaiken und Kronleuchter
Klein aber fein: die Panagia-Kirche von Náfplion

#21 Neuzelle: Puttenparty im Barockkloster

Sieht aus wie Bayern, ist aber deutlich jenseits des Weißwurstäquators! Wir befinden uns im brandenburgischen Dorf Neuzelle. Hier steht ein Zisterzienserkloster, in dem seit 2018 auch wieder Mönche leben.

Highlight des schönen Areals ist die barocke, wahrlich himmlisch ausgeschmückte Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt. Sie erweicht wohl auch das Herz eines jeden Atheisten. Puttenparty par excellence!

Sehenswert ist zudem das informative Klostermuseum, das in den historischen Konventsgebäuden samt spätgotischem Kreuzgang untergebracht ist.

Mehr Infos zum Kloster Neuzelle, zum Klostermuseum und zu den Besichtigungszeiten gibt es hier.

Barockes Deckenfreske mit viel Stuck
Neuzelle: Barockkirche und spätgotischer Kreuzgang

 

#22 Olomouc: Dom und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Über 1000 Jahre alt und kein bisschen müde. Das wunderschöne und quicklebendige Olomouc ist völlig unterbewertet. Olmütz wurde die nordmährische Stadt früher genannt. Heute zählt Olomouc zu den fünf größten Städten Tschechiens. Fahrt da unbedingt mal hin!

Die Stadt besitzt eine Fülle von attraktiven Plätzen samt Statuen, Brunnen und Kirchen. Am Václavské náměstí, dem Wenzelsplatz, steht der neugotische St.-Wenzels-Dom mit dem höchsten Kirchturm des Landes. Das Innere ist luftig-hell, das Kreuzgewölbe goldverziert:

Kirche mit schönem Kreuzgewölbe
Olomouc: St.-Wenzels-Dom

Barockfans hingegen fahren direkt zum wenige Kilometer außerhalb gelegenen Heiligenberg (Svatý Kopeček). Dort thront die doppeltürmige Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt aus dem 17. Jahrhundert. Im Inneren gibt es nicht nur Hunderte von Putten an Wänden und Decken, sondern auch eine Reliquie Papst Johannes Pauls II: ein Tropfen Blut auf einem Stück Stoff.

barockes Fresko mit Putten
Tanz der Putten: Decke der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Heiligenberg

#23 Potsdam: Die Nikolaikirche auf dem Alten Markt

Aus dem Zentrum der brandenburgischen Hauptstadt ragt die Kuppel der Nikolaikirche hervor. Eine Kuppel ähnlich jener des Panthéons in Paris oder der St. Paul’s Cathedral in London.

Die Nikolaikirche entstand zwischen 1830 und 1850 als eine Art neoklassizistischer Tempel samt Säulenportikus und Giebeldreieck. Beteiligt waren die größten Baumeister der damaligen preußischen Epoche: das Dreigespann Schinkel-Stüler-Persius.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt. Die Wiederherstellung dauerte Jahrzehnte. Seitdem kommt das Innere recht karg daher, ist aber trotzdem nicht unelegant. Und so sieht es aus, wenn man nach oben blickt:

Blick auf neoklassizistische Kuppel von innen
Neoklassizismus: Nikolaikirche in Potsdam

Mehr über Potsdam lest Ihr hier. Mehr Infos zur Nikolaikirche und ihren Besichtigungszeiten gibt es hier.

#24 Prag: Die Nikolauskirche auf der Kleinseite

Prag steckt voller Kirchen und Kapellen. Tipp für alle, die sich nur eine anschauen wollen: die Nikolauskirche auf der Kleinseite! Hier ladet Ihr in kürzester Zeit eure Kirchen- und Freskenakkus auf. Hier bekommt Ihr die volle Dröhnung Barock. Für die Kirche aus dem späten 17. Jahrhundert zeichnete Kilian Ignaz Dientzenhofer verantwortlich.

Für das Innere muss man Eintritt bezahlen – eine Frechheit, wie wir meinen, aber wurscht. Euch wird nichts anderes übrig bleiben, denn das Deckengemälde im Langhaus ist ein Muss. Es ist mit rund 1500 Quadratmetern eines der größten seiner Art und stammt von Johann Lukas Kracker. Kracker, du bist der Kracher!

Mehr über Prag lest Ihr hier und hier. Mehr Infos zu Besichtigungszeiten und Veranstaltungen in der Kirche gibt es hier.

Blick auf barocke Fresken
Riesig: Freskendecke der Nikolauskirche auf der Prager Kleinseite

#25 Sotiras: Das aufgegebene Kloster auf der Máni

Die Máni, der Mittelfinger des Peloponnes, ist eine magische Region mit Ruinendörfern, verlassenen Klöstern und Schakalen, die von den Hügeln heulen.

Bei einer Wanderung entdeckten wir auf einem Hügel über dem Fischerdorf Kotronas das längstens aufgegebene Kloster Sotiras. Das Kloster selbst liegt zwar in Ruinen da. Seine bemerkenswerte, ja sensationelle Kapelle wird jedoch gehegt und gepflegt. Im Inneren ist sie über und über mit farbenfrohen mittelalterlichen Fresken ausgeschmückt. Eine Augenweide.

Mehr über die Máni lest Ihr hier.

Uralte Fresken in einer Kirche
Sotiras: uralte Fresken

#26 Trogir: Sankt-Laurentius-Kathedrale

Das UNESCO-Welterbestädtchen Trogir lebt, wie so viele andere Orte an der kroatischen Küste, ungeniert vom Tourismus. Ihr mittelalterliches Stadtbild mit Türmen und Toren konnte es fast vollständig erhalten. „Venedig!“, schreit’s aus allen Ecken.

Die Hauptsehenswürdigkeit des Museumsstädtchens ist die Sankt-Laurentius-Kathedrale. An ihr wurde sage und schreibe fast 400 Jahre gebastelt, bis sie im Jahr 1610 vollendet wurde. Romanik, venezianische Gotik, Renaissance – eine überladene Mixtur der Stilrichtungen wird hier präsentiert. Dazu kann man in der Kapelle des Hl. Johannes eine wunderschöne Kassettendecke bestaunen. Hier ist sie:

schöne Kassettendecke

Mehr über Trogir lest Ihr hier.

#27 Valletta: Die St. John’s Co-Cathedral

Gott, den man hier „Allah“ ruft, hat im erzkatholischen Malta so viele Häuser, wie das Jahr Tage hat. Allein in der kleinen Hauptstadt Valletta erweisen ihm über ein Dutzend die Ehre.

Die 58 Meter lange St. John’s Co-Cathedral ist dabei das überladene Sahnestück. Sie entstand zwischen 1573 und 1577. Der Boden besteht aus über 400 Grabplatten, unter denen Ordensritter begraben liegen. Auf den Gewölben hat sich der kalabresische Malgott Mattia Preti verewigt. Die unglaublich schönen Bilder erzählen aus dem Leben Johannes des Täufers.

Mehr über Valletta lest Ihr hier.

Prächtige Fresken und Gold in einer Kirche
Geht’s prächtiger? St. John’s Co-Cathedral in Valletta

#28 Velehrad: Basilika Mariä Himmelfahrt und St. Kyrill und Method

Die Bazilika Nanebevzetí Panny Marie a svatého Cyrila a Metoděje – so der sperrige tschechische Name – liegt mitten in der südmährischen Pampa. Sie gehört zu den bekanntesten Wallfahrtsorten Tschechiens.

Hier wurde 1205 das erste Zisterzienserkloster Mährens gegründet. Die heutige Kirche, ein barocker Tempel, stammt jedoch aus dem späten 17. Jahrhundert. In den Kuppeln über dem mit 86 Metern enorm langen Kirchenschiff wimmelt es nur so von Fresken und Putten. Die pausbäckigen Engel belagern selbst die Orgel.

Kirche mit barocken Deskenfresken
Barocker Tempel: Wallfahrtskirche Velehrad

#29 Volkach: Bartholomäuskirche

Wunderschöne Deckenfresken auf weißem Stuck schmücken die Bartholomäuskirche im historischen Zentrum des fränkischen Winzerstädtchens Volkach. Außen präsentiert sie sich ganz im spätgotischen Kleid. Im Inneren tanzen die Putten.

Übrigens ist es nicht allein die Bartholomäuskirche, weswegen man einmal in Volkach vorbeischauen sollte. Die knapp 9000 Einwohner zählende, quicklebendige Kleinstadt ist auch sonst ein Juwel.

Mehr über Volkach und seine Umgebung lest Ihr hier.

Weiße Stuckdecke einer Kirche mit Fresken
Bartholomäuskirche in Volkach: Stuck und Fresken

#30 Waldsassen: die Stiftsbasilika der Zisterzienserinnen

Oberpfalz, Nordostbayern. Nur wenige Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt liegt Waldsassen. Ein bescheidenes Städtchen, umringt von den bescheidenen Hügeln des auslaufenden Fichtelgebirges. Hier steht eine der imposantesten hochbarocken Kirchen Süddeutschlands. Sie gehört zu einem noch heute aktiven Zisterzienserinnenkloster.

Die Kirche entstand zwischen 1685 und 1704. Beim Bau hatten Georg und Christoph Dientzenhofer ihre Finger im Spiel. Die prächtigen Fresken an den Decken und in den Kuppeln stammen von Johann Jakob Stevens von Steinfels, einem weniger bekannten Barock-Freskanten aus Prag.

Der absolute Publikumsmagnet ist jedoch gar nicht die Kirche, sondern die Stiftsbibliothek, die sich ebenfalls auf dem Klosterareal befindet. Großartig!

Mehr Infos zu Kloster und Stiftsbibliothek gibt es hier.

Fresken auf der Stuckdecke einer Kirche
Stiftsbasilika Waldsassen

#31 Zadar: Kirche des Heiligen Donatus

Zadar hat 2000 Jahre Geschichte in den Knochen und ist eine der zehn kroatischen UNESCO-Welterbestätten. Dazu fast zu schön, um wahr zu sein. So kommen die Touristen in Heerscharen.

Bei unseren Spaziergängen durch die Stadt-Beauty hat uns die halbrunde (!) Kirche des Heiligen Donatus (Crkva sv. Donata) aus dem 9. Jahrhundert am meisten begeistert. Mit 27 Metern Höhe ist sie eine der größten Kirchen des frühen Mittelalters. In ihrem leer geräumten Inneren finden immer wieder Konzerte statt.

Kuppel einer Kirche Säulen
Fällt aus der Reihe: Kirche sv. Donatus in Zadar

#32 Zinna: Zisterzienserabtei im Fläming

Zinna haben wir eher zufällig auf unseren Recherchen für ein Buchprojekt im Berliner Umland entdeckt. Ein Teil des Ortes leidet unter dem Verkehr auf der B 101. Das historische Dorfzentrum jedoch ist hübsch.

Dort kann man ein sehr schmuckes Backsteinkloster besuchen, dessen Gebäude aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen. Die Klosterkirche ist eher schlicht. Gleiches gilt für ihr Gewölbe. Im ehemaligen Abthaus informiert ein Museum über die Geschichte der Zisterzienser in der Region. Im einstigen Siechenhaus nebenan wird Kräuterschnaps hergestellt.

Mehr Infos zum Kloster und seinen Besichtigungszeiten gibt es hier.

Kreuzrippengewölbe in Weiß und Rot
Kloster Zinna: schmuckes Kloster mit schlichter Kirche

#33 Znojmo: Die Köpfe in der Wenzelskapelle

Die gemütliche südmährische Kleinstadt Znojmo thront samt ihrem Schloss auf einem Hügel über dem Flusslauf der Thaya. Nach Österreich ist es von hier nur ein Katzensprung. Und zum nächsten Weinberg auch.

Das Netzrippengewölbe auf dem Foto gehört zur Wenzelskapelle, die neben der St.-Nikolaus-Kirche zu finden ist. Das Gewölbe stammt aus dem 16. Jahrhundert. Spannende und sehr seltene Details sind hier die Hochreliefs von Heiligenköpfen, die aus den Rippenfeldern hervortreten. Finden wir mega.

Kreuzrippengewölbe mit Reliefs von Köpfen
Verkopft: das Gewölbe der Wenzelskapelle in Znojmo

 

Was ist Euer Favorit? Wenn Ihr andere spannende Kirchengewölbe kennt, so könnt Ihr sie uns gerne in den Kommentaren verraten. Außerdem freuen wir uns wie immer über Eure Pins!

8 Kommentare

  1. Bin mal wieder ganz geflasht ob dieser schönen Bilder. Ich schaue mir auch gerne Kirchen an, auch wenn ich mir nie merken kann, welcher Stil welche Merkmale hat 😁. Letztes Jahr kam ich in den Genuss einer Führung durch den Kölner Dom allerdings nicht ebenerdig sondern hoch oben in den Gewölben und bis zu den Spitzen. Wahnsinn! Falls ihr es tatsächlich mal bis Köln schaffen solltet, koordiniert das rechtzeitig mit einer solchen Führung. Nirgendwo seid ihr dem lieben Gott näher als im hillijen Köln(er Dom). LG!

    • Liebe Karin, gerade mal ein wenig gegoogelt. Das Gewölbe des Kölner Doms sieht ja auch mega aus, vielen Dank für den Tipp. Die Führung klingt wahnsinnig spannend. Ja, irgendwann werden wir es hoffentlich mal nach Köln schaffen. Bis dahin: Halleluja und alles Gute!

  2. Liebe Gabriele, lieber Michael, welch geniale Idee, Kirchendecken zu fotografieren – ich bin begeistert und habe den Beitrag mit Staunen durchstöbert. Ich liebe die Kuppel des Berliner Doms, seit ich das erste Mal unter der Taube saß.
    Herzlichen Gruß
    Anja von STADT LAND WELTentdecker

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